Ich bin nicht länger ängstlich – Frauen, die sich nach Brustkrebs nicht „rekonstruieren“ lassen

(Zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2014)

Deena Metzger – Lebendige Kriegerin

Deena Metzgers Foto bei "Jewish Women and the Feminist Revolution" ansehen

Deena Metzgers als „Kriegerin“ – Foto bei „Jewish Women and the Feminist Revolution“ im Großformat ansehen …

Das Foto von Deena Metzger, fotografiert von Halla Hammid, ist neben der Arbeit von Matuschka eine der bekanntesten Fotografien von Frauen mit Brustkrebs weltweit. Es wurde 1989 von Wingbow Press erstmals gedruckt. Deena Metzgers Botschaft, auch als Text abgedruckt oben in der linken Ecke des Posters, lautet:

„Ich habe keine Angst mehr vor dem Spiegel, in dem ich die Zeichen der Amazonen sehe, derjenigen, die mit Pfeilen schießen.
Da war eine feine rote Linie quer über meiner Brust, die Spuren eines Messers, aber jetzt windet sich ein Zweig über die Narbe und führt von meinem Arm zum Herzen.
Grüne Blätter bedecken den Zweig, Trauben hängen dort und ein Vogel erscheint.
Was jetzt in mir wächst, ist lebendig und verursacht mir keine Schäden.
Ich denke, der Vogel singt.
Ich habe einige der Narben losgelassen.

Ich habe meine Brust sorgsam zu einer kunstvollen Handschrift gestaltet. Ich schäme mich nicht länger, zu lieben. Liebe ist ein Kampf, den ich gewinnen kann.
Ich habe den Körper einer Kriegerin, die andere nicht verletzt oder verwundet.
Auf dem Buch meines Körpers habe ich einen Baum für immer eingepflanzt.“

Copyright Text und Abbildung ©1988 by Deena Metzger

Homepage von Deena Metzger
http://www.deenametzger.com/home.html
Poster bestellen: http://www.donnellycolt.com/catalog/enviposter.html#23

Vera Isler-Leiner – Busen als das goldene Kalb

Vera Isla-Leiners Buch auf ihrer Homepage

Vera Isla-Leiners Buch auf ihrer Homepage

Auch Vera Isler-Leiner hat sich, nachdem bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde, tätowieren lassen. Die Tattoos schmücken den Umschlag ihres Buches „Auch ich …“ (Berlin, Edition Ost 2000). Isler-Leiner unterzog sich ebenfalls einer doppelseitigen Mastektomie. Die Krankheit ist eine kurze Episode in ihrem Leben, die sie nicht weiter aufhält. 2001 zeigte sie unter anderem in Berlin und Wien ihre Ausstellung „Busen und das goldene Kalb“, eine Installation mit CD und digitalen Plots auf Leinen.

Die Fotografin und AutorinVera Isler-Leiner, Jahrgang 1931, wurde in Berlin geboren und emigrierte 1936 in die Schweiz. Ihre Eltern und die meisten Verwandten starben in Auschwitz. Nach einer Lehre als Laborantin entstanden erste künstlerische Arbeiten: zunächst plastische Reliefobjekte und Textilarbeiten. Vera Isler begleitete die Schweizer Hausbesetzerbewegung und bewahrte damit auch ein einzigartiges Zeitdokument der Sozialkonflikte, die in Zürich wie auf einem Pulverfass eskalierten und von hier aus als Phänomen einer impulsiven Subkultur über Amsterdam und Berlin Anfang der achtziger Jahre ihren Höhepunkt erreichten.

Mit ihrer Ausstellung „Busen und das goldene Kalb“ zeigte Vera Isler ihre Fotoarbeiten als Ton-Lichtinstallationen, die sie erstmals für die Räume „Haus am Lützowplatz“ in Berlin gestaltete. Dies ist ihr künstlerischer Weg, sich in Konfrontation mit ihrem Krebsleiden mit sich selbst und ihrer Umwelt – vor allem in schonungslosen Selbstporträts – auseinander zu setzen. Nach ihrer Operation ließ sich Isler-Leiner blaue Blumen auf ihre Narben tätowieren, die sie selbst entwarf, bevor sie das Berliner Tattoo-Studio „Blut & Eisen“ aufsuchte. Im Rahmen der Ausstellung stellt sie Anfang 2000 in Berlin auch ihr neues Buch, die Autobiografie „Auch ich…“ vor: Ihre Biografie, ein Zeugnis weiblichen Lebensmuts“ zeigt.

Homepage von Vera Isler Leiner

http://www.veraislerleiner.com/ bei Archive.org

Matuschka – Nie mehr wegsehen

Matuschkas Beauty out of Damage im frauen museum wiesbaden

Matuschkas Beauty out of Damage
im frauen museum wiesbaden

Die Fotografin, Künstlerin, Aktivistin und Schriftstellerin Matuschka ging mit ihrer Aktion „Beauty out of Damage“ (Schönheit aus Schaden“) und dem Abdruck ihres Selbstportraits (Titelblatt des „New York Magazine“, 1993) in die Öffentlichkeit. Ihre Botschaft „You can’t look away anymore“ (Du kannst nicht mehr wegsehen) wirkt bis heute nach. Neben Ausstellungen und Artikeln versuchte sie auch über „Poster Campaigns“ die Öffentlichkeit zu erreichen und aufmerksam zu machen, beispielsweise „Vote for Yourself“ für „Women’s Health Action & Mobilization“ (1992) oder „Time for Prevention“ für „Greenpeace“ (1994).

Matuschkas Selbstportraits erzählen Geschichten, deren Komplexität nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Ob es um das Schönheitsideal von Frauen, die Vision von Mütterlichkeit und Erotik oder ob es um die Ursachen von Krebs, insbesondere Brustkrebs, geht oder um Therapien, sei es Chemotherapie oder alternative Methoden. Ob es um das mangelnde medizinische Verhältnis zum weiblichen Körper oder die Silikondebatte geht, um Selbstakzeptanz, die Vorstellung von Krankheit als Strafe, um nur einige zu nennen.

Der Anblick einer brustamputierten Frau ist kein schrecklicher Anblick, er ist lediglich ein ungewohnter Anblick. Und das, obwohl Brustkrebs ein öffentliches Thema ist. Matuschkas Schönheit ist sichtbar. Die Aktfotografien enthalten politische Sprengkraft und verstehen sich auch als Hilfestellung für betroffene Frauen, die durch eine Brustamputation nicht weniger Frau und nicht weniger schön sind.

Bilder von Matuschka wurden 1995 in ihrer ersten Einzelausstellung für Europa im frauen museum wiesbaden gezeigt. 2003 wurde außerdem eine Retrospektive ihrer Arbeiten in Corvey (Höxter) gezeigt.

Matuschkas Arbeit ist immer verknüpft mit politischen Botschaften. Auf ihrer Seite zu Aktionen schreibt sie u.a.:

Dinge, die uns zerstören werden:
Politik ohne Prinzipien
Industrie ohne Integrität
Vereinigung ohne Gewissen
Wissenschaft ohne Humanität
Medizin ohne Logik

Webseiten

Beauty out of Damage: http://www.beautyoutofdamage.com/

Matuschkas Homepage: http://www.matuschka.net

Bildnachweis: CC 2.0  BCAG 2010

3 Kommentare
  1. […] Alternativen zu Silikon & Co:   Frauen, die sich nicht “rekonstruieren” ließen […]

  2. […] Ich bin nicht länger ängstlich – Frauen, die sich nicht “rekonstruieren” lassen […]

  3. […] “Ich bin nicht länger ängstlich”: Frauen, die sich nach Brustkrebs nicht “rekons… […]

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Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

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