Passivrauch, Phthalate und Brustkrebs

(Zuletzt aktualisiert: 6. Oktober 2010)

von Beate Schmidt

In einer Meldung vom 05.10.2010 weist das >>> Deutsche Ärzteblatt in seiner Online-Ausgabe auf eine mexikanische Studie zum Thema Brustkrebs und Passivrauch hin. Analysiert worden seien die Daten von 504 Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind. Als Vergleichsgruppe diente eine gleichgroße Gruppe gleichaltriger gesunder Frauen.

Ergebnis dieser Studie laut Deutschem Ärzteblatt (Zitat): „Es zeigte sich, dass Frauen, die passiv rauchten, dreimal häufiger an Brustkrebs erkrankten als ihre in rauchfreier Umgebung lebenden Altersgenossinnen. Der Zusammenhang zwischen Passivrauch und Brustkrebs blieb dabei unabhängig vom menopausalen Zustand.“

Soweit das Deutsche Ärzteblatt. Liest man die vollständige Veröffentlichung zur Studie, auf die sich der Beitrag bezieht und die auch verlinkt ist, handelt es sich jedoch um eine Untersuchung zum Risiko durch wikipedia11 Phthalate. Phthalate sind Stoffe, die vorzugsweise als sogenannte Weichmacher in vielen alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie Teppichböden, Konservendosen (Innenbeschichtung) und Plastikprodukten wie Wasserflaschen, aber auch in vielen Kosmetika enthalten sind. Die Untersuchung zum Brustkrebsrisiko durch Phthalate ist in >>> Environmental Health Perspectives bereits am 09.12.2009 erschienen. Im Abstract dieses Berichts über die Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Phthalaten und Brustkrebsrisiko in Nordmexiko werden folgende Ergebnisse beschrieben:

Phthalat-Metaboliten wurden im Urin von mindestens 82% der Frauen festgestellt. Die mittlere Konzentration von Monoethyl-Phthalat (MEP) war höher als in der Kontrollgruppe (169,58 vs. 106,78 µg/g Creatinin). Die Kontrollgruppe zeigte dagegen deutlich höhere Konzentrationen von Mono-n-Butyl-Phthalat, Mono(2-ethyl-5-oxohexyl)-Phthalat und Mono(3-carboxypropyl)-Phthalat (MCPP). Nach Abgleich von Risikofaktoren und anderen Phthalaten konnten die Urinkonzentrationen von MEP eindeutig mit Brustkrebs in Verbindung gebracht werden (wikipedia11 Odds Ratio (OR) höchstes vs. niedrigstes Tertil = 2,20; 95% Konfidenzintervall (CI), 1,33–3,63; p für Trend < 0,01). Dieser Zusammenhang wurde bei prämenopausalen Frauen stärker (OR, höchstes vs. niedrigstes Tertil = 4,13; 95% CI, 1,60–10,70; p für Trend < 0,01). Im Gegensatz dazu wurden signifikante negative Zusammenhänge mit Monobenzyl-Phthalat (MBzP) und MCPP festgestellt.

Schlussfolgerung: Die Studie zeige erstmals, dass die Belastung mit Diethyl-Phthalat, der Muttersubstanz von MEP, mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs in Verbindung gebracht werden kann, während für die Belastung mit den Mutter-Phthalaten von MBzP und MCPP kein Zusammenhang gezeigt werden könne. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass diese Ergebnisse nochmals geprüft werden sollten.

Leider enthält der Bericht in der Online-Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts keine Hinweise zu den Originalarbeiten zu Rauchen und Brustkrebs.

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Beitrag im Deutschen Ärzteblatt vom 05.10.2010

Phthalatstudie: Exposure to Phthalates and Breast Cancer Risk in Northern Mexico,
Environ Health Perspect. 2010 April; 118(4): 539–544, Publ. online 2009 December 9.
doi: 10.1289/ehp.0901091 [Volltext frei zugänglich, Open Access]

Pressemeldung auf der Website der American Association for Cancer Research vom 01.10.2010: Breast Cancer Linked to Environmental Smoke Exposure Among Mexican Women bzw. s. auch die Berichterstattung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA zu diesen Studienergebnissen: Passivrauchen fördert Brustkrebs

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Welche Inhaltsstoffe haben meine Kosmetika?

Die Abfrage der US-amerikanischen >>> Skin Deep cosmetic safety database der Environmental Working Group ist leider nur auf Englisch möglich. Die Suche kann nach Produktnamen, Inhaltsstoffen oder Herstellern erfolgen. Erfasst sind Produkte aus den Gruppen: Make-up, Hautpflege inkl. Parfums und Hygieneartikel, Haarpflege, Augenpflege (Kontaktlinsen, Make-up-Entferner), Nagelpflege, Babypflege, Mund- und Zahnhyghiene, Sonnenschutz, Diverse. Die Datenbank enthält nur Produkte, die auch in den USA auf dem Markt sind. Die Bewertung erfolgt mit einem Ampelsystem (0-2 = grün = geringe, 3-6 = gelb = mittlere, 7-9 = rot = hohe Gefährdung).
Kurzanleitung: Entweder den genauen Produktnamen oder Teile des Namens oder den Namen des Herstellers eingeben. Per Mausclick das Produkt aus der sich öffnenden Liste anwählen. Die sich dann öffende Seite zeigt, mit welchen Risiken das Kosmetikprodukt ggf. in Verbindung gebracht wird: Krebs, Entwicklungs- / Fruchtbarkeitsstörungen, Allergien / Immunotoxizität, Anwendungsbeschränkungen, andere Risiken. Diese Übersicht bietet auch eine Auflistung aller Inhaltsstoffe und – wiederum mit dem Ampelsystem – eine Bewertung. Bei Sonnenschutzprodukten wird zusätzlich deren Stärke bewertet. Alternativ besteht die Möglichkeit, sich über Rubriken zum Produkt durchclicken.
Eine vergleichbare Datenbank zur Prüfung der auf dem deutschen Markt befindlichen Kosmetika – und in deutscher Sprache – gibt es bisher nicht.


1 Kommentar
  1. […] >>> Studienergebnisse zu Passivrauch (im […]

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