Paris Aufruf 2004 [Pariser Appell, Paris Appell, Aufruf von Paris]

(Zuletzt aktualisiert: 15. August 2004)

Im Mai 2004 haben sich WissenschaftlerInnen aus Europa und den USA im Rahmen der Konferenz „Krebs, Umwelt und Gesellschaft“ (Colloque international Cancer, Environnement et Société) der UNESCO mit den Forschungsergebnissen und Zusammenhängen von Krebs und Umweltverschmutzung befasst: „Nach 40 Jahren Forschung haben wir Hunderte von krebserregenden Chemikalien identifiziert. Warum sind sie noch immer in täglichem Gebrauch? Wir fordern unsere Regierungen auf, endlich aktiv zu werden“, stellte Prof. Dominique Belpomme von der französischen Akademie der Wissenschaften dazu fest.

Der nachfolgende „Paris-Aufruf“ wurde von vielen WissenschaftlerInnen und PolitikerInnenunterzeichnet. International haben WissenschaftlerInnen damals die Politik aufgerufen, endlich zu handeln.

Wortlaut des Paris Aufrufs von 2004

Internationale Erklärung zu Gesundheitsgefahren durch Chemikalien

Angesichts dieser Betrachtungen und in der vollen Überzeugung bezüglich der Dringlichkeit und der Ernsthaftigkeit der aktuellen Situation, erklären wir, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Ärzte und Ärztinnen, Juristen und Juristinnen, Ethiker und Ethikerinnen sowie Bürger und Bürgerinnen, dass:

Artikel 1

Die Entstehung zahlreicher, heute häufig auftretender Erkrankungen sind die Folge einer Verschlechterung der Umweltbedingungen.

Artikel 2

Die Umweltbelastung durch Chemikalien stellt eine ernsthafte Bedrohung
für Kinder und das Überleben von Menschen dar.

Artikel 3

Da unsere eigene Gesundheit, die unserer Kinder und die zukünftiger
Generationen bedroht ist, ist das menschliche Leben selbst in Gefahr. Wir fordern von nationalen Entscheidungsträgern, Europäischen Behörden, internationalen Organisationen und insbesondere von den Vereinten Nationen (UNO), die folgenden Maßnahmen zu ergreifen:

Maßnahme 1

Verbot aller Substanzen, die von international anerkannten wissenschaftlichen
Behörden und Organisationen als für den Menschen sicher oder wahrscheinlich als krebserregend, erbgutschädigend oder fortpflanzungsschädigend eingestuft wurden und die Anwendung des Substitutionsprinzips für diese Substanzen.

Maßnahme 2

Anwendung des Vorsorgeprinzips auf alle Chemikalien, die, unabhängig von ihren in Maßnahme 1 dargelegten toxischen Eigenschaften, aufgrund ihrer persistenten, bioakkumulativen und toxischen (PBT) oder sehr persistenten und sehr bioakkumulativen (vPvB) Eigenschaften, eine große Gefahr für die Gesundheit des Menschen und anderer Arten sowie der Umwelt darstellen, ohne auf den endgültigen Beweis durch eine epidemiologische Beziehung zu warten. Nur so ist es möglich, gravierenden und/oder irreversiblen Gesundheits- und Umweltschäden zuvorzukommen oder sie zu vermeiden.

Maßnahme 3

Einführung von toxikologischen Standards oder Grenzwerten zum Schutze des Menschen auf Basis der Risikobewertungen der empfindlichsten Bevölkerungsgruppen, wie insbesondere Kindern und Ungeborenen.

Maßnahme 4

Einführung von Programmen mit festgelegten Fristen und evaluierbaren Zielen, die, basierend auf dem Vorsorgeprinzip, die Eliminierung oder streng regulierte Verringerung von Schadstoffemissionen sowie die Nutzung vermarkteter Chemikalien, z. B. Pestizide, gemäß der in Schweden, Dänemark und Norwegen eingeführten Anwendungsbeschränkungen, zur Folge haben.

Maßnahme 5

Aufforderung eines jeden Staates, angesichts der massiven Bedrohung der gesamten Menschheit, von jedem öffentlichen oder privaten Unternehmen zu verlangen, die Verantwortung für die Konsequenzen seines Handelns oder Nicht-Handelns zu übernehmen. Falls dieses nicht in der Verantwortung des Staates steht, muss eine
internationale Gerichtsbarkeit eingeschaltet werden.

Maßnahme 6

Umsetzung konsequenter nationaler Maßnahmen zur Senkung von Treibhausgasemissionen wegen der globalen Erwärmung und des Klimawandels,
ohne auf eine vorherige Umsetzung des Kyoto Protokolls zu warten.

Maßnahme 7

Stärkung der Europäischen REACH-Reform (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien), mit dem Ziel, die Vermarktung von Chemikalien zu regulieren, um so zu garantieren, dass die gefährlichsten unter ihnen durch weniger gefährliche ersetzt werden; in Bezug auf die ganze Welt, international geltende Regelungen durchzusetzen, um die Vermarktung von Chemikalien zu kontrollieren, und das mit Hilfe von REACH in einer verschärften Version.

Zusätzliche Hinweise:

Die Konferenz selbst ist heute schwer zu recherchieren.

Aus dem Programm der Tagung „Le Cancer, Maladie de l’Environnemet – Cancer, an Environmental Disease“ UNESCO 07.05.2005:

Samuel EPSTEIN, Professeur des Universités, Prix Nobel alternatif / University Professor, Right Livelihood Award Winner, Chicago (USA)
Propos introductifs / Opening address

Richard CLAPP, Professeur des Universités / University Professor, Boston (USA)
Cancer et environnement, l’approche épidémiologique / Cancer and environment, the epidemiological approach

Marcel GOLDBERG, Professeur des Universités, Épidémiologiste / University Professor, Epidemiologist, INSERM (France)
Les cancers professionnels / Cancers resulting from occupational exposure

Jean-François NARBONNE, Toxicologue, Professeur des Universités / Toxicologist, University Professor, Bordeaux (France)
Cancer et alimentation, l’approche toxicologique / Cancer and feeding,the toxicological approach

Dominique BELPOMME, Professeur des Universités / University Professor, Paris (France)
Le cancer, une maladie de l’environnement / Cancer, an environmental disease

Podiumsdiskussion

Cancer, santé publique et environnement : Témoignages des Associations de malades et de médecins / Cancer and Public Health and
environment : Evidences from Associations of patients and medical doctors

Greenpeace Frankreich bietet ebenfalls vom 07.04.2004 eine >>> (pdf) Dokumentation in englischer und französischer Sprache mit anderen Beiträgen an, die noch downgeloadet werden kann.

Mehr zum Pariser Appell 2004

Pressemeldung der französischen Botschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz

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