Wie soll es weitergehen? Essentials für die Interessenvertretung zum Thema Brustkrebs

(Zuletzt aktualisiert: 7. August 2008)
Nachdenken!!! Vieles, was im Zusammenhang mit Brustkrebs passiert, geschieht nicht im primären Interesse von Frauen

Nachdenken!!! Vieles, was im Zusammenhang mit Brustkrebs passiert, geschieht nicht im primären Interesse von Frauen

BCAction – unsere „Leitlinie“ in Sachen Brustkrebs – hat sich aktuell einige grundlegende Gedanken zur Zukunft einer Interessenvertretung bei Brustkrebs und für die Weiterarbeit am Thema gemacht. Gudrun Kemper hat sie für uns gelesen und fasst die Kurzversion für uns zusammen.

Breast Cancer Action hat sich von einer eindimensionalen Suche nach „der Heilung“ im herkömmlichen Sinne verabschiedet und spannt den Bogen weiter. Seit numehr 20 Jahren nimmt die Organisation mit Sitz in San Francisco auch schädliche Emissionen und die Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Umwelt ins Visier. Weiterer wichtiger Bereich ist die Hinterfragung der Geschäftemacherei und der Verkaufsförderung mit sogenannten „Guten Taten“ (Cause Marketing), einem Geschäftszweig, der bei Brustkrebs in den letzten rund 10 Jahre besonders weit angewachsen ist. Auswirkungen sind in den letzten Jahren auch bei uns spürbar geworden. Sie erschweren Frauen die Orientierung und versperren den Blick auf Wesentliches. Wesentlich sind insbesondere drei Punkte, die Breast Cancer Action herausgearbeitet hat:

  1. Engagement für eine besser wirksame und weniger schädliche Brustkrebstherapie. Um dieses zu erreichen, müssen die Machtverhältnisse in der amerikanischen Arzneimittelzulassugsbehörde FDA im Zusammenhang mit der Arzneimittelzulassung weg von den Interessen der Pharmaindustrie und wieder zurück zur Gemeinwohlbindung verlagert werden. Dieses ist für Breast Cancer Action als unabhängige Organisation, die eine Finanzierung durch Gelder aus der Pharmaindustrie grundsätzlich nicht zulässt, eine der erforderlichen Konsequenzen aus dem Prozess um die Zulassung des Medikaments Avastin. Breast Cancer Action hält fest, dass Avastin zugelassen worden sei, bevor ein Überlebensvorteil oder ein Vorteil in Bezug auf die Lebensqualität belegt werden konnte. Vor dem Hintergrund der gefährlichen Nebenwirkungen von Medikamenten, wie sie auch die „ESA’s“ gezeigt hatten, fordert Breast Cancer Action die FDA auf, die Interessen von Frauen wieder an die erste Stelle zu rücken. Zur Erinnerung: „ESA’s“ sind die Erythropoese stimulierende Wirkstoffe. Zum Weiterlesen s. auch: http://www.arznei-telegramm.de/register/F7891VC.pdf. (Wer an der PREPARE-Studie teilgenommen hat, sollte sich die Berichterstattung im Arzneitelegramm unbedingt durchlesen, 733 Patientinnen aus 78 Brustzenten haben an der Studie bei uns in Deutschland teilgenommen.) Diese Medikamente sind in den USA, wo es kein Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel bei den Endverbrauchern – also bei Patientinnen und Patienten – gibt, bei Frauen mit Brustkrebs heftig beworben worden. In Deutschland wurden die gefährlichen Medikamente z.B. im „Überlebensbuch Brustkrebs“ von U. Goldmann-Posch & R.-R. Martin verschreibungswirksam ebenfalls allen Frauen mit Brustkrebs, deren Hb-Werte ein wenig niedrig und damit unter dem „Normbereich“ lagen, nahegelegt.
  2. Reduzierung der unfreiwilligen Kontamination mit Umweltbelastungen, die das Brustkrebsrisiko ansteigen lassen. Viele Organisationen geben mittlerweile Anweisungen heraus, wie es möglich ist, das individuelle Risiko einer Kontamination mit Karzinogenen zu reduzieren. Breast Cancer Action will einen Richtungswechsel erreichen. Die Verantwortung kann nicht an das einzelne Individuum delegiert werden, vielmehr müssen die Risiken und Belastungen für ALLE reduziert werden. Während Einzelne es schaffen, den Konsum von Milchprodukten von Kühen, die mit Wachstumshormonen wie rBGH behandelt worden sind und mit einer Verursachung von Brustkrebs in Verbindung gebracht werden, zu vermeiden, will Breast Cancer Action z.B. verstärkt daran arbeiten, die Konzerne zum Verzicht auf den Einsatz solcher Wachstumshormone zu bewegen.
  3. Nicht allein genetische Faktoren, vielmehr sind es auch soziale, politisch bedingte, wirtschaftliche und auch ethnologisch bedingte Ungleichheiten, die zu den unterschiedlichen Überlebenschancen von Frauen mit Brustkrebs führen. Zwar wird auch dazu mittlerweile eine Diskussion geführt, doch weltweit liegt der Fokus weiterhin auf Genforschung und Screening. Während verstanden wird, dass z.B. Asthmaerkrankungen mit einer Senkung der Umweltbelastungen zurückgehen, liegt der Fokus bei Brustkrebs auf Mammographie-Screening oder unterschiedlichen genetischen Veränderungen. Es müssen deswegen neben präventiven Maßnahmen auch mehr Anstrengungen unternommen werden, die allen Frauen mit Brustkrebs gleichgute Überlebenschancen ermöglichen.

Weiterlesen: (Leider viele Dokumente nur in englischer Sprache, Breast Cancer Action)

Building the Future (Die Zukunft bauen, Breast Cancer Action)
http://bcaction.org/index.php?page=bca-s-plan

BCA’s plans for the future von Barbara Brenner (BCAs  Zukunftspläne, dargestellt von Barbara Brenner, Geschäftsführerin von Breast Cancer Action)
http://bcaction.org/index.php?page=newsletter-102a

Strategic Priority: Advocate for more effective and less toxic breast cancer treatments by shifting the balance of power in the Food and Drug Administration’s drug approval process away from the pharmaceutical industry and toward the public interest von Lisa Wanzor (Interessenvertretung für eine effektivere und weniger toxische Brustkrebstherapie durch Wechsel der Machtverhältnisse bei der FDA im Zusammenhang mit dem Zulassungsverfahren – weg von der pharmazeutischen Industrie und zurück zum Gemeinwohl – von Lisa Wanzor)
http://bcaction.org/index.php?page=newsletter-102b

Strategic Priority: Decreasing involuntary environmental exposures that put people at risk for breast cancer von Pauli Ojea (Reduktion der unfreiwilligen Emissionen, denen Menschen im Zusammenhang mit dem Brustkrebsrisiko ausgesetzt sind – von Pauli Ojea, Community-Managerin bei BCA)
http://bcaction.org/index.php?page=newsletter-102c

Strategic Priority: Creating awareness that it is not just genes but social injustices – political, economic, and racial inequities – that lead to disparities in breast cancer outcomes von Brenda Salgado (Bewusstsein dafür entwickeln, dass es nicht allein die Gene sind, dafür aber soziale  – politische, ökonomische und ethnische – Ungleichheiten sind, die zu Unterschieden in den Überlebenschancen bei Brustkrebs führen, von Brenda Salgado)

http://bcaction.org/index.php?page=newsletter-102d

Stichwort Medikalisierung: Link zur PREPARE Studie, die unter der Regie der „German Breast Group (GBG)“ durchgeführt wurde: http://clinicaltrials.gov/show/NCT00544232

Schreibe einen Kommentar

Benutzungshinweis

Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

Werbung?

Diese Webseite ist werbefrei.

Akkreditierung

Diese Website ist bei der Health On the Net Foundation akkreditiert.
Wir berücksichtigen HONcode Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo. Diese Website ist seit 2007 bei der Health On the Net Foundation akkreditiert. Wir berücksichtigen HONcode-Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo.

LibraryThing

Wir …

... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

Spenden …

Breast Cancer Action Germany - die kritische Annäherung rund um das Thema Brustgesundheit und Brustkrebs im Kontext von Medizin, Krankheitsvermeidung, Umwelt, Gesellschaft und Politik mit dem Schwerpunkt Selbstschutz / Verbraucherinnenschutz.

Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.