Kurzbericht zur WECF-Veranstaltung: „Hormonell wirksame Stoffe: Die unsichtbare Gefahr“

(Zuletzt aktualisiert: 15. August 2016)

Women in Europe for a Common Future richtete am 16.01.2016 zum Thema  „Hormonell wirksame Stoffe: Die unsichtbare Gefahreinen Parlamentarischen Abend in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin aus. 
BerlinEDCevent

ReferentInnen

ReferentInnen des Abends – unter der Moderation von Johanna Hausmann, WECF e.V. – waren:

  • Andreas Kortenkamp, Human Toxikologe und Professor an der Brunel Universität in London
  • Andreas Gies, Leiter der Abteilung Umwelt und Gesundheit (Umwelthygiene) im Umweltbundesamt
  • Alexandra Caterbow, Expertin für Chemikalienpolitik von WECF und
  • Susanne Smolka von PAN Germany.

Die Auswirkungen auf die männliche Gesundheit wurden bei dieser Veranstaltung deutlicher und drastisch hervorgehoben, Folgen für die weibliche Gesundheit wurden von den männlichen Fachreferenten nicht ausreichend ausgewogen und balanciert dargestellt.

Der Referent des Umweltbundesamtes verwies allerdings auf eine komplexe Welt mit diversen Einflüssen, die eine Rolle spielten. Daten auf den Folien reichten allerdings nur bis zum Jahr 2005. Hervorgehoben wurde besonders ein „kritisches Wirkfenster“ mit irreversiblen verzögerten Effekten, Zitat: „Brustkrebs wird während der Schwangerschaft ausgelöst, das ist der aktuelle Stand der Wissenschaft“. Leid, Krankheit und Verkürzung der Lebenserwartung seien unabwendbar die Folge.

Kritisch – Wenn der politische Wille fehlt

Die Wissenschaft hat ihre Arbeit gemacht, aber die Politik hat versagt. So arbeiteten es die Referenten deutlich heraus. Hauptproblem: Fehlender politischer Wille – und tatsächlich verschwand eine der eingeladenen Fraktionen gleich wenige Minuten nach Beginn der Veranstaltung. Es ist spürbar unangenehm, sich mit den Folgen politischer Fehlentscheidungen und verpassten Handlungsoptionen zu befassen, wenn dies bedeutet, Leid, Krankheit und die Verkürzung von Lebenserwartung zur Kenntnis zu nehmen.

Gynäkologische Fachgesellschaften

Gynäkologische Fachgesellschaften haben nach den Erfahrungen von WECF e.V. keinen Zugang zum Thema. Ganz besonders schwierig sei die Kontaktaufnahme mit dem Vorstand der gynäkologischen Gesellschaft (DGGG?),  WECF sei die einzige Non-Profit-Organisation gewesen, die auf dem Gynäkologenkongress für den Infostand Standgebühren zahlen musste. Im Gespräch mit Ärzten habe sich darüber hinaus gezeigt, dass kein Zugang zum Thema endokrine Disruptoren gegeben sowie auch fast kein Interesse bei den Ärzten vorhanden sei. (Zum Stand in den USA siehe dazu: GynäkologInnen gegen EDCs: Am Anfang des weiten Weges zur Bekämpfung hormoneller Schadstoffe)

Ideen für Veränderungen

  • Es gibt kaum ExpertInnen zu dem Thema in Deutschland. Eine junge Forscherin sollte sich für dieses Thema im Interesse von Frauen öffentlich sichtbar stark machen. Haben Sie Interesse? Bitte informieren Sie uns und unterrichten Sie uns fortlaufend von Ihren Arbeitsergebnissen. In den Niederlanden befassen sich lt. Diskussionsergebnissen der Veranstaltung Unis bereits intensiver mit dem Thema (und in den USA findet die Auseinandersetzung bei Vielzahl von Organisationen statt).
  • Fachgesellschaften müssen aktiviert werden. Solange aus der Medizin in Deutschland nichts kommt, wird Politik sich der Problematik nicht annehmen und auch nicht aktiv werden.
  • Eine gute Idee wäre auch die Einrichtung eines Runden Tischs zu den gesundheitlichen Auswirkungen von endokrinen Disruptoren.
  • Nationaler Aktionsplan (gibt es bereits, aber das Thema Primärprävention ist dort nicht verortet worden, hier muss entsprechend anders verschaltet oder erweitert werden).
  • BZgA-Broschüre für junge Frauen vor Schwangerschaft in Deutschland fehlt: In Dänemark gibt es eine staatliche Broschüre für jede Schwangere, es gibt eine entsprechende Kampagne mit umfangreicher Internetinformation. (Expecting a Baby? Advice about Pregnancy and Chemicals, pdf, Kampagne „Gravid? Kend kemien“) Ein entsprechendes Angebot für Schwangere in Deutschland ist nicht verfügbar.

Forderungen

  • Schutz für alle: Verlässlichkeit staatlichen Handelns müssen wir erwarten können
  • Schwangere informieren
  • Colestin, Paracetamol-Problematik muss angegangen werden (weitere endokrine Disruptoren in der Nahrungskette, veterinärmedizinische Nutzung, hier kam es seitens der Experten zu einer Infragestellung des derzeitigen Wirtschaftssystems, die Produktion von Fleisch sei in der gegenwärtigen Art und Weise ohne diese Medikamente heute so nicht möglich. Kontrovers diskutiert wurde Paracetamol auch hinsichtlich der Tatsache, dass es lediglich apothekenpflichtig sei, es sollte nicht mehr OTC so einfach verfügbar sein). Die Exposition der Bevölkerung mit Paracetamol sei, wie Glyphosat, allgegenwärtig.

Zum Weiterlesen

State of the Art Assessment of Endocrine Disrupters: Final Report (pdf, Europäische Kommission, Direktion Umwelt, Autoren: Andreas Kortenkamp, Olwenn Martin, Michael Faust, Richard Evans, Rebecca McKinlay, Frances Orton and Erika Rosivatz)

Berlaymont-Erklärung 2013 zu hormonstörenden Chemikalien (EDC’s)

Dringlichkeitsappell der Französischen Nationalversammlung zu hormonellen Störchemikalien (Endokrine Disruptoren, EDCs)

Kleine Anfrage Grüne Partei: Auswirkungen und Regulierung von hormonell wirksamen Substanzen /Antwort der Bundesregierung (pdf, Deutscher Bundestag, Drucksache 18/7335 v. 22.01.2016)

Zu Folgenkosten durch Endokrine Disruptoren (pdf, HEAL)
Milliarden müssen aufgewandt werden für die medizinischen Folgen von EDCs

Spiegel: EU-Chemikalienregulierung – Wie die Industrie in Brüssel ihren Willen bekommt

(Kurzbericht zu dieser Veranstaltung: G. Kemper)

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