nature outlook: Special zur Krebsvermeidung

(Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2013)

Die Zeitschrift nature hat sich mit ihrer Beilage „outlook[i]“ im Mai 2011 dem Thema „Krebsprävention“ (Cancer Prevention) befasst, wenn auch überwiegend nicht mit der Vermeidung von Krebs. Im Vordergrund stehen eher industrielle Strategien wie „Chemoprävention“, zum Beispiel die Gabe von Medikamenten, die Krebsrisiken vermindern sollen.

In „Tagesordnung Prävention“ (The prevention agenda) stellt Tiffany O’Callaghan einige interessante Inhalte zusammen. Screening habe Auswirkungen gezeigt (Beispiel Gebärmutterhalskrebs mit einer Senkung der Sterblichkeit von 5,5 je 100.000 Frauen im Jahr 1975 auf 2,4 im Jahr 2007, weitere Hoffnungen ruhen auf Impfstoffen, so die Autorin). Global sei Krebs jedoch weiterhin ein großes Gesundheitsproblem. Erwartet würden nach Zahlen der Amerikanischen Krebsgesellschaft ASC 12,7 Millionen Neuerkrankungen (davon bekanntlich über 1 Million an Brustkrebs) sowie nach wie vor 7,6 Millionen krebsgedingte Todesfälle jedes Jahr.

Krebs – Ursachen

Zum Beispiel Rachen: Vor einem halben Jahrhundert hätten 75% der britischen Männer geraucht, heute seien es nur noch um die 20%. Die Anzahl der Lungenkrebsopfer bei Männern im mittleren Lebensalter habe sich bereits halbiert, nicht nur in Großbritannien, ein Fortschritt bei der Vermeidung von Krebs. 90% der Lungenkrebserkrankungen gingen auf das Rauchen zurück, etwas weniger als jeder 6. Raucher erkranke. [Ein kleiner Teil der Brustkrebserkrankungen wird ebenfalls dem Rauchen zugeschrieben.]

Genannt werden außerdem die bekannten Ursachen:

  • BRCA-Genveränderungen im Zusammenhang mit Brust- und Eierstockkrebs,
  • Lebensstil / Brustkrebs (und andere Krebserkrankungen) / Übergewicht“, insbesondere im Zusammenhang mit der Zunahme der starken Verbreitung von Übergewicht in den beiden letzten Jahrzehnten.

Umwelteffekte auf die Entstehung Krebs werden am Rande wenig konkret ebenfalls erwähnt.

Krebsvermeidung – Was muss sich ändern?

Als Beispiel dafür, wie schwer es sei, Wissen in Vermeidungsstrategien umzusetzen, wird wiederum das Rauchen genannt. Bereits in den 1950er Jahren sei auf der Basis epidemiologischer Daten von >>> Richard Doll belegt worden, dass Rauchen Lungenkrebs verursache. 60 Jahre hat es gedauert, bis immerhin eine Reihe von schützenden Maßnahmen gesellschaftlich wirksam werden konnten. [Anmerkung: Vielfältige industrielle Strategien bei der Vermarktung von Zigaretten, die bis heute eine Rolle spielen, sind ursächlich für Verzögerungen.]

Krebs – Die vermeidbare Krankheit

Breast Cancer Action Montreal lässt es seit vielen Jahren von ihrer Webseite prangen: Brustkrebs muss nicht sein [We believe breast cancer doesn’t have to happen.]. Es sei gesellschaftlich noch nicht voll akzeptiert, dass Krebs eine vermeidbare Erkrankung sei, so O’Callaghan. Der fatalistische Blick auf die Krankheit [als unvermeidbares Schicksal] sei in den USA weit verbreitet. >>> Peter Boyle vom >>> International Prevention Research Institute (iPRI) mit Sitz in Lyon habe auf die Verlagerung von „schlechten Angewohnheiten“ der Industrienationen, die diese in die ärmeren Regionen exportierten – z.B. Rauchen, Ernährungsgewohnheiten und Alkoholkonsum – hingewiesen. Oft verschärft durch die fehlende Infrastruktur, die Krankheit zu behandeln, würden diese ärmeren Länder in den nächsten Jahrzehnten von „der Krankheit der entwickelten Länder“ „behämmert“ („absolutely hammered“).

Krebs – Vermeidung kostet

Präventionsforschung koste Geld, so O’Callaghan in nature weiter, doch Therapie – und nicht Vermeidung – werde bevorzugt erforscht. Die Priorisierung von Vermeidung erfordere ein Langzeitdenken, während Regierungsziele mit jeder Wahl wechselten. Vor 10 Jahren waren immerhin 11,4% des jährlichen Budgets des National Cancer Institute vorgesehen für Vermeidung und Krebskontrolle. Seit damals seien die Mittel kontinuierlich gesunken. „Defunding“, das Zurückfahren von Förderung, trifft, am Rande angemerkt, gerade auch Frauengesundheit. Nach Zahlen des G20 Gipfels im Jahr 2010 gehen heute weniger als 4% der öffentlichen Gelder in die Forschung zur Krebsvermeidung.

Behandlung sei dringlich, aber selbst Krebsüberlebende würden in Sachen Ursachenforschung fahnenflüchtig. „Heilung“ oder eine selbst kurze „Überlebenszeitverlängerung“ erschiene der Öffentlichkeit [medial seit Jahrzehnten forciert] offensichtlich realistischer als Krankheitsvermeidung.

Es sei nicht genug, ein paar Mäuse mit Karzinogenen zu kontaminieren. Menschliches Verhalten und Psychologie spielten ebenfalls eine Rolle. Und dann geht es weiter mit den hohen Kosten der Entwicklung neuer Medikamente und den Problemen, die spezifisch sind für die Entwicklung von Medikamenten zur Krankheitsvermeidung (keine/r will sie testen, die Ergebnisse brauchen Jahrzehnte, Märkte müssen erhalten bleiben, es rechnet sich nicht …).

Action

Action Cancer du Sein de Montréal – Wir denken, Brustkrebs muss nicht sein

Immerhin, Vermeidung kommt auf die Tagesordnung, wenn auch der Fokus der Erkenntnis wenig mit Gesundheit und Vermeidung zu tun hat – bisher. Es sei vielleicht auch eine Frage, altes Wissen neu zu entdecken, uns selbst an uralte Weisheiten zu erinnern. O’Callaghan schließt mit einer Anspielung auf Thomas Morus, einen Philosophen des 15. Jahrhunderts, der damals schrieb, es sei besser, Krankheit zu vermeiden als sich Medizin zu wünschen. Und das passt zum „Claim“, der von der Webseite des iPRI prangt – Vermeidung ist viel besser als Heilung, weil es die Mühen des Krankseins spart.  (Prevention is so much better than healing because it saves the labour of being sick, Thomas Adams 1618.)

Text: Breast Cancer Action Germany (Wir denken, Brustkrebs muss nicht sein.)


[i] Vol. 471 No. 7339_supp ppS1-S22, die einzelnen Artikel sind frei zugänglich. nature outlook „Cancer Prevention“ wurde gesponsert von Janssen (Johnson & Johnson).

1 Kommentar
  1. […] Kosmetika etc. etc., die zeigen, wie es anders geht und die wir hier fast vergeblich suchen müssen … weiterlesen « doku: 16.05.2011 – Homöopathie und Misteltherapie: Urteil des […]

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