Earthcare – Frauen und Umwelt von Carolyn Merchant

(Zuletzt aktualisiert: 6. Januar 2003)

Carolyn Merchant: EarthcareEarthcare
Women and the Environment

von Carolyn Merchant 
New York : Routledge 1995 
280 S.  

ISBN 0-415-90887-6, 0-415-90888-5

Krankheit und Umwelt – die Zusammenhänge werden gerne ausgeblendet, doch hier liegen Ursachen dafür, dass wir krank sind. Virginia Scharff, eine der führenden amerikanischen Ökofeministinnen, verwendet für das Buch mit dem schönen Titel „Earthcare“ (Pflege der Erde) den Begriff „embryonal“, um damit das Feld „Umweltgeschichte der Frauen“ zu betreten. Nach Scharff war die Verschmelzung von Gender-Analyse und Umweltgeschichte ein „Alleingang“ von Frauen, bei dem Ökologie und „wissenschaftliche Revolution“ ineinander greifen. Schaut man auf Ellen Swallow Richards zurück, die erste Absolventin des Massachusetts Institute of Technology, so findet man ihre um 1892 entwickelten Grundlagen für Umweltqualität, die sie mit „oecology“, Ökologie, bezeichnet. Earthcare von Carolyn Merchant nimmt diesen Faden auf und stellt in den drei Hauptkapiteln Theorie, Geschichte und Praxis Materialien zur Erforschung von Frauenorganisationen und ihrem Engagement für die Natur in der westlichen Kultur und ihrer Rolle in der heutigen Umweltbewegung bereit.

Earthcare ist eine Mischung aus einigen bereits zuvor veröffentlichten Arbeiten und mehreren neuen Essays. Im Teil 1 beginnend mit dem Mythos und der Association der Natur als Weiblichkeit (Gaia), über eine „in Ungnade gefallene“ Natur (Eva) zu Frauen in der Wissenschaft (Isis) bietet Earthcare eine Chronologie der Umweltgeschichte der Frauen zu den letzten 100 Jahren, dem historischen Kontext und Beiträge zur Umweltethik, einschließlich eines Aufrufs an die Menschheit, den Weg der westlichen Welt im Umgang mit der Natur zu über denken.

Women's Action Agenda

Women’s Action Agenda 21

Ökologie ist die Lehre vom „Haushalt“ der Erde, und das Haus ist eine zumindest historisch bei Frauen angesiedelte Sphäre, die wir heute immer noch auf allen Ebenen unterbewertet sehen. Besonders in den 1960er und 1970er Jahren waren Frauen- und Umweltbewegung stark. Beide Bewegungen waren demokratisch und befreiend wirksam von ihren politischen Aussagen her. Earthcare ist eine interessante und gut lesbare, dabei theoretisch anspruchsvolle ökofeministische Arbeit, die sich abschließend auch mit der „Women’s Action Agenda 21“ und ihren Inhalten auseinandersetzt. Problem ist nur, dass diese Agenda Frauen besonders hierzulande inhaltlich praktisch nicht bekannt ist, nicht einmal eine deutschsprachige Übersetzung ist verfügbar, wie bei so vielen wichtigen Grundsatzpapieren von der EU-Ebene auch.  Christa Wichterich schreibt dazu in ihrem Artikel Viel Markt, wenig Frauenpower und wenig Frauenrechte (pdf) zum World Summit on Sustainable Development 2002, wo die Women’s Action Agenda 21 verabschiedet wurde:

… es ging um einen anderen Umgang mit der Natur, eine andere Ethik des Wirtschaftens und um Gerechtigkeit – zwischen Norden und Süden, zwischen Arm und Reich, zwischen den Geschlechtern. Die Botschaft war klar. Im Johannesburg-Prozess gelang es internationalen Frauennetzwerken dagegen nicht, sich in den zentralen Diskurs einzuklinken, nämlich das Verhältnis von Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Globalisierung. WEDO (Women, Environment and Development Organization) spielte nicht mehr die organisierende und vernetzende Führungsrolle wie im Kontext früherer UN-Organisationen. …

Die wichtigen Inhalte finden hier bei uns einfach wenig oder keinen Eingang in die Art und Weise, wie wir hier leben (müssen). Es lohnt sich dennoch, zur Kenntnis zu nehmen, dass es die Bücher von Carolyn Merchant gibt.

Über Carolyn Merchant

Carolyn Merchant, Jg. 1936, ist eine amerikanische ökofeministische Philosophin und Wissenschaftshistorikerin mit dem Schwerpunkt Umweltgeschichte. Sie befasst sich mit den Auswirkungen zunehmender Industrialisierung, dem Aufstieg des Kapitalismus und Herrschaftsstrukturen, die Auswirkungen auf unser Leben als Frauen heute haben. Merchant hat eine Reihe von Büchern zu diesen Thematiken verfasst, die jedoch mit Ausnahme ihres ersten Buches „Tod der Natur“  – als Taschenbuch bei Beck 1987 und in 2. Aufl. 1994 erschienen – in deutscher Sprache nicht verfügbar sind.

Bücher von Carolyn Merchant (Auswahl)

Ecological Revolutions : Nature, Gender, and Science in New England. (2. Aufl.) 2010

Ecology: Key Concepts in Critical Theory. 2008

Radical Ecology: The Search for a Livable World. Revolutionary Thought and Radical Movements. 2. Aufl. 2005

Reinventing Eden: The Fate of Nature in Western Culture. 2003

Columbia Guide to American Environmental History. 2002

Green Versus Gold: Sources in California’s Environmental History. 1998

Earthcare – Women and Environment. 1996

The Death of Nature: Women, Ecology, and the Scientific Revolution. (1. Aufl.) 1980, in dt. Sprache erschienen unter dem Titel „Tod der Natur“ (1987 und 1994 bei Beck)

Weiterlesen

Women’s Action Agenda for a Peaceful and Healthy Planet 2015 (pdf, Entwurf 2002, deutschsprachige Übersetzung wird vermisst!)

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