Im Jahr 16 nach Matuschka

(Zuletzt aktualisiert: 18. April 2015)
Sharon's Foto, Copyright Sharon Adams, Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Sharon Adams

Sharon’s Foto, Copyright Sharon Adams, Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Sharon Adams

Die Amerikanerin Matuschka stellte die Frage der Mastektomie weltweit in den öffentlichen Raum, als sie 1993 mit der Unterschrift “Du kannst nie mehr wegsehen” (You can’t look away anymore) auf dem Titelblatt des New York Times Magazine die Folgen der an ihr durchgeführten Mastektomie vor Augen führte und sich dabei zugleich zu einer Ikone transformierte. Sie zeigte damals ihre Ausstellung “I Am One Woman” mit Bildern und Skulpturen ihres Körpers vor und nach der Operation. Darf man solche Bilder zeigen? Alice Schwarzers Frauenzeitschrift EMMA entschied sich 1996 dafür. Auch sie zeigte Matuschka auf dem Titelblatt.

Facebook zensiert Bilder von Frauen mit Brustkrebs bis heute

Die Darstellung der Realität dieser immer noch täglich an Frauen durchgeführten Operation sorgt nach wie vor für Diskussionsstoff. Der Betreiber der Internetplattform Facebook hat kürzlich die von ihr selbst online gestellten Fotos einer brustamputierten Frau entfernt und sie als “sexuell und missbräuchlich” klassifiziert. Erst als sich eine Protestgruppe (Get Sharon Adams Picture back on Facebook for Breast Cancer) mit inzwischen weit über 1.000 Mitgliedern bildete, wurde der Fall überprüft und die Frau kann nun wieder ihre Bilder zeigen. Sharon Adams verknüpft sie mit Empfehlungen zur wöchentlichen Selbstuntersuchung der Brust. Leider führt diese jedoch nach den vorliegenden evidenzbasierten (= „wissenschaftlich belegten“) Daten zu noch mehr Brustamputationen. Brustkrebs ist ein Dilemma.

Das Internetportal Facebook wird nach diesem Umgang mit Sharon Adams in zahlreichen Medien offen kritisiert. Gerade auf soziale Netzwerkarbeit ausgerichtete Internetplattformen sollten sich vor Oberflächlichkeit hüten, so eine der vertretenen Meinungen, bei der es unter anderem um Wertschätzung der durch die BenutzerInnen eingestellten Inhalte gehe. In einem Entschuldigungsschreiben eines Facebook-Mitarbeiters an die Protestgruppe wird mitgeteilt, dass die Betreuer des Portals täglich Tausende gemeldeter Fotos kontrollierten und dabei möglicherweise auch einmal etwas entfernten, was nicht gegen die Regeln verstoße. Man müsse also dem Massenbetrieb nachsehen, dass die frischen Operationsnarben einer Frau als sexuell anzüglich interpretiert werden. Der Informationsdienst intern.de, der sich mit dem Internet als Medium befasst, kommentiert denn auch die Notwendigkeit der Protestgruppe wie folgt: “Ebenso wie man es akzeptieren muss, dass man mit einem Monster-Netzwerk, das die privaten Auftritte von über 120 Millionen Menschen betreut, nur per Protest kommunizieren kann.”

Weiterlesen

Artikel in der Daily Mail, in dem auch das oben eingeblendete Foto online ist: http://www.dailymail.co.uk/femail/article-1189143/Facebook-forced-lift-ban-theyd-imposed-breast-cancer-victims-sexual-abusive-mastectomy-scar-photos.html

Spiegelberichterstattung zu Matuschka 1993 [pdf]

3 Kommentare
  1. Matuschka sagt:

    […] Im Jahr 16 nach Matuschka Ich bin nicht länger ängstlich … Frauen, die sich nicht haben “rekonstruieren” lassen Flashback – Kleine Rückblende: Ist Brustkrebs zu verhüten? … Maren Klawiter’s Biobpolitik und Brustkrebs: Kranheitskultur und Aktivismus […]

  2. […] der Therapie in Bildern. Das vielleicht bekannteste Beispiel ist die Britin Sharon Adams (s. auch Im Jahr 16 nach Matuschka), die von Facebook wegen der Veröffentlichung ihrer Mastektomienarbe gesperrt wurde. Hier musste […]

Schreibe einen Kommentar

Benutzungshinweis

Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

Werbung?

Diese Webseite ist werbefrei.

Akkreditierung

Diese Website ist bei der Health On the Net Foundation akkreditiert.
Wir berücksichtigen HONcode Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo. Diese Website ist seit 2007 bei der Health On the Net Foundation akkreditiert. Wir berücksichtigen HONcode-Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo.

LibraryThing

Wir …

... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

Spenden …

Breast Cancer Action Germany - die kritische Annäherung rund um das Thema Brustgesundheit und Brustkrebs im Kontext von Medizin, Krankheitsvermeidung, Umwelt, Gesellschaft und Politik mit dem Schwerpunkt Selbstschutz / Verbraucherinnenschutz.

Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.