Hexengeflüster 2: Frauen greifen zur Selbsthilfe – 1977 bis zur Wiederentdeckung

(Zuletzt aktualisiert: 10. November 2013)
Hexengeflüster 2

Hexengeflüster 2: Frauen greifen zur Selbsthilfe (1977)

Was in den letzten Jahren häufiger auch Empowerment genannt wurde, ist gar nicht neu. Hexengeflüster 2 ist Empowerment, Stand 1977. Einige Abschnitte befassen sich mit auch mit Brustgesundheit: …

„Wir haben kein alltägliches Verhältnis zu unseren Brüsten, und sie gefallen uns auch nicht so, wie sie sind. Sie entsprechen weder den zeitgebundenen Idealgrößen von Brigitte Bardot bis Twiggy, noch können sie unseren eigenen, ebenfalls nicht unbeeinflussten Maßstäben an Straffheit oder regelmäßiger Formung genügen. Kein Wunder, dass wir nicht ohne Vorbehalte unsere Brüste anschauen können, werden sie doch als das äußerlich markanteste Zeichen unserer „Weiblichkeit“ und von Männern als Sexsymbol Nummer eins angesehen. Dass wir einen Gedanken an einen Knoten in der Brust verdrängen, und die sich daran anknüpfende Angst, unter Umständen eine Brust zu verlieren, ist deshalb sehr verständlich.

Um so befreiender war es deshalb immer wieder, wenn wir in Kursen über das Verhältnis zu unseren Brüsten offen sprachen, uns selbst gegenseitig anschauten und untersuchten. Wir lernten, dass die Brüste einer Frau fast nie gleichmäßig sind. Eine ist fast immer größer als die andere, … vielleicht hilft es uns auch, wenn wir wissen, wie eine Brust anatomisch aufgebaut ist, welche Arten von Knoten es gibt und dass die meisten gutartig sind und welche Untersuchungsmöglichkeiten wir haben und fordern können. … Die meisten Knoten werden von Frauen selbst entdeckt. … Es gibt zwei Arten von Knoten in der Brust: Zysten und Tumore. Zysten sind gutartige, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, Tumore sind gutartiges oder bösartiges Wachstum von Zellen. … Wenn du bei deiner Brustuntersuchung einen Knoten entdeckt hast, der nicht regelmäßig in deinem Zyklus auftritt … und von allein wieder verschwindet, kannst du eine Ärztin aufsuchen, die viel Erfahrung mit Brustuntersuchung haben sollte. Sie sollte zunächst noch einmal tasten. Eine weiter Möglichkeit besteht in der Mammographie. Dies ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Auch winzige Knoten, die du oft noch nicht ertasten kannst, können durch die Mammographie entdeckt werden. Allerdings ist es wegen der Strahlung nicht besonders gut, häufig eine Mammographie machen zu lassen. … bevor du eine Operation in Erwägung ziehst, solltest du eine Gewebeprobe vornehmen lassen: dabei wird etwas Gewebe des Knotens entnommen, um völlig sicher zu gehen.“

Auf verschiedene Möglichkeiten der OP geht Hexengeflüster 2 nicht ein, verweist aber auf Dorothy Gilden, Fact Sheat on Breast Surgery, Los Angeles 1973. Sämtliche Möglichkeiten der Brust-OP und Nachbehandlung sind hier erschienen. Als Bezugsquelle wird das Feministische Frauengesundheitszentrum FFGZ West-Berlin genannt.

Hexengeflüster verweist aber auch auf den traditionellen Streit zwischen Frauenärzten und Chirurgen – in Deutschland – wer für einen Knoten in der Brust zuständig ist. Hexengeflüster warnt 1977 ausdrücklich vor Chirurgen, sie seien zu schnell mit dem Messer zur Hand. Vorunteruschungen wie Mammographie seien unüblich für Chirurgen, schnell sei auch bei gutartigen Konten – dann überflüssiger Weise – eine Schnitt gemacht.

Verwiesen wird auch auf die Notwendigkeit des Standards zu dieser Zeit: Frauen müssen auf einem Formular sogleich ihr Einverständnis zu einer TOTALOPERATION (Entfernung einer oder beider Brüste) geben, „falls sich dies als notwendig erweisen sollte“. Empfehlung an die Frauen: Satz streichen, denn es sei schon öfter vorgekommen, dass sich nach der Schnellschnittuntersuchung diese als falsch erwiesen habe, mit dem Ergebnis der unnötigen Brustamputation.

Wenn man über die Ursprünge der Frauenselbsthilfe, der Selbsthilfe im Buch liest, stellt sich unweigerlich ein wenig Wehmut ein, heute, wo „Selbsthilfe“ so sehr instrumentalisiert und gekoppelt an Geldgeber wie die Pharmaindustrie ist. Selbsthilfegruppe, Selbsthilfeabend in der Volkshochschule, Selbsthilfekurse, Informationsvermittlung – ohne Pharmaindustrie am gleichen Tisch – Informationsstände bei Frauenveranstaltungen und Zusammenarbeit mit unabhängigen amerikanischen Frauengesundheitsnetzwerken. Eine Selbsthilfemappe wurde erstellt als Arbeitshilfe und CLIO erschien als periodische Zeitschrift zur Selbsthilfe.

Diese Zeitschrift immerhin gibt es noch heute. Jede Frau kann sie beim FFGZ in Berlin – www.ffgz.de – bestellen und abonnieren.

Es lohnt sich, auch Hexengeflüster – mit viel viel mehr als den hier erwähnten Informationen – heute noch mal neu zu lesen und zu entdecken …

Weiterlesen

Feninistische Frauengesundheitszentrum Berlin (FFGZ)

Zeitschrift des FFGZ: Clio

Hexengeflüster 2 in unserer Bibliothek bei LibraryThing

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