Kinder besser schützen: Die BUND-Broschüre aus der Reihe "Endstation Mensch"

(Zuletzt aktualisiert: 1. November 2006)

gelesen von Gudrun Kemper

Kinder besser schützen, bei BUND
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Krebs kommt nicht von ungefähr und Schutz vor Brustkrebs beginnt in der Schwangerschaft. Nicht alle Faktoren können wir selbst beeinflussen, aber immerhin können wir das Mögliche versuchen.

„Schädliche Chemikalien können Kindern das Leben ganz schön madig machen“, stellt Heide Simonis, die öffentlich zu ihrer eigenen Erkrankung an Brustkrebs steht, im Vorwort von >>> (pdf) Kinder besser schützen fest. Das ist fast noch untertrieben, denn es kann uns das gesamte Leben madig machen. Sie beklagt die Aufweichungen eines  europaweiten Gesetzes (REACH) in Brüssel, das uns besser vor gefährlichen Chemikalien schützen sollte und dessen Vorschriften immer weiter abgeschwächt werden. Im aktuellen Entwurf würden nicht einmal die Chemikalien, die uns bewiesenermaßen Schaden zufügen, verpflichtend ersetzt werden, wenn es sicherere Alternativen gäbe. Politiker in der EU, die Entscheidungen träfen, agierten, als hätten sie nie auf ihrem Plastikspielzeug gekaut oder einen Filzstift in den Mund genommen.

Zusammenfassend stellen die Autoren der Broschüre fest: Die Aufnahme von Schadstoffen beginnt bereits im Mutterleib, über das Blut der Mutter. Noch in 75% der Nabelschnurblutproben wurde das schon seit langem verbotene Pestizid DDT nachgewiesen, in fast allen Proben aber auch der breit verwendete Weichmacher DEHP sowie perfluorierte Chemikalien und künstliche Moschusverbindungen. Von 287 gefundenen synthetischen Stoffen gelten 208 als schädigend für die spätere Fortpflanzungsfähigkeit, 217 als giftig für Gehirn und Nervensystem und 180 als Krebs erregend. Nach der Geburt gelangen über die Muttermilch weitere Chemikalien in den Körper des Kindes – über 300 Schadstoffe wurden in der Muttermilch gefunden.

Viele dieser Stoffe werden insbesondere mit der Verursachung von Brustkrebs in Zusammenhang gebracht.

Zum Beispiel werden im Kapitel „Problematische Chemikalien“ ab S. 31 Beispiele gezeigt: Die schädigenden Wirkungen von Chemikalien lassen sich besonders gut verdeutlichen, wenn sie ungewollt, also durch Unfälle, in besonders großen Mengen austreten. Im Umkreis einer Fabrik, die chlorierte Kohlenwasserstoffe produzierte, wurden nach einem Unfall erhöhte Dioxin-Werte in der Luft, im Trinkwasser, in der Kuhmilch und in der Muttermilch sowie im Blut gemessen. Dies führte zu erhöhten Todesfallraten bei Lungenkrebs (3,1fach erhöht), Krebs im Urogenitalbereich (2,6fach erhöht), Brustkrebs (2,1fach erhöht) und Gebärmutterkrebs (1,8fach erhöht). Darüber hinaus konnten verschiedene Reproduktionsstörungen nachgewiesen werden: Die Rate an Spontanaborten erhöhte sich um 24,4%, die Rate der Frühgeburten um 7,4% (Revich et al., 2001).

Auf Seite 56 informiert eine Tabelle über die Gesundheitsdefekte durch Dioxine (nach ten Tusscher et al., 2004) zu Schädigungen der Ungeborenen: Vermehrtes Auftreten von Harnröhrenspaltungen (Hypospadie), Vorhautverengungen (Phimosen), Hodenhochstand (Kryptorchismus), angeborene Wachstumsverzögerungen im Mutterleib und Spontanaborten in einer stark belasteten Region in Russland (Revich et al., 2002) sowie vermehrte Gaumenspalten (ten Tusscher et al., 2000) und bei Jugendlichen: Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Dioxin: 10fache Erhöhung im Blut erhöht das Risiko um das 2,1fache (Warner et al., 2002).

Leider haben sich die Hoffnungen auf REACH und eine strengere Reglementierung bei der Verbreitung von gesundheitsschädigenden Chemikalien bis heute nicht erfüllen können. Zumindest gefühlt ist das Gegenteil der Fall, unsere Umwelt erscheint toxischer und chemischer denn je. Die Broschüre „Kinder besser schützen“ vom BUND vermittelt viel spezifisches Fachwissen, ist absolut lesenswert und kann immerhin unser Bewusstsein für Gefahren sensibilisieren und uns so helfen, uns selbst besser zu schützen.

Weiterlesen

Kinder besser schützen: (pdf) Gesundheitsschäden durch eine verfehlte Chemiekalienpolitik, aus der Reihe ENDSTATION MENSCH, AutorInnen: Patricia Cameron, Erik Petersen und Carolin Zerger, BUND e.V. 2006

Weitere Broschüren zum Thema Chemie und Gift – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)

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