Brenner, Barbara

(Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2016)

Barbara Brenner (07.10.1951 – 10.05.2013) war eine amerikanische Juristin und Interessenvertreterin für Frauen mit Brustkrebs. Unter ihrer Leitung entwickelte sie die Organisation Breast Cancer Action zu einer Gegenbewegung gegen die Instrumentalisierung und Kommerzialisierung der „Brustkrebsbewegung“ in den USA. Maßgeblich war hier unter anderem das Projekt „Think before you pink“, mit dem sie sich gegen den weltumspannenden Kult um rosa Schleifen und die damit einher gehende Kommerzialisierung der Krankheit Brustkrebs richtete. Sie wird in Nordamerika auch als eine der Schlüsselfiguren der Medizingeschichte im Zusammenhang mit dem Umgang mit Brustkrebs eingestuft.

Barbara Brenner wurde 1951 als eines von sieben Kindern in Baltimore (Maryland, USA) geboren. Bereits in ihrer Kindheit wurde ihr Blick auf soziale Gerechtigkeit geprägt und sie kam vor dem Hintergrund der starken Segregation der Stadt in schwarz und weiß in Kontakt mit Bürgerrechtsbewegungen und Antikriegsbewegung. Sie sprach auch fließend französisch, was sie während ihres einjährigen Studienauslandsaufenthaltes in der Schweiz gelernt hatte. Sie studierte anschließend weiter an der George Town University Law School, wo sie zu ihrem Erschrecken lernte „dass Recht und Gerechtigkeit oft erschreckend weit von einander entfernt liegen“. 1 1973 erwarb sie einen Hochschulabschluss am Smith College, der renommiertesten privaten Hochschule nur für Frauen in Northampton (Massachusetts).  Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Anwältin für den Internationalen Währungsfonds (IWF, Internationaly Monetary Fund).

Bevor Brenner zu Breast Cancer Action kam, war sie für die American Civil Liberties Union (ACLU), eine der zentralen Organisationen der Bürgerrechtsbewegung in den USA, beschäftigt. Im Alter von 41 Jahren erhielt sie die Diagnose Brustkrebs und war schließlich für rund 15 Jahre Geschäftsführerin von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco. Oft im Widerspruch zu größeren Organisationen wie der American Cancer Society und Susan G. Komen for the Cure, war sie die kritische und unabhängige Stimme von Frauen mit Brustkrebs. Wichtig waren ihr dabei ein wahrheitsgemäßer, wissenschaftsbasierter Umgang mit der Krankheit sowie der Aufbau einer vertrauenswürdigen Information für betroffene Frauen.

Unabbängigkeit

Im Gegensatz zu den meisten Charity- und Wohltätigkeitsorganisationen, die im Zusammenhang mit Krebs arbeiten, hatte Breast Cancer Action eine Finanzierungsrichtlinie (Funding Policy) entwickelt, in der fixiert ist, dass die Organisation keine Mittel vor dem Hintergrund von Interessenkonflikten einwirbt. Die Organisation hatte dadurch eine andere Positionierung gegenüber Medizin und Fachgesellschaften, mit der sie die relevanten Fragen stellen und den Dialog ändern könnte. Dazu gehörte u.a. die Erkenntnis, dass die Wirksamkeit der Mammographie überbewertet ist und das Verfahren übermäßig beworben wird, dass Krebstherapien zwar sehr viel kosten, oft aber nur wenig helfen, und Chemikalien in Produkten des täglichen Bedarfs die „Brustkrebs-Epidemie“ fördern.

Sonstiges

Barbara Brenner lebte 38 Jahre lang mit ihrer Lebensgefährtin Susie Lampert zusammen. Im Jahr 2010, während sie sich auf den Ruhestand vorbereiten wollte, erhielt sie die Diagnose amyotrophe Lateralsklerose (ALS, Lou-Gehrig-Krankheit), eine Krankheit, an der zuvor bereits ihre Schwester verstorben war. Bei Brenner nahm die Krankheit einen aggressiven Verlauf. Sie verlor ihre Stimme und konnte zunächst noch flüstern. Da sie nicht zum Schweigen gebracht werden wollte, begann sie, ihre Stimme über ihren Blog „Healthy Barbs“ (Gesunde Stacheln) weiterzugeben. Sie plante außerdem ein Buch mit Innenansichten der Brustkrebsbewegung.

Veröffentlichungen

So Much to Be Done: The Writings of Breast Cancer Activist Barbara Brenner (Hg. Barbara Sjoholm). Univ Of Minnesota Press (Mai 2016). ISBN  978-0816699445

Zitate

„Wir erfüllen keinen Zweck mit nett sein“. (We serve no purpose in being nice.) zitiert nach Steingraber S., The Breast Exposed, Ms. magazine, autum 2005

Spenden an den Barbara Brenner Rapid Response Fund (Breast Cancer Action)

Nachrufe
Barbara Brenner Nachruf von Breast Cancer Action
Today I’m thinking about … Barbara Brenner (Caitlyn Carmondy, BCAction)
Barbara Brenner 1951 – 2013 (ACLU Nachruf)
Barbara Brenner, Breast Cancer Iconoclast, Dies at 61 (Nachruf von Denise Grady, New York Times)
Barbara Brenner, Breast Cancer Awareness Advocate, dies at 61 (Nachruf von Valerie J. Nelson, Washington Post)
Nachruf von Peggy Orenstein (Ms. Magazine blog)
Barbara Brenner: A Breast Cancer Firebrand (AARP-Blog, Beitrag von Patrick Kiger)

Weiterlesen

Barbara Brenner in dem Artikel Medical Papers by Ghostwriters Pushed Therapy in der New York Times vom 05.08.2009 zur Praxis, dass Pharmakonzerne häufig Ärzte dafür bezahlen, dass sie Berichte zu Medikamenten in medizinischen Fachzeitschriften veröffentlichen, die eigentlich aus der Feder von Pharmakonzernen stammen – und dass Gefahren für PatientInnengesundheit und ÄrztInnen, die neutrale Information brauchen, damit verbunden sind. Brenner kommt zu dem Schluss, dass wir ein neues System brauchen.

Quellen

Szabo, L.: Breast cancer activist Brenner struggles to preserve her voice Brenner in action. USA Today v. 17.07.2011

References

  1. 1. So Much to Be Done: The Writings of Breast Cancer Activist Barbara Brenner (Hg. Barbara Sjoholm). Univ Of Minnesota Press (Mai 2016). ISBN 978-0816699445, S. 3

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    ... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

    Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

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    Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
    Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.