therascreen PITX2: Nicht ausreichend validierter Test ist kein Behandlungsfortschritt für Patientinnen

(Zuletzt aktualisiert: 5. August 2018)
Wieder steht ein neuer Brustkrebstest für an Brustkrebs erkrankte Frauen in der Kritik und mit ihm die bayerische Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Marion Kiechle. Die Tests verschiedener Hersteller wurden und werden bei Patientinnen bereits über viele Jahre hinweg beworben und vermarktet. Und es gibt wieder einen neuen Test, der weder in die Leitlinie zur Brustkrebsbehandlung aufgenommen wurde noch ausreichend für den Einsatz im klinischen Alltag untersucht ist. Es geht um „therascreen PITX2“ der Therawis Diagnostics GmbH. Jetzt wurde öffentlich breit thematisiert: Prof. Dr. med. Marion Kiechle verdient bei diesem Testverfahren mit. 
„Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks zusammen mit NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hält Marion Kiechle aktuell etwa 10 Prozent der Anteile an der Pharmafirma „Therawis Diagnostics GmbH“, die das Medizinprodukt „therascreen PITX2″ entwickelt hat.“1
Die Bayerische Wissenschaftsministerin selbst hat es  sowohl in Presseerklärungen wie auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen verschwiegen.  

Dr. Dagmar Lühmann, Vorsitzende des Netzwerks für evidenzbasierte Medizin, sieht einen „klassischen Interessenkonflikt“, Videobeitrag beim BR. Sie ordnet das Verhalten von Kiechle als wissenschaftliches Fehlverhalten ein und sagt:

„Das Interesse, wissenschaftlich hochwertige Ergebnisse zu erzielen, steht im Konflikt zu der Absicht, mit dem Produkt auch Geld zu verdienen.“

Bei dradio wirft die Angelegenheit gleich auch „ein dunkles Licht auf Ministerin und vor allem auf die Regierung Söder“ (so Ludwig Hartmann von den Grünen), denn es gehe um Tricksen und Täuschen in der Wissenschaft, wer dies tue, sei für das Amt der Wissenschaftsministerin denkbar ungeeignet. Hartmann geht davon aus, dass Kiechle sich mit diesem Fehlverhalten nicht im Amt werde halten können. Marion Kiechle hat kurz vor ihrer Ernennung zur Ministerin in einer Presseerklärung den Test einer Firma belobt mit den Worten, der Test bedeute „für uns Ärzte einen großen Fortschritt in der Behandlungsoptimierung“2. Hier sprach Kiechle dezidiert als Ärztin und Forscherin, stellt dradio fest. Doch sie hält auch rund 10% der Anteile der Firma, die den Test mitentwickelt hat. Seitens des Ethikrates wurde das Verhalten Kiechles als unmoralisch bewertet. Und auch bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen verschwieg Kiechle ihren Interessenkonflikt. Dieser sei anzugeben. … Zum Beitrag „Opposition kritisiert Marion Kiechle für Umgang mit Interessenkonflikt“ von Fabian Mader vom 27.07.2018.

Mit Brustkrebs wird sehr viel Geld bewegt

Wir fordern: Veröffentlichung von Geschäftstätigkeiten der behandelnden ÄrztInnen auf den Webseiten der Brustzentren und Arztwebsites muss Pflicht werden! Damit wir entscheiden können, ob wir Behandlungsempfehlungen vertrauen können. Das Knäuel aus Medizin und Geschäft muss entwirrt werden.
 
Als Patientinnen brauchen wir eine Medizin, die unabhängig von Geschäftstätigkeit funktioniert. Und wir brauchen eine Politik, die sich am Interesse von Menschen orientiert. Beides ist gegenwärtig in Gefahr.  

Mehr zum Thema

Ministerin Kiechle gefährdet die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft (Werner Bartens, Süddeutsche Zeitung v. 04.08.2018)

References

  1. Wissenschaftsministerin Kiechle verstrickt in Interessenkonflikt, Anna Klühspies, Fabian Mader, Anna Tillack (BR), Peter Hornung (NDR), BR24, Bayerischer Rundfunk v. 26.07.2018, https://www.br.de/nachrichten/wissenschaftsministerin-kiechle-verstrickt-in-interessenkonflikt-100~amp.html
  2. Presseerklärung von QIAGEN zur Einführung des PITX2-Tests, mit Hinweis auf Korrektur der Personalia zu Kiechle am 27.07.2018; Abruf am 28.07.2018, 18:56 Uhr

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