Brustzentren in Deutschland: Vergleich der deutschen und europäischen Zertifizierungsanforderungen DE/EU

(Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2006)

Weiterlesen >> Licht oder Schatten: Brustzentren in Deutschland (pdf), erschienen in „clio“ vom November 2009

Was leistet ein „EUSOMA-Brustzentrum“?

EUSOMA-Brustzentren bieten Frauen

  • Früherkennung von Brustkrebs im Rahmen der regelmäßigen Reihenuntersuchung zur frühen Erkennung von Brustkrebs („Screening“)
  • qualitätsgesicherte Diagnostik beim Auftreten eines Verdachts
  • Therapie nach evidenzbasierten Standards auf höchstem Niveau
  • Tumornachsorge und
  • Behandlung einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung.

Ein Früherkennungs-, Beratungs- & Diagnostik-Zentrum arbeitet nahtlos zusammen mit den Einrichtungen in Therapie und Nachsorge. Kleinere Behandlungseinheiten werden nach europäischen Vorstellungen zugunsten einer besseren Spezialisierung aufgegeben für ein großes Brustzentrum, soweit die Theorie.

Die deutsche Zertifizierungsrichtlinie im Vergleich: Früherkennung gehört nicht zu den Leistungen der Brustzentren.

Mindestens 150 neu diagnostizierte Brustkrebserkrankungen muss ein EUSOMA-Brustzentrum behandeln, an einem Ort, nicht über verschiedene Standorte verteilt. Diese Mindestfallzahlen sind für die Aufrechterhaltung der Expertise des Brustzentrums und jedes einzelnen Teammitglieds notwendig. In einem EUSOMA-Brustzentrum ist jedes Mitglied des Kernteams auf Brustkrebs spezialisiert und muss sich entsprechend ständig weiter fortbilden und diese Fortbildung nachweisen. In einem EUSOMA-Brustzentrum werden ausschließlich Brustkrebs und Brusterkrankungen behandelt, andere gynäkologische Erkrankungen werden hier nicht therapiert. Diese Qualität bedeutet zum Beispiel: Brusterhaltung statt Amputation. In 70 bis 80 Prozent der Behandlungsfälle ist dieses heute möglich.

Die deutsche Zertifizierungsrichtlinie im Vergleich: 50 Prozent Brusterhaltung reichen zunächst für die Zertifizierung in Deutschland.


„Doppelbefundung“

In der Diagnostik des EUSOMA-Brustzentrums geht nichts ohne Doppelbefundung. Doppelbefundung bedeutet: Es wird weniger übersehen und es gibt weniger „falsch-positive“ Ergebnisse. Doppelbefundung ist auch in der Pathologie für jede einzelne Patientin ein MUSS. Das ist deswegen so wichtig, weil durch die Analyse des Tumorgewebes die Weichen für die Therapie gestellt werden. Das EUSOMA-Brustzentrum hat dafür den Chefpathologen und einen speziellen Brustpathologen zur Verfügung.

Die deutsche Zertifizierungsrichtlinie im Vergleich: Ihr reicht fürs Zertifikat ein einziger Pathologe.


Teamwork

Diagnostiker, Brustchirurgen, Brustonkologen, Strahlentherapeuten und selbst Pathologen sind an der gemeinsamen (multidisziplinären) Behandlungsplanung für jede einzelne Patientin beteiligt. Nicht ein Arzt behandelt eine Patientin allein. Immer kommen die Behandlungsempfehlungen des gesamten Teams der Patientin zugute.

Die deutsche Zertifizierungsrichtlinie im Vergleich: Teamwork ist für 20 Prozent der Patientinnen ausreichend.


Anerkannte Plastische Chirurgen

Für die rekonstruktive Chirurgie – also die „Wiederherstellung der Brust“ – ist im EUSOMA-Brustzentrum die Zusammenarbeit mit einem anerkannten plastischen Chirurgen, der auf Rekonstruktionstechniken der Brust spezialisiert ist, etabliert.

Die deutsche Zertifizierungsrichtlinie im Vergleich: Das Operationsspektrum reicht aus.


Unterstützung für die Patientin und das hochspezialisierte Team

Zur Beratung und dem Angebot einer praktischen, emotionalen und informativen Unterstützung und Begleitung für Patientinnen mit Brustkrebs, beispielsweise zum Zeitpunkt der Diagnose und zur Besprechung der Behandlungsoptionen mit den Patientinnen haben EUSOMA-Brustzentren mindestens zwei hochspezialisierte Brustkrankenschwestern („Breast Nurses“)je 100 „Behandlungsfälle“ jährlich einzustellen. Ihre Arbeit geht weit über die Arbeit der Krankenschwestern in deutschen zertifizierten Brustzentren hinaus und ist eine besondere Unterstützung. Aufgabengebiet und Zeit der Ärzte haben ihre Grenzen. Bisher hat es diese Form der Unterstützung für Frauen mit Brustkrebs in Deutschland nicht gegeben und sie muss neu etabliert werden.

Die deutsche Zertifizierungsrichtlinie im Vergleich: Nicht vorgesehen


Besonders wichtig: Konsequente und kontinuierliche Qualitätssicherung

Die Behandlungsqualität des EUSOMA-Brustzentrums wird fortlaufend extern und unabhängig auf nationaler Ebene überprüft und die Behandlungsergebnisse werden transparent offengelegt, damit eventuelle Fehlerquellen erkannt und behoben werden können und auch die Qualität in der medizinischen Versorgung für alle erkennbar wird.

Die deutsche Zertifizierungsrichtlinie im Vergleich: Nicht vorgesehen.

Leistungsanbieter und Kostenträger sind bei allen Planungen zu Brustzentren an der Reihe, diese auch räumlich so zu gestalten, dass EUSOMA-Anforderungen – wie etwa die optimale Zusammenarbeit aller Disziplinen – wirklich erfüllt werden können. Es wird Zeit brauchen, die europäischen Anforderungen bundesweit umzusetzen, aber der Startpunkt in eine bessere Brustmedizin muss mit seiner entscheidenden Weichenstellung für Europa durch die Adaption der Europäischen Zertifizierungsanforderungen an Brustzentren in Deutschland jetzt gestellt werden.

Die EUSOMA-Anforderungen an Brustzentren können im Internet nachgelesen werden unter:
http://www.eusoma.org/doc/bu-guidelines.pdf

Die deutsche Übersetzung einschl. Originaltext bei uns:
http://www.bcaction.de/pdf/03info/eusoma_1ed_requirements_brustzentren.pdf
Verständliche Kurzzusammenfassung:
http://www.bcaction.de/pdf/03info/leistungen-brustzentrum.pdf

Zum Video: Offener Brief an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, 21.01.2004 im Kontext des Zertifizierungsverfahrens von Brustzentren in Deutschland.

Netzwerk Frauengesundheit Berlin: Postionspapier zu Berliner Brustzentren

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