WECF – Frauen machen Druck in Rio: Forderung nach ungefährlichen Ersatzstoffen und strenger Regulierung für endokrine Disruptoren

(Zuletzt aktualisiert: 5. Dezember 2016)

Seit dem Rio Earth Summit 1992 (Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung, United Nations Conference on Sustainable Development, UNCED, kurz ‚Rio-Konferenz‘) werden wir mit steigender Tendenz toxischen Chemikalien ausgesetzt. Darauf weist die internationale Frauenorganisation Women in Europe for a Common Future (WECF) vor dem Hintergrund der nächste Woche stattfindenden Rio+20-Konferenz hin.

Rio+20 - Prioritäten von Frauen für eine nachhaltige Entwicklung

Rio+20 – Prioritäten von Frauen für eine nachhaltige Entwicklung

Brustkrebs vermeiden, bevor die Krankheit beginnt

Schädliche Substanzen, die in den menschlichen Körper gelangen, führten vermehrt zu Unfruchtbarkeit, Störungen der reproduktiven Gesundheit, Brustkrebs, verfrüht einsetzender Pubertät und weiteren negativen Auswirkungen. WECF fordert vor dem Hintergrund der Ursachen und Auswirkungen von Schadstoffbelastungen das Recht auf gesunde Umwelt ein. WECF fordert Regelungen, die den Austausch bzw. Ersatz solcher Substanzen, speziell der endokrinen Disruptoren, also hormonell wirksamer Umweltschadstoffe, verpflichtend machen.

Umwelthormone: Schwangere und Kinder sind am Verletzlichsten

Dr. Mariann Lloyd-Smith vom IPEN International POPs Elimination Network (Netzwerk, das sich für die Beseitigung schwer abbaubarer organischer Schadstoffe, sog. Persistent Organic Pollutants, abgekürzt POPs, einsetzt) erklärte, wie Umwelthormone ihre Störwirkung entfalten, wie sie persistent (dauerhaft) im Körper verbleiben und sich bioakkumulativ anreichern, so dass heute  jedes Neugeborene mit Hunderten von gefährlichen Schadstoffen im Körper auf die Welt komme. Sie stellte fest, dass es inakzeptabel sei, wenn Kinder bereits mit solchen Chemikalienbelastungen leben müssten, die bekanntermaßen dafür verantwortlich seien, dass sie irreversible Gesundheitsschäden wie Unfruchtbarkeit und Krebs hervorriefen.

Dr. Olga Speranskaja, stellv. Vorsitzende von IPEN aus Russland, präsentierte Kernpunkte für eine chemikalienfreie Zukunft, die bereits von einigen 1.000 Menschen unterzeichnet worden seien. Alexandra Caterbow, Umweltexpertin von WECF aus Deutschland, die auch an unserer Broschüre zu Brustkrebs und Umwelteinflüssen mitgearbeitet hat, stellte dazu ihre Kampagne für giftfreies Spielzeug und das Nestbau-Projekt zur Senkung der Schadstoffbelastung in Innenräumen vor. Sie hielt fest, dass es inakzeptabel sei, dass viele Kinderspielzeuge heute gefährliche Substanzen – angefangen von Cadmium, über Formaldehyd bis hin zu endokrinen Disruptoren und Weichmachern wie Phhtalate – enthielten. Sie erhob deswegen den Vorwurf, dass Kinder heute diesbezüglich Versuchskaninchen für die Industrie seien.

Müllvermeidung: „Von der Wiege bis zur Wiege“

Weiteres Thema von WECF für Rio+20 ist außerdem der Umgang mit der Natur in der Landwirtschaft. Die Botschaft an die Verantwortlichen von Rio+20 ist deswegen: Zero Müll auf dem Weg einer Ökonomie “von der Wiege bis zur Wiege” (from cradle to cradle) bis 2030: Regierungen müssten die Verklappung von Giftmüll in Entwicklungsländern stoppen, Wirtschaftsunternehmen müssten haften und für die sichere Entsorgung und Verwertung giftiger Substanzen sorgen. Die Unternehmen müssten verpflichtet werden, Schadstoffe, die sie produzieren, zurück zu nehmen. Entwicklungsländer seien keine Müllhalde. Die Regierungen sollen deswegen für die Umsetzung eines weltweiten Verbots von Giftmülldeponien bis zum Jahr 2030 sorgen und für den Einsatz von Produkten ohne gefährliche Inhaltsstoffe werben, die vollständig wiederverwendet und recycelt werden können.

Weiterlesen

WECF says “no time to lose” as Rio+20 summit negotiations begin in Brazil
RIO+20 – Conference-Webseite
Und unterzeichnen: Rio+20 – Prioritäten von Frauen für eine nachhaltige Entwicklung

Nachtrag: BUND-Einschätzung zu Rio+20:

BUND informierte mit Rundmail v. 22.06.2012:

… unsere Zukunft wurde vertagt, die Rio-Abschluss-Erklärung hilft der Erde nicht weiter. Zweieinhalb Tage waren angesetzt, die Welt zu retten. Für mehr war offensichtlich keine Zeit. Die brasilianische Konferenz-Leitung sträubte sich, einzelne Punkte der schon zu Beginn des Rio-Plus-20-Gipfels fertigen Abschlusserklärung zu diskutieren. Noch wenige Tage vor dem Gipfel waren etliche Punkte dieser Erklärung strittig.

 Nichts gewonnen – viel verloren

Doch die Einigung, die nun da ist, hat die Welt nicht gebraucht. Unsere Befürchtung, dass der Rio-Gipfel eine reine Alibi-Veranstaltung wird, um die kritische Lage der Welt zu verschleiern, hat sich leider bewahrheitet. Da, wo beherztes und mutiges Handeln notwendig gewesen wäre, wurde nichts vereinbart oder die Entscheidung vertagt.

Es gibt keine neuen Gelder für die nachhaltige Gestaltung von Entwicklung. Es gibt keine Verpflichtung der internationalen Finanz-Institutionen wie der Weltbank, Geld nur noch für nachhaltige Investitionen zu gewähren. Es gibt keine Verpflichtung aller Länder, Subventionen abzubauen, die einer nachhaltigen Entwicklung im Wege stehen. Stattdessen wird das hohe Lied auf den Freihandel angestimmt, der dazu beitragen solle, nachhaltiges Wachstum und den Handel mit Umweltgütern und Umweltdienstleistungen voranzutreiben. Green Economy gaukelt uns die Illusion grenzenlosen Wachstums vor. In den letzten drei Tagen ließen die Staaten in Rio eine weitere Chance für echten Wandel ungenutzt.

So leicht kommt ihr uns nicht davon

Die Politik darf sich vor ihrer Verantwortung nicht drücken. Wenn unsere politischen Vertreter in ihre Heimatländer zurückkehren, müssen wir sie an ihre Verpflichtungen erinnern. Wir brauchen klare Leitlinien für Energiesparen und Energieeffizienz, für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und für ambitionierten Klimaschutz. Dafür wird der BUND weiter kämpfen!

Herzliche Grüße aus Berlin

Antje von Broock, Lynn Gogolin-Grünberg und Norbert Franck
für das BUND-Klimateam

BUND Nachbetrachtung bund.net

Wurde in Rio ein „totes Pferd“ geritten?

Nachbetrachtung aus Frauenperspektive dazu bei reality-check

 

3 Kommentare
  1. […] zum Artikel Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirBe the first to like this. Dieser Beitrag wurde unter Forschung und Informationen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. ← Man ist so alt, wie man sich fühlt.. […]

  2. […] viaWECF – Frauen machen Druck in Rio: Forderung nach ungefährlichen Ersatzstoffen und strenger Regul…. […]

  3. […] Xenooestrogens and Breast Cancer: Nowhere to Run von Luita D. Spangler, USA, 1996 Brustkrebs und Umweltbelastungen: Erkennen, verstehen, vermeiden von Gudrun Kemper [1.] s. dazu auch: WECF – Frauen machen Druck in Rio: Forderung nach ungefährlichen Ersatzstoffen und strenger Regulierung für endokrine Disruptoren:http://www.bcaction.de/bcaction/wecf-macht-druck-in-rio-forderung-nach-ungefaehrlichen-ersatzstoffen… […]

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