Notbremse gezogen – Unser Rücktritt vom EUROPA DONNA Vorstand in Deutschland

(Zuletzt aktualisiert: 4. Mai 2008)

Nachdem die Europäische Parlamentsgruppe zu Brustkrebs die Zusammenarbeit mit dem Dachverband EUROPA DONNA international aufkündigte, zogen auch Gudrun Kemper und Susanne Schroeder vom EUROPA DONNA Vorstand in Deutschland die Konsequenzen und legten ihre Ämter als Präsidentin und Schatzmeisterin zum 30.04.2008 nieder.

Eine kurze Episode ging damit schnell zu Ende, denn erst im September 2007 waren beide noch voller Hoffnung im Team mit engagierten Frauen angetreten, um die unabhängige Arbeit, die von EUROPA DONNA in den vergangenen Jahren in Deutschland geleistet worden war, fortzusetzen. „Wir sind sehr traurig“, sagt die Fachärztin Susanne Schroeder, die sich auch in anderen Frauengesundheitsorganisationen für Frauen mit Brustkrebs engagiert.

History: Vorstandswechsel im September 2007

History: Alter und neuer Vorstand
EUROPA DONNA in Deutschland im September 2007

Doch mit der Offenlegung der Finanzierung der europäischen Dachorganisation kam nun ans Licht: 86% des Etats des europäischen Dachverbandes „EUROPA DONNA international“ sind allein im Jahr 2007 durch die Pharmaindustrie finanziert worden, siehe dazu auch die Presseerklärung der EPGBC, der europäischen Parlamentsgruppe zu Brustkrebs.

Für das nationale Forum des Vereins EUROPA DONNA in Deutschland, der von der umstrittenen Finanzierungsform nicht betroffen ist, sind diese Zahlen ein Schock. Der europäische Dachverband hatte in der Vergangenheit die finanzielle Abhängigkeit von der Pharmaindustrie immer abgestritten.

„Es war für uns Bedingung, dass der nationale Verein in Deutschland keine Gelder vor dem Hintergrund von Interessenkonflikten erhält, sonst hätten wir uns für ein Vorstandsamt gar nicht zur Wahl gestellt bzw. den Verein nicht einmal unterstützt“, erklärt Gudrun Kemper. „Doch die europäische Arbeit ist teuer. Wir sind natürlich nicht fundamentalistisch eingestellt. In einem europäischen Verbund muss man auch die Anliegen und Entscheidungen aus anderen Ländern berücksichtigen und kann nicht allein die Richtung bestimmen. Es ist und bleibt aber sehr wohl eine Frage der Verhältnismäßigkeit und vor allem auch der inhaltlichen Neutralität. Mit 86%Pharmaanteil“ bei der Finanzierung kann diese Verhältnismäßigkeit jedoch zumindest meiner Meinung nach nicht mehr gewahrt werden, und auch hinsichtlich der inhaltlichen Neutralität sind zumindest bei mir eine Reihe von drängenden Fragen aufgetaucht.“

Breast Cancer Action Germany wird die Arbeit am Thema Brustkrebs weiterhin kritisch beobachten und meint: Es ist jetzt an der Zeit, neue unabhängige Modelle der Interessenvertretung zu entwickeln, die Vernetzung im Bereich der neutralen Frauengesundheitsorganisationen zu verbessern und Fehlentwicklungen insbesondere im Brustkrebsbereich kritisch zu hinterfragen.

Breast Cancer Action Germany fordert vor dem Hintergrund der aktuellen europäischen Erfahrungen:

  • Transparenz und Offenlegung der Finanzierung für gemeinnützige Organisationen im Gesundheitsbereich, und zwar sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene.
  • Gesundheitsbezogene Interessenvertretung
  • bei Behörden und
  • bei der Leitlinienentwicklung darf nur von Organisationen und ExpertInnen geleistet werden, die – auch in finanzieller Hinsicht – industrieunabhängig arbeiten.
  • Neutrale Begleitforschung zur Bewertung von Trends, Arbeitsergebnissen und Arbeitsweisen von Charity und Interessenvertretung im Gesundheitsbereich, einschließlich eines „Lobbyregisters“.

Mehr zu diesem Thema:

http://www.bcaction.de/wordpress/?p=1524

2 Kommentare
  1. Europa Donna sagt:

    […] Zu den Rücktritten im Vorstand von Europa Donna Deutschland s. auch Notbremse gezogen: Unser Rücktritt vom Europa Donna Vorstand in Deutschland und Board Europa Donna Germany has stepped […]

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... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

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Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.