Mammographie-Screening: Ein Risikofaktor für Brustkrebs?

(Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2015)

Unter dem Titel: „Mammographie-Screening: Ein Risikofaktor für Brustkrebs?“ ist ein für hiesige Verhältnisse spannendes Interview in deutscher Sprache bei Medscape Deutschland erschienen, in dem die Aussagen zweier Wissenschaftlerinnen gegenübergestellt werden. Prof. Dr. med. Sylvia H. Heywang-Köbrunner (München) vertritt bezüglich des Mammographie-Screenings die Meinung, die auch viele Frauen und Patientinnen vertreten[1]:

„Man sollte den Frauen sagen, dass sie die Chance haben, Brustkrebs zu vermeiden.“ (Prof. Dr. med. Sylvia H. Heywang-Köbrunner)

Der Definition, bei der Screening-Mammographie handele es sich um eine Maßnahme zur „Sekundärprävention“, folgen nationale und internationale Behörden. Europäische Leitlinien[2], die WHO[3] und der Gemeinsame Bundesausschuss[4] stellen Mammographie-Screening ebenfalls in den Kontext von Sekundärprävention.

Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser (Hamburg) vertritt in dem Interview den Kontrapunkt:

„Es hat noch nie etwas gegeben, das ein so schlimmer Risikofaktor für Krebserkrankungen ist wie das Mammografie-Screening!“ (Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser)

Im Interview werden auch die massiv angestiegenen Fallzahlen bei Brustkrebs seit Einführung des nationalen Mammographie-Screening-Programms in Deutschland diskutiert. Genau vor diesem Anstieg haben Frauenorganisationen wie die amerikanische Nationale Brustkrebskoalition NBCC in ihren kritischen Positionspapieren bereits zu Anfang des Jahrtausends aus der Perspektive von Frauen und kritischen Wissenschaftlerinnen ausführlich gewarnt.[5]

Das Interview von Dr. Erentraud Hömberg „Mammographie-Screening: Ein Risikofaktor für Brustkrebs?“, erschienen bei Medscape Deutschland am 20.03.2013, ist lesenswert und versehen mit weiteren Kommentaren. Es kann auf der Webseite kostenlos abgerufen werden, jedoch ist eine Anmeldung erforderlich.

Was ist Prävention?
„Prävention“ ist auch ein politisches Schlagwort, mit dem Verantwortlichkeiten an die individuelle Frau zurück delegiert wird, während Vermeidung von Krankheit für uns alle in immer weitere Ferne rückt. Mammographie kann Brustkrebs nicht vermeiden. Mammographie kann Brustkrebs verursachen, weil sie nicht ohne ionisierende Strahlung auskommt. Mammographie kann Brustkrebs früher diagnostizieren. Eventuelle Vorteile und Risiken dieser früheren Entdeckung sind wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Konstruierte Definitionen einer sog. „Sekundärprävention“ verstellen gegenwärtig den Blick auf Maßnahmen zur Vermeidung von Brustkrebs. Stichworte dazu wären z.B.: Hormonaufnahme durch Medikamenteneinnahme (Antibabypille, Hormontherapie in und nach den Wechseljahren), Hormone in der Umwelt, Hormone und weitere Medikamentenrückstände im Trinkwasser, Aluminium im Alltag, Schwermetalle in Kosmetika, Alltagsgegenständen oder Kinderspielzeug (z.B. Cadmium), Nachtarbeit und die Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen usw. usw.. Wir plädieren für die Vermeidung des Begriffs „Prävention“ und schlagen der besseren Verständlichkeit wegen die Nutzung des Begriffs „Vermeidung“ vor, wenn Vermeidung gemeint ist.

Quellen:

[1] s. z.B. „60 Prozent glauben, Screening könne Brustkrebs verhindern“ in Ärzte Zeitung online v. 28.02.2013 „Verbreiteter Irrglaube – Mammografie schützt vor Brustkrebs“, in dem auf die telefonische Befragung von ca. 13.000 Frauen durch ein Marktforschungsinstitut Bezug genommen wird („Inanspruchnahme des qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings“, gefördert vom Bundesgesundheitsministerium).

[2] s.a. European guidelines for quality assurance in mammography screening, 3. Aufl., 2001. Hier wird zwar grundsätzlich beschrieben, Screening sei lediglich eine Methode, um Krebs zu kontrollieren, wann immer möglich sei Primärprävention der Vorzug zu geben: „Screening is only one method of controlling cancer. Whenever possible primary cancer prevention should be given first priority.“ [S. 255], während den medizinischen MitarbeiterInnen in Screeningprogrammen als Basiswissen und Einführung in „Screening-Philosophie“ das „Konzept der Sekundärprävention“ nahegelegt wird: „All medical staff involved in a screening programme should acquire a basic knowledge of the epidemiological aspects of such a programme. Relevant topics are: […] introduction to screening philosophy (concept of secondary prevention)“ [S. 241] [3] Mammographie-Screening zur Brustkrebs-Früherkennung wird hier in den „IARC Handbooks for Cancer Prevention“ (Handbücher zur Vermeidung von Krebs] empfohlen.

[4] Der Gemeinsame Bundesausschuss fasst bereits Früherkennung / Prävention unter einer Überschrift zusammen und führt aus: „Sekundärprävention: Viele Krankheiten können bei einer frühen Erkennung effektiver bekämpft werden. Maßnahmen der Sekundärprävention suchen daher gezielt nach Erkrankungen (z.B. durch den Einsatz von Mammographie oder Koloskopie).“ s. http://www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/frueherkennung/ [Abruf 24.03.2013] [5] s. dazu auch Eintrag: Mammographie: Mammographie-Screening

 

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