Brustkrebs interkulturell betrachten: „Die Austreibung meines Schmerzes“ (Das Interview Evelyne Accad / Elizabeth Zahnd)

(Zuletzt aktualisiert: 30. September 2018)

Fragen Dr. Elizabeth A. Zahnd und
Antworten Prof. (em.) Evelyne Accad

[box]Das Originalinterview ist erschienen Wir danken besonders Elizabeth A. Zahnd und Evelyne Accad für die Genehmigung zur Veröffentlichung an dieser Stelle. Das Interview bietet einen kleinen Einblick in Evelyne Accads Buch „The Wounded Breast / Voyages de Cancer“, das in deutscher Sprache bisher nicht verfügbar ist.

Die deutschsprachige Übersetzung des Interviews ist Dr. med. Maria J. Beckermann gewidmet für ihr Engagement für Frauengesundheit im Zusammenhang mit der Hormontherapie.

Download des Interviews im Originaltext: “Exorcising my pain”: An interview with Evelyne Accad (pdf)[/box]

„Der gelbe Stern der Kranken“

Elizabeth A. Zahnd: „The Wounded Breast“ beginnt mit einem Zitat von Elie Wiesel über den Holocaust, 1 und an verschiedenen Stellen in deiner Erzählung ziehst du einen Vergleich zwischen Krebstherapie und qualvollen Praktiken in den Konzentrationslagern, leihst dir Jeanne Hyvrards Metapher „den gelben Stern der Kranken“ in Bezug auf Krebserkrankte. 2 In deinem Tagebuch erwartest du negative Reaktionen auf diesen Vergleich. Welche Antworten hast du tatsächlich für diese Assoziation erhalten?

Evelyne Accad: Ich habe die richtigen Vorahnungen bezüglich der Reaktionen gehabt. Einige meiner jüdischen Bekannten waren recht verärgert und teilten mir mit, ich hätte mit dem Buch „Propaganda“ gemacht, während andere den mutigen Vergleich begrüßten, der sehr notwendig sei. Ich bin froh, dass ich diesen Zusammenhang hergestellt und weit nach vorne gerückt habe, gleich in das erste einleitende Kapitel. Ich meine auch, dass diese Provokation eine interessante Frage ist und eher Interesse weckt, als vom Lesen abhält.

Feministisches Schreiben

Zahnd: Obwohl du dein Buch hauptsächlich als Autobiographie präsentierst, schließt du die „Stimmen“ von deinen Freunden und Kolleginnen und Kollegen und wie sie reagieren manchmal kritisch in deinen Text ein. Was hat dich dazu gebracht, diese „Randnotizen“ einzuschließen, auch wenn die Sichtweisen sich von deinen eigenen unterscheiden?

Accad: Während der Zeit der Behandlung meiner Krankheit schrieb ich ein Tagebuch. Ich habe es genutzt, um das Buch zu schreiben, so wie ich es oft auch beim Schreiben meiner literarischen Bücher gemacht habe. Wenn ich Briefe von Freunden oder Kommentare von LeserInnen der ersten Entwürfe meines Manuskripts erhielt, fühlte ich, dass diese Kommentare interessant waren und verdienten, in meinen Text einbezogen zu werden, auch wenn sie manchmal im Widerspruch zu meinen eigenen Argumenten standen. Ich wollte die Vielfalt von Meinungen zu diesem schmerzlichen Thema Krebs zeigen. Ich wollte auch die anderen Stimmen, die nicht von mir kommen, einschließen, um sie zu würdigen. Das ist der Grund dafür, dass diese Kommentare „Randnotizen“ sind, wie du sie treffend nennst. Verlage verwenden diese Art des Schreibens nicht (abgesehen von den feministischen vielleicht, die feministische Zeitschrift Les Cahiers du GRIF ist ein Beispiel für die Verwendung von solchen Randnotizen), so dass sie nicht wissen, wie sie ein Buch mit solchen Kommentaren formatieren sollen. Wenn du das Original meines Manuskripts siehst, so umfasst es verschiedene Formate bzw. Positionen, und ich wollte auch, dass sie in unterschiedlichen Schriften und an unterschiedlichen Stellen wiedergegeben werden. Es ist eine postmoderne Art zu schreiben. Die Studentinnen in meinem Seminar über „Feministisches Schreiben“ 3, diese feministischen Autorinnen, die mit Dekonstruktion in ihren Werken arbeiten, werden sich daran erinnern. Ich sehe mich als Teil dieser Bewegung.

Zahnd: Und noch eine Frage mit dieser Richtung. Warum hast du dich entschieden, deine eigenen Kommentare, die du zwei Jahre später als das Tagebuch geschrieben hast, in chronologischer Reihenfolge dem Manuskript hinzuzufügen?

Accad: Aus den gleichen Gründen, die ich schon nannte. Es ist eine andere Art des Schreibens, um die Entwicklung oder Fehler in meinem Denkprozess und unterschiedliche Wege des Denkens und Schreibens in unterschiedlichen Phasen auszudrücken.

Zahnd: Hast du die meisten deiner Tagebuchaufzeichnungen für diese Arbeit in französischer oder in englischer Sprache geschrieben? Es scheint, deine Wortwahl im englischen Text hat oft zu interessanten „Ausrutschern“ oder Wortspielen mit ihrem amerikanischen Ebenbild geführt. 4

Accad: Ich schrieb mein Tagebuch zunächst auf Französisch, wie ich es immer tue, weil es meine Muttersprache für mich am einfachsten ist. Dann habe ich es ins Englische übersetzt, damit mein Buch auf Englisch erscheinen kann, und als das Buch fertig war, wurde es wieder ins Französische übersetzt. Die Kommentare meiner LeserInnen haben mir geholfen, die Wortspiele auf den Punkt zu bringen, diese Wortspiele, in denen ich im Französischen nicht gut bin, oder ist Englisch die bessere Sprache, um mit Worten zu spielen?

Zahnd: An einem Punkt in der Erzählung hast du beschrieben, dass „The Wounded Breast“ als ein Werk der Fiktion gedacht war, und tatsächlich hast du einen Auszug aus der alternativen Version eingeschlossen. Warum hast du letztendlich die Autobiographie als das besser geeignete Genre ausgewählt?

Accad: Du hast Recht, zunächst hatte ich beide Alternativen. Ich denke, ich betrachte meine Arbeit nicht per se als „Autobiographie“ … sondern als eine Mischung aus verschiedenen Genres: Autobiographie, Anthropologie der Krankheit, Fiktion, Lyrik/Prosa etc. Als ich mich dazu entschied, in der 1. Person und mit realen wie auch mit pseudonymisierten Namen zu arbeiten, wollte ich dem Text ein Gefühl der Dringlichkeit und Authentizität geben. Ich hatte das Gefühl, dass es angemessener für das Buch ist, mit dem ich den „Klang der Alarmsirenen“ einer Welt, die auf allen Ebenen auseinanderfällt, hörbar mache.

„Zi-vi-li-sa-tion“ | Fehlgesteuerte Moderne

Zahnd: Einer der wichtigsten Punkte in deinem Buch scheint mir zu sein, dass KrebspatientInnen, insbesondere Frauen, „den Preis zahlen“ für das, was der Dichter Damas als „Zi-vi-li-sa-tion“ oder fehlgesteuerte Moderne bezeichnet. Nach deiner Mastektomie hast du es so beschrieben: „Meine Brust wurde den Göttern der modernen Zivilisation geopfert“. 5 Könntest du diesen Punkt unseren LeserInnen erklären?

Accad: Die meisten von Brustkrebs betroffen Frauen stellen sich irgendwann die Frage: „Warum ich?“ Ein Verein, der Frauen mit Brustkrebs helfen wollte, hat sich nach dieser Frage benannt. 6 Und andere Frauen fragen: „Warum nicht ich?“ Und wieder andere sagen: „Wenn es jemanden treffen musste, dann war ich das.“ Ich gehörte zur ersten Kategorie. Ich habe gefragt: „Warum ich?“. Später habe ich versucht, diese Frage zu beantworten, und fand heraus, dass ich zu der Kategorie von Menschen gehöre, die den Preis für „unsere fehlgesteuerte Zivilisation bzw. Modernität“ zahlen. Ich meine damit, dass unser Umgang mit Natur und Umwelt sowie unser politisches Handeln immer aggressiv und gewalttätig ist und unweigerlich zu Zerstörung, Unterdrückung und Bedrohung anstatt zu Harmonie und Respekt für Andere führt. Ja, ich habe gefühlt, dass meine Brust ein Opfer für die Götter der modernen Zivilisation ist, dass ich gegen meinen Willen verstümmelt wurde, Opfer der Umweltverschmutzung, schädlicher Chemikalien, Opfer von Zerstörung und Raubbau an der Natur, die wir heute an jedem Tag und in jedem Alter erfahren. Es gibt keinen Ausgleich für dieses Opfer und ich bin ganz sicher nicht glücklich, ein Opfer zu sein.

Zahnd: Es gibt eine offensichtliche Parallele zwischen der traditionellen Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung, beschrieben in deinem Roman „Die Beschnittene“, und dem, was du in „The Wounded Breast“ als Routineverstümmelung von Krebspatientinnen (durch unnötige Hysterektomien und Mastektomien) beschreibst. Du diskutierst moderne Medizin im Hinblick auf ihre Frauenfeindlichkeit, zitierst Hyvrards Ansatz, dass Krebstherapie Chirurgen jedes notwendige Alibi für das Verstümmeln von Frauen bietet. 7 Warum sollten moderne Ärzte ihren Patientinnen bewusst schaden? Warum denkst du, Frauen erleben Krebs als Kastration?

Du lässt die Verstümmelung der Mastektomie machen, uninformiert und ohnmächtig, so wie junge Mädchen ohnmächtig zur Exzision geführt werden …

Accad: Ich habe gelesen, dass die radikale „Halsted“-Mastektomie in der Art und Weise der Operation (ich selbst habe eine [solche] „modifizierte radikale Halsted-Mastektomie“ gehabt) von einem bestimmten Dr. Halsted entwickelt wurde, der sich um das Wohlergehen von Frauen nicht allzu viel Sorgen gemacht hat, abgesehen davon, dass er die Krankheit durch eine weitmöglichst extensive Exzision der Brust eliminieren wollte, auch dann wenn die Auswirkungen Frauen verkrüppeln. Er hat nicht nur die Brust entfernt, sondern auch alle umgebenden Muskeln, ebenso wie die Lymphknoten, so dass die Frauen für ihr Leben verstümmelt waren. Er wurde auch als frauenfeindlich beschrieben, hatte einen miesen persönlichen Lebensstil und war abhängig von halluzinogenen Drogen. Beim Lesen seiner Lebensgeschichte stellte ich fest, dass er nicht vertrauenswürdig für mich war, aber das medizinische Establishment hat ihn geehrt und die Mastektomie wird immer noch nach ihm benannt!! Ich bin sicher, dass es viele Ärzte gibt, die nicht so sind wie er und für die die Fürsorge für ihre Patientinnen wirklich Priorität hat. Aber warum wurden nicht weniger verstümmelnde Arten der Behandlung gefunden? Ich habe den Vergleich zu „Die Beschnittene“ in meinem ersten Roman hergestellt, weil die Mastektomie, wie die Exzision, eine Verstümmelung des weiblichen Körpers mit enormen sexuellen Konsequenzen ist (die meistens versteckt werden und über die nicht gesprochen wird, weder in den medizinischen Einrichtungen noch von den Patientinnen, die das durchmachen, somit ein weiterer Grund für das Schreiben meines Buches). Du lässt die Verstümmelung der Mastektomie machen, uninformiert und ohnmächtig, so wie junge Mädchen ohnmächtig zur Exzision geführt werden, ohne ihre Zustimmung zu geben zu den umfänglichen Auswirkungen für ihr zukünftiges Leben. Wenn du auf die Titel meiner Bücher schaust, so gibt es dort eine Kontinuität meines Engagements in Bezug auf die Verletzungen und Wunden von Frauen … Diese letzte Arbeit zu Krebs ist universeller und betrifft Frauen auf der ganzen Welt. Ich fühle, dass sie meinem Engagement für Frauenfragen einen anderen Maßstab gegeben hat.

Silencing

Zahnd: Ein Aspekt von Krebs, auf den du dich viele Male in deinem Tagebuch beziehst, ist das „zum Schweigen bringen“ (silencing) der Opfer. Du hast dazu eine Redewendung zur Beschreibung von Krebs im Nahen Osten als Vergleich herangezogen. „Al-marad illi ma btitssamma“ – was übersetzt soviel wie „die Krankheit, die nicht genannt wird“ heißt – mit französischen Euphemismen wie „langwierige Krankheit“ und mit einer Tendenz seitens eines Teils der amerikanischen Ärzteschaft, die Realitäten der Krankheit zugunsten „beruhigender Worte“ zu verleugnen. 8 Der Prozess des zum Schweigen bringens, eingebettet in die Sprache selbst, hat etwas, das Gayatri Spivak über die Unterordnung der Frau, deren Stimme gestohlen wurde, schrieb, während die Kolonisatoren die Kontrolle über das „Wort“ übernahmen. Glaubst du, Krebspatientinnen werden systematisch von der modernen Gesellschaft, und von der etablierten Medizin im Speziellen, „in Besitz genommen“?

Accad: Du stellst sehr gut den Zusammenhang zwischen Inbesitznahme und moderner Gesellschaft her, speziell mit Blick auf die medizinische Fachwelt und Krebspatientinnen. Das ist eine interessante Parallele, über die ich noch nicht nachgedacht habe und die mich auf Ideen bringt. Es ist sehr traurig zu beobachten, je weiter du den Blick auf die Gesellschaften der sog. „Dritten Welt“ richtest, desto weniger ist es erwünscht, über diese „Krankheit“ zu sprechen, während diese Gesellschaften am meisten unter dieser Inbesitznahme leiden. Aber ich sollte nicht überrascht sein und zu Fanon 9 zurückgehen, der Licht auf das Phänomen wirft. Je mehr unterdrückt jemand ist, desto weniger ist sie/er in der Lage, direkt selbst etwas zu verändern, so dass die ganzen Kämpfe all der Unterdrückten unter diesen selbst ausgetragen werden, und nicht mit ihren Unterdrückern.

Kult des Konsens

Zahnd: Du erwähnst einen „Kult des Konsens“, 10 der Ärzte davon abhält, sich gegen diese Bürokratie auszusprechen, vor allem, wenn es um gefährliche Praktiken wie die Überverordnung von Hormonen oder die Routinefreisetzung von Giften in unsere Umwelt geht. Denkst du, es wird jemals möglich sein, Menschen im Gesundheitswesen und sogar ganz gewöhnliche Bürger zu mobilisieren, um gegen ein solches System aktiv zu werden?

Accad: Das ist eine gute Frage, die ich mir in meinem Buch immer und immer wieder gestellt habe. So bin ich sehr froh, dass du sie aufnimmst. Wenn du dich erinnerst, gibt es da eine Szene, direkt nach meiner Mastektomie, als zwei Krankenschwestern aus dem mittleren Westen mich bei mir zu Hause besuchten, während ich versucht habe, ihnen diese Probleme bewusst zu machen, ohne Erfolg allerdings … Leider sehe ich beim Durchschnitt des medizinischen Fachpersonals, insbesondere in den USA, keinen Ausweg aus dieser Haltung, auch wenn sie selbst Opfer dieses Systems sind. Die einzige Hoffnung, die ich sehe, kommt nicht aus dem Mainstream, sondern von Marginalisierten, die sich mit Pflanzenheilkunde und nicht-traditioneller Medizin befassen. Ich sehe auch mehr Aufmerksamkeit in anderen Ländern wie Frankreich, Libanon, Tunesien – Länder, in die ich reise – selbst im Mainstream des medizinischen Establishments. Ich denke, es hängt damit zusammen, dass man dort weniger auf ökonomische Profite ausgerichtet ist, dass es weniger große Geldspenden gibt und dass weniger Beziehungen zwischen Pharmaindustrie und der akademischen Medizin bestehen. Es ist auch abhängig vom Eroberungsgeist der US-Politik, den medizinischen Einrichtungen und der Gesellschaft als Ganzem, wie mit dem Körper umgegangen wird, wie auch diesbezügliche Transaktionen der Politik sehr aggressiv sind, mit radikalen „Lösungen“ anstelle von mehr „durchdachten“ langfristigen Untersuchungen von Problemen.

Zahnd: Du beziehst dich auf eine „Zone der Krankheit“, 11 die hauptsächlich aus Ohnmacht gegenüber der etablierten Medizin besteht. Wie haben deine Gefühle der Hilflosigkeit deinen eigenen Umgang mit Krebs beeinflusst?

Accad: Ich habe mich zunächst total machtlos gefühlt. Es traf mich unvorbereitet und ich fühlte mich gefangen in einem System, das mir verschlossen war und mir meine Freiheit und Unabhängigkeit nahm. Ich wusste nichts von dieser dunklen Seite des Lebens und war völlig überrascht. Ich erhielt einige Tipps, z.B. in Begleitung zum Arzt zu gehen etc., und ich möchte diese Information an andere, die sich mit einem solchen Trauma konfrontiert sehen, weitergeben. Ich schreibe darüber in meinem Buch. Aber hier möchte ich noch einmal einige dieser Punkte betonen: Man sollte FreundInnen mit zum Arzt nehmen, Menschen des Vertrauens, die Notizen machen, während man selbst Fragen stellt, und die beim Fragen unterstützen. Oft fühlt man sich so hoffnungslos, eingeschüchtert, überwältigt und hilflos in solchen Situationen, dass man selbst unfähig ist, sich Notizen zu machen oder Fragen zu stellen. Man muss akzeptieren, was einem angeboten wird, Verantwortung übernehmen für die eigene Krankheit, das eigene Leben, darüber lesen, sich Notizen machen, Selbsthilfegruppen in Anspruch nehmen und die eigenen Aktivitäten nicht stoppen, wenn möglich, mit Menschen reden, die die Bereitschaft haben, zuzuhören, die Ernährungsgewohnheiten ändern, gesunde Nahrung zu sich nehmen, Dinge, die man mag. Und vor allem: Nicht aufgeben und nicht verzweifeln.

Krebs und Krieg

Zahnd: Stark beeinflusst durch deine eigene Arbeit „Sexualität und Krieg“ 12 hast du in „The Wounded Breast“ mit gebräuchlichen Metaphern wie dem „Kampf gegen den Krebs“ Zusammenhänge zwischen Krebs und Gewalt hergestellt. Im Anschluss an deine Strahlentherapie hast du geschrieben: „Mein Körper ist wie ein Schlachtfeld, vorbereitet für die Bombardierung durch Strahlen: Ein zerstückelter Körper … In dieser grausamen Zivilisation bin ich vergiftet, wie die Erde vergiftet ist. Wir beide müssen Tod und Zerstörung durchmachen.“ 13 Zur gleichen Zeit erklärst du dich als Pazifistin. Kann man gegen Krebs kämpfen und Pazifistin bleiben?

Accad: Eine sehr gute Frage und eine, die ich neben vielen anderen Fragen auch in meinem Buch „Sexualität und Krieg“, wie in den anderen Büchern, stelle. Wie kann man in dieser Welt der Gewalt kämpfen, ohne selbst gewalttätig zu werden? Einige der Antworten, die ich auf diese zentrale Frage gebe, kann man im aktiven und passiven gewaltlosen Aktivismus finden, Wurzeln, wie sie gefunden werden in Theorien und Praxis von Menschen wie Martin Luther King, Gandhi oder auch Christus. Wie ich in meinem Buch schreibe, ich wünsche mir sanftere Heilmittel gegen Krebs, weil sie im Moment brutal sind, verstümmelnd und vollkommen inakzeptabel. Krebspatienten sind die Helden unserer Zeit. Den grausamsten Formen von Verstümmelung und behindernd machende Therapien ausgesetzt, kämpfen sie mit Courage und Kraft. Sie akzeptieren stillschweigend, womit sie konfrontiert werden, weil man ihnen sagt, dass es keine anderen Alternativen gibt.

Femihumanismus

Zahnd: In „Sexualität und Krieg“ beziehst du dich auf das Konzept des „Femihumanismus“ 14 – Männer und Frauen arbeiten zusammen, um Änderungen herbeizuführen. In welcher Weise ist „The Wounded Breast“ eine „femihumanistische“ Arbeit?

Accad: Eine gute Frage. Dazu musst du sehen, dass der erste Teil von „The Wounded Breast“ sich mit meiner Krebserkrankung und der zweite Teil mit der Krebserkrankung meines Lebensgefährten befasst. Von Prostatakrebs wird viel weniger gesprochen als von Brustkrebs. Männer befassen sich mit diesem Thema viel seltener als Frauen mit Brustkrebs. Doch mein Lebensgefährte ermutigte mich, dieses Thema anzugehen, und half mir sogar, wichtige Fragen hierzu zu stellen. Wie ich in meinen Aufzeichnungen beschrieben habe, ist es die Ironie der Geschichte, dass die Krankheit bei mir zurückging, während er die Diagnose erhielt. 15 Er war an meiner Seite und half mir essentiell, als ich durch die Tortur der Therapie ging, und ich tat das gleiche für ihn. Die Erfahrung hat unsere Liebe intensiviert und uns näher zueinander gebracht. Das ist ein gutes Beispiel für Femi-Humanismus, deswegen bin ich froh, dass du das aufgegriffen hast, weil es so zentral ist, in dem, was ich in meinen Werken zu sagen versuche.

Mehrdimensionalität

Zahnd: Ein gibt ein Thema, das deine fiktionalen Werke zu durchdringen scheint. Es ist das des Exils. Wie passt das in das Konzept von „The Wounded Breast“? War ein Teil der Angst, die du in deinem Tagebuch beschrieben hast, einzigartig an Leid in einem fremden Land gebunden? Wie haben deine Reisen durch drei unterschiedliche Kontinente deine Sichtweise auf Krebs beeinflusst?

Accad: Wie du schon beschrieben hast, kam die Frage „Wäre all das mit mir geschehen, wenn ich im Libanon geblieben wäre?“ immer wieder. Es war so ein Schock, die Diagnose Krebs zu erhalten, und auch so völlig unerwartet. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass einzelne meiner Familienmitglieder, ob nah oder weit entfernte Verwandte, je Krebs diagnostiziert bekamen, so dass ich mich das immer wieder gefragt habe. Die Frage hat vermutlich auch mein Gefühl reflektiert, weit weg von „zuhause“ zu sein. In einer Zeit, als ich am stärksten verletzlich und abhängig war, fehlten mir die Familie und die Wärme der mediterranen Länder und ihre Menschen. Es stimmt, im Rückblick hatte ich das Gefühl, dass es die USA und ihre Zivilisation waren, die mir die Krankheit, den Stress der Wissenschaft, Chlor im Wasser, Pestizide auf Obst und Gemüse etc. eingebracht haben. Und je mehr ich las, desto intensiver wurde diese Vorstellung. Meine Lektüre verstärkte all meine Sorgen darüber, wohin Exil führen kann. Ich bin in so viele Länder gereist, als ich auf dem Weg der Genesung war, und ich habe mir mehr und mehr Fragen gestellt und verglichen, wie unterschiedlich die Menschen, die ich in diesen Ländern traf, mit Krebs umgingen, von Ärzten über Patienten und Schriftsteller bis hin zu Wissenschaftlern und Nachbarn. Das hat es mir ermöglicht, ihre Reaktionsweisen und Veröffentlichungen zu vergleichen und zu unterscheiden. Ich verstehe dies als eine der Stärken des Buches: die multikulturellen, mehrdimensionalen Stimmen und Beiträge.

Zahnd: Oftmals vergleichst du die Krebstherapie in Frankreich, die zu konservativeren und weniger aggressiven Methoden hin tendiert, mit den aggressiveren Praktiken in den Vereinigten Staaten. Welchen kulturellen oder historischen Faktoren schreibst du diese Unterschiede zu?

Accad: Ich bin mir nicht sicher, was diesen Unterschied zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten ausmacht, aber das ist tatsächlich einer der Hauptunterschiede. Es könnte sein, dass der Pioniergeist der Amerikaner, ihre militärische Stärke, die puritanischen Werte, ihre Besessenheit von Wettbewerb und Erfolg, eine Rolle spielen. Ich bin mir nicht sicher. Ich habe ein Buch gelesen, das ich ausführlich zitiere. Es beschreibt die Unterschiede in den medizinischen Methoden bei den Amerikanern, den Franzosen, den Deutschen, den Briten. Es ist Fakt, dass die Franzosen, gemeinsam mit den Italienern, die eher konservative Therapie von Brustkrebs entwickelt haben: Ausschließlich der Tumor wird entfernt, hinzu kommt eine Strahlentherapie der betroffenen Region, das ist genau so effektiv wie die radikale Mastektomie. 16

Tunesien – Leben – Sterben

Zahnd: Du schreibst von einer Gruppe von Frauen in Tunesien, die lieber sterben würde, als sich einer Krebstherapie zu unterziehen. Ist das die Fortsetzung des Schmerzes, wie du es beschreibst in “Verletzende Worte: Tagebuch einer Tunesierin“? 17 Gibt deine Erzählung diesen Frauen eine Hoffnung?

Accad: Eine Psychiaterin, die ich in Paris traf, berichtete mir von Frauen, die sie in Tunesien behandelt, die lieber sterben würden als verstümmelt zu werden, weil sie fühlten, dass das Leben zu hart sei und das Sterben ihnen Ruhe gäbe. Ich habe die Frauen, die diese Frau behandelt hat, nie getroffen. In Tunesien habe ich mit Frauen, die Teil der Frauenbewegung auf ihrem Höhepunkt waren, gearbeitet. Eine bestimmte Gruppe von Frauen, die regelmäßig im Club Taher Haddad bewusstseinsbildende Treffen, Konferenzen und kulturelle Aktivitäten organisiert haben, hat auch eine Zeitschrift gegründet. Einige der Frauen innerhalb dieser zweiten Gruppe konnte sich mit den Schmerzen der ersten zunächst identifizieren, aber das war mir in dieser Zeit nicht klar. Dazu muss man wissen, dass „Wounding Words“ zehn Jahre vor „The Wounded Breast“ erschienen ist.

Zahnd: Speiseöle, Gefäße mit Öl gefüllt und Salbungen des Kopfes mit Öl sind sich wiederholende Bilder in deinem Text, in den Traum-Sequenzen ebenso wie in Gesprächen und Interaktionen mit deinen Liebsten. Kannst du die Bedeutung des Öls kommentieren?

Accad: Öl, besonders Olivenöl, wird in meinem Heimatland, dem Libanon, oft wie eine Heilsalbe verwendet. Es wird auch bei religiösen Praktiken und Riten zum Segen, zur Heiligung und Reinigung benutzt. Es soll auch das Böse vertreiben. Ich glaube selbst nicht an solchen Aberglauben, selbst wenn ich an die gute, gesunde Wirkung von Olivenöl glaube. Aber Menschen um mich herum, einige meiner Verwandten ebenso wie auch einige Bekannte, dachten, es könnte mir helfen, das Öl zu benutzen, um Schutz und Heilung zu bewirken. Daher diese wiederkehrenden Bilder dieser Symbole in meinen Träumen wie auch im Text.

Hormone, hochdosiert

Zahnd: Mehrmals in deinem Text schreibst du, dass du die Megadosierung von Hormonen, die deine Ärztin dir wegen gesundheitlicher Probleme vor deiner Erkrankung verordnet hatte, für deine Krebserkrankung verantwortlich machst. Was meinst du damit, wenn du dies als eine „postmoderne Art der Behandlung der Körpers“ 18 bezeichnest?

Accad: Ja, ich bin definitiv davon überzeugt, dass die Hormone, die meine Ärztin mir wegen für zu niedrig befundener Hormonspiegel im Blut verschrieben hat, obwohl ich noch keine Menopausen-Symptome hatte, mir meinen Krebs beschert haben. Wenn du dich richtig erinnerst, fragte ich meine Ärztin nach der niedrigst möglichen Dosierung, aber sie antwortete, dass das zur Vorbeugung von Osteoporose, unter der meine Mutter litt, nicht ausreichend sei und dass ich diese Megadosierung nehmen soll. Ich habe seitdem herausgefunden, dass das spezielle Hormon, das mir verordnet wurde, in Frankreich nicht mehr angewendet wird, weil es zu stark ist. Die Ergebnisse einer neuen Studie aus den USA vom letzten Sommer zeigten, dass diese Hormone mit einer Zunahme von Brustkrebs in Verbindung gebracht werden, was sogar zum Stopp dieser Studie geführt hat!! Was ich mit postmoderner Art des Umgangs mit dem Körper meine, ist, dass bis in dieses Jahrhundert hinein Wechseljahre und Symptome der Wechseljahre als ein normaler Teil des Alterns, ein Prozess, den der Körper durchlaufen muss, verstanden wurden. Jetzt wird der Körper mit Hormonen, plastischer Chirurgie und dergleichen manipuliert. Frauen sollen glauben, dass sie das Gespenst der Falten, schlaffe Haut, verminderte Libido und alle Zeichen der Alterung durch diese postmoderne Art und Weise der Behandlung des Körpers beiseite schieben können. Und das kann verheerende Folgen haben, so wie einige neue Arten der Verarbeitung von Lebensmitteln zu neuen Krankheiten führen. Technologische Fortschritte sind nicht immer positiv und vorteilhaft und Wissenschaftler, wie auch Ärzte, sind oft nicht vorsichtig genug bei der Verordnung von Medizin.

Das Schreiben war schon immer heilend für mich

Zahnd: Du beendest das Buch mit dem folgenden Zitat von Jackie Stacey: „Erzählung macht es möglich, aus dem Schmerz auszusteigen, aber auch dafür zu sorgen, dass er nicht vergessen wird. Vielleicht ist es eine Art der Erinnerung, die heilt. Stärkendes Schreiben.“ 19 Wie hat das Schreiben dir bei der „Heilung“ geholfen?

Accad: Schreiben war schon immer reinigend für mich. Es half mir, die verstörenden, erschütternden Elemente meines Lebens in Vergangenheit und Gegenwart auszugraben und neue Hoffnung für die Zukunft aufzuspüren. So ist es auch mit diesem Buch, noch viel mehr sogar. Es war lebenswichtig für mich, es zu schreiben. Es half mir, meinen Verstand zu bewahren, als ich durch den Schock der Diagnose und durch die zerstörenden Therapien ging. Ich versuche, meine LeserInnen mitzunehmen in die Untiefen, durch die ich gegangen bin. Ich habe meine Ängste und Schmerzen geteilt, und das half mir, mich nach vorne zu bewegen. Ich fühle, wenn ich in der Lage bin, einigen zu helfen, ein solches Tal zu durchwandern, hätte ich viel erreicht und mein Schmerz war nicht umsonst. 

Post-Mastektomie: Das ist es, was mit immer mehr Frauen passiert und auch weiterhin passieren wird

Evelyne Accad: The Wounded Breast (englischsprachige Ausgabe)

Zahnd: Was hat dich dazu bewogen, deine Mastektomie-Fotos auf dem Cover des Buches und im Buch zu veröffentlichen?

Accad: Ich war froh, dass mein Verlag der englischen Ausgabe es akzeptiert hat, die Bilder einzuschließen, was die anderen Verlage (in Frankreich, Libanon und Tunesien) nicht taten … Als meine Freundin Eva während meiner Strahlentherapie zu Besuch kam und fragte, ob sie Bilder von mir und meinen Narben machen könnte, zögerte ich … Speziell wollte ich meine „hässlichen“ Narben nicht ausstellen, aber ich wusste, Eva ist ein sehr sensibler Mensch und eine kreative Künstlerin, die weiß, wie man wichtige Aspekte der Probleme dieser Welt ausdrücken kann, was sie mit ihrer Fotografie macht. So habe ich es akzeptiert und die Sitzungen mit ihr waren hilfreich und heilsam. Dank ihres freundschaftlichen Auges hinter der Kamera und durch die künstlerischen Ergebnisse, zu denen die Bilder geworden sind, konnte ich auch visuell dem Ausdruck verleihen, was ich durchgemacht habe. Es war, als ob ich der Lage wäre, der Welt zu sagen: Schaut mich an, ich bin verstümmelt, ich haben eine große Narbe mit schrecklichen Anzeichnungen für die Strahlenbehandlung auf meiner Brust, ich bin glatzköpfig durch die Chemotherapie, ich habe nur eine Brust übrig, und doch, ich bin schön und in der Lage, der Welt zu erklären: das ist es, was mit immer mehr Frauen passiert und auch weiterhin passieren wird, wenn wir nicht für tiefgreifende Veränderungen im Umgang mit Natur und Umwelt sorgen.

„Unsere Körper sind lebendige Schriftrollen“

Zahnd: Du zitierst Sandra Steingraber mit den Worten „Unsere Körper sind lebendige Schriftrollen“ (Steingraber, zit. in TWB 406). Inwiefern ist die verletzte Brust ein Testament unserer Zeit? Siehst du eine besondere Beziehung zwischen dem krebskranken Körper und dem Schreibstift?

Accad: Ich habe darüber bisher in dieser Weise nie nachgedacht, aber deine Frage wirft einige sehr interessante Punkte auf, die ich zukünftig gern erforschen würde. Die Idee des Körper als lebende Schriftrolle, die Beziehungen des an Krebs erkrankten Körpers gegenüber dem Schreiben, führt mich zurück zu den Vorstellungen, die feministische Schriftstellerinnen und Denkerinnen im feministischen Schreiben zu Papier gebracht haben. Wie schreibt man den Körper? Und wie schreibt man den kranken Körper? Ich möchte auf diese Fragen zukünftig mehr sagen.

Man kann nicht mehr die gleiche sein

Zahnd: Wie hat die Erfahrung von Krebs dein Weltbild beeinflusst?

Accad: Man kann nicht mehr die gleiche sein nach einer solchen Erfahrung. Krebs hat, wie jede lebensbedrohliche Erfahrung, die Macht, dich zu ändern. Sie gibt dir ein Voyages en cancer - Evelyne AccadGefühl der Unmittelbarkeit und Verletzlichkeit, die Erkenntnis, dass das Leben kurz ist und auch unbedeutende Dinge uns verlangsamen oder manchmal auch stoppen.

Zahnd: Ist „The Wounded Breast“ also letztlich ein „Aufruf zum Handeln“?

Accad: Definitiv ja, ist es ein Aufruf zum Handeln, unsere Lebensgewohnheiten zu verändern, wenn wir wollen, dass diese Welt überlebt und unsere Kinder eine Zukunft haben. Ich hoffe, du hast diese Botschaft beim Lesen des Buches verstanden und ich hoffe, meine LeserInnen fühlen sich herausgefordert, die Warnungen ernst zu nehmen und etwas zu tun, bevor es zu spät ist.

Zahnd: Hast du ein neues Projekt in Arbeit?

Accad: Ich habe verschiedene neue Projekte in Arbeit, aber Schreiben braucht in der Regel viel Zeit, um sich zu entwickeln … Es ist manchmal schwierig, dies mit der Wissenschaft unter einen Hut zu bringen. So freue mich auf den Ruhestand und mehr Zeit für langfristige Projekte. Alles, was ich momentan schaffe, ist Artikel und Rezensionen zu schreiben. Im kreativen Bereich habe ich eine Sammlung von Kurzgeschichten über den Zustand der Frauen der ganzen Welt, die ich gerne abschließen möchte. Ich habe auch ein Forschungsprojekt mit Interviews, die ich mit Frauen aus der ganzen Welt, vor allem aus Nordafrika und dem Nahen Osten, geführt habe, und die ich fertigstellen möchte. „Du Pain sur la Planche “ [„alle Hände voll zu tun“] … wie du sehen kannst …

Zahnd: Und sonst, hast Du einige zusätzliche Anmerkungen?

Accad: Ich bin froh, dass du all diese wichtigen Fragen gestellt hast. Ich hoffe, alle meine Leserinnen verstehen die Einblicke, die du so gut formulierst, und werden inspiriert, im Zusammenhang mit den Problemen, die dieses Interview aufwirft,  selbst aktiv zu werden.

[Übersetzung: Gudrun Kemper
Mit Dank für die freundliche Genehmigung
von Elizabeth Zahnd
und
Evelyne Accad
für die Veröffentlichung und Übersetzung an dieser Stelle]

Weiterlesen

Zur Parallelität von Krebs und Krieg

Quellenangaben

Schriften von Evelyne Accad

Blessures des mots: Journal de Tunisie. Paris: Côté femmes, 1993. Engl. Ausgabe: Wounding Words: A Woman’Journal in Tunisia. London: Heinemann 1996.

Coquelicot du massacre (Klatschmohn des Massakers). Paris : L’Harmattan 1988 und in engl. Ausgabe 2006 ebenfalls bei L’Harmattan.

Des femmes, des hommes et la guerre: Fiction et Réalité au Proche. Orient. Paris: Côté femmes, 1993.

L’Excisée. Paris: L’Harmattan, 1982. English edition : The Cut out/off. Trans. David K. Bruner. Colorado Springs: Three Continents, 1989. Deutschsprachige Ausgabe: Die Beschnittene bei Horlemann 2001.

Sexuality, War and Literature in Middle East. New York: NYU Press, 1989.

Sexuality and War : Literary Masks of the Middle East. New York : New York Univ. Press 1990.

Veil of Shame: The Role of Women in the Modern Fiction of North Africa and the Arab world. Sherbrooke: Naaman, 1978.

Voyages to Cancers. Paris: L’Hamattan, Tunis: Aloès and Beirut: An-Nahar, 2000. English edition: The Wounded Breast : Intimate Journey through Cancer. Melbourne:Spinex 2001.

Weitere Quellen

Hottel, Ruth A.: A Poetics of Pains: Evelyne Accad Critical and Fictional World. World Literature Today, 71:3 (Summer 1997) 511-16.

Hyvrard, Jeanne. Le cercan. Paris: Des femmes, 1987.

Stacey, Jackie. Teratologies : A Cultural Study of Cancer. London and New York: Routledge, 1997.

Steingraber, Sandra. Living Downstream: An Ecological Looks on Cancer and the Enviornment, Addison Wesley, 1997.

References

  1. 1. Das Zitat aus Wiesels „Erinnerungen“ lautet: „Nichts vergessen, nichts auslassen: Das ist die Obssesion der Überlebenden …; zu verteidigen bis auf den Tod, ihre Erinnerungen und ihre Ehre verteidigen. So viel ist über sie gesagt worden. In zahllosen Analyen wurden sie zu Objekten gemacht, seziert, ausgestellt und „präsentabel“ gemacht für theologische, wissenschaftliche, politische und kommerzielle Zwecke. Behandelt wie Objekte, wurden sie beschimpft, herabgesetzt und betrogen. Um diesem Trend etwas entgegen zu setzen, haben Überlebende nur Worte, kleine, ineffektive Worte, um sich vor dem Tode zu verteidigen. So weben einige von uns Worte in Märchen, Geschichten und Bitten. Es ist alles, was wir angesichts des Todes tun können. Und der einzige Wunsch ist, gehört zu werden von den Lebenden. „To forget nothing, to efface nothing: that is the obsession of survivors; to plead for the dead, to defend their memory and honor. So much has been said about them. They have been subjected to countless analyses, dissected, exhibited, and made ‘presentable’ for theological, scientific, political, and commercial purposes. Treated like objects, they have been insulted, belittled, and betrayed. To resist this tide survivors—and they are becoming ever fewer—have only words, poor, ineffectual words, with which to defend the dead. So some of us weave these words into tales, stories, and pleas for memory and decency. It is all we can do, for the living, and for the dead.“ (Elie Wiesel: All Rivers Run to the Sea. Memoirs, Vol. One 1928–1969. London: HarperCollins 1996, S. 380.)
  2. 2. Hyvrard, zit. in The Wounded Breast (TWB) 31
  3. 3. Originaltext: „L’Ecriture Feministe“
  4. 4. Die Beispiele „seminar/seminary“, „bold head/bald head“ und „historectomy/hysterectomy“ lassen sich nicht übersetzen, da diese Wortspiele in der deutschen Sprache so nicht funktionieren, Anm. d. Übers.
  5. 5. TWB, S. 175
  6. 6. Y-ME National Breast Cancer Organization, die Organisation mit Sitz in Chicago, USA, existierte von 1978 bis 2012 und wurde Ann Marcou (1932–2004) and Mimi Kaplan († 1982), zwei Frauen mit Brustkrebs, die Unterstützung für andere betroffenen Frauen und ihre Angehörigen angeboten haben, gegründet. Websitearchivierung s. unter: http://web.archive.org/web/*/http://www.y-me.org/
  7. 7. Hyvrard, zit. in TWB S. 156
  8. 8. TWB, S. 28-29
  9. 9. Fanon, Frantz, Vordenker der Entkolonialisierung, Arzt, Psychiater, Schriftsteller, 1925 – 1961
  10. 10. TWB, S. 173
  1. 11. TWB, S. 30
  2. 12. Sexuality and War (1990), s. Quellenangaben
  3. 13. TWB, S. 201
  4. 14. Im Original: Femihumanism (Google in D: 52 Treffer, Abruf 06/2013, Femihumanismus 0 Treffer, was zu denken lässt)
  5. 15. Paul Vieille (1922 – 2010)
  6. 16. s. dazu auch: Lilo Berg: Der Chirurg, der die Frauen liebt, Berliner Zeitung v. 03.12.2001 http://www.berliner-zeitung.de/archiv/heute-behalten-die-meisten-frauen-mit-brustkrebs-bei-der-operation-ihre-brust---ein-verdienst-von-umberto-veronesi-ein-chirurg--der-die-frauen-liebt,10810590,9955870.html
  7. 17. Blessures des Mots: Journal de Tunisie (1993), s. Quellenangaben
  8. 18. TWB, S. 67
  9. 19. Stacey, Jackie: Teratologies: A Cultural Study of Cancer, 1997: 242, zit. in TWB, S. 528 0415149606
3 Kommentare
  1. […] der Beziehungen von Frauen während der Zeit der Frauenbewegung in Tunesien. 6 In ihrer Arbeit „The Wounded Breast: Intimate Journeys through Cancer“ (Die verwundete Brust, 2001, französische Ausgabe  “Voyages en cancer” 2000) 7 […]

  2. […] Interview: Elizabeth Zahnd, Evelyne Accad – Brustkrebs interkulturell betrachten: “Die Austreibung … […]

  3. […] Buch, dass Mary K. Deshazer nicht in ihr umfassendes Werk integriert hat, ist Evelyne Accad’s „The Wounded Breast“, das auch ins Französische und 2015 auch ins Arabische übersetzt wurde. Accads fundamentale […]

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