Brustkrebs als Viruskrankheit oder: Was macht eigentlich … Susan Love? (6)

(Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2010)

gewidmet Elisabeth Rieping – zusammengestellt von Gudrun Kemper

Abbildung: I love Susan von nachzehrer.com CC 2.0

Abbildung: I Love Susan
von nachzehrer.com CC 2.0

Viren sind als Krankheitsursache bei einigen Krebserkrankungen bereits nachgewiesen worden. Verschiedene Forschungsgremien haben das Rinderleukämie-Virus (BLV), das Epstein-Barr-Virus (EBV) und das Humane Papilloma-Virus (HPV) im Brustgewebe von Frauen gefunden, und zwar gehäuft bei solchen Frauen, die bereits eine Brustkrebserkrankung in ihrer Krankengeschichte haben.

Die Dr. Susan Love Research Foundation hat bereits im Jahr 2007 ein Forschungsstipendium in Höhe von 5.000 $ an Kimberly Baltzell (RN, PhD, Assistant Adjunct Professor an der University of California in San Francisco, hier wäre dies eine registrierte Krankenschwester mit Doktoratsstudium und außerplanmäßiger Juniorprofessur) und Prof. Gertrude Case Buehring zur Verfügung gestellt, damit sie mit ihrem Team untersuchen können, ob sich Viren mit Hilfe einer Polymerase-Kettenreaktion im Nippelaspirat – also Material, das aus der Brustwarze entnommen wird – nachweisen lassen. Auch sollte in dieser Arbeit überprüft werden, ob sich solche Viren bei Brustkrebspatientinnen häufiger nachweisen lassen als bei Frauen, die nicht von Brustkrebs betroffen sind. Man erhofft sich von diesen Forschungsarbeiten, eine Art „Pap-Test“ entwickeln zu können, um so möglicherweise Frauen mit einem größeren Brustkrebsrisiko besser identifizieren zu können.

Auf dem 6. Internationalen Symposium zur intraduktalen Brustkrebsforschung (International Symposium on the Intraduktales Approach to Breast Cancer), das im Februar 2009 in Santa Monica, wo Susan Love lebt, stattfand, wurden Ergebnisse dieser Arbeit unter dem Titel Oncogenic Viruses in Nipple Aspirate Fluid: Biomarkers for Breast Cancer Risk Assessment? (Krebsverusachende Viren in Nippelaspirat-Flüssigkeiten: Biomarker für die Risikobeurteilung für Brustkrebs?) vorgestellt.

Die an dem Projekt beteiligten Forscherinnen meinen, dass es ein erheblicher Vorteil sei, wenn sich Frauen mit hohem Risiko für Brustkrebs auf diese Weise herausfiltern lassen, wobei dann Früherkennungsmethoden eine andere Berechtigung haben könnten, als – wie heute noch – alle Frauen in bestimmten Altersgruppen einer systematische Mammographie zu unterziehen, ohne individuelle Risiken zu kennen. Die Idee, die dieser Forschungsarbeit zugrunde liegt, hat große Ähnlichkeit mit der heutigen Diagnostik von Gebärmutterhalskrebs. Frauen, bei denen sich keine HPV-Viren nachweisen lassen, haben praktisch auch kein Erkrankungsrisiko (was leider bisher im Umkehrschluss noch nicht die Erkenntnis zulässt, dass die heutige Form der HPV-Impfung das Krankheitsrisiko beseitigen könnte, abgesehen davon, dass die Impfung scheinbar auch mit einigen problematischen Impfreaktionen verknüpft sein kann).

Bei Brustkrebs kann man bis heute nur anhand der bereits bekannten familiären Brustkrebserkrankungen Frauen mit genetischen Risiken ermitteln (entsprechend rund 5% der Brustkrebserkrankungen). Für die restlichen 95% der Frauen gibt es keine Möglichkeiten, diejenigen mit Erkrankungsrisiken sicherer von solchen ohne Risiken zu unterscheiden.

Die kleine, aber bereits sehr aufwändige Forschungsarbeit, über die hier berichtet wird, erhielt eine weitere finanzielle Unterstützung der AVON-Foundation. So konnten Proben, die jeweils mindestens 100 Zellen enthielten, auf die drei Virustypen untersucht werden. Im Ergebnis zeigte sich, dass Frauen mit entsprechenden Zellanomalien vier bis fünf Mal so häufig an Brustkrebs erkranken wie Frauen, bei denen sich die Viren im Nippelaspirat nicht nachweisen ließen. Und wieder wird über eine andere Art von Screening, ähnlich eines Pap-Tests – nur für die Brust –, nachgedacht, da sich offensichtlich tatsächlich Frauen mit einem höheren Risiko so finden lassen und sich der Verdacht einer Beteiligung von Viren als Ursache für Brustkrebs bestätigen könnten.

Erinnerung

In Deutschland hat sich die Biologin und Ärztin Elisabeth Rieping (1950 – 2009), die am 29. Januar 2010 60 Jahre alt geworden wäre, mit Virustheorien als Ursache von Brustkrebs befasst.

Quellenangaben

2007 Grantees / Susan Love Research Foundation
Oncogenic viruses in nipple aspirate fluid: biomarkers for breast cancer risk assessment? / K Baltzell, HM Shen, GC Buehring in BMC Proc. 2009; 3(Suppl 5): S4.

Weiterlesen

Forschung im Milchgang oder: Was macht eigentlich … Susan Love?
Susan Love im Dokuwiki Brustkrebs mit Links zu den Fortsetzungen zur Arbeit von Susan Love

Elisabeth Rieping: The Search for the Human Breast Cancer Virus (2004) bzw. Die Suche nach dem menschlichen Brustkrebsvirus
Elisabeth Rieping: BLV as an agent involved in Breast Cancer

2 Kommentare
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  2. Love, Susan sagt:

    […] Brustkrebs als Viruskrankheit oder: Was macht eigentlich … Susan Love? (Teil 6) […]

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