PET und PET/CT bei Brustkrebs – IQWiG weist auf Vorbericht hin

(Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2013)

Mit einer Pressemitteilung hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) am 09.10.2012 seinen Vorbericht zu PET und PET/CT bei Brustkrebs der Öffentlichtkeit vorgestellt.

EU-Abgeordnete, betrachtet durch einen PET-Scanner

EU-Abgeordnete, betrachtet durch einen PET-Scanner

PET und PET/CT können Absiedelungen von bösartigen Erkrankungen im gesamten Körper sichtbar machen und werden als Ganzkörperuntersuchung durchgeführt. So kann eine Metastasierung der Krankheit, die bei der Erstdiagnose von Brustkrebs durchaus eine Weichenstellung auch für andere eingesetzte Therapieverfahren ist (z.B. Erhaltung der Brust und Verzicht auf radikale Therapiemaßnahmen), mit PET und PET/CT ggf. sehr frühzeitig festgestellt werden. Vor der Therapie steht die Diagnose.

Bedauerlich bleibt, dass offensichtlich bisher zu wenig aussagefähige Studien zur Nutzung von PET und PET/CT vorliegen, obwohl das Verfahren bereits über ein Jahrzehnt lang auch bei Brustkrebs eingesetzt wird. Allein nach den Maßstäben evidenzbasierter Medizin wird es schwierig werden, Entscheidungen zugunsten oder gegen das Diagnostikverfahren zu treffen. Wichtig wäre auch eine Auseinandersetzung mit der Situation, in der die individuelle Patientin eine Antwort braucht. Den Kopf in den Sand zu stecken, als gäbe es dieses diagnostische Verfahren nicht, oder das Anlegen der ökonomischen Schere und reine Kosten-/Nutzenbetrachtungen werden unbeantworteten Fragen von Patientinnen nicht gerecht: Die bei Brustkrebs zu treffenden Therapieentscheidungen und prognostischen Aussagen sind von existenzieller Bedeutung.

Eine Ablehnung der Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenversicherungen wird insbesondere finanziell schlechter gestellte und arme Frauen treffen, die das bisher teure Verfahren unter keinen Umständen selbst finanzieren können. Wer Geld hat oder eine private Krankenkasse, wird die Untersuchung im Zweifelsfall einfach selbst bezahlen.

Nachfolgend Text der Pressemeldung:
Vorbericht zu PET und PET/CT bei Brustkrebs veröffentlicht

Mangels vergleichender Studien ist Nutzen nicht belegt

Der Stellenwert der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) alleine oder in Kombination mit einer Computertomographie (CT) zur Stadienbestimmung (Staging) von Brustkrebs (Mammakarzinom), zum Therapieansprechen (Restaging) und zur Rezidivdiagnostik ist derzeit Gegenstand einer Untersuchung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Die vorläufigen Ergebnisse hat das Institut am 9. Oktober 2012 veröffentlicht. Demnach ist der Nutzen mangels vergleichender Studien nicht belegt. Auch die Studien zur diagnostischen und prognostischen Güte liefern keine tragfähigen und relevanten Ergebnisse.

Bis zum 7. November 2012 können interessierte Personen und Institutionen schriftliche Stellungnahmen zu diesem Vorbericht abgeben.

Zuverlässigere Diagnose soll Therapie verbessern 

Mammakarzinome entwickeln sich im Brustdrüsengewebe und sind die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Sie sind für rund 17 % aller Sterbefälle durch Krebserkrankungen bei Frauen verantwortlich, wobei das durchschnittliche Sterbealter mit 71 Jahren relativ hoch ist. Die Überlebenszeit bei einem Mammakarzinom ist abhängig von Tumortyp, Tumorgröße, Ausbreitung des Tumors und Vorliegen von Metastasen. Fünf Jahre nach der Diagnose überleben durchschnittlich rund 86 % der betroffenen Frauen.

Viele Fachleute hoffen, dass eine Untersuchung mit PET oder PET/CT alleine oder in Kombination mit anderen Methoden besser in der Lage ist, zwischen bösartigen und gutartigen Tumoren zu unterscheiden (Primärdiagnostik). Die PET soll helfen, Tumoren besser in das korrekte Stadium einzuteilen (Primärstaging) und besser zu beurteilen, ob sie auf eine Therapie ansprechen (Restaging). Außerdem hoffen Experten durch PET oder PET/CT früher und mit höherer Gewissheit feststellen zu können, ob ein Rückfall (Rezidiv) oder eine Metastase aufgetreten ist. Diese Informationen sollen es dann ermöglichen, den Patientinnen bessere Therapieempfehlungen zu geben.

Nutzen für Patientinnen und Patienten entscheidend

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG haben deshalb die weltweite Fachliteratur nach Studien durchsucht, in denen Auswirkungen der Diagnostik mittels PET oder PET/CT auf gesundheitliche Aspekte untersucht wurden, die für Patientinnen unmittelbar relevant sind. Zum Beispiel könnten die Untersuchungsergebnisse – und eine entsprechend angepasste Therapie – dazu beitragen, dass sie bessere Überlebenschancen haben, dass ihnen unnötige Behandlungen oder weitere diagnostische Eingriffe erspart bleiben oder dass sich ihre Lebensqualität verbessert. Allerdings blieb die Suche nach solchen Studien erfolglos, sodass die Frage nach dem patientenrelevanten Nutzen der PET oder PET/CT bei Brustkrebs bisher unbeantwortet bleiben muss.

Zu wenige und zu wenig aussagekräftige Studien

Zusätzlich haben die IQWiG-Autorinnen und -Autoren nach Studien gesucht, in denen die diagnostische und prognostische Güte der PET oder PET/CT, d.h. die Genauigkeit der Diagnose und die Vorhersagekraft in Hinblick auf den Krankheitsverlauf bestimmt oder mit anderen Untersuchungsverfahren verglichen wurden. In 22 Einzelstudien standen die PET oder PET/CT zum Vergleich mit anderen Verfahren.

Aufgrund der geringen Anzahl der vergleichenden Studien, die überdies häufig mit Unsicherheiten behaftet sind, ließen sich zur diagnostischen und prognostischen Güte bei Primärdiagnostik, Restaging und Rezidivdiagnostik keine belastbaren Aussagen machen. In Bezug auf das Primärstaging ergab sich statistisch aus den Ergebnissen von sechs Studien zwar eine höhere diagnostische Güte für die PET im Vergleich zur Tastuntersuchung (Palpation) von Lymphknoten in der Achselhöhle. Allerdings gehört die Palpation zur Basisdiagnostik, sodass die Relevanz dieser Erkenntnis fraglich ist.

Insbesondere im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren (z. B. Ultraschall, Szintimammographie, SPECT) ließen sich keine weiteren Aussagen zur diagnostischen und prognostischen Güte der PET beziehungsweise PET/CT treffen. Somit bleibt der mögliche Vorteil von PET oder PET/CT gegenüber den herkömmlichen Verfahren unklar.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den vorläufigen Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im Februar 2010 vorgelegt und um Stellungnahmen gebeten. Diese wurden zusammen mit einer Würdigung und dem überarbeiteten Berichtsplan im Juli 2010 publiziert. Der jetzt veröffentlichte Vorbericht wurde in Zusammenarbeit mit externen Sachverständigen erstellt. Stellungnahmen zu diese Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offen lassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen. Danach wird der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht an den Auftraggeber G-BA weitergeleitet.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Dillenburger Str. 27
51105 Köln

Telefon: +49 (0) 221 – 35685 – 0
Telefax: +49 (0) 221 – 35685 – 1

Mail: info@iqwig.de
URL: http://www.iqwig.de

 

Weiterlesen

PET – Positronenemissionstomographie (KID, Krebsinforamtionsdienst)

 

Bildnachweis: MEPs seen through a PET scanner © European Union 2011 PE-EP / Johanne Leguerre, CC BY-NC-ND 2.0

 

Benutzungshinweis

Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

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