Mammographie-Screening Thema im Thüringer Landtag

(Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2013)

Auf Antrag der Fraktion DIE LINKE beschäftigte sich am 20.01.2010 der Gleichstellungsausschuss des Thüringer Landtags mit dem Mammographie-Screening-Programm. In Thüringen läuft das „Programm zur Brustkrebs-Früherkennung“ erst jetzt an. (In Berlin begann das Programm bereits 2005.) „Wahrscheinlich bedeutet das für einen Teil der jährlich 1.600 neu an Brustkrebs erkrankenden Frauen in Thüringen einen deutlichen Zeitverlust“, sagte Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag.

Die Zeit sei der wichtigste Parameter bei der Bekämpfung von Krebs, so Stange. Sie begrüßte, dass dank des Screenings die Entdeckungsrate für ganz kleine Tumore von 7 auf 20 Prozent und für Tumore bis 10 Millimeter von 14 auf 31 Prozent gestiegen sei. (Noch wichtiger erscheint uns, dass Ursachen für Brustkrebs gründlich nachgegangen wird, damit Frauen möglichst erst gar nicht erkranken.) „Da nun die Strukturen stehen, müssen sie aber auch noch bekannter gemacht werden“, forderte Stange zum Screening. In der südöstlichen Hälfte Thüringens, wo das Screening bereits liefe, hätten 58 Prozent der 50- bis 69-jährigen Frauen am Screening teilgenommen, sich also der Mammographie unterzogen (Berlin um 50%, PM Mammographie-Screening-Programm Berlin v. 08.10.2008, bundesweit 54%, Dtsch Arztebl 2008; 105(16)).

Stange habe weiter betont, dass die thüringische Zahl deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von rund 70 Prozent läge. (Dazu liegen zumindest uns keine genauen Daten vor. Richtig ist, dass Europäische Leitlinien eine Teilnehmerinnenquote von 70 Prozent vorsehen, damit sich die Programme rentieren. Viele Länder in Europa haben bisher gar kein Screening-Programm. Die Teilnahmequoten in anderen Ländern werden nicht systematisch publiziert und zugänglich gemacht.)

Dabei sei Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, und für viele sei das Ende tödlich, so Stange weiter. (Dass das Screening auf die Sterblichkeit wahrscheinlich nur sehr geringen Einfluss nehmen kann, sagte Stange aber nicht.) Sie hielt fest, dass man die Frauen nicht zwingen könne, an der Untersuchung teilzunehmen. (Ursprünglich war in Deutschland geplant, an Brustkrebs erkrankte Frauen durch höhere Zuzahlungen zu den medizinischen Leistungen abzustrafen, wenn sie nicht am Mammographie-Screening teilnehmen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat diesen fragwürdigen Vorstoß allerdings schließlich gekippt.)

„Wenn aber die Aufklärung über Brustkrebs und über die Chancen des Mammographie-Screenings verbessert wird, beteiligen sich wahrscheinlich auch mehr Frauen daran“, wird Karola Stange zitiert, und weiter: „Jedes Flugblatt, das eine Frau von der Wichtigkeit der Untersuchung überzeugt, ist gut investiertes Geld.“

(Ganz so sicher ist auch dies aber nicht. Dass das Mammographie-Screening die Sterblichkeit an Brustkrebs gar nicht senken wird, sickert jetzt hier und da durch. Um zum Stichpunkt „Aufklärung“ zurückzukommen: Auch die Risiken des Mammographie-Screenings müssen vollständig kommuniziert werden. Wichtig bleiben auch in Thüringen die Fragen, wie sich die Fallzahlen jetzt entwickeln, welche Behandlungsmaßnahmen notwendig werden (mehr oder weniger Brustamputationen, Chemotherapien etc.) und ob die Brustkrebs-Sterblichkeit unter dem Mammographie-Screening-Programm in Thüringen tatsächlich sinkt. Um dies genau zu überprüfen, bräuchte es auch ein funktionierendes nationales Krebsregister nach IARC-Standard, welches in Deutschland aber fehlt.)

Quellenangabe

Politopolis: Bessere Aufklärung über Chancen des Mammographie-Screenings notwendig (DIE LINKE Thüringen)

Gesundheitspolitische Grundlagen

Deutscher Bundestag Antrag Drucksache 14/3858 vom 07.07.2002, Helga Kühn-Mengel u.a.: Frauenspezifische Gesundheitsversorgung
Deutscher Bundestag Antrag Drucksache Drucksache 14/4381 vom 24. 10. 2000,  Angela Merkel u.a. Konkrete Gesundheitspolitik für Frauen
Deutscher Bundestag Antrag Ducksache 14/9122 vom 16.05.2002, Beschlussempfehlung u. Bericht Helga Kühn-Mengel u.a.: Brustkrebs – Mehr Qualität bei Früherkennung, Versorgung und Forschung – Für ein Mammographie-Screening nach Europäischen Leitlinien

Weiterführendes

International Agengy for Research on Cancer (IARC)

Schreibe einen Kommentar

Benutzungshinweis

Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

Werbung?

Diese Webseite ist werbefrei.

Akkreditierung

Diese Website ist bei der Health On the Net Foundation akkreditiert.
Wir berücksichtigen HONcode Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo. Diese Website ist seit 2007 bei der Health On the Net Foundation akkreditiert. Wir berücksichtigen HONcode-Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo.

LibraryThing

Wir …

... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

Spenden …

Breast Cancer Action Germany - die kritische Annäherung rund um das Thema Brustgesundheit und Brustkrebs im Kontext von Medizin, Krankheitsvermeidung, Umwelt, Gesellschaft und Politik mit dem Schwerpunkt Selbstschutz / Verbraucherinnenschutz.

Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.