Gemeinsamer Bundesausschuss: Magnetresonanz-Tomographie der weiblichen Brust (MRM / MRT)

(Zuletzt aktualisiert: 9. Dezember 2001)

Zusammenfassender Bericht des Arbeitsausschusses „Ärztliche Behandlung“ des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Beratungen gemäß §135 Abs.1 SGB, Stand 10/2001

http://www.g-ba.de/cms/upload/pdf/abs5/berichte/HTA-MRM.pdf

Zitat aus der Zusammenfassung:

Medizinischer Nutzen und Notwendigkeit:
Nach detaillierter Auswertung der wissenschaftlichen Literatur, der Stellungnahmen, der erstellten Gutachten und der HTA-Berichte stellt der Arbeitsausschuss abschliessend fest, dass der Nutzen der MRM für die Anwendung in der vertragsärztlichen Versorgung ausschließlich für folgende Indikationen als belegt angesehen werden kann:

  1. Lokalrezidivausschluss eines Mamma-Karzinoms nach brusterhaltender Therapie (Operation und / oder Radiatio) oder nach primärem oder sekundärem Brustwiederaufbau, wenn Mammographie und Sonographie nicht die Dignität des Rezidivverdachtes klären. 
  2. Primärtumorsuche bei histologisch gesicherter axillärer Lymphknotenmetastase eines Mamma-Karzinoms, wenn ein Primärtumor weder klinisch noch mit den bildgebenden Verfahren Mammographie oder Sonographie dargestellt werden konnte.

Bei beiden Indikationsstellungen kann die MRM einen relevanten Informationszugewinn ergänzend zu den bisher etablierten, im Rahmen der Vertragsärztlichen Versorgung angewendeten, diagnostischen Verfahren (klinische Untersuchung, Mammographie, Sonographie) leisten. Nur für die seltenen Fälle, wenn die bisher etablierten Verfahren keine hinreichend aufschlussreiche Dignitätsbeurteilung des Rezidivverdachtes erlauben, soll die MRM ergänzend als zusätzliches bildgebendes Verfahren eingesetzt werden. Ausdrücklich ist die MRM nicht als routinemässige Früherkennungsmethode im Rahmen der Nachsorgeuntersuchung, sondern ausschließlich bei einzelnen, entsprechend dokumentierten und begründeten Zweifelsfällen einzusetzen. Für den Nutzen eines regelmäßigen Screenings aller Patientinnen im Rahmen der Brustkrebsnachsorge konnten keinen belastbaren Belege gefunden werden.
Der Ausschuss konnte ausser Plausibilitätsüberlegungen keine stichhaltigen Nachweise (Studien) dafür finden, ob das frühere Erkennen eines Lokalrezidives die Überlebenszeit günstig beeinflusst. Es ist jedoch die derzeitige Auffassung nationaler wie internationaler Therapie – wie Nachsorgeempfehlungen, dass das Überleben der an Brustkrebs erkrankten Frauen vom prognostisch ungünstigsten Herdbefund bestimmt
wird. Aus diesem Grund wird ebenso dem frühe Erkennen von Zweitkarzinomen oder Rezidiven eine entsprechend wichtige Bedeutung beigemessen. Da die Grösse und räumlichen Ausdehnung des Karzinom- oder Rezidivherdes ebenfalls die Entscheidung zur Bewahrung der operierten Brust im Falle eines Rezidives erheblich beeinflussen, kommt der zeitigen und raschen Abklärung eines klinisch oder mammographisch geäusserten lokalen Rezidivverdachtes eine zusätzliche Bedeutung zu. Auch bei derzeit fehlendem Beleg eines lebensverlängernden Effekts durch entsprechende hochqualitative Studien ist es derzeit das Ziel nationaler wie internationaler Nachsorgeschemen, Lokalrezidive möglichst früh zu erkennen. Dieses Ziel wird derzeit durch regelmässige mammographische Nachuntersuchungen, durch die regelmässige klinischen Untersuchung durch den behandelnden Arzt, sowie durch die Eigenuntersuchung durch die Patientin selbst, angestrebt. Die Beurteilung der brusterhaltend operierten (und in der Regel nachbestrahlten) oder durch körpereigenes oder körperfremdes (z.B. Silikonimplantate) wieder aufgebauten Brust mit den bisherigen bildgebenden Verfahren wird jedoch durch Narbenzüge erheblich erschwert. In der Regel erlauben die kombinierte Anwendung von klinischer Untersuchung, Ultraschall und Mammographie die sichere Beurteilung des Brustgewebes. In seltenen Fällen mit ausgedehnten Narbenzügen lässt sich jedoch eine abschließende Beurteilung des Brustgewebes nicht erzielen. Je nach Ausdehnung der Bezirke kann ebenfalls eine feingewebliche Untersuchung gegebenenfalls keine abschliessende Beurteilung erlauben. Für solche seltenen, aber diagnostisch äußerst schwierigen Fälle
sieht der Arbeitsausschuss ‚Ärztliche Behandlung‘ eine diagnostische Lücke, die durch die MRM gefüllt werden kann.
In jenen seltenen Fällen, in denen zwar feingeweblich gesicherte Hinweise auf einen brustkrebsbedingten Lymphknotenbefall der Schulterhöhle vorliegen, jedoch mit allen zur Verfügung stehenden bildgebenden Untersuchungsmethoden (Ultraschall, Mammographie) keine Tumordarstellung gelingt, erlaubt die MRM die Darstellung des Primärtumors. Mit der Darstellung des Primärtumors wird eine angemessene Therapieplanung ermöglicht: Die präoperative Einschätzung des Tumorstadiums ist eine wesentliche Vorraussetzung für die Wahl des angemessenen Operationsverfahrens (Brusterhaltende Therapie vs. Entfernung der Brust). Der Ausschuss stellt für diese Indikation eine diagnostische Lücke fest, die durch die MRM gefüllt werden kann. Die medizinische Notwendigkeit für die MRM ist damit für diese Indikation gegeben.

1 Kommentar
  1. […] werden, intransparente Stiftungen und Vereine im Gesundheitsbereich, wohin man schaut, die von >>> Marcia Angell beklagten Mondmedikamentenpreise für Medikamente bei „ethischen Indikationen“, die ganz legal […]

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