Nicht forcieren – Der Fall Jolie: Prophylaktische Mastektomie als „proaktive Prävention“?

(Zuletzt aktualisiert: 6. September 2015)

Angelina Jolie, BRCA-Gentests und genetisch bedingter Brustkrebs

Pressemeldung des Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF)

Berlin, den 05.06.2013

Als größter Zusammenschluss von Frauengesundheitsorganisationen in Deutschland stellt der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) vor dem Hintergrund umfangreicher Medienberichterstattungen zu Angelina Jolies Entscheidung für die doppelseitige Mastektomie mit anschließendem Einsatz von Silikonkissen jetzt eine erste Stellungnahme bereit.
Der AKF nimmt darin aus der Perspektive von Frauen relevante Fragenstellungen zu den BRCA-Gentests und zu möglichen therapeutischen Schritten und Wegen des Umgangs auf. Zugleich warnt der AKF vor vereinfachenden Sichtweisen auf komplexe medizinische Eingriffe und verweist auf ökonomische Aspekte im Zusammenhang mit Genpatenten und privaten Behandlungseinrichtungen, die im Blickfeld bleiben müssen, um Fehlentwicklung im Interesse der Gesundheit von Frauen zu vermeiden.
Von entsprechenden Genveränderungen sind bevölkerungsbezogen deutlich weniger als ein Prozent der Frauen betroffen. Viele Fragen zur Rolle dieser Genveränderungen sind wissenschaftlich nicht ausreichend geklärt. Obwohl die chirurgische Entfernung des Brustdrüsengewebes das Auftreten von Brustkrebs senken kann, fehlen Daten zum Langzeitüberleben von Frauen, die sich derartigen prophylaktischen Operationen unterziehen. Es gibt unterschiedliche Wege des Umgangs mit genetisch bedingtem Brustkrebs und die beidseitige prophylaktische Mastektomie mit Silikonrekonstruktion darf nicht einseitig forciert werden.
Entscheidend für Frauen ist, ob eingeleitete Schritte die erhofften Ergebnisse tatsächlich bewirken können und welche Risiken und Folgeschäden damit einhergehen. Frauen müssen Pro und Contra kennen, um informierte Entscheidungen treffen zu können. Die ausgewogene Information komplexer medizinischer Maßnahmen, bei der Risiken, Nebenwirkungen sowie mögliche Folgeschäden nicht ausgeblendet werden dürfen, ist für die Entscheidungsfindung betroffener Frauen unverzichtbar.

Der AKF stellt fest, dass evidenzbasierte Patientinneninformationsmaterialien auch zu BRCA-Gentests und genetisch bedingtem Brustkrebs fehlen und wird sich auch in dieser für Frauengesundheit relevanten Frage dafür einsetzen, dass Frauen die für ihre Entscheidungen notwendigen Informationen zukünftig erhalten.

Die Stellungnahme des AKF ist online verfügbar unter: http://tinyurl.com/AKFJolie

2 Kommentare
  1. […] gegenüber Brustkrebs erfährt (s. dazu auch Angelina Jolie, Genpatente und die Medien und Angelina Jolie, BRCA-Gentests und genetisch bedingter Brustkrebs). Es gibt auch hier wirtschaftliche Interessen, die nicht übersehen werden […]

  2. […] Angelina Jolie, BRCA-Gentests und genetisch bedingter Brustkrebs, Pressemeldung Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. vom 05.06.2013, mit Link zur Erklärung des AKF […]

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