Europäische Referenzorganisation EUREF besuchte deutsche Referenzzentren

(Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2013)

über das EUREF-Abstract berichtet Gudrun Kemper

Die EUREF (European Reference Organisation for Quality Assured Breast Screening and Diagnostic Services / Europäische Referenzorganisation für qualitätsgesichertes Brustscreening und Diagnoseleistungen) hat mittlerweile alle 5 Referenzzentren des nationalen Mammographie-Screening-Programms in Deutschland besucht. In der Zusammenfassung des Berichts zu den Beratungsbesuchen der EUREF ist die Rede davon, dass man von der Geschwindigkeit bei der Umsetzung des riesigen bundesweiten Screening-Projektes beeindruckt sei. Besonders beeindruckend sei die Tatsache, dass in einem dezentralen Gesundheitssystem ein zentral gesteuertes, qualitätsgesichertes Programm erfolgreich umgesetzt worden sei.

Hintergrund: Neben den 5 Referenzzentren sollen 94 Screening-Einheiten – einige davon sind in mobilen Mammographie-Bussen untergebracht – den Zugang zur qualitätsgesicherten Brustkrebsfrüherkennung durch Mammographie-Screening ermöglichen. Deutschland ist das bevölkerungsreichste Land Europas. Bei uns leben über 10 Millionen Frauen aus der Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren, die einen Anspruch auf Teilnahme an dem Programm haben. Gesundheitspolitik, zahlreiche Frauenverbände, Sachverständigenrat und Deutscher Bundestag mit einem fraktionsübergreifenden Bundestagsbeschluss hatten gemeinsam die Weichen für die Etablierung dieses von WHO und europäischem Rat empfohlenen Programms auf der Basis Europäischer Leitlinien gestellt, um die in der Kritik stehende „graue“ Mammographie entsprechend den Empfehlungen der Europäischen Leitlinien abzulösen und eine wirksame Überwachung und Qualitätssicherung beim Einsatz der Mammographie zu ermöglichen. Im Gegensatz zu anderen Maßnahmen der Krebsfrüherkennung wie etwa der Darmspiegelung, Haemoccult-Tests oder Hautkrebsscreening wird beim Mammographie-Screening davon ausgegangen, dass die Maßnahme „evidence-based“ ist, also das Ziel der Verringerung der Brustkrebssterblichkeit tatsächlich erreichbar ist. So ist zumindest die Auffassung von WHO, Europäischem Rat und Europäischem Parlament, das die Mitgliedsländern zur Einführung qualitätsgesicherter Brustkrebs-Früherkennungsprogramme nach Europäischen Leitlinien aufgefordert hat.

Schwierig seien in dem komplexen Programm neben zahlreichen parallelen Zusammenhängen und gemeinsamen Verantwortlichkeiten besonders Kommunikation und Evaluation, so die EUREF. Sie stellt ferner fest, dass die LeiterInnen der Referenzzentren und ihre MitarbeiterInnen ausnahmslos sehr engagiert bei Einrichtung, Durchführung und Überwachung des Programms mit dem Ziel einer Reduktion der Brustkrebssterblichkeit seien. Die Teilnehmerinnen-Quote von knapp 50% sei in der Anfangsphase recht gering gewesen. Dieses wird darauf zurückgeführt, dass sich ein Teil der Frauen mit hoher Wahrscheinlichkeit nach wie vor noch außerhalb des Programms durch sogenannte „opportunistische Screening-Aktivitäten“ zur Früherkennung von Brustkrebs röntgen läßt. (Frauen, die sich in anderen als den Screening-Einheiten röntgen lassen, werden damit weiterhin an Geräten geröntgt, deren Strahlendosis nicht täglich vor dem Einsatz der Geräte geprüft werden und sie verzichten damit meistens auch auf die im Screening-Programm obligatorische unabhängige Doppelbefundung durch spezialisierte Befunder, die die Diagnosesicherheit verbessern und die Rate von Fehlalarmen bei der Früherkennungsmammographie senken sollen.)

EUREF ist der Meinung, dass es noch eine leichte Zunahme bei der Teilnehmerinnenrate geben wird, wenn das zentrale Projekt und seine hohe Qualität in der Leistung beibehalten werden. Festgestellt wird ferner, dass weitere Performance-Indikatoren den erwünschten Vorgaben der Europäischen Leitlinien entsprächen. Vermisst wird bisher allerdings ein funktionierendes Berichtswesen. Auch das Analyse-System sei noch nicht komplett funktionsfähig. Darauf hatte auch die Leiterin des Aachener Tumorzentrums, Dr. Angela Spelsberg, auf verschiedenen nationalen Veranstaltungen und Kongressen zum Mammographie-Screening in Deutschland ebenfalls bereits wiederholt hingewiesen. Die Referenzzentren, so EUREF weiter, hätten deswegen bisher noch keinen vollständigen Überblick über die Leistungen der Screening-Einheiten in ihrem Verantwortungsbereich. EUREF weist darauf hin, dass es ein allgemeines Anliegen seiner beratenden Besuche sei, die Grundsätze der Verantwortung der Referenzzentren im Zusammenhang mit der Qualitätskontrolle gegenüber den Screening-Einheiten und ihrer behördlichen Aufsicht zu betrachten. Ohne diese Aufsicht wäre es für die Referenzzentren schwierig, ihre Verantwortung gegenüber den Screening-Einheiten wahrzunehmen.

Die Referenzzentren seien nicht allein verantwortlich für die Sammlung von Daten, die physische Qualitätssicherung und Ausbildung. Sie müssten darüber hinaus auch die Macht haben, die Organisation bzw. deren professionelle Leistungen zu steuern und auch unzufriedenstellendere kleine Einheiten zu suspendieren, wenn es notwendig ist. EUREF hält in der Kurzzusammenfassung außerdem fest, dass alle Referenzzentern umfangreiche Fachausbildungsmaßnahmen für spezialisierte Röntgenassistentinnen und RadiologInnen anböten. Alle Referenzzentren und die dazugehörigen Screening-Einheiten verfügten über gute und angemessene Standorte, Umgebungen und Einrichtungen. Bisher habe EUREF allerdings aufgrund begrenzter Ressourcen nur die direkt an die Referenzzentren angeschlossenen Screening-Einheiten besucht.

Abschließend bedankten sich die EUREF-Teams bei den MitarbeiterInnen der Referenzzentren nicht nur für die mühsame Arbeit im Zusammenhang mit den Vorbereitungen der Beratungsbesuche – zu denen auch Einzelfallüberprüfungen gehörten -, sondern auch für die offene Diskussionskultur und die bereitgestellten Informationen zur Organisationsstruktur der Referenzzentren wie auch zum gesamten nationalen Screening-Programm, sowie für die freundliche Aufnahme.

Quellen und weitere Informationen:

pdf Advisory Visits to the five Reference Centres of the German Mammography Screening (Executive Summary auf der Webseite der Kooperationsgemeinschaft Mammographie; der vollständige Bericht ist zur Zeit weder bei EUREF noch beim EBCN bzw. bei der Kooperationsgemeinschaft online, Link nicht mehr aktiv, fordern Sie das Executive Summary ggf. bei uns an: info[at]bcaction.de).

Webseite der EUREF – European Reference Organisation for Quality Assured Breast Screening and Diagnostic Services

pdf Breast Cancer Screening: IARC Handbook of Cancer Prevention (WHO) Volume 7, reviewed by Robert A Smith, Lyon 2002, ISBN 9-2832-3007-8. Das Handbuch ist vergriffen und kann als PDF vollständig und kostenfrei heruntergeladen werden.

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