Lavendelöl bei Brustkrebs vorsorglich meiden

(Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2020)

In einem Artikel vom 13. Dezember 2019 wird im unahbängigen arznei-telegramm der Leserbrief eines Apothekers abgedruckt, der auf „östrogenartige Wirkungen“ von Lavendelöl Bezug nimmt. Er fragt nach Untersuchungen und Erfahrungen insbesondere bei Patientinnen mit Brustkrebs vor dem Hintergrund, dass Lavendöl Krebswachstum fördern könnte.

Lavendöl-Kapseln (z.B. LASEA, als Mischung mit Passionsblume von Zirkulin sowie von diversen unüberschaubaren weiteren Anbietern) werden vom Hersteller zur Beruhigung („gegen innere Unruhe“ – als „Ruhestifter“, Aussagen von LASEA) beworben. arznei-telegramm verweist darauf, dass in Fallberichten bereits bei Anwendung Lavendelöl-haltiger Kosmetika vorpubertäre Gynäkomastie (Brustwachstum) beschrieben wurde.1

Weitere Fallserien werden beschrieben, versehen mit dem Hinweis, dass Inhaltsstoffe von Lavendelöl endokrinen Disruptoren wie Bisphenol A ähneln könnten. Die hormonelle Wirksamkeit konnte auch im Reagenzglas („in vitro“) als „östrogene und antiandrogene Effekte“ gezeigt werden.  Substanzen, die solche Wirkungen haben, werden mit der Entstehung von Brustkrebs in Zusammenhang gebracht. Natürlich gibt es keine Untersuchungen speziell für Lavendelöl. Freiwillige für eine solche Untersuchung zu finden, wäre bei vorliegendem Wissen auch eigentlich schon nicht mehr möglich und ethisch wohl bereits fragwürdig.

Das arznei-telegramm verweist „neben den Hinweisen auf mögliche endokrine und eventuell sogar kanzerogene Effekte von Lavendelöl“ außerdem auf Berichte über schwere allergische Reaktionen (a-t 2016; 47: 122), die bereits in einem früheren Artikel beschrieben wurden. Nutzenbelege seien dagegen unzureichend.

arznei-telegramm sieht für LASEA das Nutzen-Schaden-Verhältnis negativ und rät weiterhin von der Einnahme ab, versehen mit dem folgenden Hinweis:

„Speziell für Brustkrebspatientinnen erscheint es uns im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes ratsam, Lavendelöl-haltige Produkte zu meiden.“

Dies würde dann ebenfalls für viele andere Kosmetika gelten, denn eine Aufnahme von hormonell wirksamen Inhaltsstoffen über die Haut ist auch bei Deos, Bodylotions, Duschgels etc. nicht ausgeschlossen.

Mehr zum Thema

Bei Brustkrebs Lavendelöl (LASEA) meiden? (12/2019 bei arznei-telegramm)
Angioödem und weitere Unverträglichkeitsreaktionen auf Lavendelöl per os (LASEA) (12/2016 bei arznei-telegramm)

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References

  1. Prepubertal Gynecomastia Linked to Lavender and Tea Tree Oils. (2007). New England Journal of Medicine, 356(24), 2541–2544. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc070572

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