Dr. Monica Morrow auf dem SABCS 2008: Kein Vorteil für MRT

(Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2009)

Bericht von Breast Cancer Action San Francisco übersetzt und zusammengefasst von Beate Schmidt

Dr. Monica Morrow, Leiterin der Chirurgie im Brustzentrum des Memorial Sloan-Kettering Cancer Centers, hielt auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium zum Thema MRT (Magnetresonanztomographie) der Brust einen „smarten“ Vortrag, wie die Medizinsoziologin und Spezialistin für Frauengesundheitsfragen Jane Zones von Breast Cancer Action berichtet. Dr. Morrow beschäftigte sich u.a. mit der Anwendung klinischer Studienergebnisse in der Praxis und legte besonderes Augenmerk auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Der potentielle Vorteil der MRT liegt lt. Morrow in der Verfeinerung der Entscheidungen in der Brustkrebstherapie mit Blick auf Brusterhaltung, um das Ausmaß des Tumors zu bestimmen, contralaterale Tumoren zu erkennen und das Rezidivrisiko zu minimieren. Eine Meta-Analyse ergab, dass die MRT 16% zusätzliche Krankheits-Diagnosen erbrachte (von denen ein Drittel falsch-positiv war), was gleichzeitig zu einem Anstieg des Anteils von Mastektomien oder großflächiger Exzisionen statt Brust erhaltender Therapie führte.

Studien ergaben, dass der Anteil von Mastektomien bei Frauen, die eine MRT erhielten, doppelt so hoch war wie bei denen, die andere bildgebende Verfahren genutzt hatten. Darüber hinaus werden Frauen, die eine MRT erhalten, im Schnitt drei Wochen später operiert. Diagnosebezogene MRT-Studien wurden erst im Nachhinein durchgeführt und sind nicht randomisiert. Frauen, die sich einer MRT unterzogen, waren durchschnittlich sechs Jahre jünger und für diese Diagnose ausgewählt, weil sie wahrscheinlicher profitierten, was wiederum zu günstigeren Ergebnissen der MRT-Studien führte. Dennoch wurde kein Vorteil für dieses Bildgebungsverfahren festgestellt, so berichtet Jane Zones über die von Dr. Morrow in ihrem Vortrag vorgestellten Ergebnisse.

Dr. Morrow fasste zusammen, dass die MRT mehr Krebs findet, diese Diagnosen jedoch keine klinische Relevanz haben. MRT führt zu einer höheren Anzahl unnötiger Mastektomien. Weder kurzfristige OP-Ergebnisse noch langfristige lokale Kontrollen oder contralaterale Krebsfälle wurden durch die MRT verbessert. Daher empfiehlt sie, die MRT nur für Frauen mit

  • nachgewiesener BRCA1- oder BRCA2-Mutation,
  • befallenen Achsellymphknoten,
  • bzw. bei Frauen mit einer Empfehlung für eine neoadjuvante Therapie
  • und für den Fall, dass durch Mammographie, Ultraschall und physische Untersuchung keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann.

Dr. Monica Morrow beendete ihren Vortrag mit dem Satz, dass für den routinemäßigen Einsatz der MRT bei Krebspatientinnen klinische Vorteile gebraucht würden. Derzeit existierten diese jedoch nicht. Auf ihrer letzten Vortragsfolie zeigte sie Konzepte im Zusammenhang mit Brustkrebs, die intuitiv einleuchtend erschienen, sich jedoch als falsch herausstellten:

  • Hochdosis-Chemo und Knochenmarkstransplantation sind der konventionellen Chemo überlegen,
  • endokrine Therapie ist der Chemotherapie unterlegen und bringt keinen Überlebensvorteil,
  • die Behandlung von Brustkrebs mit weniger als Mastektomie ist gefährlich,
  • die lokale Therapie beeinflusst das Überleben nicht.

Sie fügte dieser Liste einleuchtender, aber falscher Konzepte hinzu: MRT findet Brustkrebs, der auf eine andere Art und Weise nicht gefunden werden kann. Dieses muss aber nützlich sein.

Dem Vortrag von Dr. Morrow folgte die Vorstellung der prospektiven MRT-Studie namens COMICE, die vom British National Health Service randomisiert mit 1.623 Frauen in zwei Gruppen durchgeführt wird: eine Gruppe erhielt MRT vor einer brusterhaltenden Therapie, die andere Gruppe erhielt keine MRT. Primärer Endpunkt war die Anzahl der Nachoperationen (nachfolgende weitere Exzisionen oder Mastektomien). Es gab hinsichtlich der Nachoperationsraten keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Studiengruppen, was Dr. Morrows Sichtweise bekräftigt.

Links & Quellen:

Hier den Bericht von Jane Zones im Original nachlesen.

Dr. Monica Morrow – Leiterin des Brustzentrums im Memorial Sloan-Kettering Cancer Center

Monica Morrow über Monica Morrow (Kurzbiografie)

Weiterlesen:

Informationen zur MRT auf unserer Webseite und in unserem Blog

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