Röntgenstrahlen, Mammographie, BRCA-1, BRCA-2 und Brustkrebs

(Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2013)

Frauen sind in der Vergangenheit – mit teilweise schwerwiegenden Folgen – medizinischer Röntgenstrahlung zu diagnostischen Zwecken ausgesetzt worden. So wurden im British Medical Journal jetzt Ergebnisse einer retrospektive Studie an Frauen mit Veränderungen an den sog. „Brustkrebsgenen“ BRCA-1 und BRCA-2 veröffentlicht. Die Studienteilnehmerinnen waren zuvor mit Röntgenaufnahmen des Oberkörpers / der Schulter, mit Mammographie oder mit anderen Verfahren untersucht worden, bei denen Röntgenstrahlung im Oberkörper bzw. der Schulter zum Einsatz gekommen war.

Fazit der Untersuchung: Frauen, die von dieser genetischen Veränderung betroffen und jünger als 30 Jahre sind, sollten demnach Röntgenuntersuchungen des Oberkörpers möglichst meiden. Die Ergebnisse werfen auch Fragen nach den Folgen von Röntgenuntersuchungen bei Frauen ohne Genveränderungen und Frauen in anderen Altersgruppen auf.

In den Jahren 2006 – 2009 wurden insgesamt 1993 Frauen aus drei nationalen Studien (GENEPSO, EMBRACE, HEBON) aus Frankreich, England und Holland eingeschlossen.

BMJ-Artikel über Röntgenstrahlen

Ergebnisse der Studie

Frauen, bei denen BRCA-1/2-Mutationen nachweisbar waren, erkrankten häufiger an Brustkrebs, wenn sie vor dem 30. Lebensjahr Röntgenstrahlung zu diagnostischen Zwecken auf Brust, Brustkorb oder Schulter ausgesetzt waren.

Höhe der Strahlendosis und negative Folgen für die Gesundheit stehen in einer Relation zueinander:

  • Bei dem Viertel der Frauen, die die höchste Dosis von mehr als 0,0174 Gray erhielten, war die relative Wahrscheinlichkeit für eine Brustkrebserkrankung fast vervierfacht (HR 3,84).
  • Im Vergleich zu Frauen, die nicht geröntgt worden waren, erkrankten besonders die jüngeren Frauen, die vor dem 20. bzw. vor dem 30. Lebensjahr die höchste Anzahl an Röntgenuntersuchungen hatten, am häufigsten.
  • Wurde vor dem 30. Lebensjahr eine Mammographie durchgeführt, zeigte die Studie immer noch knapp 1,5-fach höhere Erkrankungsraten (HR 1,43).

Kleinste Dosierungen von Röntgenstrahlen

Bereits kleinste Dosierungen von Röntgenstrahlen können Frauen, die sog. „genetische Dispositionen“ für Brustkrebs in sich tragen, schwer krank machen. Mit dieser Studie liegen jetzt Forschungsergebnisse und Daten auf dem Tisch, die nicht länger übersehen werden sollten. Daher sprechen sich die WissenschaftlerInnen um Anouk Pijpe, die an diese Arbeit mitgearbeitet hat, dafür aus, bei jungen Frauen mit bekannter BRCA-1/2-Mutation nur Untersuchungsmethoden einzusetzen, die ohne Röntgenstrahlung auskommen. Die Gruppe empfiehlt stattdessen den Einsatz von Magnetresonanztomographie (MRT).

Kommentar Breast Cancer Action Germany

Frauen sollten grundsätzlich sehr sorgfältig abwägen, ob sie sich einer Röntgenuntersuchung aussetzen oder auf einer risikoärmeren Diagnosemethode insistieren. Müttern sei ans Herz gelegt, sich sorgfältig Gedanken zu machen und Verantwortung für ihre minderjährigen Töchter zu übernehmen, wenn bei ihnen Röntgenaufnahmen des Oberkörpers gemacht werden sollen.

Aus unserer Perspektive betroffener Frauen macht die Studie, auch wenn dies nicht Studieninhalt war, exemplarisch deutlich, dass die Mammographie als Untersuchungsmethode problematisch bleibt. So verweist Breast Cancer Action seit vielen Jahren darauf, dass Röntgenstrahlung als ionisierende Strahlung ein bekanntes Karzinogen sei, das eine kumulative Wirkung im Körper hat. Je mehr Strahlung frau während der gesamten Lebenszeit ausgesetzt sei, desto größer werde das Risiko einer durch Strahlen verursachten Krebserkrankung. Dieses Risiko sei am höchsten in dem Gewebe, in dem sich die Zellen schnell teilen, wie dem Brustgewebe junger Frauen. Aber auch Frauen aus anderen Altersgruppen tragen ein – wenn auch geringeres – Risiko für Brustkrebs. Über die Risiken des Einsatzes von Röntgenstrahlung zur Früherkennung von Brustkrebs wird leider häufig nicht adäquat informiert bzw. Vorteile werden überbetont, während Risiken herunter gespielt werden.

Quellenangabe:
Exposure to diagnostic radiation and risk of breast cancer among carriers of BRCA1/2 mutations: retrospective cohort study (GENE-RAD-RISK) British Medical Journal, BMJ 2012;345:e5660

Weiterlesen

Mammographie-Screening  – Die Mammographie zur “Brustkrebs-Früherkennung” – Übersicht

Vorsicht in punkto Strahlen: ExpertInnen müssen sensibilisieren zu den Gefahren von Röntgenstrahlung – insbesondere bei CTs, die bei PrivatpatientInnen sträflicherweise mitunter  als „Check-up-Methode“ benutzt werden (Stand 2007)

Benutzungshinweis

Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

Werbung?

Diese Webseite ist werbefrei.

Akkreditierung

Diese Website ist bei der Health On the Net Foundation akkreditiert.
Wir berücksichtigen HONcode Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo. Diese Website ist seit 2007 bei der Health On the Net Foundation akkreditiert. Wir berücksichtigen HONcode-Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo.

LibraryThing

Wir …

... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

Spenden …

Breast Cancer Action Germany - die kritische Annäherung rund um das Thema Brustgesundheit und Brustkrebs im Kontext von Medizin, Krankheitsvermeidung, Umwelt, Gesellschaft und Politik mit dem Schwerpunkt Selbstschutz / Verbraucherinnenschutz.

Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.