Die biologische Bedeutung der Eierstöcke (1904)

(Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2014)

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Die biologische Bedeutung der Eierstöcke nach Entfernung der Gebärmutter : Experiment und klinische Studien von Dr. Ludwig Mandl, Privatd. in Wien, u. Dr. Oskar Bürger, Assist. in Wien. Mit 6 Abbildunge u. 14 Kurven, sowie 13 Taf. im Anhang
Leipzig & Wien : F. Deuticke, 1904. 240 S.

Wir möchten dieses Buch hier erschließen und einzelne Inhalte notieren, da die Entfernung der Eierstöcke gerade jüngeren Frauen mit Brustkrebs verharmlosend dargestellt wird. (Quellen/Beispiel auf Anfrage)

Faktoren, die bei Entfernung der Eierstöcke eine Rolle spielen:

Krankheitsstadium (Ersterkrankung oder Metastastasierung? Im Zusammenhang mit der Ersterkrankung ist an die Langzeitfolgen und Lebensqualität zu denken, bei Metastasierung besonders die Frage der Lebensqualität). Die Entfernung der Eierstöcke wird in Leitlinien aktuell nicht empfohlen. Wir haben jedoch den Eindruck, dass diese Maßnahme in den letzten rund 15 Jahren dennoch jungen betroffenen Frauen häufiger angeboten wurden, wenn nicht gar Druck ärztlicherseits gemacht wurde, diese Maßnahme durchführen zu lassen. Patientinnen können sich für die Entfernung der Eierstöcke bei vorliegender Krebserkrankung oder auch bei vorliegenden Genveränderungen entscheiden, doch sollte eine Entscheidung dieser Tragweite in Kenntnis der zu erwartenden Nebenwirkungen („Ausfallerscheinungen“) auf das eigene Leben erfolgen.
Nachfolgend listen wir solche Nebenwirkungen, die bereits 1904 gut erforscht waren, die diese Veröffentlichung sehr gut zeigt. Da Frauen mit Krebserkrankung häufig keine Medikamente einnehmen können, die Hormone enthalten, ist diese Information besonders für Frauen mit Krebserkrankungen wichtig.

Zusammenfassung der Nebenwirkungen der Operation – Stand 1904

Die Eierstöcke sind Organe mit „nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Allgemeinzustand“ (Mandl, S. 2). „Die Eierstöcke gehören mit zu den Stützen einer im Gleichgewicht ruhenden Gesundheit“ (Mandl, S. 6). Streng auseinander gehalten werden müssen  Frauen, die sich bereits im Klimakterium befinden und jüngere Frauen.

Beschriebene Ausfallserscheinungen bei vollständiger Kastration:

  1. Hitzewallungen
  2. Schwindelanfälle
  3. Ohrensausen
  4. Herzklopfen
  5. Schweißausbrüche
  6. Gewichtzunahme, Fettansatz (hier bei 71% der Betroffenen) bis hin zu abnorm starker Zunahme des Fettansatzes (Gewichtszunahme bis 30 KG)
  7. Abnahme des Gedächtnisses
  8. eingeschränkt: Psychische Störungen (Neurosen, Psychosen)
  9. künstlich gesetzte Amenorrhoe
  10. Unmöglichkeit der Konzeption (definitive Sterilität)
  11. Kreuzschmerzen
  12. Schmerzen in beiden Seiten des Hypogastriums (Unterleib)
  13. verstärkte Sekretion der Schleimhäute des Genitaltraktes
  14. anatomische Veränderungen der zurückbleibenden Sexualorgane (Uterus, Vagina, äußeres Genitale), Atrophie des äußeren Genitales, Verengung und Verkürzung der Vagina spez. bei Nulliparae (Nulliparae = Frauen, die keine Geburt hatten)
  15. Störung und/oder Ausfall  von Libido und Lustempfinden
  16. „Hormonschock“ durch radikalen Hormonentzug ohne Übergang
  17. Verwachsungen von Därmen, (1-8 Mandl S. 2)
  18. Einfluss auf das Gefäßzentrum  (S. 17)

Vor dem Hintergrund des Einflusses der Auswirkungen der Entfernung der Ovarien hat Anfang des 20.  Jahrhunderts (1904!) zu der Erkenntnis geführt, „bei allen Operationen an den Adnexen dem Ovarium mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den Versuch zu machen, ein Stück des ovulierenden Gewebes dem Organismus zu erhalten“ (Mandl, S.  4), bzw. die Ovarien „wenn es irgend geht“ bewahren (S. 6, Mandl, unter Bezugnahme auf Gottschalk). Die Nebenwirkungen sind hier gelistet ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Heute ist mehr über die Operationsfolgen bekannt, doch das Wissen wird eher unterdrückt.

Stichworte: Oophorektomie, Ovariektomie, Kastration, chirurgische Menopause
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Weiterführende Information

Die biologische Bedeutung der Eierstöcke nach Entfernung der Gebärmutter (Online-Ausgabe)

Edith Schuligoi: Frauenkastration

Internet:
www.femica.at (Österreich)
HERS-Stiftung (USA)[/box]

 

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