Fettreduzierte Diät & Brustkrebsüberleben (WINS-Studie)

(Zuletzt aktualisiert: 3. Januar 2007)

Zusammenstellung Gudrun Kemper

Ernährung, Brustkrebs und insbesondere der Konsum von Fett in der Nahrung ist in der Vergangenheit immer wieder einmal Gegenstand klinischer Forschungen gewesen. Der Zusammenhang zwischen Fett in der Ernährung in Bezug auf die Entstehung von Brustkrebs, aber auch bei Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, ist nach wie vor Forschungsgegenstand. Neue Ergebnisse zur Aufnahme von Fett in der Nahrung von Brustkrebspatientinnen wurden jetzt vorgestellt und diese Studienresultate gehörten zu den interessantesten Beiträgen vom San Antonio Breast Cancer Symposium 2006.

Ergebnisse zur Ernährung nach Brustkrebs und Brustkrebsüberleben – und zwar hinsichtlich der Reduktion von Fett in der Ernährung – werden in der sogenannten „WINS-Studie“ (Women’s Intervention Nutrition Study evaluating dietary fat reduction and breast cancer outcome) untersucht, die bereits im Jahr 1994 initiiert worden war.
Die Ergebnisse wurden auf dem SABCS 2006 von MD PhD Rowan T. Chlebowski, Prof. of Medicine am Habor UCLA Center in Torrance, Kalifornien, vorgestellt. Die Studie wurde finanziert vom National Cancer Institute und dem Institute of Health in den USA, zusätzliche Projekte wurden dabei unterstützt durch die Breast Cancer Research Foundation und das American Institute for Cancer Research.

In der randomisierten „WINS-Studie“ (Phase III) wurden 975 Brustkrebspatientinnen in der Altersgruppe zwischen 48 und 79 Jahren innerhalb eines Jahres nach ihrer Brustkrebsoperation einer Gruppe zugeteilt, die eine fettreduzierte Diät einhalten musste. Die Brustkrebspatientinnen in dieser Gruppe sollten maximal 20% oder weniger der täglichen Gesamtkalorienaufnahme in Form von Fett zu sich nehmen. (Dr. Chlebowski gibt in seiner Präsentation weniger als 20% an, die Berichterstattung im Journal of the National Cancer Institute jedoch unter 15%.) Außerdem erhielten die Patientinnen in der Diätgruppe Schulungen über fettreduzierte Nahrungszubereitung und schriftliche Informationsmaterialien zu ihrer täglichen Kalorienaufnahme. Eine Diätassistentin kontaktierte sie alle drei Monate und es bestand die Möglichkeit, monatlich an einem Diätgruppentreffen teilzunehmen.

Die Ergebnisse wurden verglichen mit einer etwas größeren Kontrollgruppe, in die 1462 Frauen eingeschlossen wurden.

Alle Patientinnen in beiden Gruppen, bei denen bei Studieneinschluß sehr viel Wert auf die gute Vergleichbarkeit beider Gruppen gelegt wurde, hatten zuvor eine normale schulmedizinische Standardbehandlung ihrer Brustkrebserkrankung erhalten und wurden zwischen 1994 und 2001 in die Studie aufgenommen.

Zu Beginn der Studie hatten die Teilnehmerinnen aus beiden Gruppen rund 30% ihrer Kalorienzufuhr in Form von Fett zu sich genommen, nach einem Jahr Laufzeit sank der Anteil an Fett jedoch auf durchschnittlich 20,3% in der Gesamtkalorienzufuhr, während es in der Kontrollgruppe 29,2% waren. Zu Beginn der Studie lag das durchschnittliche Körpergewicht der Brustkrebspatientinnen in beiden Studienarmen auf dem gleichen Niveau, fünf Jahre später jedoch waren die Brustkrebspatientinnen in der Diätgruppe im Durchschnitt 6 Pfund leichter als in der Kontrollgruppe.

Die Interimsergebnisse, die bereits auf dem ASCO 2005 präsentiert wurden, sind nun im Journal of the National Cancer Institute vom 20.12.2006 erschienen. Zum Extract im JNCI 2006 98(24):1751
Die Ergebnisse der Studie wirken auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär, wenn die gesundheitsbezogenen Ergebnisse betrachtet werden. Jedoch zeigt sich insbesondere in der Gesamtheit ein nicht zu übersehender Vorteil für die Patientinnen in der „Diät-Gruppe“. Sie hatten insgesamt auch bessere Überlebenschancen, denn in der Diätgruppe verstarben lediglich 7,7% der Frauen, während es der Kontrollgruppe 10,2% waren. 5,5% der Patientinnen erlitten in der Diätgruppe eine Metastasierung, in der Kontrollgruppe waren es 6,6%, an Brustkrebs in der anderen Brust erkrankten in der Diätgruppe 1,4% der Patientinnen, während es in der Kontrollgruppe 2,1% waren. Eine weitere Krebserkrankung erlitten 3,2% der Patientinnen in der „Diätgruppe“, jedoch 3,8% in der Kontrollgruppe. Die Forschergruppe rechnete aus, dass 38 Patientinnen an einem solchen Diätprogramm teilnehmen müssten, um einen Rückfall zu vermeiden, während das durchschnittliche Risiko sich für die Diätgruppe um insgesamt 24% verringerte.

Diese Ergebnisse der WINS-Studie lassen darauf schließen, dass eine reduzierte Aufnahme von Fett in der Ernährung, die einen moderaten Einfluss auf das Körpergewicht erreicht, bei Brustkrebspatientinnen, die eine konventionelle Krebsbehandlung erhalten haben, die Überlebensraten positiv beeinflusst.

Insbesondere für die Patientinnengruppe, die an Hormonrezeptor positivem Brustkrebs erkrankt war, zeigte sich der Vorteil für die fettreduzierte Diät, allerdings nicht „signifikant“. Zusammenhänge werden vermutet bei den Einflüssen, die die Gewichtsreduktion im Zusammenhang mit dem Hormonrezeptorstatus ausübt. Die Ergebnisse werden weiter überprüft und es erfolgt ein weiteres „Follow up“.

Hervorgehoben wurde vorallem, dass die Daten zur Fettaufnahme auf den Selbstauskünften der Studienteilnehmerinnen beruhten und dass möglicherweise auch die Gewichtsabnahme – ganz unabhängig von der Fettaufnahme – zu den besseren Überlebensergebnissen geführt haben könnten.

Quellen:

http://www.sabcs.org/ (z.B. „Hot 5 presentations“ bei den Videovorträgen)

http://jnci.oxfordjournals.org/cgi/content/full/98/24/1751-a

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