Pressemeldung vom 20.06.2007 – 09:55
Durchschnittlich jede neunte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens bei uns an Brustkrebs, doch Prävention und Früherkennung geht alle an. Der Anteil von Brustkrebs an den durch Krebs verursachten Todesfällen bei Frauen liegt bei rund 17%. Damit ist Brustkrebs bei Frauen in Deutschland nach wie vor die am häufigsten zum Tode führende Krebsart. Die diesjährige 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie, die ab Donnerstag in Lübeck stattfindet, stellt nicht alle Anliegen von Frauen mit Brustkrebs zentral in den Mittelpunkt. Das ist jedoch konsequent nötig, damit die Brustkrebssterblichkeit endlich besser gesenkt werden kann. Im europäischen Vergleich lagen Frauen aus Deutschland bei den Eurocare-Studien in punkto Überleben bisher nicht auf den vorderen Rängen.
Breast Cancer Action Germany – das neue unabhängige Netzwerk gegen Brustkrebs – mahnt Handlungsbedarf. Beispiele:
Präventive Ansätze in der Lebenswelt von Frauen stecken nach wie vor in den Kinderschuhen, obwohl mehr Prävention möglich ist.
- Mammographie-Screening, nach jahrelangem Engagement engagierter Frauengesundheitsorganisationen mit Beschluss des Deutschen Bundestages 2002 fraktionsübergreifend beschlossen, ist nach wie vor nicht überall umgesetzt und Europäische Standards werden weiter nicht konsequent eingehalten.
- Probleme bei der Screening-Pathologie scheinen zurzeit das Screening-Programm zusätzlich zu gefährden.
- Eine national verfügbare, ausreichende und evidenzbasierte Fraueninformation für das europäische Screening-Programm fehlt auch.
- Eine Patientinnnenleitlinie Brustkrebs – für alle Behandlungsschritte und Erkrankungsstadien – fehlt ebenfalls.
- Eine Fraueninformation zur Sensibilisierung für die Einnahmerisiken von hormonell wirksamen Medikamenten, die nachweislich auch im Zusammenhang mit der Brustkrebsentstehung stehen, ist nicht ausreichend verfügbar.
- Zwar gibt es heute eine Zertifizierung von Brustzentren, doch längst nicht alle Patientinnen werden in Zentren behandelt und auch hier gilt: Die besseren europäischen Standards für Brustzentren werden in Deutschland häufig nicht zugrunde gelegt.
- Hochqualifizierte Breast Care Nurses, wie sie die Europäischen Anforderungen aus dem Jahr 2000 festgeschrieben haben, stehen bei uns in den meisten Zentren bei der Begleitung der Patientinnen während der hochkomplexen Therapie bei Brustkrebs nicht zur Verfügung.
- Die Krebsregistrierung befindet sich im Aufbau, doch der Flickenteppich der Krebsregister in den einzelnen Bundesländern bildet ebenfalls bisher kein funktionierendes nationales Krebsregister. Damit fehlen wichtige nationale Daten zu Inzidenz, Überlebenszeiten und Mortalität, die für die Bewertung von Screening, Umweltbedingungen oder die lokal verfügbare Behandlungsqualität unverzichtbar sind.
- Die an Frauen mit Brustkrebs durchgeführten klinischen Studien können bisher nicht in einem nationalen Studienregister nachverfolgt werden. Damit ist Forschung für Frauen mit Brustkrebs bei uns nicht sicher genug.
- Die Medienberichterstattung zur Entwicklung neuer Medikamente weckt viele Hoffnungen, doch die harten Daten zu neuen Medikamenten sind für Patientinnen weiterhin weder wirklich transparent, noch verständlich nachvollziehbar.
Breast Cancer Action Germany engagiert sich für nationale und internationale Gesundheitsziele und wird weiterhin wichtige Informationen von und für Frauen verfügbar zu machen. Dafür arbeitet das Selbsthilfeprojekt mit den wichtigsten Frauengesundheits- und Selbsthilfeorganisationen zusammen.
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Breast Cancer Action Germany
www.bcaction.de &
bcag.twoday.net/
Zusatzinfo:
Mehr Daten zu Brustkrebs in Deutschland, Europa und weltweit finden Sie auf unserer Website www.bcaction.de unter Info – „Fakten und Daten“.
Mehr zum Thema Brustkrebsprävention finden Sie auf unserer Webseite unter Info – „Prävention“.
Mehr zur Nichteinhaltung der Europäischen Anforderungen im Mammographie-Screening finden Sie in dem Beitrag: „Welchen Nutzen hat das Screening, was erwarten Frauen von der Teilnahme?“ auf der Website der Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel unter:
www.patientenbeauftragte.de/upload/pdf/spelsberg-mammogra…
Mehr zu den Problemen in der Screening-Pathologie finden Sie in unserem Blog unter Themen A – Z „Pathologie“.
Mehr zur fehlenden Patientinnenleitlinie finden Sie in der Online-Petition „Behandlungsleitlinien und wissenschaftliche Studien“ vom Oktober 2006 an den Petitionsausschuss im Deutschen Bundestag.
Mehr zu den Anforderungen an Brustzentren finden Sie in unserer Kurzinformation „Was muss ein Brustzentum leisten?“ und der Übersetzung „Europäische Anforderungen an spezialisierte Brustzentren“ der EUSOMA, beides auf www.bcaction.de
Mehr Informationen zur Ausbildung von Breast Care Nurses finden Sie in unserem Blog unter Themen A – Z „Berufsbild Brustschwester“
Mehr Informationen zur Krebsregistierung finden sie in unserem Blog unter Themen A – Z Krebsregistierung“.
Mehr zum Thema Klinische Studien finden Sie auf unserer Webseite unter Ethik – “Klinische Studien“.
Mehr Informationen zu unserem Selbsthilfeprojekt finden Sie auf unserer Website www.bcaction.de.

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