Jetzt noch mitmachen: EU-Konsultation zu hormonell wirksamen Chemikalien

(Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2015)

noNoch bis zum 16. Januar läuft eine Konsultation der Europäischen Kommission, durch die interessierte Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung und Bedenken zu Endokrinen Disruptoren übermitteln können. Ein breites Bündnis europäischer Umwelt- und Gesundheitsverbände, die Koalition für ein Europa ohne EDCs, hat eine benutzerfreundliche Online-Plattform in 7 Sprachen vorgestellt, die die Beteiligung gerade für Menschen mit chronischen Krankheiten erleichtern soll.

Hormonell wirksame Chemikalien, auch als endokrine Disruptoren oder EDCs bezeichnet, sind Substanzen, die die körpereigenen Hormone imitieren. Sie können in das empfindliche Hormonsystem eingreifen und so die gesunde Entwicklung von Menschen und Tieren stören.

Wir kommen jeden Tag mit EDCs in Kontakt, über Lebensmittel, Kosmetika, im Haushalt, an Arbeitsplätzen, in Schulen oder Krankenhäusern, um nur einige Beispiele zu nennen. Hormonell wirksame Chemikalien werden mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht, die in den letzten Jahrzehnten weltweit immer häufiger auftreten. Beispiele sind der Anstieg an Brust- und Hodenkrebs, Fruchtbarkeitstörungen, Diabetes, Fettleibigkeit oder Verhaltensstörungen und Lernprobleme bei Kindern. EDCs gelangen in die Umwelt und stören so auch das Hormonsystem der Wildtiere. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet hormonell wirksame Chemikalien als „globale Bedrohung“.

Mit der Online-Plattform „ Sag nein zu hormonell wirksamen Chemikalien“ möchte das Bündnis besonders chronisch kranke Menschen, Selbsthilfegruppen und Organisationen aus den Gesundheitsbereichen ermuntern, ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema kundzutun und die Hemmschwelle vor dieser sehr technischen Konsultation abzubauen.

Die NGO-Onlineplattform zur Teilnahme an der öffentlichen Konsultation der EU-Kommission zu Kriterien für die Identifizierung von hormonell wirksamen Chemikalien im Kontext zur Implementierung des Pestizid- und Biozidrechts steht in 7 Sprachen zur Verfügung unter folgendem Link: http://www.no2hormonedisruptingchemicals.org/de

Pressemitteilung HEAL: Projekt Chemikalien, Gesundheit, Europa (Dez. 2014)

Noch bis zum 16. Januar läuft eine Konsultation der Europäischen Kommission, durch die interessierte Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung und Bedenken zu endokrinen Disruptoren übermitteln können. Ein breites Bündnis europäischer Umwelt- und Gesundheitsverbände, die Koalition für ein Europa ohne EDCs, hat eine benutzerfreundliche OnlinePlattform in sieben Sprachen vorgestellt, die die Beteiligung gerade für Menschen mit chronischen Krankheiten erleichtern soll (1).

Aktuell erarbeitet die EU-Kommission Kriterien, anhand welcher hormonell wirksame Chemikalien künftig identifiziert und reguliert werden sollen. Eigentlich hätten diese Kriterien bis Dezember 2013 vorliegen müssen, stattdessen wird nun eine sogenannte Gesetzesfolgen-Abschätzung durchgeführt. Ein Grund für diese Verzögerung waren sicher die intensiven Lobbyaktivitäten von Seiten der Pestizid- und Chemieindustrie. Mit der aktuellen öffentlichen Konsultation sollen nicht nur die Meinung und Bedenken der Interessensvertreter, sondern auch der breiten Öffentlichkeit abgefragt werden (2).

Mit der Online-Plattform „ Sag nein zu hormonell wirksamen Chemikalien“ möchte das Bündnis besonders chronisch kranke Menschen, Selbsthilfegruppen und Organisationen aus den Gesundheitsbereichen ermuntern, ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema kundzutun und die Hemmschwelle vor dieser sehr technischen Konsultation abbauen.

Schutz der Gesundheit vor Profit

Die öffentliche Konsultation ist sehr technisch aufgebaut, und die Fragen sind stärker danach ausgerichtet, welche Folgen und Kosten für die verschiedenen Industriebereiche zu erwarten sind. Die Regulierung hormonell wirksamer Chemikalien sollte als Leitbild die Folgen beziehungsweise positiven Auswirkungen für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt haben, und nicht nur etwaige ökonomische Folgen für die Industrie in Betracht ziehen. Es ist recht einfach, die kurzfristigen Kosten für die Industrie beim Verbot einer gefährlichen Chemikalie zu kalkulieren. Weitaus schwieriger und oft gar nicht möglich ist die Bezifferung des langfristigen Nutzens der Regulierung für die
Gesellschaft, für das Gesundheitssystem und für die Umwelt. Deshalb wird diese so entscheidende Komponente häufig einfach ignoriert. Dies kann zu einer Schieflage von politischen Entscheidungen zugunsten kurzfristiger Wirtschaftsinteressen führen.

Die öffentlich finanzierten Gesundheitskosten, die in Verbindung mit der Belastung durch hormonell wirksamen Chemikalien in Europa stehen, sind wahrscheinlich sehr beträchtlich. HEAL hat diese vor kurzem in einer Studie auf etwa 31 Mrd. EUR Gesundheitskosten veranschlagt. Im Dezember 2014 hat der nordische Ministerrats einen ähnlichen Bericht vorgelegt, welcher sich auf sämtliche Fortpflanzungsstörungen konzentriert und dabei mögliche Kosten bis hin zu EUR 1,2 Mrd. pro Jahr aufzeigt. (3)

Mit der Beteiligung an der Konsultation können Bürgerinnen und Bürger der EU-Kommission die klare Botschaft übermitteln, hormonell wirksame Chemikalien nicht mehr zuzulassen und so unsere Gesundheit zu schützen. „Hormonell wirksame Chemikalien sind kein unbedeutendes technisches Problem, sondern zentral für den Schutz der öffentlichen Gesundheit. Wenn die EU-Kommission falsche Kriterien vorschlägt, wird eine win-win Möglichkeit für die Allgemeinheit und die Industrie verpasst. Der Ausstieg aus der Verwendung von Chemikalien mit hormonell wirksamen Eigenschaften würde die Innovationen und der Wettbewerb der chemischen Industrie, dem Landwirtschaftssektor, etc. angeregen“, sagt Genon K. Jensen vom EDC Free Europe Sekretariat.

Was sind die Gesundheitsauswirkungen?

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen mittlerweile die Zusammenhänge zwischen der Belastung mit hormonell wirksamen Chemikalien und weitreichenden Gesundheitsfolgen auf. Hormonell wirksame Chemikalien werden mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht, die in den letzten Jahrzehnten weltweit immer häufiger auftreten. Beispiele sind der Anstieg an Brust- und Hodenkrebs, Fruchtbarkeitstörungen, Diabetes, Fettleibigkeit oder Verhaltensstörungen und Lernprobleme bei Kindern. EDCs gelangen in die Umwelt und stören so auch das Hormonsystem der Wildtiere. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet hormonell wirksame Chemikalien als „globale Bedrohung“. (4)

Mensch und Umwelt kommen jeden Tag mit hormonell wirksamen Chemikalien in Kontakt, über Lebensmittel, Verpackungen, Kosmetika, Elektrogeräte, an Arbeitsplätzen, in Schulen oder Krankenhäusern, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese werden auch als Pestizide in der Landwirtschaft angewandt und können somit in Lebensmittel gelangen. (5)

Als erster Wirtschaftsraum in der Welt will die EU nun offizielle Kriterien zur Identifizierung hormonell wirksamer Chemikalien festlegen – deshalb steht viel auf dem Spiel. Die EU verfügt bereits über Gesetze zu Pestiziden und Bioziden, welche vorsehen, hormonell wirksame Chemikalien nicht mehr zuzulassen (mit bestimmten Ausnahmen).

Für ein Europa ohne EDCs

Viele Einzelpersonen und Organisationen der Zivilgesellschaft sind im Zusammenschluss für ein Europa ohne endokrin wirksame Chemikalien aktiv. Es gibt Partnergruppen in ganz Europa und jede hat ihr eigenes Netzwerk und Mitglieder. In dieser starken Allianz sind Gewerkschaften, Verbraucherschützer, Gruppen des öffentlichen Gesundheitsschutzes, medizinische Berufsorganisationen, Umweltschutzgruppen und Frauenorganisationen vertreten.

Unser Ziel ist es, das öffentliche Bewusstsein für die schleichende Gefahr durch hormonell wirksame Chemikalien zu stärken und ein schnelles, konsequentes Handeln von den verantwortlichen Regierungsvertretern einzufordern.

(1) NGO-Onlineplattform zur Teilnahme an der öffentlichen Konsultation der EU-Kommission zu Kriterien für die Identifizierung von hormonell wirksamen Chemikalien im Kontext zur Implementierung des Pestizid- und Biozidrechts (auch in deutscher Sprache):
http://no2hormonedisruptingchemicals.org/de

(2) Öffentliche Konsultation der EU-Kommission (DG Sanco) zur Definition der Identifizierung von endokrinen Disruptoren im Zusammenhang mit der Implementierung der Regulation für Biozide und Pflanzenschutzmittel (Frist 16. Januar 2015):
http://ec.europa.eu/dgs/health_consumer/dgs_consultations/food/consultation_20150116_endocrinedisruptors_en.htm3

(3) Zwei vor kurzem veröffentlichte Berichte, die die Gesundheitskosten in Verbindung mit der Exposition zu endokrinen Disruptoren schätzen. Studie des Nordischen Ministerrats zu den durch hormonell wirksame Chemikalien verursachten Gesundheitskosten „The Cost of Inaction“:
http://norden.divaportal.org/smash/record.jsf?pid=diva2%3A763442&dswid=-9932 

Health and Environment Alliance (HEAL) „Health costs in the EU: How much is related to Endocrine Disrupting Chemicals?“
http://www.envhealth.org/IMG/pdf/18062014_final_health_costs_in_the_european_union_how_much_is_realted_to_edcs.pdf

Stellungnahme von HEAL (auf Deutsch):
http://envhealth.org/IMG/pdf/02072014_heal_policy_statement_german_version_final.pdf

(4) Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu hormonell wirksamen Chemikalien „State of the science of endocrine disrupting chemicals – 2012“:  http://www.who.int/ceh/publications/endocrine/en/

(5) Für weitere Informationen zum Film „Endocrination“
http://www.edc-free-europe.org/newdocumentary-filmendocrination/

Mehr Information

Chemikalien Gesundheit Europa. Plattform zur EU-Konsultation zu hormonell wirksamen Chemikalien

Download

Chemikalien Gesundheit Europa:EU Konsultation zu hormonell wirksamen Chemikalien (HEAL, pdf)

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