Keynes, Geoffrey

(Zuletzt aktualisiert: 24. April 2011)

Bereits in den 1920er Jahren postulierte Geoffrey Keynes als junger Chirurg die Idee, dass bestimmte Mammakarzinome mit einer eher konservativen Operation und Strahlentherapie behandelt werden könnten, anstatt mit der bei den meisten Chirurgen damals beliebten radikale Mastektomie, die auf die Pionierarbeit von William Halstead im späten 19. Jahrhundert zurückging, und zwar indem nur ein Minimum der Brust anstelle der gesamten Brust einschließlich der Brustmuskulatur und alle Lymphknoten unter dem Arm entfernt werden.

Halsteads radikale Mastektomie war eine anstrengende Operation, die sechs bis acht Stunden in Anspruch nach und die die Patientin extrem entstellt und entkräftet. Selbst die Entfernung von Rippen, Risse und Ausgrabung der Schlüsselbeine wurden vorgenommen, alles in der irrigen Annahme, dass Brustkrebs sich von der Brust in einem zentrifugalen Muster ausging und sich so verbreite.

Nach Keynes erbrachte eine lokale Operationder Brust die gleichen Ergebnisse wie die radikale Mastektomie und ersparte damit vielen Frauen die schrecklichen Nachwirkungen der Halstead-OP. Wie reagierten damals die Halstead-Anhänger? Anstatt Keynes Theorien ernsthaft zu prüfen oder seine Aussagen zu evaluieren, trivialisierten und verunglimpften sie Keynes Ansätze sprachlich.

„They retaliated by giving his operation a nickname: the lumpectomy.  The name was like a low-minded joke, a cartoon surgery in which a white-coated doctor pulls out a body part and calls it a ‚lump‘ „.  Keynes‘ theory and operation were largely ignored by American surgeons……….his challenge to radical surgery was quietly buried.“ [Zitat Siddhartha Mukherjee, The empereor of all maladies, 2010]

Übers.: „Sie rächten sich, indem er seiner Operation einen Spitznamen gaben:  Lumpektomie. Der Name war wie ein gewöhnlicher Witz, die Karikatur einer Chirurgie, eine Operation bei der weißbekittelte Ärzte etwas aus dem Körper herausziehen, dass sie „Klumpen“ nennen. Keynes Theorie und Operationsmethode wurde von amerikanischen Chirurgen weitgehend ignoriert … seine Ablehnung der Radikaloperation wurde leise begraben. „

Nach heftigem und anhaltenden Widerstand der Halstead-Anhänger hielten dessen Überzeugungen bei der Ärzteschaft an bis die 1970er Jahre – etwa vierzig Jahre nachdem Keynes seine Ideen vorgestellt hatte – als man schließlich begann, die Lumpektomie regelmäßiger für die chirurgische Behandlung bestimmter Mammakarzinome in Betracht zu ziehen.

If we are to believe Mukherjee’s historical account, then we can only surmise that the Halsteadian followers‘ resistance to clinical challenge, and the resulting institutionalized trivialization of Keyne’s treatment theory by the use of jokes and euphemism, was the cause for this long delay in finally changing the breast cancer treatment status quo.

Schenkt man Mukherjee’s historischer Bewertung Glauben, könnte man annehmen, dass der Widerstand der Halstead-Anhänger gegen diese klinische Herausforderung und die daraus resultierende institutionalisierte Trivialisierung von Keynes Theorie zur Behandlung von Brustkrebs durch den Einsatz von Witzen und Euphemismus die Ursache war eine lange Verzögerung und Veränderung des Status Quo in der Behandlung von Brustkrebs gewesen ist.  Tragisch bleibt, dass Hunderttausende von Frauen weiterhin dem Schrecken der radikalen Mastektomie in der Zeit unterworfen waren, bevor Lumpektomien und weniger invasive Formen der Mastektomie Standardtherapie wurden.  [Quelle s. Rachnel, Anna: The Lanugage of Breast (Cancer)]

Links

Geoffrey Keynes (Wikipedia)

William Steward Halsted (Wikipedia)

Benutzungshinweis

Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

Werbung?

Diese Webseite ist werbefrei.

Akkreditierung

Diese Website ist bei der Health On the Net Foundation akkreditiert.
Wir berücksichtigen HONcode Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo. Diese Website ist seit 2007 bei der Health On the Net Foundation akkreditiert. Wir berücksichtigen HONcode-Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo.

LibraryThing

Wir …

... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

Spenden …

Breast Cancer Action Germany - die kritische Annäherung rund um das Thema Brustgesundheit und Brustkrebs im Kontext von Medizin, Krankheitsvermeidung, Umwelt, Gesellschaft und Politik mit dem Schwerpunkt Selbstschutz / Verbraucherinnenschutz.

Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.