Führt die „MRT“ der Brust zu mehr Brustamputationen?

(Zuletzt aktualisiert: 11. April 2015)

Unter der Überschrift „Mehr Mastektomien infolge Kernspin-Mammografie“ berichtete auch das „Deutsche Ärzteblatt“ heute von einem Anstieg der Brustamputationen, wenn vor der Operation eine MRT der Brust durchgeführt worden war. Quelle der Information ist eine Untersuchung, die im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht und jetzt auf dem jährlichen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt wurde. An der Mayo Clinic in Rochester war der Anteil der Brustampuationen nach einer Brustkrebsdiagnose von 1997 bis zum Jahr 2003 von 44 auf 30% deutlich gefallen. Seitdem ist die Mastektomierate nun aber fast wieder auf dem alten Stand, nämlich bei 43% im Jahr 2006. Seit 2003 wird an der für ihre besonders sicheren Diagnosen seit Jahrzehnten sehr renommierten Klinik auch die Kernspintomographie zur Brustkrebsdiagnostik eingesetzt. Der Anteil der MRT-Untersuchungen verdoppelte sich im Untersuchungszeitraum von 11 auf mittlerweile 23% im Jahr 2006. Nach einer MRT-Diagnose entschieden sich 52% der Patientinnen für eine Mastektomie, nach einer Mammographie-Diagnose jedoch nur 41%. Hinsichtlich der Gründe sind sich die Autoren nicht wirklich sicher. Auch genetische Tests werden in Erwägung gezogen. Allerdings erscheint möglich, dass die andere bildgebende Darstellung tatsächlich Anlass zu radikalerem Vorgehen gibt.

Im Beobachtungszeitraum 1997 bis 2006 waren es 5.596 „Fälle“ im Erkrankungsstadium 0 bis 2, die retrospektiv, also in der Rückschau, ausgewertet wurden. Stadium 0, also das Auffinden einer „Vorstufe von Brustkrebs“, wurde bei 18%, Stadium I bei 48% und Stadium II bei 34% der Patientinnen diagnostiziert. Das Durchschnittsalter der Patientinnen lag bei 61 Jahren (zwischen 23 und 95). Die Autoren fassen zusammen, dass gerade aufgrund der Tatsache, dass die lokale Therapie [bzw. die Radikalität dieser Therapie gemäß der Kenntnislage umfassender Studien mit Langzeit-Follow-up] den Krankheitsverlauf höchstens unwesentlich beeinflusst. Sie stellen fest, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um die Rolle der MRT und anderer Faktoren, die die präoperative OP-Planung betreffen, zu evaluieren.

Weiterlesen:

Zum Abstract der Studie mit Tabelle: Trends in mastectomy rates at the Mayo Clinic Rochester: Effect of surgical year and preoperative MRI (pdf, J Clin Oncol 26: 2008 (May 20 suppl; abstr 509)

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