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BSGI und PEM: Hohe Risiken der neuen bildgebenden Verfahren bei Brustkrebs

Vorsicht vor ionisierender Strahlung bei der Brustkrebsdiagnostik

Vorsicht vor ionisierender Strahlung bei der Brustkrebsdiagnostik

In seiner Online-Ausgabe vom 24.08.2010 warnt das Deutsche Ärzteblatt vor neuen bildgebenden Verfahren, die zur Untersuchung der Brust eingesetzt werden.
Nach Berechnungen, die in der Fachzeitschrift “Radiology” gerade veröffentlicht wurden, gehen sie mit einem deutlich erhöhten Strahlenrisiko einher.

Es handelt sich zum einen um das breast-specific gamma imaging (BSGI). Dieses ist eine neue Variante der Szintigraphie. Dabei wird die Brustdrüse mit einer Gammakamera nach Regionen abgesucht, in denen ein zuvor gespritztes Kontrastmittel vermehrt gespeichert wird.

Das zweite Verfahren ist die Positronen­emissions­mammografie (PEM), eine Variante der Positronenemissionstomographie, für die ebenfalls ein radioaktives Kontrastmittel injiziert werden muss.

Das Ärzteblatt bezieht sich in seiner Berichterstattung auf Edward Hendrick von der Universität von Colorado-Denver in Aurora. In einer Risikoabschätzung habe er gewarnt, dass die Strahlenbelastung deutlich höher sei als bei einer Röntgenuntersuchung der Brust. Außerdem bliebe die Exposition nicht auf die Brust beschränkt.

Auf 100.000 mammographierte Frauen im Alter von 40 Jahren kämen 1,3 bis 1,7 zusätzliche Brustkrebserkrankungen. Hendrick berichtet, bei einer einzigen BSGI sei das Risiko 20 bis 30 Mal höher, die PEM habe ein 23-fach erhöhtes Lebenszeitrisiko, was nach einer einzigen Untersuchung etwa demjenigen entsprechen dürfte, das eine Frau trägt, die ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig am Mammographiescreening teilnimmt. Ferner könnten auch Krebserkrankungen in Darm, Nieren, Blase, Gallenblase, Uterus und Ovar als Folge von BSGI und PEM auftreten.

Auch entspreche die effektive Dosis einer BSGI bzw. einer PEM nach den Berechnungen von Hendrick dem Mehrfachen der natürlichen Strahlenbelastung.

Zitat Ärzteblatt: “Diese Zahlen zeigen laut Hendrick, dass die Indikation der beiden neuen bildgebenden Verfahren sehr eng gestellt werden sollten. Für das Brustkrebsscreening seien die beiden Verfahren schon aus strahlenbiologischen Gründen nicht geeignet.”

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Artikel in aerzteblatt.de vom 24.08.2010

Quellenangaben

Pressemitteilung der Radiological Society of North America vom 24.08.2010: New Nuclear Breast Imaging Technologies Associated with Higher Cancer Risks

Abstract des Artikels in Radiology vom 24.08.2010: Radiation Doses and Cancer Risks from Breast Imaging Studies (August 24, 2010, doi: 10.1148/radiol.1010057, im Open Access nicht zugänglich, vollständiger Text $ 15.)

Bildnachweis: BlatantNews
, Creative Commons 2.0

Rubrik diagnose

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Therapiekritik für Avastin: Überlebensverkürzung

“Bevacizumab (Avastin) ohne Nutzen bei Mammakarzinom.” Das berichtet aktuell das arznei-telegramm Heft 8/2010. Die Nachricht kommt lange Zeit nach der Anwendung bei Patientinnen mit Brustkrebs in Deutschland und es fragt sich, wie das extrem teure Medikament in die “First-Line-Therapie” bei fortgeschrittenem Brustkrebs auch bei uns Einzug nehmen konnte und wie viele Patientinnen hier die negativen Wirkungen des Medikaments bisher erdulden mussten.

arznei-telegramm berichtet, dass sich nach den Daten der E2100-Studie das Risiko für schwere unerwünschte Wirkungen um ca. 20% erhöht hat.

Das Medikament war ohne Nachweis einer Überlebenszeitverlängerung in den USA und Europa zugelassen worden, unter der Voraussetzung, dass weitere Daten zum Nutzen des Medikaments erbracht werden. Nun zeigt sich jedoch das Gegenteil. Das Medikament war entgegen der Beraterempfehlungen bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde in den USA zugelassen worden (5 zu 4 Stimmen gegen die Zulassung, wir berichteten, s. auch >>> Analysten erstaunt … Nachgelesen – Die Avastin-Berichterstattung).

Die “AVADO-Studie” habe in der “Taxangruppe” ein tendeziell verkürztes Gesamtüberleben gezeigt, und das Beratergremium der FDA habe sich inzwischen mit nur einer Gegenstimme für die Rücknahme der Zulassung von Avastin bei Brustkrebs ausgesprochen.
arznei-telegramm rät von der Anwendung von Bevacizumab bei Brustkrebs ab.

Wie reagieren unsere Krankenkassen jetzt?

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Originalartikel Therapiekritik: Bevacizumab (Avastin) ohne Nutzen bei Mammakarzinom (pdf) arznei-telegramm® 2010; 41: 80-1, mit freundlicher Genehmigung und Dank an die Redaktion.

Rubrik avastin - bevacizumab, medikamente, warnhinweise für medikamente

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Breast Cancer Action: Abschied von Barbara Brenner

Bye-bye, Barbara! Wishing you only the good things!
Bye-bye, Barbara! Wishing you only the good things for whatever may be your plans!
Bildnachweis © Breast Cancer Action

Barbara Brenner wird 60 und … geht in den Ruhestand. Nach 15 Jahren intensiver Arbeit gibt sie ihren Posten als Geschäftsführerin von Breast Cancer Action auf und kehrt der bezahlten Arbeit den Rücken. Sie selbst schreibt, diese Nachricht hätte ein gutes Ende. Das können wir nur hoffen. Unabhängige Stimmen und mutige Fürsprecherinnen für Belange von Frauen im Kontext Brustkrebs wie die von Barbara Brenner brauchen wir auch in Zukunft.

In ihrer Rundmail v. 11.08.2010 schreibt Brenner, dass sie dem Thema Brustkrebs immer treu bleiben und an einem Buch zu Innenansichten der Brustkrebsbewegung arbeiten wird. Wir werden es in jedem Fall lesen, wenn es erscheint.

An dieser Stelle danken wir Barbara Brenner für ihre kostbare Arbeit und ihren langjährigen persönlichen Einsatz, der auch in Deutschland wirkt!

Für das Breast Cancer Action Germany Team

Beate Schmidt und Gudrun Kemper

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Barbara Brenners >>> Mail zum Abschied (11.08.2010)

Barbara Brenner berichtet über den >>> Artikel Medical Papers by Ghostwriters Pushed Therapy in der New York Times) vom 05.08.2009 und die Praxis, dass Pharmakonzerne häufig Ärzte dafür bezahlen, dass sie Berichte zu Medikamenten in medizinischen Fachzeitschriften veröffentlichen, die eigentlich aus der Feder der Pharma stammen – und dass Gefahren für PatientInnen-Gesundheit und ÄrztInnen, die neutrale Information brauchen, damit verbunden sind. Brenner stellt fest, dass wir ein neues System brauchen.

Mehr zum Thema medizinische Veröffentlichungen und Pharma:
Nachfolgeartikel in der New York Times: Medical editors push for ghostwirting crackdown, (Medizinische Redakteure machen Druck für eine Razzia gegen Ghostwriter)

Interessenkonflikte in medizinischer Forschung. Ausbildung und Praxis (Rezenion)

Gerade neu erschienen: Schöne neue Pharmawelt von der BUKO Pharmakampagne

Rubrik interessenvertretung, selbstschutz | selbsthilfe

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Vorankündigung | Frauengesundheit: Kooperation zwischen Konkurrenz und Solidarität

AKF Logo

Das vorläufige Programm der 17. AKF-Jahrestagung 2010, die vom 6. bis 7. November 2010 in Berlin-Spandau stattfindet, ist online.

Thema der Jahrestagung 2010 ist “Frauengesundheit: Kooperation zwischen
Konkurrenz und Solidarität”. Die Fachtagung beinhaltet wie die vorangehenden 16 Jahrestagungen des AKF auch viel Zündstoff – den wohl alle, die am Gesundheitswesen aktiv beteiligt sind, in ihrem Alltag immer wieder spüren und mit dem sie umgehen müssen.

Die Teilnehmerinnen der 17. Jahrestagung sind schon jetzt eingeladen, mitzudiskutieren und die Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen im Sinne der Frauen und PatientInnen mit zu beeinflussen.

Auf der Tagung wird an Forderungen gearbeitet, die für ein sozial gerechtes Gesundheitssystem unverzichtbar sind.

Mehr zur 17. Jahrestagung des Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) demächst auch an dieser Stelle.

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>>> (pdf) Vorläufiges Programm der Tagung

Mehr über den AKF unter: www.akf-info.de

Jahrestagung >>> Brust 2000: Gesundheitspolitische Ein- und Aussichten zum Thema Brustkrebs (Rückblende, Nachlesen, Neu Lesen, Entdecken)

Mehr zu den >>> AKF-Jahrestagungen der letzten Jahre

Rubrik frauen | gesundheit, gesellschaft, gesundheitspolitik, interessenvertretung, nachdenken!!!, neue wege, politik | ethik

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“Brustkrebsvorsorge: Der Preis der frühen Diagnose” | Frankfurter Rundschau 30.07.2010 (Kommentar)

von Gudrun Kemper

Screenshot, Artikel in der Frankfurter Rundschau: Link führt zum Artikel
Screenshot, Artikel in der Frankfurter Rundschau
(Link führt zum Artikel [1.])

Patientinneninitiativen wie die Frauenselbsthilfe nach Krebs brauchen natürlich auch viel Fachwissen. Doch MedizinjournalistInnen müssen – anders als Patientinnenintiativen, deren Mitglieder “Laiinnen” sind – über so viel Fachwissen verfügen, dass sie die bestehende Situation kritisch betrachten und Knackpunkte aufzeigen. Einige der kritischen Aspekte fehlen uns in Anke Brodmerkels Artikel.

Die Frankfurter Rundschau (FR) bietet – anders als Standard (Österreich), Berliner Tagesspiegel, Spiegel oder diverse andere Medien – nur noch begrenzte Möglichkeiten des Kommentierens für Artikel auf der Titelseite. Deswegen an dieser Stelle ein Kommentar zu dem Artikel von Anke Brodmerkel, der gestern unter der Überschrift “Brustkrebsvorsorge: Der Preis der frühen Diagnose” erschienen ist.

Was zu kommentieren wäre

Beginnen wir gleich mit dem 1. Wort: Mammographie-Screening ist keine “Brustkrebsvorsorge”. Brustkrebsvorsorge wäre zum Beispiel:

  • die Vermeidung von Karzinogenen,
  • ein gesünderer Lebensstil,
  • eine gesündere Lebensumwelt für Frauen,
  • weniger Kontamination mit hormonellen Medikamenten oder ihre Reduzierung über den Kreislauf des Wassers, über den die Hormone unsere Körper in Form von Xenoöstrogen (”endokrine Disruptoren”, auch “Umweltöstrogene” genannt) erneut erreichen,
  • eine Reduktion der Belastung mit ionisierenden Strahlen.

Doch an diesen Formen der Vermeidung von Brustkrebs – und damit echter “Vorsorge” – besteht nun mal kein geschäftliches Interesse, und deswegen spricht auch niemand davon. Obwohl es zynisch klingen mag: Anders sieht dies bei der Mammographie aus. Im Zeitalter des Gesundheitsmarktes haben mächtige Industrien ein Interesse an möglichst vielen Brustkrebsdiagnosen.

Ein “enormer Fortschritt” wurde nun also bei der Bereitstellung der Information zur Mammographie erreicht. Und immerhin, Risiken werden nicht mehr vollständig unter den Tisch gekehrt. Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser klingt allerdings etwas anders als in ihrem eigenen Artikel, auf den wir für unsere interessierten Leserinnen hier gern nochmals verweisen. Der Artikel hält zurzeit Rangplatz 1 in unserer >>> Übersicht der Materialien zum Mammographie-Screening (Mammographie-Screening: Aktuelle wissenschaftliche Daten und die Situation in Deutschland aus der Zeitschrift clio 69 vom November 2009).

Nicht einzusehen ist, warum das neue Merkblatt doch wieder (mehr oder weniger subtil oder versehentlich?) Frauen – mit von uns eher als irreführend bewerteten Informationen – ausgerechnet im Zusammenhang mit der Strahlenbelastung, die durch die Mammographie abgegeben wird, falsch informiert.

Desinformation – in Merkblättern?

Im Merkblatt lesen wir: “Dabei wird Ihre Brust zwischen Platten gedrückt. Je flacher die Brust gedrückt wird, desto niedriger ist die Strahlendosis und desto aussagekräftiger ist die Aufnahme. Das kann unangenehm oder auch schmerzhaft sein. Krebs kann dadurch nicht ausgelöst werden“.

Was zum Strahlenrisiko nicht im Merkblatt steht: “Dennoch muss das Strahlenrisiko, wie bei jeder röntgendiagnostischen Maßnahme, realistisch abgeschätzt und sorgfältig in Betracht gezogen werden. … Das zusätzliche, strahlenbedingte Lebenszeitrisiko dieser [nach europäischen Leitlinien mit Mammographie geröntgten] Frauen, an Brustkrebs zu erkranken, kann – je nach Studienkohorte und Risikomodell (in das nicht nur die Dosis sondern auch das Alter bei Strahlenexposition oder das Lebensalter eingehen) – Schätzwerte zwischen 0,01 und 0,1% annehmen.”[2] Mit anderen Worten: Schätzungsweise eine von 10.000 bis eine von 1.000 Frauen erkrankt wegen der Mammographie zusätzlich an Brustkrebs. Bei den Risikofaktoren für Brustkrebs werden Röntgenstrahlen weiter oben im Merkblatt zwar aufgeführt, allerdings ohne Bezug zur Mammographie.

Sind die im Merkblatt zum Screening-Programm zur Verfügung gestellten Informationen, die doch die Gefahr durch ionisierende Strahlung zumindest eigenartig darstellen, durch die Verantwortlichen übersehen worden? Verbesserungen bei der Bereitstellung der Information sind weiterhin erforderlich.

Aufschluss über die Auswirkungen des Mammographie-Screenings in Deutschland, dem größten Screening-Programm weltweit, werden zukünftig vorallem die Daten zu Brustkrebsraten und Brustkrebssterblichkeit geben. Unbefriedigend bleibt dabei, dass ein funktionsfähiges Krebsregister nach internationalen Standards beim Start des Programms nicht existierte – und bis heute nach internationalen Standards mangelhaft bleibt – und die Bewertung der Zahlen damit weiterhin ebenfalls problematisch bleibt. Steigen die Erkrankungsraten weiterhin stark an, ohne dass die Brustkrebssterblichkeit sinkt, sind die Befürchtungen der KritikerInnen des Programms zur Gewissheit geworden.

Heute bleibt die Frage, inwiefern der Diagnosezeitpunkt tatsächlich den Ausgang einer Brustkrebserkrankung beeinflussen kann. Die auch von Anke Brodmerkel benannten >>> Kennzahlen zur Mammographie müssten hier noch zeigen, ob sie wirklich richtig sind.

Quellen

[1.] Brokmerkel A.: Der Preis der frühen Diagnose, Frankfurter Rundschau 30.07.2010

[2.] Nekolla EA, Griebel J, Brix G: Einführung eines Mammographiescreeningprogramms in Deutschland. Erwägungen zu Nutzen und Risiko. Radiologe 2005 (45):245–254, online publiziert am 17.02.2005 >>> pdf

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Neues Merkblatt zur Mammographie 2010 erschienen

Neuer Entwurf Mammographie-Merkblatt der Krebsfrüherkennungsrichtlinie beim G-BA veröffentlicht

Kennzahlen zur Mammographie: Wo bleiben die Kennzahlen zur Chemotherapie?

Mammographie-Screening: Aktuelle Wissenschaftliche Daten und die Situation in Deutschland von Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser, Webseite der Universität Hamburg (pdf)

Rubrik diagnose, mammographie, patientInneninformation, zahlen & daten

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Neues Merkblatt zur Mammographie 2010 erschienen

Merkblatt Mammographie 2010

Merkblatt Mammographie 2010

Jetzt ist es erschienen und zugegeben – schon allein die Farbe tut ein wenig weh – ganz so, als wollte das neue Faltblatt uns die Frage aufdrängen, ob Frauen sachliche Informationsmaterialien in schrillem Pink-Orange tatsächlich besser gefallen? “Pink”,  nach wie vor die weltweit alles dominierende “Brustkrebsfarbe”, die spätestens durch zu viel “pinkwashing” (das Geschäft mit dem Brustkrebs) nicht erst seit gestern in Verruf geraten ist, ist inzwischen offensichtlich selbst bei “nationalen” Materialien zur Gesundheitsinformation ein Gebot der Stunde. Die orangefarbene Hälfte steht übrigens für den Gemeinsamen Bundesausschuss, das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland.

Die “pinken” Informationsmaterialien der Kooperationsgemeinschaft richten sich vornehmlich an die Zielgruppe des Mammographie-Screening-Programms, Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Und auf den Inhalt kommt es schließlich an. Das neue Merkblatt zur Mammographie liegt jetzt in gedruckter Form vor. Darauf weist die Kooperationsgemeinschaft Mammographie in ihrer >>> Pressemeldung vom 16.07.2010 hin. In Deutschland werden die Informationsmaterialien zum Mammographie-Screening-Programm nicht von Leistungsanbieter unabhängiger Stelle erstellt. Jedoch hat das >>> Bundesgesundheitsministerium die Materialien geprüft und unverändert akzeptiert, obwohl einzelne Inhalte – wie etwa eine Senkung der Sterblichkeit von Brustkrebs durch das Programm oder unglücklich (?) zusammengestellte Formulierungen zum Thema Strahlenbelastung kritisch bleiben und von vielen WissenschaftlerInnen offen bezweifelt werden. Da hilft es dann auch nicht, wenn die Kooperationsgemeinschaft selbst >>> (pdf) Gute Praxis Gesundheitheitsinformation zum Merkblatt verlinkt, diese Anforderungen müssen vor allem eingehalten werden.

Die Fragen zur Früherkennung von Brustkrebs bleiben schwierig. Auch >>> Breast Cancer Action hat vor einigen Tagen eine sehr sorgsam aktualisierte Position zur Früherkennung von Brustkrebs (einschließlich Kurzversion) veröffentlicht. Wir werden die wichtigsten Materialien und Übersetzungen hier noch bereitstellen.

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Unser Bericht zum Merkblatt: >>> Neuer Entwurf Mammographie-Merkblatt der Krebsfrüherkennungsrichtlinie beim G-BA veröffentlicht

Übersicht Materialien zur >>> Mammographie bei uns

Breast Cancer Action: >>> (pdf) Breast Cancer Action Recommandations and Policy Statement und zur Kurzversion >>> (pdf) Executive Summary (Stand 06. Juli 2010)

Rubrik diagnose, gesundheitspolitik, mammographie

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Avastin abgelehnt

Wie das Deutsche Ärzteblatt und verschiedene andere Medien jetzt berichteten, hat die britische Gesundheitsbehörde NICE (National Institute for Clinical Excellence) sich gegen Avastin (Bevacizumab) in Kombination mit Taxanen in der Behandlung von metastasiertem Brustkrebs ausgesprochen. Die Behandlung wird auch bei Patientinnen in Deutschland bereits seitdem die kontroverse Diskussion zu dem Medikament in den USA im Jahr 2008 begann, standardisiert “First-Line” durchgeführt. Das NICE kam zu dem Schluss, die Kosten für die First-Line Behandlung seien zu hoch. Auch trage die Behandlung “zu keiner signifikanten Verbesserung oder Verlängerung des Lebens von Brustkrebspatienten bei”, “die Resultate aus den klinischen Studien seien enttäuschend ausgefallen”.

Bereits im November 2009 hatte das NICE die Behandlung von Darmkrebs mit Avastin abgelehnt, aus gleichem Grunde.

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Mehr zu Avastin im infoblog!

Lesenswert: Bert Ehgartners: Schlussbilanz – Helfen teure Behandlungen den Krebspatienten oder der Pharmaindustrie?

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: NICE – Krebsmedikament Avastin zu teuer

Handelszeitung Online & The Wall Street Journal

Originalartikel im NEJM (englisch) Paclitaxel plus Bevacizumab versus Paclitaxel
Alone for Metastatic Breast Cancer

Die Stellungnahmen des NICE sind zur Zeit hier im Original nachzulesen: http://guidance.nice.org.uk/TA/Wave21/7/Consultation/Latest

Nachträge

Am 21.07.2010

berichtet die Nachrichtenagentur Reuters: >>> US-Ausschuss lehnt Roches Avastin für Brustkrebs ab. “Ein Beraterausschuss der US-Arzneimittelbehörde FDA empfahl”, so so Reuters, “die Zulassung des Medikaments zur Brustkrebsbehandlung zurückzuziehen. … Die Mitglieder des Ausschusses erklärten, der Nutzen von Avastin bei Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium sei nicht groß genug, um die erheblichen Risiken zu rechtfertigen.” Die FDA, die ihre Entscheidung noch nicht getroffen hat, sei an die Empfehlungen ihrer Expertengremien nicht gebunden, folge diesen aber üblicherweise.

Anfang Juli, im Vorwege dieser Enscheidung, hatte Breast Cancer Action in San Francisco dem Ausschuss eine >>> Stellungnahme übersandt, die wir hiermit zur Verfügung stellen.

Am 16.07.2010

berichtet das Handelsblatt unter dem Titel >>> Ohne Wirkung: Zweifel an Roches wichtigstem Medikament

und das Schweizer Portal swissinfo.ch titelt >>> Roche/FDA überprüft Sicherheit von Avastin bei Brustkrebs

Rubrik avastin - bevacizumab, medikamente

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20. GFMK – Geschlechtsspezifische Arzneimittelversorgung, Erweiterung der Früherkennung, Breast Care Nurses (Brustschwestern)

Das Beschluss-Protokoll der Hauptkonferenz der 20. Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen, -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder (GFMK) vom 10. und 11. Juni 2010 in Dresden ist jetzt >>> (pdf) online verfügbar.

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Unter dem TOP 5 wurden verschiedene geschlechtsspezifische Gesundheitsaspekte aufgenommen und einzelne Beschlüsse gefasst, die für Frauen mit Brustkrebs Relevanz haben, und zwar z.B. bei der

  • Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Arzneimitteltherapie und zur
  • unabhängigen Information der Öffentlichkeit über geschlechtsspezifische Wirkungen von Arzneimitteln, aber bei der
  • Berücksichtigung von Genderaspekten in Leitlinien der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Weiteres wichtiges Thema war die
  • gesundheitliche Versorgung von Frauen mit Behinderung und eingeschränkter Mobilität, ein Punkt, der Frauen mit Behinderung in Berlin besonders betrifft, da viele Arztpraxen nicht barrierefrei zugänglich sind. In anderen Regionen ist die Situation wahrscheinlich nicht viel besser. Gegen eine Benachteiligung von Frauen mit Behinderung im Zusammenhang mit der Früherkennung von Brustkrebs hat sich im Juni 2008 bereits die >>> Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) eingesetzt.

Mit TOP 5.9 (Antrag auf Förderung der Umsetzung von Verbesserungsstrategien zur risikoadaptierten Brustkrebsfrüherkennung von Frauen) und TOP 5.10 (Verbesserung der Qualität der psychosozialen und psychoonkologischen Begleitung von brustkrebserkrankten Patientinnen) ging es konkret um Brustkrebs.

Zum TOP 5.9 – Antrag zur Übertragung der Qualitätsstandards des Mammografie-Screenings auf die Früherkennungsmammografie bei besonderen Risikogruppen – fasste die GMFK den Beschluss:

„Die Konferenz 5 der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen, -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder bittet den Gemeinsamen Bundesausschuss dafür Sorge zu tragen, dass die Qualitätsstandards des Mammografie-Screenings (Doppelbefundung, Fallkonferenzen, physikalische Anforderungen an Geräte und deren Wartung) systematisch auf die Früherkennungsuntersuchungen bestimmter Risikogruppen außerhalb der Screening- 10 Zielgruppe (z. B. Frauen mit familiärer Vorbelastung, Frauen mit Tastbefund und Frauen mit einer früheren Strahlenbehandlung oder Frauen älter als 70 Jahre) übertragen werden.“

Gedacht ist hier an die

„Risikogruppe Frauen unter 50 Jahren“

  • nach Strahlenbehandlung (geplant Zentrenbetreuung, MRT, Ultraschall, Beratung und Information). Hier geht man von einer „Versorgungslücke im Gesundheitssystem“ für Frauen, die bereits in jungem Alter an Krebserkrankungen wie z.B. Morbus Hodgkin erkrankt waren, aus.

„Risikogruppe 50 – 69 Jahre“

  • mammographisch dichtes Drüsengewebe (zusätzlicher Ultraschall, Information und Aufklärung über das erhöhte Risiko). Hier beruft man sich auf die deutsche S3-Leitlinie, ein internationaler Konsenz nach den „evidenzbasierten“ EU-Leitlinien bzw. WHO-Empfehlungen gibt es hier bisher nicht.

„Riskogruppe Frauen älter als 70 Jahre“

  • Anspruch auf Mammographie nach Selbsteinladung. Auch hier gibt es bisher keine entsprechenden europäischen Vorgaben oder internationale Empfehlungen und das zusätzliche Angebot neben dem größten Mammographie-Screening-Programm weltweit erscheint zumindest nicht nur unproblematisch, denn wie die kontroverse Diskussion international zeigt, lässt sich eine Sterblichkeitssenkung bei Brustkrebs durch die Mammographie kaum erreichen.

Alle Leistungen sind als „freiwillige Angebote“ in der Diskussion.

TOP 5.10 – Verbesserung der Qualität der psychosozialen und psychoonkologischen Begleitung von brustkrebserkrankten Patientinnen befasst sich mit der Begleitung von Frauen mit Brustkrebs. Dazu gibt es bereits seit Jahren bestehende Positionen von Frauengesundheitsorganisationen, s. z.B. >>> (pdf) Netzwerk Frauengesundheit: Positionspapier zum Stand Brustkrebsversorgung in Berlin.

Der Beschluss: „Die GFMK bittet das BMG bei der Ausarbeitung des Nationalen Krebsplans im Rahmen des Teilziels 9 – Angemessene und bedarfsgerechte psychoonkologische Versorgung – in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften zu prüfen, in welchem Umfang und mit welcher Qualifikation für die Unterstützung der Brustkrebspatientinnen ab Diagnosestellung speziell weitergebildete Fachpflegekräfte (insbesondere Breast Care Nurses, onkologische Fachschwestern) in Brustzentren erforderlich sind und welche Mindestqualitätsanforderungen eine Breast-Care-Nurse-Weiterbildung vor diesem Hintergrund erfüllen muss.“

Die psychologische Begleitung von Frauen mit Brustkrebs wird häufiger als unzureichend empfunden, Therapiekosten werden nicht immer von den Kassen übernommen und es ist schwierig, eine spezialisierte Therapeutin überhaupt zu finden, die einen freien Therapieplatz ggf. anbieten kann. In die sogenannten Disease-Management-Programme der Krankenkassen wurden entsprechende Leistungen – entgegen vorheriger Ankündigungen – später dann nicht übernommen.

Die Breast Care Nurse bzw. psychoonkologische Betreuung ist seit gut 10 Jahren ist der >>> (pdf) 1. Version der Europäischen Anforderungen an spezialisierte Brustzentren verankert wurde (s.a. >>> Aufgaben der Breast Care Nurse), nicht allerdings, ohne diese europäischen Anforderungen inzwischen bereits wieder zu verwässern. Die 2. Version der Europäischen Anforderungen an spezialisierte Brustzentren sieht bereits mengenmäßig wieder nur eine deutlich geringere Anzahl von spezialisierten Breast Care Nurses pro Einrichtung vor – nicht nachvollziehbar schon deswegen, weil die Anzahl der Patientinnen, die pro Einrichtung behandelt werden, sehr unterschiedlich ist. Die Breast Care Nurse gehört nach wie vor zu für die betroffenen Frauen hilfreichen Angeboten, bei dem einzelne Einrichtungen unter dem Kostendruck heute sogar in Deutschland mehr oder weniger offen bereits wieder über den Rotstift nachdenken.

Für einheitliche Standards bei der Ausbildung der Breast Care Nurses – einschl. einer entsprechenden Verankerung in den Europäischen Leitlinien – hat sich langjährig die ehemalige Europaabgeordnete Karin Jöns eingesetzt, die dazu einen Workshop im Europäischen Parlament veranstaltete, der komplett als >>> Videodokumentation (mit deutscher Simultanübersetzung) zugänglich ist.

Ansätze einer Vermeidung von Brustkrebs, Ursachenforschung, Defizite bei klinischen Studien oder Transparenzmängeln bei Geldflüssen aus der Perspektive von Versicherten hat die Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen, -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder (GFMK) im Jahr 2010 allerdings noch nicht aufgenommen.

Bildnachweis: Christiana Care, CC 2.0

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Beschlüsse der 20. Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder und des Bundes (pdf)

Mehr zur GFMK beim Freistaat Sachsen

Rubrik DMP, breast care nurse, diagnose, europapolitik, gesundheitspolitik, medikamente


Risiken im Mammographie-Screening: CAD-Diagnostik und Aufspüren von „nicht lebensbedrohlichen“ Formen von Brustkrebs

Nach einer Position der Weltgesundheitsorganisation WHO, die ausführlich in deren Handbuch >>> (pdf) Breast Cancer Screening dargelegt ist und Grundlage für die Entscheidung des Europäischen Parlaments war, den Mitgliedstaaten die Einführung des Mammographie-Screenings auf Basis der europäischen Leitlinien zu empfehlen, senkt das Mammographie-Screening die Brustkrebssterblichkeit. Eine einfache Antwort. Ob dies tatsächlich so ist, bleibt schwierig. Die wissenschaftliche Kontroverse zu Risiken und Nutzen beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten und wird sie in vielen Detailfragen, die es zu klären gilt, weiter beschäftigen. Jede Frau muss ihre eigene Entscheidung auf Basis neutraler Informationen treffen: pro oder contra Mammographie-Screening.

Einsatz von CAD bei der Auswertung von Mammographien

In den USA ist der Einsatz von sogenannten CAD-Verfahren, also einer Computer unterstützten Erkennung von Krebserkrankungen in der Mammographie, seit dem Jahr 2003 von 5% auf 27% angestiegen. www.brustkrebs-info.de schreibt dazu in einem „Fazit: Für einen Mammadiagnostiker, der das Mammogramm systematisch und ohne Zeitduck unter geeigneten Betrachtungsbedingungen, d. h. mit einer 4-fachen Lichtschachtlupe “scant”, ist nicht nachvollziehbar, wie er wichtige Details im Mammogram wie z.B. Mikroverkalkungen übersehen sollte. Auch in der in den >>> Archives of Internal Medicine veröffentlichten Arbeit wird darauf verwiesen, dass frühere Untersuchungen gezeigt hätten, dass CAD für Radiologen nicht unbedingt hilfreich sei, Tumoren akkurater aufzuspüren. Im Resultat führte CAD zu 32% mehr Wiedereinbestellungen für zusätzliche diagnostische Maßnahmen nach einer Mammographie, und die Biopsierate stieg um 20% an. Eine Verbesserung der Brustkrebsdiagnose ließ sich bei diesem Verfahren jedoch nicht nachweisen.

In der Bewertung kommen die AutorInnen zu dem Ergebnis, dass CAD in der Brustkrebsdiagnose ein Beispiel für ein teures Verfahren sei, das breit eingesetzt würde, bevor die Sicherheit und Unbedenklichkeit des Verfahrens belegt worden sind. Sowohl ÄrztInnen wie auch Verbraucherinnen hätten häufiger die Vorstellung, dass neue Technologien besser als die älteren seien. Wissenschaftliche Aufgabe aber sei, zunächst den Nutzen „evidenzbasiert“ zu belegen und mögliche Schäden auszuschließen. 20% zusätzliche Biopsien tun weh und sind eindeutig ein Schaden. Krankenkassen sollten den Zugang zu entsprechend abgesicherten Verfahren sicherstellen. Verfahren, die nicht ausreichend abgesichert sind, sollten zwar auch finanziert werden, doch nur im Rahmen qualitativ abgesicherter Forschung. Da CAD im Evaluationsbericht des Mammographie-Screeningprogramms in Deutschland keine Erwähung findet, wird es wahrscheinlich dort auch nicht eingesetzt.

Auswirkungen des Mammographie-Screenings bei guter und schlechter Prognose

Die Arbeit >>> Effect of screening on the detection of good and poor prognosis breast cancers (ASCO 2010) hat sich mit den Auswirkungen der Früherkennungsmammographie auf unterschiedliche prognostische Situationen befasst. Gezeigt wurde, dass das Screening einen Anstieg bei denjenigen Brustkrebserkrankungen bewirkt, die mit niedrigem Risiko einhergehen und für die erkrankte Frau niemals lebensbedrohlich geworden wären. Mit anderen Worten: Es scheint sich eine Position zu bestätigen, die die KritikerInnen des Programms bereits länger zu bedenken geben. Die Arbeit geht außerdem auf mögliche Gefährdungen durch die Einführung neuer Screeningtechnologien ein. Zur Erinnerung: Besonders die Einführung der Magnetresonanztomographie – Mamma-MRT – wird in jüngerer Zeit mit nicht zulässigen oder hinreichend „evidenzbasierten“ Schlagzeilen öffentlich vorangetrieben, so dass sich hier der Verdacht einstellen könnte, dass durchaus industrielle Interessen und nicht diejenigen von Frauen möglicherweise auch hier wieder eine Rolle spielen. Im Ergebnis zeigte die aktuelle Untersuchung, dass in der Zeit vor 1992 (definiert als „vor-Screening-Ära“ in den USA) 46% der Frauen eine Erkrankung hatten, die einer Gruppe mit niedrigem Risiko zugeordnet wurde. In der Screening-Periode stieg diese Anzahl auf 58% an, bei Frauen, die am Screening teilgenahmen, waren es sogar 67% der Frauen, die in die Gruppe „niedriges Risiko“ fielen. Die Zuordnung zu den Risikogruppen wurden mit Gentests überprüft („70-Gene-Signatur“, s. dazu auch >>> Genexpressionsprofile, diese Tests sind keine Standardmethode sondern Forschungsinhalt). Gut wäre sicherlich, wenn die Ergebnisse anhand des tatsächlichen Überlebens noch untersucht werden könnten. In der Bewertung dieser Arbeit wurde die Quintessenz gezogen, dass mit Screening zur Früherkennung von Brustkrebs vor allem solche Brustkrebserkrankungen diagnostiziert würden, die ein nur geringes Risiko für eine lebensbedrohliche Erkrankung der so diagnostizierten Frau nach sich zögen. Die untersuchten Gruppen von Frauen waren allerdings sehr klein. Das in den USA durchgeführte Mammographie-Screening ist außerdem nicht in ein bevölkerungsbezogenes „Programm“ eingebettet und entspricht somit auch nicht den strengeren europäischen Anforderungen. Allerdings sprechen aber auch diese Ergebnisse für sich.

Quellenangaben:

Diffusion of Computer-Aided Mammography After Mandated Medicare Coverage Joshua J. Fenton, MD, MPH; Susan Bartlett Foote, JD, MA; Pamela Green, PhD; Laura-Mae Baldwin, MD, MPH, Arch Intern Med. 2010;170(11):987-989.

Effect of screening on the detection of good and poor prognosis breast cancers J Clin Oncol 28:7s, 2010 (suppl; abstr 1520)

Computer dem Auge des Radiologen unterlegen – CAD-Mammografie mit falschpositiven Ergebnissen (bereits aus dem Jahr 2007) http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=28069

Early detection from mammography screening: two new studies provide more information to evaluate harms vs. benefits  National Breast Cancer Coalition, NBCC, ohne Datum, abgerufen Juni 2010.

Rubrik CAD, biopsie, diagnose, mammographie

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Von Labormäusen und Presseenten

Forscher an der Cleveland Clinic teilten gestern (30.05.2010) per >>> Pressemeldung mit, dass sie an einem Impfstoff gegen Brustkrebs arbeiten. Dies erinnert an den Beitrag zu einer Impfung gegen Brustkrebs, den Prof. Valerie Beral im Dezember 2009 in San Antonio mit einer Vision zur schwangerschaftsimitierenden Impfung der erstaunten Fachöffentlichkeit vorstellte. Impfungen (z.B. verschiedene Grippeimpfungen, HPV) liegen zur Zeit im Trend. Sie zielen auf eine Medikalisierung aller Gesunden ab. Medikamente für alle sind grundsätzlich absatzträchtiger als Medikamente für einige Krebskranke. Bisher haben sich nur sehr wenige Impfungen als durchschlagender Erfolg bei der Bekämpfung einzelner Krankheiten zeigen können.

Maus in der Brustkrebsforschung

'Maus in der Brustkrebsforschung'

Die neue Pressemeldung, die wie ein Lauffeuer die Medien der Welt ereilte, hat bereits im >>> Deutschen Ärzteblatt („Prototyp eines Brustkrebs-Impfstoffs“) eine Welle geschlagen und für eine >>> BBC-Berichterstattung gesorgt. Die Nachricht lässt vage den Gedanken aufkommen, ob diese als voreilig empfundene Nachricht nicht vielleicht Teil des ganz normalen Klinikmarketings sein könnte, wie wir es hierzulande inzwischen auch mehr und mehr erleben dürfen.

Ob die geplanten Forschungen an Frauen, bei denen diejenigen mit hohem Brustkrebsrisiko im Visier der Forschung liegen, von der FDA genehmigt werden, bleibt abzuwarten, so das Deutsche Ärzteblatt. Sicher aber scheint, dass das Forschungsinteresse an Frauen mit BRCA-Genen weiter ansteigt.

Die aktuelle Pressemeldung, die einen Bericht in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „nature medicine“ ankündigt, wird von Breast Cancer Action kritisch bewertet, da derartige Forschung eben ignoriere, dass wir seit unzähligen Jahren Brustkrebs an Labormäusen „heilen“, während die angewendeten Substanzen im Menschen nicht funktionierten und wir damit wieder eine Presseente mehr haben, lange bevor positive und negative Eigenschaften dieser Forschung in der Klinik ankommen. Die National Breast Cancer Coalition (NBCC) kommentierte die Nachricht in ihrem >>> Blog dahingehend, dass die Wissenschaft nicht so weit fortgeschritten sei wie der Medienrummel. Es sei eine kleine Anzahl von Mäusen – exakt genau sechs Stück – in vorklinischen Untersuchungen im Rahmen von Laborforschung untersucht worden, der Weg zu einer möglichen Anwendbarkeit im Menschen sei noch in weiter Ferne.

Die Brustkrebspatientin, Biologin und Ärztin Elisabeth Rieping (1950 – 2009) sah die Tiermodelle an Nagetieren ebenfalls kritisch: Brustkrebs in Maus und Ratte metastasiert nicht, wie im Menschen, und eine Vergleichbarkeit scheint damit fraglich.

Abbildungsnachweis: >>> Apparently a…breast cancer novelty mouse figurine? von Emily Thorson, Creative Commons 2.0

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Brusttumore bei Mensch und Tier im Vergleich von Elisabeth Rieping

Abstract in der Zeitschrift nature: An autoimmune-mediated strategy for prophylactic breast cancer vaccination von Ritika Jaini u.a. 30 May 2010 | doi:10.1038/nm.2161, Download kostenpflichtig, 18 US$

Rubrik forschung, krebsimpfung, nachdenken!!!

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