Hinweis auf Lebensverlängerung für Letrozol

(Zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2013)

Erstmals ist jetzt für einen Aromatasehemmer der Nachweis einer Lebensverlängerung für das Medikament Letrozol  in der adjuvanten Therapie von Brustkrebs gelungen. Das berichtet ein Artikel im aktuellen arznei-telegramm (a-t),[1] das einen Überlebensvorteil bei 5-jähriger Einnahme anstelle von Tamoxifen sieht. Die Daten beziehen sich auf Patientinnen nach der Menopause.

„Krankheitsfrei leben“

Nachdem in anderen Studien zu den Aromatasehemmern Anastrozol und Exemestan immer nur gezeigt werden konnte, dass sich das „krankheitsfreie Überleben“ verlängert, was bedeutet, dass sich der Zeitpunkt eines möglichen Krankheitsrückfalls oder Rezidivs nach hinten verschiebt, während sich die Überlebenszeit nicht verlängert, gibt es für Letrozol jetzt Hinweise darauf, dass das Medikament eine lebensverlängernde Wirkung haben kann.

Länger leben

Die Frage, ob ein Medikament das Überleben verlängern kann, ist aber die grundsätzlich spannende Frage für uns, die wir die Medikamente schlucken sollen. Die neuen Daten zu Letrozol kommen aus der BIG-1-98 Studie der Breast International Group. Dieser Behandlungserfolg konnte im Vergleich von Tamoxifen versus Letrozol bei einer Einnahmedauer von 5 Jahren gezeigt werden.  Die Gesamtsterblichkeit konnte von 18,8% auf 16,6% gesenkt werden, was einer von 45 behandelten Patientinnen entspräche (sog. Number needed to treat, NNT).

a-t weist darauf hin, dass die Auswertung der Datenlage schwierig sei. Bei Tamoxifen habe sich der Umfang des lebensverlängernden Effekts erst nach 10 Jahren gezeigt. Auch sei nicht klar, wie die Datenlage beim nächsten update der Studie in zwei Jahren aussieht (Entwicklungen in beide Richtungen sind möglich).

Die Datensicherheit wird auch durch die hohe „Cross-over-Rate“ aus der Tamoxifengruppe (25%) durch die nach nur 2,2 Jahren Nachbeobachtungszeit veröffentlichten Daten nicht besser. a-t hatte dazu bereits 2006 berichtet. Cross over bedeutet: Viele Frauen haben sich nach den ersten, noch instabilen Daten entschieden, ihr Medikament zu wechseln, und haben von Tamoxifen zu Letrozol gewechselt. Das kann prinzipiell die Langzeitanalyse der Daten erschweren oder sogar unmöglich machen.

a-t berichtet weiter, dass sich in der ATAC-Studie zu dem Aromatasehemmer Anastrozol auch nach 10 Jahren Nachbeobachtungszeit kein Vorteil bei der Gesamtsterblichkeit erkennen lasse.

Gesundheitsökonomie

Das Generikum für Letrozol (Originalprodukt Femara) ist bereits auf dem Markt. Die Medikamentenkosten für Letrozol-Generika belaufen sich nach a-t auf aktuell 365 € jährlich pro Patientin, das Tamoxifen-Generikum kostet sogar nur noch 74 € pro Patientin und Jahr. Femara, das Originalprodukt, kostet z.Zt. rd. € 2.100 € pro Jahr (100 Tabletten ca. € 580). Die Therapie von Brustkrebs verteuert sich mit der Gabe des Generikums etwa um das fünffache. Das hört sich noch bezahlbar an, wenn man auf die Mondpreise diverser anderer Oncologica schaut. a-t rechnet – vielleicht um der Gesundheitsökonomie, die heute prinzipiell das Maß der Dinge ist, gründlich Genüge zu tun – auch aus, dass ein verhinderter Todesfall bei vorausgesetzt realen Daten demnach etwa 65.000 € koste, eine Summe, die mit dem Originalprodukt wiederum wesentlichhöher liegt.

Fraueninformation

a-t schreibt, dass betroffene Frauen über den Kenntnisstand einschließlich der Unsicherheiten der Daten aufgeklärt werden sollten, um auf dieser Basis entscheiden zu können. Letrozol wird mit den vorliegenden Daten nach a-t zum „bevorzugten Medikament“. arznei-telegramm ist für uns eine glaubwürdige, unabhängige Quelle. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Positive Daten sind einfach schön!

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Aromatasehemmer / Tam Berichte bei uns
Webseite des arznei-telegramm (Artikel ist nicht frei zugänglich, fragen Sie Ihre Ärztin / Ihren Arzt nach dem Artikel, der Beitrag ist insgesamt etwas ausführlicher)

[1] Letrozol (Femara, Generika) zur adjuvanten Brustkrebstherapie … Hinweis auf Lebensverlängerung, arznei-telegramm 42, 12.2011 v. 2.12.2011

1 Kommentar
  1. […] Einnahme anstelle von Tamoxifen sieht. Die Daten beziehen sich auf Patientinnen nach der Menopause. Weiterlesen … « infoblog!: 07.12.2011 – SABCS I – Kritische neue […]

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