Vorsorgenden Gesundheitsschutz etablieren: Netzwerk Frauengesundheit Berlin fordert Schutz vor hormonell wirksamen Chemikalien im Alltag

(Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018)

Berlin, den 01.10.2018

Erklärung zum „Internationalen Brustkrebsmonat 2018“

Vorsorgenden Gesundheitsschutz etablieren:
Netzwerk Frauengesundheit Berlin fordert Schutz vor hormonell wirksamen Chemikalien im Alltag

Anlässlich des Internationalen Brustkrebsmonats im Oktober 2018 erinnert das Netzwerk Frauengesundheit Berlin daran, dass vorsorgender Gesundheitsschutz und Primärprävention nicht nur im Oktober wichtig sind.

Wir sind besorgt über die anhaltend hohen Neuerkrankungsraten. In Deutschland erkranken zur Zeit über 70.000 Frauen jedes Jahr neu an Brustkrebs und unter der Annahme gleichbleibender Erkrankungsraten für Frauen zwischen 50 und 74 Jahren prognostizierte das Robert-Koch-Institut1 einen weiteren Anstieg auf über 77.000 Neuerkrankungen für das Jahr 2020.

Neben den anerkannten Risikofaktoren stehen seit einiger Zeit hormonwirksame Stoffe, sog. EDCs (Endocrine Disrupting Chemicals), im Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen. Diese Stoffe, wie zum Beispiel Substanzen aus der Gruppe der Phthalate oder Bisphenol A, befinden sich in vielen Alltagsprodukten. Sie können im Körper von Frauen hormonelle Wirksamkeit entfalten.2

In Phasen des Wachstums und hormoneller Umstellungen wie Pubertät, den Wechseljahren oder in der Schwangerschaft besteht eine besondere Empfindlichkeit gegenüber diesen Substanzen, die in die physiologisch fein abgestimmten, hormonell gesteuerten Prozesse eingreifen können.3, 4

Die WHO5, das Umweltbundesamt und einige medizinische Fachgesellschaften6, 7 haben bereits auf solche möglichen Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit Umwelthormonen hingewiesen.

Handlungsbedarf besteht auf verschiedenen Ebenen.8

Das Netzwerk Frauengesundheit stellt deswegen folgende Forderungen an die Berliner Politik:

  • Bei der Ausgestaltung von Gesundheitsförderung und Prävention soll dem Vorsorgeprinzip Vorrang eingeräumt werden.
  • Wegen des bestehenden Verdachts auf Risiken und Gesundheitsschäden müssen die betreffenden hormonell wirksamen Substanzen, die über Alltagsprodukte und Lebensmittel aufgenommen werden können und in die Umwelt gelangen, verboten bzw. durch unschädliche Stoffe ersetzt werden.
  • Es soll Transparenz hergestellt werden, wo hormonell wirksame Chemikalien verwendet werden bzw. wo sie enthalten sind, um geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
  • Wir brauchen eine umfassende zielgruppengerechte Aufklärung zur Vermeidung und Minimierung der Belastung mit hormonell wirksamen Chemikalien.9

Ansätze, wie notwendige Verbesserungen auf regionaler Ebene erreicht werden können, ist im Antrag der Grünen/Rosa Liste der Stadtratsfraktion München vom Oktober 2017 beispielhaft beschrieben. Wir fordern für Frauen in Berlin ein, diesem Beispiel zu folgen.

Susanne Schroeder,
Sprecherin der AG Brustkrebs
im Netzwerk Frauengesundheit Berlin

Sprecherinnen des Netzwerks
Dr. Jutta Begenau, Medizinsoziologin, Berlin
Sibylle Schreiber, Pro Familia Berlin
Susanne Schroeder, Dt. Ärztinnenbund, LV Berlin

Download

Erklärung Vorsorgenden Gesundheitsschutz etablieren: Netzwerk Frauengesundheit Berlin fordert Schutz vor hormonell wirksamen Chemikalien im Alltag  (pdf)
Netzwerk Frauengesundheit Berlin

References

  1. Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016, S. 36, s. http://bit.ly/RKIKrebs
  2. Erklärung der Frauenärztinnen im AKF: Vorsorgenden Gesundheitsschutz beachten – Schutz vor hormonell wirksamen Chemikalien im Alltag umsetzen v. April 2018, s. http://bit.ly/EDCsAKF
  3. Erklärung der Frauenärztinnen im AKF: Vorsorgenden Gesundheitsschutz beachten – Schutz vor hormonell wirksamen Chemikalien im Alltag umsetzen v. April 2018, s. http://bit.ly/EDCsAKF
  4. WHO/UNEP, State of the Science of Endocrine Disrupting Chemicals – 2012, Edited by Åke Bergman, Jerrold J. Heindel, Susan Jobling, Karen A. Kidd and R. Thomas Zoeller, http://bit.ly/WHOUNEP
  5. WHO/UNEP, State of the Science of Endocrine Disrupting Chemicals – 2012, Edited by Åke Bergman, Jerrold J. Heindel, Susan Jobling, Karen A. Kidd and R. Thomas Zoeller, http://bit.ly/WHOUNEP
  6. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Schärfere Bestimmungen zum Schutz vor schädlichen Umwelthormonen nötig, Pressemeldung vom 12.09.2017, http://bit.ly/DGEUmwelt
  7. ACOG: Exposure to Toxic Environmental Agents, Version 2018, http://bit.ly/ACOGExposure
  8. EDC Free Europe: Die EU steht in der Verantwortung, ihre Bürgerinnen und Bürger und die Umwelt vor allen endokrin schädlichen Chemikalien zu schützen. Acht Forderungen für eine EU EDC-Strategie http://bit.ly/achtForderungen
  9. Antrag: Hormonwirksame und hormonartig wirkende Stoffe in München reduzieren – ein Beitrag zu einem gesunden Leben für alle Münchner*innen vom 27. Oktober 2017, http://bit.ly/EDCfreeMuc

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