Komen – Die Organisation

(Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2018)

Hinweis: Bisher bezieht sich dieser Artikel allein auf die amerikanische Komenorganisation, der Artikel ist – wikiüblich – im Aufbau!

Hintergrund

Susan G. Komen war eine amerikanische Brustkrebspatientin – Susan Goodman, später Susan Goodman Komen. Sie wurde 1943 in Peoria, Illinois, geboren und erhielt im Alter von 33 Jahren (1976?) die Diagnose Brustkrebs.1 Sie starb drei Jahre später (1980) an den Folgen von Brustkrebs.2

Ihre jüngere Schwester, Nancy Goodman Brinker, die auf dem Standpunkt steht, dass das Überleben ihrer Schwester mit mehr Wissen über die Krankheit hätte verbessert werden können, versprach ihrer Schwester, sich für Änderungen einzusetzen. Brinker gründete die Susan G. Komen Breast Cancer Foundation zum Andenken an ihre Schwester 1982.3

The Marketing of Breast Cancer by Mary Ann Swissler
The Marketing of Breast Cancer by Mary Ann Swissler

Die Organisation „Susan G. Komen for the Cure®„, die zuvor den Namen „The Susan G. Komen Breast Cancer Foundation®“ trug und häufig einfach „Komen“ genannt wird, ist in den USA die bekannteste, größte und reichste der Brustkrebsorganisationen.4

KOMEN – Die Eigendarstellung der Organisation in den Vereinigten Staaten

Auf der Webseite von „Susan G. Komen for  the Cure“ stellt die Organisation sich selbst dar. Danach kämpfte Susan G. Komen mit ihrem Herzen, Körper und Seele gegen Brustkrebs. Während ihrer Diagnose, Behandlung und endlosen Tagen im Krankenhaus habe sie ihre Zeit damit verbracht, sich zu überlegen, wie man das Leben besser machen kann, um für andere Frauen mit Brustkrebs zu kämpfen, anstatt sich Gedanken um die eigene Situation zu machen. Ihr Interesse am Schicksal anderer habe selbst dann noch angehalten, als Susan sich dem Ende ihres Kampfes näherte. Gerührt von Susans Mitgefühl für andere und dem Wunsch nach Veränderungen, habe ihre Schwester Nancy G. Brinker ihr versprochen, dass sie alles in ihrer Macht Stehende tun werde, um Brustkrebs für immer zu besiegen.5

Weiter schreibt die Organisation, dass dieses Versprechen jetzt Susan G. Komen for the Cure®, (eingetragenes Markenzeichen nach Markenrecht des anglo-amerikanischen Rechtskreises) als „weltweit führender Anbieter der Brustkrebsbewegung“ einhalte.6 Soweit die Eigendarstellung von Komen, die nach eigenen Angaben mehr als 1.9 Milliarden US Dollar dafür investierte.7 Die Organisation sieht sich in ihrer eigenen Darstellung als „weltweit größtes Basis-Netzwerk von Frauen mit Brustkrebs und AktivistInnen, die zusammen arbeiten, um Leben zu retten, Menschen zu „empowern“ (etwa: ermächtigen), Qualität zu sichern, einschließlich der Versorgung für alle und der Wissenschaft Energie zu geben, um die Heilung zu finden.“8 Dank Veranstaltungen wie dem Susan G. Komen Race for the Cure® und Susan G. Komen 3-Day for the Cure® sowie großzügigen Spenden von Partnern, Sponsoren und Mitstreitern der Organisation habe Komen sich als die größte Quelle von Non-Profit-Fonds dem Kampf gegen Brustkrebs gewidmet.9

In der Broschüre zu Brustkrebs und Umwelt, die Komen beim amerikanischen Institute of Medicine (IOM) in Auftrag gegeben hat, gibt die Organisation an, dass sie bis zum Dezember 2011 $ 685 Millionen Dollar in die Brustkrebsforschung und mehr als 1,3 Milliarden Dollar in Programme zur Suche der Heilung und der Beendigung von des Leidens an Brustkrebs investiert habe.10 Kritikerinnen wie Barbara Brenner, Geschäftsführerin von Breast Cancer Action bis 2010, bemängeln jedoch Transparenz hinsichtlich der Herkunft der Mittel und ihre wenig sinnvolle Verwendung sowie die Erfolglosigkeit der Arbeit der Organisation. 11

In der Kritik

Ende Januar 2012 stoppte Komen die finanzielle Unterstützung der Organisation „Planned Parenthood“ (Planned Parenthood – übers. „geplante Elternschaft“ – nimmt im Kontext sexuelle Selbstbestimmung von Frauen in den USA eine ähnliche Funktion ein wie „pro familia“ in Deutschland). Planned Parenthood erhielt bis zu diesem Zeitpunkt rd. 700.000 Dollar für die Aufklärung über Brustkrebs und Mammographie-Screening für mittellose Frauen. Für kritische Frauenorganisationen und Feministinnen lag deswegen die Vermutung nahe, dass die Mittel wegen der ebenfalls von „Planned Parenthood“ angebotenen Beratung zur Abtreibung gestrichen worden seien. „Die Abtreibungsgegnerinnen des extremen rechten Flügels zeigen ihr wahres Gesicht. Mit harmlosen Pink hat das nichts zu tun.“12 Brinker plane eine fundamentale Neuausrichtung der Stiftung. Komen sei  zu einer politischen Organisation mutiert, die nicht länger das Ziel verfolge, die Gesundheit von Frauen zu erhalten.13

Entsetzen löste auch die Komen-Kampagne des Jahres 2014 aus: Komen nutzte dabei die Fracking-Firma (Baker Hughes Inc.) und rosa Equipment zum Fracken für eine „Kampagne gegen Brustkrebs“.14

Nach einem im New York Times Magazine publizierten Artikel vom April 2013 gingen von den im Jahr 2011 für die Organisation gesammelten Spenden in Höhe von 472 Millionen Dollar nur 16 Prozent an die Brustkrebsforschung.15

Mehr zu Komen

Atrazin, Komen und KFC: Bericht aus dem Zentrum der Belastung – Sandra Steinbergers Kritik an Komen (2013)
Komenwatch – Archiv, Stimme, Wegweiserin (2011)
Komen oder Patente „für die Heilung“ (2011)
Versprich, dass du die Inhaltsstoffe liest – Das Pinkwashing-Prinzip (2011)
Die „Kultur“ der Geldsammelei gegen Brustkrebs (Buchrezension Samantha King, 2006)
Komen – Wie Brustkrebs vermarktet wird: Mary Ann Swisslers The Marketing of Breast Cancer (Umfassende, investigative journalistische Auseinadersetzung mit der Organisation, 2002)
Willkommen in Krebsland – Barbara Ehrenreichs Welcome in Cancer Land (2001)

Bücher

Pink Ribbon Blues – Das Gayle Sulik Buch (2011)
Pink Ribbon, Inc. von Samantha King (2006)

 

References

  1. Palm Beacher Nancy G. Brinker to Receive Presidential Medal of FreedomPalm Beach Daily News. July 30, 2009,  archive.org, Abruf 05/2018
  2. Susan G. Komen for the Cure: New name, renewed mission to fight breast cancer,  archive.org vom 08.03.2012
  3. Susan G. Komen for the Cure: New name, renewed mission to fight breast cancer,  archive.org vom 08.03.2012
  4. Sulik, G.A.: Pink Ribbon Blues: How Breast Cancer Culture Undermines Women’s Health. Oxford University Press. 2010. S. 146 – 150. ISBN 0-19-974045-3
  5. Susan G. Komen for the Cure, About us, http://ww5.komen.org/AboutUs/AboutUs.html, Abruf 2011-10-23
  6. Susan G. Komen for the Cure, About us, a.a.O.
  7. Susan G. Komen for the Cure, About us, a.a.O.
  8. Susan G. Komen for the Cure, About us, a.a.O.
  9. Susan G. Komen for the Cure, About us, a.a.O.
  10. Breast Cancer and the Environment: A Life Course Approach, 07.12.2011, Booklet Questions and Answers, https://web.archive.org/web/20170503224452/http://www.nationalacademies.org/hmd/~/media/Files/Report%20Files/2011/Breast-Cancer-Environment/BreastCancerReportbrief_2.pdf (bei archive.org)
  11. Barbara Brenner in ihrem Blog Healty Barbs, http://barbarabrenner.net/
  12. Ellen Barkin, zitiert nach EMMA, Nr. 2 (303), Frühling 2012, S. 36
  13. Terry O’Neill, Vorsitzende von NOW (National Organization for Women),  EMMA 2012, a.a.O.
  14. Susan G. Komen Partners With Global Fracking Corporation to Launch “Benzene and Formaldehyde for the Cure®”, s. http://www.bcaction.org/2014/10/08/susan-g-komen-partners-with-global-fracking-corporation-to-launch-benzene-and-formaldehyde-for-the-cure/
  15. Orenstein, Peggy: Our Feel-Good War on Breast Cancer, New York Times Magazine v. 5.04.2013 http://www.nytimes.com/2013/04/28/magazine/our-feel-good-war-on-breast-cancer.html

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Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.