Phytoöstrogene (heterozyklische Aromaten) sind östrogenähnlich wirkende Pflanzeninhaltsstoffe. In der Pflanze gehören Phytoöstrogene zu den Schutzmechanismen über die Pflanzen verfügen und ihre Aufgabe ist es, die Pflanze vor Stress zu schützen.[i] Sie gehören zur Gruppe der nichtsteroidalen Verbindungen, die in ihrer Struktur und Funktion menschlichen Hormonen ähnlich sind.
Phytoöstrogene werden von der International Agency für Research on Cancer (IARC) nicht als krebsauslösend (carcinogenic) im Menschen eingestuft.
Sie interagieren möglicherweise mit Östrogenrezeptoren und rufen dabei östrogene oder antiöstrogene Wirkungen hervor, d. h. sie wirken wie Östrogene oder Xenoöstrogene oder auch wie deren Gegenspieler (Antagonisten) im Körper von Mensch und Tier. Da sie Östrogene im Körper „imitieren“, können Phytoöstrogene die gleichen Wirkungen wie Östrogene oder Östrogenblocker haben.
Es gibt drei Hauptgruppen von Phytoöstrogenen, die sich im menschlichen Körper hormonähnlich verhalten können:
- Lignane: Bei den Lignanen bleiben die Konzentrationen von Enterodiol und Enterolakton im Blutserum nach Aufnahme durch die Nahrung über mehrere Tage hinweg herhöht.[ii]
- Secoisolariciresinol (Inhaltsstoff von Enterolakton)
Nahrungsmittel / Pflanzen: Leinsamen, Sesam, Sonneblumenkerne, Roggenmehl, Haferflocken, Kampherbaum, Brennessel, Fichte, Erdnuss und Soja (auch Tofu), verschiedene Früchte wie Aprikose, Brombeeren, Preiselbeeren, Stachelbeeren und rote Johannisbeeren und Gemüse wie Fenchel, Spargel, Sprossen, Brokkoli, Kohl und Kürbis - Matairesinol
Nahrungsmittel / Pflanzen: Leinsamen, Roggen, Kampherbaum, Wasserfenchel, verschiedene Früchte und Gemüse
- Secoisolariciresinol (Inhaltsstoff von Enterolakton)
- Isoflavone: Mehr als 15 verschiedene Isoflavone sind in Lebensmitteln bisher nachgewiesen worden, darunter Genistein, Daizdein, Glycitein, Formononetin und Biochanin A. Der Isoflavongehalt von Soja ist mit Abstand am höchsten, abhängig von Anbaugebiet und Sorte von 120 bis zu 300 mg/100 g. Die Serumwerte von Blutserum kehren nach Nahrungsaufnahme von Genistein und Daidzein bereits innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme durch die Nahrung auf den Ausgangswert zurück.[ii]
Einzelne Isoflavone:- Daidzein: Nahrungsmittel / Pflanzen: Sojabohne (bis zu 100.000 µg je 100 g), Büschelbohne, Kleesamen, Sonnenblumenkerne, Kichererbsen, Mungobohnensprossen, Möhren (deutlich unter 10 µg je 100 g), Broccoli (unter 10 µg je 100 g), Erdnüsse, Champignons
- Genistein: Nahrungsmittel / Pflanzen: Soja, Besenginster, Hauhechel, Kleearten
- Formononetin: Nahrungsmittel / Pflanzen: Traubensilberkerze, Süßholz, Hauhechel, Kleearten)
- Coumestane (Coumestrol)
Nahrungsmittel / Pflanzen: Sprossen (Alfalfa), Soja, Klee
Übersichtsarbeit 2003
Im Zentralblatt für Gynäkolgie erschien im Juni 2003 die Übersichtsarbeit „Phytoöstrogene“.[ii] Sie geht der Frage nach, ob es Belege für die den Phytoöstrogenen zugeschriebene schützende Wirkung im Zusammenhang mit Östrogen abhängigen Erkrankungen gibt. Dazu wurden Ergebnisse verfügbarer klinischer Studien ausgewertet.
Der Autor stellt in der Zusammenfassung einleitend fest, dass es keine Belege für einen Einfluss der Isoflavone auf Menopausensymptome und Risikofaktoren für Brustkrebs gibt. Allerdings könne Sojaprotein den Serumspiegel an Gesamt-Cholestrol, LDL-Cholesterol und Triglizeriden senken. In der Einleitung wird auch darauf hingewiesen, dass bei einem hohen Gehalt an bestimmten Pflanzeninhaltsstoffen Fertilitätsstörungen (Störungen der Fruchtbarkeit) bei Nutztieren beobachtet worden sind. Es werde angenommen, dass hohe Konzentrationen von Isoflavonen bei Frauen vor der Menopause wie Östrogen-Antagonisten – also wie “Gegenspieler” – wirken können, während sie in der Menopause bei Frauen mit niedrigem Östrogenspiegel die gegenteilige Wirkung haben könnten. Außerdem gehöre zu den nicht genomischen Wirkungen die Hemmung von Enzymen wie der Topoisomerase II. Im Reagenzglas (in vitro) konnten Enterodiol und Enterolakton eine durch ER-α und ER-β vermittelte östrogene Wirkung nicht zeigen.
Einfluss auf das Brustkrebsrisiko
In dem Abschnitt „Einfluss auf das Brustkrebsrisiko“ wird darauf verwiesen, dass vermutet wurde, dass die traditionell hohe Sojazufuhr in den asiatischen Ländern den Metabolismus der Sexualhormone beeinflusse.[iii] Brustkrebs entwickele sich über einen Zeitraum von Jahrzehnten, weswegen es schwierig sei, Interventionsstudien mit Sojaprodukten über einen so langen Zeitraum zu führen. Der Verzehr von Soja sei mit verminderten (zwei Untersuchungen), unveränderten (eine Untersuchung) und erhöhten Östrogenspiegeln (zwei Untersuchungen) einhergegangen, ohne nachweisbaren Einfluss z.B. auf die Länge des Zyklus bei den untersuchten Frauen. Lediglich Experimente mit Tieren hätten eine schützende Wirkung mit Genistein im Tierexperiment gezeigt, wegen der Dosierungen sei hier aber eine Übertragung der Daten auf den Menschen nicht zulässig, so heißt es in dem Artikel explizit.
Weiterlesen
Enterolakton (Phytoöstrogen)
[i] BCERC Fact Sheet on the Phytoestrogen Enterolactone 11/07/07: Early Life Exposure to the Phytoestrogen Enterolactone and Breasdt Cancer Risk in Later Years http://www.bcerc.org/COTCpubs/BCERC.FactSheet_Phytoestrogen_ENL.pdf
[ii] Zittermann, Armin (PD Dr. oec troph.), Phytoöstrogene, Zentralbl Gynäkol 2003; 125: 195-201
[iii] Unter Bezugnahme auf: Duncan AM et al.: Soy isoflavones exert modest hormonal effects in premenopausal women. J Clin Metab 1999; 84:945 – 953

