Wundkomplikation erhöht Metastasierungsrisiko deutlich: Klinische Untersuchung zu Wundkomplikationen nach der chirurgischen Ersttherapie bei Brustkrebs

(Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2007)

„Postoperative wound complications and systemic recurrence in breast cancer“

Abstract aus dem „BJC“, gelesen und vorgestellt von Gudrun Kemper

Eine Gruppe britischer Ärzte (Murthy, Thomson, Dodwell, Shenoy, Mikeljevic, Forman, Horgan) hat eine Untersuchung zu Wundkomplikationen nach der chirurgischen Primärtherapie vorgelegt, die am 30.10.2007 im „British Journal of Cancer“ veröffentlicht wurde.

Die Studie untersuchte die Beziehungen zwischen Wundkomplikationen und systemischen Erkrankungsrückfällen, also einer Metastasierung von Brustkrebs. 1.065 Brustkrebspatientinnen, die zwischen 1994 und 2001 operiert wurden, sind in die Untersuchung eingeschlossen worden. Einer Wundkomplikation können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 54 Monaten wurden damit Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt. Insgesamt waren 93 Wundinfektionen aufgetreten, was 9% entspricht. Das Risiko, nach einer Wundinfektion eine Metastasierung zu erleiden, ist nach den Daten dieser Untersuchung sowohl bei guter, mittlerer wie auch schlechter Prognose der erkrankten Patientin erhöht gewesen.

Um die Relationen multivariat genauer zu analysieren, wurden der „Nottingham Prognostic Index“ (NPI) und der „Östrogen-Progesteron-Rezeptorstatus“ in die Untersuchung eingeschlossen.

Höheres Risiko bei Raucherinnen
Angemerkt wird auch, dass das Risiko derjenigen Frauen, die zum Zeitpunkt der Diagnose Raucherinnen waren, hinsichtlich einer Metastasierung ebenfalls erhöht war.

Zu den Daten:

Patientinnen mit guter Prognose
In der Gruppe mit guter Prognose lag die Rückfallrate bei Patientinnen mit Infektionen nach OP mit 15% deutlich höher, denn lediglich 3% der Patientinnen hatten in dieser Untersuchung eine Metastasierung erlitten, wenn nach der Ersttherapie keine Wundkomplikation eingetreten war.

Patientinnen mit mittlerem Risiko
Ähnlich sahen die Ergebnisse für die Gruppe mit mittlerem Rückfallrisiko aus. Hier stieg die Rückfallquote von 12% auf 29% an, wenn eine solche Komplikation eingetreten war.

Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko
Bei der Gruppe der Patientinnen mit der schlechtesten Prognose erhöhte sich das Risiko für einen Krankheitsrückfall mit systemischer Erkrankung von 38% auf 62%.

Diese Zahlen sind eindrucksvoll und zeigen auf, dass Wundkomplikationen bei der primären chirurgischen Versorgung von Brustkrebserkrankungen unbedingt zu vermeiden sind. Interessant wären in diesem Zusammenhang auch die Daten hinsichtlich der durchgeführten rekonstruktiven Operationen und Rückfallraten oder die Daten in Bezug auf Fieber und Wundkomplikationen oder Antibiotikabehandlung und Wundkomplikationen.

Zumindest im Abstract werden diese aber leider nicht benannt, der Volltext ist nicht im Open Access zugänglich.

Die postoperativen Komplikationen werden in den gesetzlich vorgeschriebenen und jährlich erscheinenden Qualitätsberichten der Brustzentren in Deutschland veröffentlicht, nur die Recherche und der Vergleich macht etwas Mühe. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse dieser Untersuchung lohnt es sich jedoch, sie genau zu beachten.

Quelle / Originalartikel:

British Journal of Cancer (2007) 97, 12111217, doi:10.1038/sj.bjc.6604004 (s. hier auch die genauen Fallzahlen)

1 Kommentar
  1. […] Artikel Share this:Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. Dieser Beitrag wurde unter Forschung und Informationen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. ← Für Palliativversorgung und ein Leben bis zuletzt […]

Schreibe einen Kommentar

Benutzungshinweis

Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

Werbung?

Diese Webseite ist werbefrei.

Akkreditierung

Diese Website ist bei der Health On the Net Foundation akkreditiert.
Wir berücksichtigen HONcode Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo. Diese Website ist seit 2007 bei der Health On the Net Foundation akkreditiert. Wir berücksichtigen HONcode-Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo.

LibraryThing

Wir …

... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

Spenden …

Breast Cancer Action Germany - die kritische Annäherung rund um das Thema Brustgesundheit und Brustkrebs im Kontext von Medizin, Krankheitsvermeidung, Umwelt, Gesellschaft und Politik mit dem Schwerpunkt Selbstschutz / Verbraucherinnenschutz.

Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.