Neues vom San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS 2019): MRT zur Früherkennung von Brustkrebs

(Zuletzt aktualisiert: 3. Januar 2020)

Unsere „große Schwester-Organisation“ Breast Cancer Action war mit Team und Geschäftsführerin Karuna Jaggar auch 2019 wieder in San Antonio vor Ort, um die kritischen Stimmen betroffener Frauen laut werden zu lassen und die wichtigsten Informationen aus Wissenschaft und Forschung einzusammeln. Die interessantesten Hinweise daraus stellen wir hier vor.

Warum es nicht immer besser ist, mit MRT mehr Tumoren zu finden

Eine im November 2019 veröffentlichte Studie aus Dänemark zeigte, dass mit MRT mehr Tumoren gefunden werden können.1 Wer sich für diese Studie interessiert, kann Berichte dazu auch im deutschsprachigen Internet nachlesen.2

Eine weitere randomisierte Studie zum MRT in der Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen mit familiärem Brustkrebsrisiko wurde außerdem in San Antonio vorgestellt.3 Mit MRT wurden hier auch vermehrt Vorstufen (DCIS) gefunden und es gab mehr falsch-positive Befunde, also Verdacht auf Brustkrebs, der schließlich nach weiterführenden Untersuchungen mit Gewebeentnahmen den Verdacht nicht bestätigen konnte. Die Rate der geschätzten „Überdiagnosen“ für diese Studie wird mit 17-19% angegeben (Patientinnen, die eine unnötige Brustkrebstherapie durchlaufen, obwohl sie auch ohne diese Therapie keinen Nachteil gehabt hätten; eine Therapie also ohne Nutzen, jedoch mit möglichen Schäden z.B. durch die Nebenwirkungen dieser Therapie). Mit dem zusätzlichen MRT erhielten vier weitere von 100 Frauen eine Brustkrebsdiagnose, doch ein verbessertes Überleben konnte im Rahmen dieser Forschungsarbeiten bisher nicht nachgewiesen.4

Da die Frauen, die diese zusätzliche MRT erhalten sollen, jünger sind und noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 34 Jahren haben, verwies Karuna Jaggar auf die anhaltenden psychischen, finanziellen, sexuellen und emotionalen Belastungen, die eine Übertherapie für die Betroffenen mit sich bringt. Sie schreibt, dass es für die lebenslangen und lebensverändernden Auswirkungen einer unnötigen Brustkrebsbehandlung eine lange Zeit sei, in der diese Belastungen ertragen werden müssen.5

 

 

References

  1. Marije F. Bakker, Supplemental MRI Screening for Women with Extremely Dense Breast Tissue, N Engl J Med 2019; 381:2091-2102 DOI: 10.1056/NEJMoa1903986
  2. z.B. Zuviel des Guten? Bei sehr dichtem Brustgewebe findet das MRT mehr Tumoren, führt aber zu vielen unnötigen Biopsien, Dr. Susanna Kramarz v. 13.12.2019 bei Medscape
  3. Abstract GS4-07, SABCS 2019: Costs and effects in the first randomized trial comparing MRI breast cancer screening with mammography in women with a familial risk: FaMRIsc
  4. Mehr zur FaMRIsc-Studie: Saadatmand, S., Geuzinge, H. A., Rutgers, E. J. T., Mann, R. M., de Roy van Zuidewijn, D. B. W., Zonderland, H. M., … van Druten, E. (2019). MRI versus mammography for breast cancer screening in women with familial risk (FaMRIsc): a multicentre, randomised, controlled trial. The Lancet Oncology. doi:10.1016/s1470-2045(19)30275-x
  5. Jaggar, K.: Why Finding More Cancer With MRI Isn’t Necessarily Better v. 17.12.2019, archive.org, 02.01.2019

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