Verena Stefan – Spuren

(Zuletzt aktualisiert: 24. August 2018)

Verena Stefan (* 3. Oktober 1947 in Bern, Schweiz; † 29. November 2017 in Montreal, Kanada) war eine lesbische Schriftstellerin, Feministin und Frauengesundheitsaktivistin. Sie war verheiratet mit Lise Moisan. Kindheit und Jugend verbrachte Stefan in der Schweiz, als junge Frau kam sie nach dem Abitur nach West-Berlin und lebte in Deutschland, die letzten rund 20 Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Montreal. Sie wurde mit ihrem autobiographischen Roman-Debüt „Häutungen“ aus dem Jahr 1975 – damals zugleich als erster Band im Verlag Frauenoffensive erschienen – international bekannt. Verena Stefan starb im Alter von 70 Jahren an den Folgen ihrer Brustkrebserkrankung in Montreal. Weniger im Gedächtnis als ihre schriftstellerische Arbeit sind ihre essentiellen Beiträge für eine mehr an Frauen orientierte Medizin.

Leben und Werk

Stefan war die Tochter eines sudetendeutschen Vaters und einer deutschschweizerischen Mutter. Sie wuchs bei ihren Großeltern auf. Ihr Großvater, Julius Brunner, war Landarzt. Ihr letztes Buch „Die Befragung der Zeit“ ist ihm gewidmet. Die Betrachtung ihres eigenen Körpers begann früh: „Ich war ewig krank. Ein Kind mit schwacher Konstitution.“1 Nachdem Stefan 1967 an einem Berner Gymnasium ihre Matura abgelegt hatte, verließ sie gemeinsam mit Cristina Perincioli, mit der sie in der gleichen Abiturklasse war, die Schweiz und ging, knapp 20 Jahre alt, nach West-Berlin. Verena Stefan und Cristina Perincioli, die an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin studierte, wohnten zusammen. „Durch sie wurde ich politisch eingeführt“, sagt Verena Stefan in ihrem Interview mit Monika Mengel 2017.2 Außerdem absolvierte sie in Berlin eine physiotherapeutische Ausbildung und praktizierte als Krankengymnastin.

1971 – Brot und Rosen


Youtube-Video: Helke Sander erinnert sich an „Brot und Rosen“ und Verena Stefan

Durch ihren Beruf bekommt Verena Stefan Kontakt zu Gynäkologinnen und anderen Frauen im Gesundheitswesen. Auch lernte sie über die Kunsthochschule, an der Cristina Perincioli studierte, die Filmemacherin Helke Sander und die Malerin Sarah Schumann kennen. Verena Stefan ist damals mit einem pharmakritischen Arzt befreundet, den die Frauen gemeinsam zu ihren Anliegen rund um das Thema Verhütung befragen.3,4. 1971 gründen sie gemeinsam mit anderen Frauen die Gruppe „Brot und Rosen“, der insgesamt 13 Frauen aus unterschiedlichen Lebenskontexten angehören. Eine der Arbeitsgrundlagen für die Gruppe ist unter anderem das amerikanische Frauengesundheitshandbuch „Our Bodies, Ourselves“. Verena Stefan dachte sich: „Da will ich hin, da will ich mitmachen, das ist interessant“.5 Eine breite Literaturrecherche schloss sich an. Die Gruppe entwickelt die erste frauenorientierte Frauengesundheitsinformation, die in Form eines kleinen Büchleins zum Preis von DM 2,50 im Jahr 1972 im Selbstverlag publiziert wird. Die Übersetzung, erschienen „in einer sehr schmalen Ausgabe“ (144 Seiten), wird ergänzt durch eigene Texte der Gruppe: Das erste feministische „Frauenhandbuch (Nr. 1)“ von Frauen für Frauen mit Gesundheitsinformation zu Verhütung und Abtreibung ist da.

1973 – Studium

1973 nimmt Stefan ein Studium der Soziologie und der vergleichenden Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin auf, das sie jedoch nicht abschließt.

1974 – USA

In den USA recherchiert Verena Stefan Buchläden, feministische Einrichtungen, Abtreibungskliniken und Museen und sammelt feministische Informationsmaterialien, Bücher und Zeitschriften, um fehlendes Gesundheitswissen zusammenzutragen.

1975 – Nach „Brot und Rosen“: Häutungen – Debüt als Schriftstellerin

Ausschnitt von der Rückseite des Buchcovers „Häutungen“ von 1975

Verena Stefan liest ihre alten Tagebücher und Aufzeichnungen über Männer, insbesondere auch Dialoge, die sie längst vergessen hat. Ihr Verständnis hat sich verändert. Nachts beginnt sie zu schreiben. Die Bewohnerinnen ihrer Wohngemeinschaft lesen ihre Aufzeichnungen zuerst. Zum Abschluss von „Häutungen“ setzt sie sich mit maskulinem Sprachgebrauch auseinander.6 Die 1. Auflage ihres ersten Buches „Häutungen“ erscheint 1975 im Verlag Frauenoffensive. Es wird ein Aufbruch zu einer neuen feministischen Sprache und überdies ein Erfolg mit mehreren 100.000 verkauften Exemplaren allein für die deutschsprachige Ausgabe.  Auch für den ersten autonomen Frauenbuchverlag „Frauenoffensive“ (Gründungsidee 1973, die ersten Bücher erschienen ab 1975, damals noch einziger Frauenbuchverlag in der BRD) hat Verena Stefan damit viel getan. So hält Martina Schäfer in ihrer Dissertation fest:

„Häutungen“ von Verena Stefan erwies sich als unerwarteter Bestseller. Auflagenzahlen:
1975:     3000 Exemplare
1977:     140.000 Exemplare
1979:     150.000 Exemplare
1982:     260.000 Exemplare
Verena Stefan ließ ihre Einnahmen im Verlag. So konnte sich die „Frauenoffenisve“ ein Jahr früher als ursprünglich geplant vom Trikont-Verlag lösen und selbständig machen.7

Im Verlag „Frauenoffensive“ konnten fortan die wichtigsten feministischen Bücher erscheinen, darunter auch viele Übersetzungen etwa von Françoise D’Eaubonne, Elena Gianini Belotti, Barbara Ehrenreich, Mary Daly, Catherine Gipoulon, zwei Drittel der Veröffentlichungen damals waren Übersetzungen. Verena Stefans „Häutungen“ verstärkte dabei die „Vision eines Frauenverlages“.8 „Häutungen“ wird übersetzt in acht weitere Sprachen. „…- sich also häuten wie eine Schlange, das kann als ihr Lebensimpuls gelten“, schrieb dazu ihre langjährige Weggefährtin Monika Mengel in ihrem Nachruf für Verena Stefan. Heide Oestreich beschreibt das Werk als „literarisches Experiment über die zerstörende Macht der Beziehung zwischen Mann und Frau“ und nennt Stefan die „Mutter der Frauenliteratur“.9 Bis heute ist Verena Stefans kritische Sprach- und Geschlechteranalyse Inhalt von Germanistik-Seminaren.10

Ab 1975 leitete Stefan Kurse für kreatives Schreiben in Deutschland und der Schweiz.

1982 – Übersetzungsarbeit: Gedichte von Adrienne Rich

Gemeinsam mit Gabriele Meixner veröffentlicht Verena Stefan „Der Traum einer gemeinsamen Sprache: Gedichte 1974-1977″ von Adrienne Rich, eine Übersetzung aus dem Amerikanischen.

1983 – Übersetzungsarbeit: Wörterbuch Lesbische Völker

Wieder gemeinsam mit Gabriele Meixner übersetzt Verena Stefan „Lesbian Peoples. Material for a Dictionary“ von Monique Wittig und Sande Zeig, veröffentlicht 1979. Es erscheint unter dem Titel „Lesbische Völker: ein Wörterbuch“ 1983 bei Frauenoffensive in München.

1987 – Selbstbestimmt Leben

1987 erscheint „Wortgetreu ich träume“ bei Arche in der Schweiz über ihr selbstbestimmtes Leben als Lesbe und die Natur. Sie versucht, sich selbst und dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen. Der „poetische Protest“ richtet sich dabei gegen ein Leben aus zweiter Hand.

1993 – Frauengenerationen – Auseinandersetzung mit der Mutter

„Es ist reich gewesen – vom Sterben meiner Mutter“ erscheint in der Fischer-Schriftenreihe „Die Frau in der Gesellschaft“. Auch ihre Mutter hatte – heimlich, nachts – geschrieben. Verena Stefan schreibt über das Sterben, über Nichtachtung und die geheime Liebe zwischen Mutter und Tochter, über Körper und Schrift. Auf der Webseite der S. Fischer Verlage, wo ihr Buch erscheint, heißt es: „Es ist reich gewesen. Dieser Ausspruch der Mutter setzt eine Zäsur. Sie nimmt Abschied. Ihr Leben ist reich gewesen: voller Begabungen, Stoffe, Körper, turbulenter Ereignisse, innerer Qualen. Mit diesem Satz könnte sie Frieden schließen mit ihrem Leben. Die Schublade mit den Tagebüchern ist gefüllt. Die Mutter, die ein Leben lang Tagebuch geschrieben hat, stirbt. Die Tochter, die Schriftstellerin geworden ist, begleitet sie. Der Vater, ein Bruder, eine Schwägerin ebenfalls. Mutter und Tochter können sich trotz früherer erbitterter Kämpfe mit Worten, Sätzen und Traumbildern begegnen. Die Tochter lässt sich von einzelnen Sätzen der Mutter in der Sterbebegleitung führen. Die Sätze bilden die innere Struktur des Buches. Im Sterben rückt die Sehnsucht nach Liebe und Nähe ganz nah. Die Tochter erinnert sich an die Zeit, in der ihr jede Berührung der Mutter zuwider war. Sie erinnert sich an die Schlüsselszenen ihrer Annäherung, an die Friedensabkommen zwischen der verzagten gottgefälligen Welt der Mutter und der rebellierenden lesbischen Welt der Tochter. In den Tagebüchern entpuppt sich die Mutter als zutiefst Verzweifelte, im Leben als zutiefst Vitale, die alles Stoffliche liebt. Im Sterben wird sie eine andere. Sie offenbart tiefes Wissen. Aus ihrer Liebe zu Frauen heraus sieht die Tochter, wie es gewesen wäre, vom Stolz ihrer erotischen Kraft zu lernen.“

1998 – Übersiedlung nach Montreal, Kanada

1998 übersiedelt sie nach Montreal, Kanada11 und beantragt die kanadische Staatsbürgerschaft. Dort wird sie in der feministischen Szene mit offenen Armen empfangen und findet eine neue Liebe. Sie schreibt jetzt vor allem in englischer Sprache.

2002 – Brustkrebs – Die Diagnose

Verena Stefan lebt fortan mit Brustkrebs, „auch sie“, als könnte es nicht anders sein. Aber sie „kämpft“ nicht nur gegen die Krankheit, sie lebt 15 Jahre mit ihr. Zu ihrem später erscheinenden Buch „Fremdschläfer“ sagt Verena Stefan in der taz: „Und dann die Fremdheit in der Sprache. Dazu kamen noch der Krebs und die Chemotherapie. Erst wollte ich gar nicht über Krebs schreiben, aber die Krankheit hat mir eine bestimmte Erzählperspektive gegeben. Da passiert etwas im Gehirn, da löst sich etwas auf. Da verliert man wirklich die Orientierung. Ich hatte einen Fluss überquert, ins Reich der Kranken. Ich konnte nun das Krankheitsufer nehmen und davon auf das andere Ufer zurückblicken und sehen, was ich dort in der Fremde alles gelernt habe.“12

2006 – Brustkrebs – metastasiert

Im Jahr 2006 wird Stefan mit dem Fortschreiten ihrer Krankheit konfrontiert: Lungenmetastasen. Sie lehnt zunächst alles ab, will keine Biopsie, keine Chirurgie, keine Strahlentherapie. Sie will weiter an ihrem Buch (über Brustkrebs) arbeiten.13

2007 – Brustkrebs – Das Verena Stefan-Buch zu Brustkrebs erscheint („Fremdschläfer“)

2007 erscheint „Fremdschläfer“, ein Roman “über das Fremdsein in einem fremden Land und über den Fremdkörper in ihrer Brust.“ Aus Monika Mengels Nachruf: „In einem letzten, bisher unveröffentlichten, englischsprachigen Manuskript lässt Stefan ihre todkranke, hochbetagte Bettnachbarin während einer Chemotherapie sagen: „Warum ertragen wir diese miserable Situation hier, wenn wir doch etwas ändern könnten?“ Stefan verweigert sich einer letzten Chemotherapie: „Ich will mein Leben zurück haben, es in meinen beiden Händen halten. Etwas Neues wird kommen, auch wenn es nicht die Heilung sein wird.““ 14

Aber Verena Stefan beschreibt auch viele andere Details, die uns, den auch Betroffenen, nur zu gut bekannt sind, poetisch fein. Die Übermittlung der Diagnose: Es ist Krebs – wie ein Schuss ins Herz, während vorher die Ärzte lange diffus drum herum geredet hatten. Der Therapieplan kommt dann fix und fertig daher – dafür gab es 10 Minuten. Ihr Eigensinn setzt sich durch: „Du sträubst dich, auf einer geraden Linie weiterzuleben.“15

Freundinnen und Partnerin unterstützen Verena Stefan im Weg durch die Krankheit. Sie erkennt für sich zugleich die Wichtigkeit der unfreiwilligen, jedoch spürbaren Verbindung mit anderen von Brustkrebs betroffenen Frauen: „Du brauchst die Kranken. … Die Kranken reden untereinander ohne zu stocken.“ Selbst die Frage „Wie geht es dir?“ hat eine andere Bedeutung, je nachdem, ob sie von denjenigen auf der Seite der – noch – Gesunden gestellt wird oder von einer der betroffenen – unfreiwilligen – „Leidensgefährtinnen“. Verena Stefan beschreibt, was Gesunde und Gesundheitspolitik, zum Teil sogar Gesundheitsaktivistinnen, Medizinerinnen etc. zu sehen verweigern: Die Vielzahl betroffener Frauen, die weiterhin bis heute ganz überwiegend unsichtbar ihren Weg gehen müssen, jede für sich allein. Visuell greifbar wird dies für Stefan an blauen runden Plastikaufklebern, die bei der Mammographie in Kanada „wie große Druckknöpfe“ zum Schutz auf die „Brustknospe“ – Knospe feministisch statt Warze – natürlich! – bei der Mammographie verwendet werden. „Aus der ganzen Stadt, aus allen Himmelsrichtungen kommen Frauen jeden Tag zum Röntgen und klauben hinterher die blauen Plastikaufkleber von ihren Brüsten und werfen sie in den Behälter. … Ein Behälter voller Brustknospenschoner … (S. 160).“ Nina Schmidt, die Verena Stefan in ihrem Fazit als „skeptische Patientin“ sieht, beschreibt die Visualisierung in ihrem Artikel „Autobiographische Krankheitserzählungen in der Gegenwartsliteratur: Siri Hustvedt, Paul Kalanithi, Verena Stefan16 so: „Die sich täglich neu füllenden Becher machen ansatzweise sicht- und greifbar, was der Patientin in ihrem individuellen sonst eher verborgen bleibt, nämlich die große Zahl an Frauen ganz in ihrer Nähe, die die Brustkrebsdiagnose mit ihr teilen.“ Nina Schmidt zieht hier weiter eine Querverbindung zu Audre Lorde, beide Autorinnen wüssten um den Trost und die Kraft, die die Erkenntnis, nicht allein auf weiter Flur zu sein, spenden könne.17

Verena Stefan arbeitet auch die unsichtbaren Grenzen und sich abstoßende Pole heraus, schreibt von den Grenzlinien, die sich zwischen – noch – Gesunden, „die im Hellen tappen“, und Erkrankten, die sich von den Gesunden entfernen, „als sei Krebs ansteckend“ (S. 105), als bestünde eine Ansteckungsgefahr. Immer noch besteht das Stigma, das Abstand schafft. Die Erzählungen von Krebserkrankungen seien vor allem eines nicht: leichte Lektüre. Dies beschreibt Nina Schmidt am Beispiel Verena Stefan: „… Stefan [teilt] ein Bewusstsein dafür, dass es sich bei ihrer Erzählung um keine ‚gute‘ Geschichte handelt. Die Beschreibung ihres Übertritts in das Sontag’sche „Reich der Kranken“ drückt dies aus: „Du beginnst, einen Pfad zu treten, […]. Es ist nicht abenteuerlich. Du fragst dich, ob der Pfad, den du trittst, in die Unterwelt führt. Du spürst kein Verlangen, das Terrain auszukundschaften. Du kommst dir nicht wie eine Heldin vor. Illness narratives sind nicht die leichte Lektüre, nach der die meisten Leser greifen.““ Stefan käme mit ihrem Buch „Fremdschläfer“ vielmehr dem persönlichen Bedürfnis „laut Ich zu sagen“ nach, auch „politisch aufgeladener, sichtbar machen, was sich im Unsichtbaren abspielt“.18

2011 – Interviews mit Holocaust-Überlebenden

„Das Goethe-Institut in Montreal fragt an, ob sie Interviews mit deutschen Holocaust-Überlebenden führen möchte. Das Buchprojekt raubt Zeit. Mehrere Fassungen entstehen, werden verworfen, neu geschrieben, bis das Manuskript druckreif ist.19 Entstanden sind mehrere ausführliche Zeitzeugenberichte jüdischer Überlebender der Shoa. Die Interviews erscheinen 2011 im Wunderhorn Verlag unter dem Titel „Als sei ich von einem anderen Stern“.

2014 – Zurück zu den Anfängen: Urthema der Frauenbewegung (Abtreibung) – Die Befragung der Zeit

Über ihren Großvater Julius Brunner, einen Landarzt, der wegen illegaler Abtreibungen denunziert wird, im Gefängnis und später in der Psychiatrie landet, wird Verena Stefan 2014 ihren letzten, in Teilen autobiografischen Roman schreiben: „Die Befragung der Zeit“.20 Stefan sichtet Briefe, Krankengeschichte und Polizeiakten. Zum „Fall“ ihres Großvaters gibt es eine 800 Seiten umfassende Akte. Mehr darüber: Verena Stefans Denkmal für ihren Großvater – den Abtreibungsarzt, Srf.ch, 11. Mai 2014 und „Er half den Frauen und scheiterte daran – Interview mit Luzia Stettler“, SRF.ch, 13. Mai 2014: Download (mp3 Audio, 28 Minuten)

2015 – „just being“

Während eines Workshops für digitalisierte Erzählungen gibt Verena Stefan in Montreal im Rahmen einer Forschungsstudie mit dem Video „just being“ Einblick in ihr Leben mit metastasiertem Brustkrebs und den Fragen des Lebens, mit denen sie sich jetzt befasst. Lorna Boschman, Mary Bryson (UBC) sowie die Filmemacherin Myriam Fougère haben für diesen Workshop, der im Concordia Center for Oral History und Digital Storytelling stattfand, zusammengearbeitet. Sie nutzten dabei einen gruppen- und kunstbasierten Ansatz, um geschlechtsspezifische Vielfalt insbesondere im Hinblick auf LGBT21 Erfahrungen mit Krebserkrankung, Unterstützungsmodelle und Pflege zu erforschen. Entstanden ist eine „Online-Erzählung“, die die Lebensspuren von Verena Stefan auf ihrem Weg einer anderen Art von Heilung in digitaler Form sichtbar bewahrt.

just being from Lorna Boschman

2017 – Interview mit Monika Mengel

Monika Mengel spricht mit Verena Stefan. Das Gespräch steht bei WDR zum Download zur Verfügung: Das Privileg selbstbestimmt zu leben – Verena Stefan

Nachrufe (Auswahl)

(Es sind viele weitere Nachrufe für Verena Stefan online.)

Gedenkfeier in Berlin

Am 8. April 2018 fand in der „Begine“ in Berlin eine Gedenkfeier für Verena Stefan statt. Dort berichteten ihre einstige Lebens- und Arbeitsgefährtin Gabriele Meixner und ihre Wortgefährtin Traude Bührmann aus persönlichen Blickwinkeln über die literarisch-poetischen Herangehensweisen Verena Stefans am Beispiel einiger ihrer Bücher: “Häutungen”, “mit füssen mit flügeln”, “Fremdschläfer” und ihrem letzten Roman “Die Befragung der Zeit”. Besucherinnen waren eingeladen, in einem „open space“ über ihre eigenen Erinnerungen an Verena Stefan und die Bedeutung ihrer Bücher zu erzählen. Zu sehen und zu hören war sie selbst in ihrem Kurzfilm “just being” von 2015, in dem sie über ihr Leben mit metastasierendem Brustkrebs spricht.22

In anderen Städten und anderen Ländern fanden weitere Gedenkfeiern zu Ehren von Verena Stefan statt.

Nachlass

Das Schweizerische Literaturarchiv der Schweizerischen Nationalbibliothek hat im Frühjahr 2007 das Archiv von Verena Stefan erworben. Es umfasst Notizen und Materialien zu den Werken, Typoskripte der Werke, Traumnotizen und Tagebücher sowie Briefe, Lebensdokumente, Fotografien, Audio- und Videokassetten und eine Sammlung von Rezensionen. Link zum Inventar.

Kurzbibliographie

Häutungen

Autobiographische Aufzeichnungen, Gedichte, Träume, Analysen. München, Frauenoffensive 1975, 128 Seiten, ISBN 3-88104-000-5

mit Füssen mit Flügeln

Gedichte und Zeichnungen. München, Frauenoffensive 1980, 28 Seiten. ISBN 3-88104-095-1

Der Traum einer gemeinsamen Sprache von Adrienne Rich
Gedichte 1974–1977 (Übersetzung von The Dream of a Common Language, mit Gabriele Meixner). München, Frauenoffensive 1980, 93 Seiten, ISBN 3-88104-112-5

Lesbische Völker
Ein Wörterbuch. München, Frauenoffensive 1983, 167 Seiten, ISBN 3-88104-134-6

Wortgetreu ich träume
Geschichten & Geschichte. Zürich, Arche 1987, 117 Seiten, ISBN 3-7160-2059-1

Es ist reich gewesen
Bericht vom Sterben meiner Mutter. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch (FI 11678), 1993, 160 Seiten, ISBN 3-596-11678-3

Rauh, wild & frei
Mädchengestalten in der Literatur. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch (FI 13116), 1997, 272 Seiten, ISBN 3-596-13116-2

Fremdschläfer
Roman. Zürich, Ammann (Meridiane 115), 220 Seiten, ISBN 978-3-250-60115-9

Als sei ich von einem anderen Stern: Jüdisches Leben in Monteal – Buchcover eines der letzten Bücher von Verana Stefan, Bildnachweis: Wunderhorn Verlag

Als sei ich von einem anderen Stern
Jüdisches Leben in Montreal. Mit Chaim Vogt-Moykopf (Hg.), Heidelberg, Verlag Das Wunderhorn, 2011, 264 Seiten, ISBN 978-3-88423-356-6

Die Befragung der Zeit
Nagel & Kimche, Zürich, 2014, 224 Seiten, ISBN 978-3-312-00606-9

Internetlinks

Download

Nina Schmidt: „Autobiographische Krankheitserzählungen in der Gegenwartsliteratur: Siri Hustvedt, Paul Kalanithi, Verena Stefan“. Erschienen in: DIEGESIS. Interdisziplinäres E-Journal für Erzählforschung / Interdisciplinary E-Journal for Narrative Research 6.2 (2017). S. 138-159 (pdf, Creative Commons BY-NC-ND)

References

  1. Monika Mengel: Zum Tod der Schriftstellerin Verena Stefan, L-Mag, 30. November 2017
  2. Verena Stefan in: Erlebte Geschichten, WDR 5 v. 30.03.2018, Das Privileg selbstbestimmt zu leben – Verena Stefan von Monika Mengel
  3. Verena Stefan in: Erlebte Geschichten, WDR 5 v. 30.03.2018, Das Privileg selbstbestimmt zu leben – Verena Stefan von Monika Mengel
  4. Perincioli, Cristina, Berlin wird feministisch, Querverlag 2015, S. 198
  5. Verena Stefan in: Erlebte Geschichten, WDR 5 v. 30.03.2018, Das Privileg selbstbestimmt zu leben – Verena Stefan von Monika Mengel
  6. Verena Stefan in: Erlebte Geschichten, WDR 5 v. 30.03.2018, Das Privileg selbstbestimmt zu leben – Verena Stefan von Monika Mengel
  7. Schäfer, M.: Feministische Fiktionen und literarische Traditionen eines autonomen feministischen Verlages: inhaltsbezogene Strukturanalyse an ausgewählten Texten des Frauenverlages „Frauenoffensive“, Phil. Diss. Uni. Bremen, 1986, S. 21
  8. Schäfer, M., a.a.O.
  9. Oestreich, H. Schriftstellerin Verena Stefan: „Ich bin keine Frau. Punkt.“ Interview in der taz, 10. Mai 2008
  10. Monika Mengel: Zum Tod der Schriftstellerin Verena Stefan, L-Mag, 30. November 2017
  11. s. We live as two lesbians, about the author, bei TRIVIA: Voices of Feminism
  12. Oestreich, H. Schriftstellerin Verena Stefan: „Ich bin keine Frau. Punkt.“ Interview in der taz, 10. Mai 2008
  13. So erzählt es Stefan in „just being“, einem Kurzfilm, der im Rahmen eines „Digital Storytelling Workshops“ entstand. Der Kurzfilm wurde im April 2018 bei einer Gedächtnisveranstaltung für Verena Stefan in Berlin bei „Begine Kultur“ gezeigt.
  14. Monika Mengel: Zum Tod der Schriftstellerin Verena Stefan, L-Mag, 30. November 2017
  15. Stefan, Verena: Fremdschläfer, Zürich, Amman 2007, S. 73
  16. erschienen in: DIEGESIS 6.2 (2017), S. 151
  17. Schmidt, N., a.a.O., S. 152
  18. Schmidt, N., a.a.O., S. 152
  19. Monika Mengel: Zum Tod der Schriftstellerin Verena Stefan, L-Mag, 30. November 2017
  20. Monika Mengel: Zum Tod der Schriftstellerin Verena Stefan, L-Mag, 30. November 2017
  21. LGBT (auch GLBT, LGBTI, LSBTTIQ und andere Formen) ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender, also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender.
  22. Quelle: Facebook, Veranstaltungen der Begine Kultur, https://www.facebook.com/events/1614094655293801/

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