AKF-Jahrestagung 2013 – Grenzüberschreitungen – Frauengesundheit in einer globalisierten Welt: Kurzstatements zur Diskussion mit AKF-Fachfrauen (Brustkrebs)

(Zuletzt aktualisiert: 8. Oktober 2014)

Text: Gudrun Kemper

Logo AKF - Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.Im AKF gibt es eine lange Tradition der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Brustkrebs, die auf die Ärztin Dr. Ingrid Olbricht (Jg. 1935 – 2005), Mitbegründerin des AKF und langjährige Vorstandsfrau, zurückgeht.

Die immer noch steigenden Neuerkrankungsraten zeigen die heutige Relevanz des Themas und zugleich die Notwendigkeit, sich aus einer frauenorientierten Perspektive nachhaltig weiter damit zu befassen.

Als Ingrid Olbricht ihre Doktorarbeit zum Vergleich von Mammographie und Thermographie im Jahr 1975 veröffentlichte, ging sie von 20 bis 25.000 Neuerkrankungen in (West-)Deutschland aus. Nach den Daten des Gemeinsamen Krebsregisters lag die Neuerkrankungsrate für den Einzugsbereich der DDR damals bei unter 5.000.

Ingrid Olbricht näherte sich dem Thema in den folgenden Jahren aus unterschiedlichen Perspektiven: ganzheitlich, medizinisch, soziologisch, ethisch-philosophisch, psychosozial , psychologisch, ökologisch, medizinhistorisch oder aus der Perspektive betroffener Frauen, die sie untersuchte.

Ihr „Brustbuch“, zuerst erschienen 1985, trug den Titel: Die Brust – Das enteignete Organ.

Ökologische Aspekte, etwa die Belastung mit endokrinen Disruptoren ab dem Säuglingsalter, benannte Ingrid Olbricht bereits Anfang der 1990er Jahre sehr deutlich beim Namen. Der AKF wird weiterhin dieses Nachdenken zu Fragen anstoßen, mit denen sich auch Ingrid Olbricht beschäftigte.

Warum ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen?

Warum erkranken Frauen an Brustkrebs?

Im November 1999 widmete der AKF die gesamte Jahrestagung dem Thema „Brust 2000: Gesundheitspolitische Ein- und Aussichten“.

Die Brustkrebsversorgung in Deutschland hat seitdem eine Vorreiterrolle bei der Umgestaltung von Versorgungsformen gespielt. Sie hatte Modellcharakter, sei es hinsichtlich „vorsorgender“ Interventionen, Zentrenbildung, der neuen Rolle der Genetik oder einer erkennbaren Profitorientierung, sichtbar beispielsweise an den extremen Preisen für Brustkrebsmedikamente und Fallpauschalen als Abrechnungsmodell für bestimmte Segmente im Rahmen der Krankenhausbehandlung.

Die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland wurde im November 1999, kurz vor der Jahrtausendwende, auf knapp 50.000 geschätzt.

Die Dokumentation dieser AKF-Jahrestagung „Brust 2000“ ist heute ein spannendes Dokument der jüngeren Medizingeschichte. Einen wichtigen Schwerpunkt setzte damals Dr. Friederike  Perl, die anhand evidenzbasierter Daten auf die zu erwartende Perspektive des Mammographie-Screenings einging und eine Vorausschau zur Realität der zu erwartenden Ergebnisse vortrug. Sie beschrieb z.B. die Vorverlagerung der Diagnose und ging auf das Phänomen der Überdiagnose ein.

Christine Brunswick, damals als Sprecherin der amerikanischen National Breast Cancer Coalition (NBCC) stellte auf der AKF-Jahrestagung „Brust 2000“ die Arbeit der amerikanischen Frauengesundheitsbewegung vor. Die NBCC hat ihre Position zum Mammographie-Screening bereits vor der Etablierung des Screenings in Deutschland geändert und sich seit dem Jahr 2002 von einer einseitigen „früher-ist-besser-Strategie“ entfernt. Sie weist heute in ihrer jüngsten Veröffentlichung darauf hin, dass das Phänomen der Überdiagnose bei Brustkrebs nicht irrelevant ist.

Ob Brustkrebs uns beunruhigen sollte, war ebenfalls eine Frage, die Friederike Perl damals aufgegriffen hat. Sie erscheint umso relevanter, als jetzt die Durchführung der doppelseitig durchgeführten Mastektomie, also die doppelseitige chirurgische Entfernung der Brust, sowohl bei an Brustkrebs erkrankten Frauen, wie auch bei Frauen mit genetischen Veränderungen, einen Aufwärtstrend erlebt.

Friedrike Perl stellte im November 1999 fest, dass die Mortalität bei Brustkrebs seit rund 70 Jahren unverändert sei. Wer heute einen Blick in den GEKID-Atlas wirft, kann feststellen, dass diese Aussage auch jetzt noch unverändert zutrifft. Friederike Perl benannte dies 1999 als Unfähigkeitsbeweis.

Das Mammographie-Screening in Deutschland hat die Neuerkrankungszahlen verändert. Erwartet werden aktuell rund 72.000 Neuerkrankungen jährlich, bei identischer Sterblichkeit.

Gudrun Kemper - AKF Jahrestagung 2013

Foto: copyright Elke Czizeiczuk

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Dokumentation der kompletten AKF Jahrestagung 2013 folgt demnächst unter www.akf-info.de

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