EU-Parlament fordert 1.800 Brustzentren in der EU

(Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2006)

Pressemeldung Karin Jöns, MdEP
„Brustkrebs betrifft immer mehr junge Frauen“
Europäisches Parlament fordert 1.800 Brustzentren in der EU

„Es muss Schluss damit sein, dass das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, in einem Mitgliedstaat der EU doppelt so hoch ist wie in einem anderen. Und das nur, weil es noch immer weitgehend an Früherkennung und Behandlung nach europäischen Qualitätskriterien fehlt“, so Karin Jöns (PSE), Krebsexpertin des Europäischen Parlaments, nach der heutigen Debatte zu „Brustkrebs in der erweiterten EU“. Sie geht davon aus, dass das Europäische Parlament morgen mit überwältigender Mehrheit in einer von ihr initiierten Entschließung für ein EU-weites Mammographie-Screening und für Brustzentren nach EU-Leitlinien stimmen wird.

Karin Jöns: „14 Jahre nach Veröffentlichung der EU-Leitlinien für Mammographie-Screening gibt es diese Form der Früherkennung erst in 11 von 25 Staaten und selbst dann nicht immer qualitätsgesichert. Allein so könnten wir in der EU rund 31.000 Frauen pro Jahr das Leben retten und das für gerade mal einmalig 1,25 Euro pro Bürger!“

Jöns weist darauf hin, dass Brustkrebs in 90 Prozent aller Fälle heilbar sei, wenn nach der Früherkennung auch die Behandlung stimme. Deshalb habe das EP nun die Regierungen aufgefordert, bis 2016 eine flächendeckende Versorgung mit interdisziplinären Brustzentren nach EU-Leitlinien sicherzustellen.

„In der EU bräuchten wir rund 1.800 Brustzentren, da die EU-Leitlinien auf 250.000 Einwohner 1 Brustzentrum vorsehen, d.h. spezialisierte Klinikabteilungen. Diese müssen sich ausschließlich auf gut- und bösartige Erkrankungen der Brust spezialisiert haben, interdisziplinäre Fallkonferenzen vor und nach jeder OP abhalten und mindestens pro Jahr 150 Operationen von erstmals aufgetretenem Brustkrebs in ein- und demselben Zentrum durchführen“, so Karin Jöns.

Karin Jöns betont, dass durch die Behandlung in solchen Zentren auch damit aufgehört würde, dass nach wie vor Brustamputationen in manchen Mitgliedstaaten selbst bei sehr früh entdecktem Krebs eher die Regel als die Ausnahme seien, obwohl heute in 80 Prozent der Fälle brusterhaltend operiert werden könne.

Die Leitlinien schreiben ferner pro Zentrum mindestens zwei Brustkrankenschwestern u.a. als Lotsinnen für die Patientin während der gesamten Behandlung vor. Für das Berufsbild sollen nun ebenfalls Leitlinien erarbeitet werden.

Karin Jöns weist auch auf die entscheidende Bedeutung von Brustzentren gerade für jüngere Frauen hin. Brustkrebs habe sich bei Frauen unter 40 in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die Konsequenzen für jüngere Frauen mit Brustkrebs reichten von Beeinträchtigungen während der Mutterschaft und Unfruchtbarkeit infolge der Behandlung über Karrierebrüche bis hin zur sozialen Ausgrenzung durch den Verlust des Arbeitsplatzes. Deshalb wird sich das Parlament in seiner Entschließung auch für eine Charta zum Schutz der Rechte von Brustkrebspatientinnen am Arbeitsplatz und für eine bessere Wiedereingliederung in den Beruf aussprechen.

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