Lektüretipp Sabine Kray: Freiheit von der Pille

(Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2018)

Eine Aufarbeitung des Themas „Antibabypille, hormonell wirksame Verhütungsmethoden und Brustkrebs“ auf unserer Webseite steht bisher nur auf der Liste der Themen, die wir längst abarbeiten wollten, geschafft haben wir es bisher nicht. Im Waschzettel der Antibabypille ist Brustkrebs als Nebenwirkung genannt, doch allgemein wird das Risiko gering eingestuft.1 Das unabhängige amerikanische Frauengesundheitsnetzwerk National Women‘s Health Network (NWHN) kommentierte die Ergebnisse als „nicht schockierend“2, da man dies schon lange aus einer Vielzahl weiterer Studien wisse. Die Erhöhung des Brustkrebsrisikos unter hormonell wirksamen Verhütungsmitteln wird behandelt, als ginge es um eine ganz unwesentliche Kleinigkeit, mit der Frauen sich nicht weiter befassen müssten. In den Aufklärungsgesprächen zwischen Patientinnen und ihren Gynäkologinnen kommt das Thema regelmäßig nicht vor, keine Panik also. Ungeachtet dessen mahnt das NWHN jedoch an, Frauen über Nutzen und Risiken adäquat zu informieren – und genau dies fehlt auch bei uns bis heute. Von Frauen heute wird erwartet, Brustkrebs als schwerwiegende Nebenwirkung für ein sicheres Verhütungsmittel stillschweigend zu tolerieren.

Die Journalistin Sabine Kray hat mit ihrem Buch „Freiheit von der Pille: Eine Unabhängigkeitserklärung“ jetzt für Diskussionen gesorgt. Eine Ihrer Grundthesen lautet: „Die Antibabypille ist unzumutbar“.

Auch in der kritischen VerbraucherInnenzeitschrift für Medikamente „Gute Pillen – Schlechte Pillen“ (GPSP) ist im Heft 03/2018 das Kray-Buch der aktuelle „Buchtipp“. Nach einem halben Leben mit Pille setzte Kray das Medikament ab und lernte endlich den eigenen Zyklus und Rhythmus kennen. Sie kritisiere, so GPSP, dass viele junge Mädchen mit 14 oder 15 Jahren unter völlig falschen Voraussetzungen anfingen, die Antibabypille einzunehmen.3 Kray räumt auch auf mit der „zyklusstabilisierenden Wirkung“ der Pille. „Denn die Hormone in Antibabypillen können keinen Rhythmus stabilisieren. Sie hebeln ihn üblicherweise aus.“4

Auch kritisiert Kray, dass es sich „Gynäkologinnen und andere Ärzte häufig zu leicht machen“. Die Pille werde ohne viel Aufklärung über verschiedene Verhütungsmethoden und über die Wirkungen der Antibabypille zur hormonellen Verhütung angeraten, und dann sogar noch „zu den riskanteren Präparaten“5, [die häufiger Thrombosen und Embolien verursachen und damit schwerste Herz-Kreislauferkrankungen mit gravierenden Folgen bis hin zum Tod der Patientin einschließen].

Kray befasst sich in ihrem Buch breit mit Verhütung und Verhütungsmethoden, der „sexuellen Befreiung“ durch die Pille in den 1960er Jahren ebenso wie mit „Fruchtbarkeits-Apps“, Einfrieren von Eizellen und der Rolle von Männern. Wir empfehlen die Lektüre und bleiben am Thema dran.

Weiterlesen
Die Antibabypille ist unzumutbar, ZEIT ONLINE  v. 05. April 2017

References

  1. Eine aktuelle Veröffentlichung dazu kommt kam erst 2017 aus Dänemark: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1700732. Bereits die „Nurses Health Study“, eine prospektive Studie mit 121.700 Krankenschwestern, die 1976 begonnen wurde, zeigte einen „leichten“ Anstieg von Brustkrebs bei Frauen, die die Pille einnehmen oder eingenommen hatten. Doch die exakten Ergebnisse in diesemPunkt werden für Frauen nicht ausgearbeitet und leicht nachvollziehbar verfügbar gemacht.
  2. https://nwhn.org/nwhn-statement-contemporary-hormonal-contraception-risk-breast-cancer/
  3. s. dazu auch den Tagungsbeitrag „Wie die Pille die Selbstwahrnehmung verändert(e) – persönliche Erfahrungen und philosophische Überlegungen – Mutter und Tochter im Dialog“ von Eva und Isabell Schindele, AKF 2012 unter: http://www.akf-info.de/portal/wp-content/uploads/2015/07/6_Schindele.pdf
  4. zitiert nach GPSP 3/2017, S. 17
  5. GPSP 3/2017, S. 17

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