CAM – Complementary and Alternative Medicine

(Zuletzt aktualisiert: 9. Mai 2013)

„Ungefähr 40 – 70% der Menschen in Deutschland, die an Krebs erkranken, wenden Maßnahmen aus dem Bereich Ernährung als komplementäre und alternative Medizinverfahren an (CAM = Complementary and Alternative Medicine).“ [1] CAM wird in Anspruch genommen mit der Motivation, die Lebenszeit zu verlängern, zukünftigen Erkrankungen vorzubeugen, Gefühle von Kontrolle und Hoffnung zu erlangen bzw. aus der Enttäuschung über schulmedizinische Therapien heraus.[2]

Selen

8 – 20% der Frauen mit Brustkrebs sollen demnach Selen einnehmen.[3] Dabei ermögliche die mangelnde Studienlage zur Wirksamkeit und Sicherheit von CAM – auch im Falle von Selen keine Empfehlung zur Anwendung.[4]

Unsere Position zu „CAM“

Wir meinen, Frauen haben einen Anspruch auf wahrheitsgemäße und vollständige Information zu allen therapeutischen Angeboten und zu den zu erwartenden Behandlungsergebnissen, soweit Erkenntnisse zu den einzelnen Therapien vorliegen. Auch wenn wir wissen, dass für viele Therapieverfahren bisher keine evidenzbasierten Forschungsergebnisse vorliegen, so sind nach guter klinischer Praxis und evidenzbasierten Standards durchgeführte wissenschaftliche Untersuchungen der Weg, um zu brauchbaren Aussagen über Wirksamkeit, Unwirksamkeit bzw. Nebenwirkungen zu kommen. Das verfügbare Wissen über Behandlungsmöglichkeiten muss Patientinnen zugänglich gemacht werden. Irreführende Erfolgsmeldungen, unehrliche Aussagen und unhaltbare Versprechungen in Hinsicht auf sog. komplementäre oder alternative Verfahren – auch bekannte renommierte Brustkrebszentren in Deutschland empfehlen mitunter „CAM“ in dieser Weise – sind unfair und wir unterstützen diese nicht, auch wenn wir verstehen, wie groß die Sehnsucht nach Hoffnung ist.

[… wird fortgesetzt … ]

Quellenangaben

[1] Eustachi, Axel et al. Patients of an Interdisciplinary Cancer Treatment Center: Use of, knowledge about and demand for CAM Treatment Options. Integrative Cancer Therapies. 2009, 8, 56-62 und Nicolaisen-Murmann et al. Komplentäre und alternative Methoden (CAM) bei Frauen mit Genital- oder Mammakarzinom: multizentrische Studie zur Prävalenz und Motivation. Geburtshilfe und Frauenheilkunde. 65, 178-184 (2004), zitiert nach Dennert, Gabriele: „Männer müssen lernen, mehr aus dem Bauch raus zu machen, und Frauen, den Kopf mit zu gebrauchen: Geschlechtterkonstruktionen durch ÄrztInnen. Gender. 4.,2012 (2), S. 83 f

[2] Dennert, a.a.O, S. 85

[3] Sehouli et al. Unkoventionelle Methoden in der Krebsmedizin. Postoperative Nutzung durch Patientinnen mit gynäkologischen Malignomen. . Geburtshilfe und Frauenheilkunde. 60, 147-154 (2000), Petru et al. Komplentäre Maßnahmen bei Patientinnen mit gynäkologischen Malignomen unter Chemo- und Hormontherapie. Bestandsaufnahme und kritische Überlegungen für die Praxis. . Geburtshilfe und Frauenheilkunde. 61, 75 – 78 (2001), zitiert nach Dennert a.a.O.

[4] Dennert, Gabriele/Horneber, Markus. Selenium for alleviating the side effects of chemotheraphy, radiotheraphy and surgery in cancer patients. Cochrane Database of Systematic Reviews, Iss. 5, Art. No CD005195 (2009) und Dennert, Gabriele “Something they believe in”. Motives of German physicans for recommending selenium supplements to female and male cancer patients. A focus group investigation. (Unveröffentlichte Masterarbeit)

1 Kommentar
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