Leider kann auch während der Schwangerschaft Brustkrebs auftreten. Die meisten Schwangeren und Stillenden denken nicht an Krebs (Petrek 1994). Brustkrebs in der Schwangerschaft ist tatsächlich eher selten, wird aber als besonders aggressiv eingestuft (Aebi 2008). Die „internationale Fachwelt“ hat sich mehr oder weniger darauf geeinigt, dass heute weltweit durchschnittlich eine von rund 3.000 Frauen in der Schwangerschaft von Brustkrebs betroffen ist. Diese Zahl wird unverändert seit mehr als zehn Jahren in der amerikanischen Datenbank >>> Physician Data Query (PDQ) des Nationalen Krebsinstituts genannt. Mindestens ebenso lange wird ein weiteres Ansteigen prognostiziert, aber Daten fehlen. Vorausgesetzt, die Zahlen stimmen, so kann man anhand der Geburten in Deutschland sehr vorsichtig schätzen, dass jedes Jahr rund 220 Frauen im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft an Brustkrebs erkranken. Über den Trend einer Zunahme kann man bisher nur spekulieren. Genauere Daten sind weder national noch international zu ermitteln. Deutschland gehört bisher zu den Ländern ohne funktionierendes nationales Krebsregister. Die Dachdokumentationen des Robert Koch-Instituts zu Krebs und Häufigkeit in Deutschland geben für „Brustkrebs in der Schwangerschaft“ keinen näheren Aufschluss zu den Entwicklungen bei uns. Die onkologischen SpezialistInnen in Deutschland übernehmen die internationalen Zahlen. Das Durchschnittsalter von Patientinnen mit Brustkrebs in der Schwangerschaft liegt demnach zwischen 32 und 38 Jahren (Keleher 2002). Unabhängig von einer Schwangerschaft liegt das statistische Brustkrebsrisiko bei Frauen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren bei eins zu 252 (Regierer & Possinger 2005).
Brustkrebs, Schwangerschaft und Chemotherapie s. auch Literaturhinweise im Artikel Chemotherapie
“Wir wissen mittlerweile aus der großangelegten Auswertung vieler einzelner klinischer Studien, dass nur vier Prozent der Patientinnen sicher von einer Chemotherapie profitieren.”
Zitat: Dr. Randy Scott, Firmengründer von Genomic Health Inc., Anbieter des Genexpressionsprofil-Tests Oncotype DX in dem firmeneigenen Informationsblatt Genomic Health Im Dialog, Ausg Dez. 2011. Weiterlesen Genexpressionsprofile
“Seattle – Die neurokognitiven Auswirkungen der Chemotherapie, von den Patienten auch als Chemo-Brain bezeichnet, wurden lange Zeit unterschätzt. Eine Studie im Journal of Clinical Oncology (2011; doi: 10.1200/JCO.2010.33.9119) zeigt, dass einige Defizite noch nach 5 Jahren nachweisbar sind.” …
Dt. Ärzteblatt, Nachrichten, 05. Mai 2011
Die Daten wurden erhoben in Bezug auf die “mildere” Chemotherape mit “CMF”. Zitat Nachrichten im Dt. Ärzteblatt v. 29.02.2012: “… lebenslange Auswirkungen auf die kognitiven Leistungen. Diese zeigt eine Fall-Kohortenstudie im Journal of Clinical Oncology (2012; doi:10.1200/JCO.2011.37.0189) …
Ende eine Therapiestrategie: Anthrazykline bei Brustkrebs (v. 21.05.2009)
Artikel von Ulrich Dührsen: Therapie-induzierte Leukämien – ein zu wenig beachtetes Problem der medikamentösen Tumortherapie? (Therapy-induced Leukemia – An Underestimated Complication of Antineoplastic Chemotherapy?) Zentralbl Gynakol 2005; 127(4): 235-241
Eine Chemotherapie bei Brustkrebs in der Schwangerschaft wird in der medizinischen Literatur ab der 14. Schwangerschaftswoche als möglich beschrieben. Daten zu den Langzeitfolgen bei den Kindern sind bisher rar. Eine Untersuchung befasst sich mit den kognitiven Langzeitfolgen bzw. Auswirkungen auf das Herz bei Kindern im Alter ab 18 Monaten, deren Mütter eine Chemotherapie während der Schwangerschaft gemacht wurde. Originaldaten: Fredéric Amant u.a. Long-term cognitive and cardiac outcomes after prenatal exposure to chemotherapy in children aged 18 months or older, The Lancet Oncology, Feb. 2012, doi:10.1016/S1470-2045(11)70363-1, Kurzbericht in dt. Sprache in den Nachrichten des Dt. Ärzteblatts.
Auch gibt es bisher keine vergleichenden Daten und Langzeitdaten, die Aussagen über mögliche Krebserkrankungen bei den Kindern auch im späteren Erwachsenenalter zulassen.
Litton, J in: Boyles, S Breast Cancer in Pregnancy: Chemo OK, WebMD Health News, Apr.18,2008