Brustimplantate und ALCL-Risiko

(Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2011)

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat die vorliegende Literatur und relevante Informationen aus dem Jahren 1997 bis 2010 diesbezüglich überprüft. 34 Einzelfälle von ALCL bei Frauen mit Implantaten, die entweder mit Kochsalzlösung oder mit Silikon gefüllt waren, sind  bekannt. Das ist eine verhältnismäßig kleine Anzahl. Die FDA steht auf dem Standpunkt, dass mehr Daten benötigt werden, um Verbindungen zwischen Brustimplantaten und der Krankheit zu verstehen.

Die FDA hat Leistungsanbieter im Gesundheitswesen aufgefordert, alle Fälle von ALCL bei Frauen mit Brustimplantaten an das MedWatch Program in den USA zu melden. Silikonimplantate bei gesunden Frauen waren in den USA wegen befürchteter gesundheitlicher Risiken zwischen 1992 bis zum Jahr 2006 wieder verboten. Nur Frauen mit Brustkrebs waren ausgenommen und konnten sich in den USA in diesem Zeitraum Silikonimplantate einsetzen lassen.

Die FDA bietet jetzt eine Konsumenten-Information an, in der Frauen mit Brustimplantaten ohne Symptome für eine Erkrankung aufgefordert werden, ihre Implantate fortlaufend überwachen zu lassen und bei jeglichen Veränderungen ihre ÄrztInnen zu kontaktieren. Außerdem sollten sich Frauen mit Brustimplantaten des sehr kleinen, aber mit den Implantaten ansteigenden Risikos, an ALCL zu erkranken, „bewusst sein“ und es mit ihren ÄrztInnen diskutieren, so FDA.

Breast Cancer Action Germany – Unsere Meinung:

Diese Information ist besonders auch für solche Frauen wichtig, die sich noch nicht für den Einsatz von Silikonimplantaten in ihren Körper entschieden haben. Frauen mit Brustkrebs haben beim Einsatz von Implantaten gesundheitsbezogen in der Regel keine Vorteile, sondern eher Nachteile zu erwarten.

Wir haben in unserer Gruppe Kenntnis von leidvollen, belastenden Krankheitsverläufen. Silikonimplantate in der Brust können selbst bei gesunden Frauen häufig kaum mehr als einige Jahre im Körper der Frau verbleiben, da sich häufig Komplikationen einstellen. Mit der Entfernung der Implantate und dem Versuch, diese durch neue Implantate zu ersetzen, steigern sich die Komplikationsraten nochmals erheblich. Uns liegen Informationen von betroffenen Frauen vor, die nach dem erstmaligen oder wiederholten Entfernen von Brustimplantaten schwere bis schwerste Komplikationen mit Narbenbildungen erfahren haben. Die Folgen reichen bis hin zu dauerhafter Arbeitsunfähigkeit, Depressionen, Suizid u.a.

Der Wunsch nach „optischer Perfektionierung“ der weiblichen Brust ist besonders vor dem Hintergrund unnatürlicher medialer „Ideale“ nachvollziehbar. Jedoch fehlt Frauen – und hier ganz besonders jüngeren Frauen oder gar Teenagern – in der Regel die Information zu den langfristigen gesundheitlichen Konsequenzen, die für den Rest den Lebens Nachteile mit sich bringen können.

Ob Brustkrebs oder nicht – wir meinen: Finger weg von überflüssigen und gesundheitsschädigenden Implantaten in der Brust
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Ich bin nicht länger ängstlich – Frauen, die sich nicht „rekonstruieren“ lassen

Bericht 2008: Gefährliche Kosmetik – Silikonimplantate für die Brust

Hinweise auf weitere Informationsmaterialien der FDA (engl.):

Bildnachweis: Clairegren, Creative Commons 2.0

1 Kommentar
  1. […] der Information: Beate Schmidt, s. auch Aktualisierung Jan. 2011 Silikonimplantat für die […]

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