Etablierte Modelle für das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, berücksichtigen nicht die Muster der Erkrankung bei Frauen unter 35 Jahren, vor allem nicht bei Afroamerikanerinnen. Abgesehen von den möglichen Ausnahmen wie ionisierender Strahlung oder bekannten genetischen Mutationen stehen die meisten der bekannten Risikofaktoren für Brustkrebs in einem Zusammenhang mit kumulativen, sich also summierenden Risiken lebenslanger Exposition von Östrogenen. Diese werden häufig auch als “Lebensstilfaktoren” bezeichnet, obwohl Mädchen und Frauen sich Expositionen oftmals gar nicht entziehen können. Ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs wird gesehen im Zusammenhang
Alle diese Faktoren erhöhen den Spiegel von ungebundenem Östrogen im Körper der Frau.
Besonders Afroamerikanerinnen aller Altersstufen sind betroffen durch die Verwendung von speziellen hormonhaltigen Körperpflegeprodukten, die mehr PCP enthalten als diejenigen, die von Frauen vom kaukasischen Typ (mit weißer Hautfarbe) benutzt werden. Auffällig ist auch das vorzeitige Auftreten der sekundären Geschlechtsmerkmale bei Säuglingen und Kleinkindern. Es wird vermutet, dass die Verwendung von Östrogen- und andere hormonhaltigen PCPs bei jungen afroamerikanischen Frauen erhöhen, zum Teil wegen ihres erhöhten Risikos für Brustkrebs vor der Menopause (durch die Östrogen-Exposition der Brustknospen während kritischer Zeitfenster mit größerer Verwundbarkeit bereits in utero (im Mutterleib) sowie in den ersten Lebensjahren. Es werde auch vermutet, dass die Hormon-Exposition in diesen frühen Lebens- und Entwicklungsphasen gegenüber östrogenen und xenoöstrogen wirkenden Substanzen auch für die erhöhte Letalität (Sterblichkeit) an Brustkrebs bei jungen Frauen im Allgemeinen und bei afroamerikanischen Frauen aller Altersgruppen im Besonderen verantwortlich ist.[1]
[1.] Donovan M., Sasco A. et al: Personal care products that contain estrogens or xenoestrogens may increase breast cancer risk (pdf). Medical Hypothesis, 02/2007; 68(4):756-66. DOI: 10.1016/j.mehy.2006.09.039
Es gibt diverse Studien, die Alkoholkonsum und die Entstehung von Brustkrebs in einen Kontext stellen. Dabei waren die Trinkgewohnheiten (Häufigkeit, Trinkmengen, sog. “Komasaufen”, Trinkverhalten in verschiedenen Altersstufen etc.) bisher nicht wirklich gut untersucht.
Daten dazu liefert die Nurses’ Health Study, die zwischen 1980 und 2008 insgesamt 105.986 Frauen und ihr Trinkverhalten ab dem frühen Erwachsenenleben untersucht hat. Zielsetzung war es, die Entwicklung von invasivem Brustkrebs in Relation zum Alkoholkonsum zu betrachten. In der Gruppe der untersuchten Frauen entwickelten sich insgesamt 7.690 Fälle von Brustkrebs.
Im Ergebnis zeigte sich, dass mit dem steigenden Alkoholkonsum auch das Brustkrebsrisiko anstieg. Statistisch “signifikant” wurde dies ab 5.0 bis 9.9 Gramm Alkohol pro Woche, was drei bis sechs “Drinks” die Woche entspräche. Das exzessive Trinken (sog. “Komasaufen”) war ebenfalls mit einem höheren Risiko verknüpft (ca. 333 Fälle von Brustkrebs auf je 100.000 Frauen pro Jahr). Sowohl das Trinken in jungen Jahren wie auch zu einem späteren Zeitpunkt war jeweils mit einem höheren Risiko für Brustkrebs verknüpft.
Die Nurses Health Study kommt zu dem Ergebnis, dass bereits geringer Konsum von Alkohol mit einem kleinen Anstieg auf das Brustkrebsrisiko verknüpft ist und zwar sowohl in jungen Jahren wie auch im späteren Leben. Eine Konstante dabei war die sich kumulierende Menge von Alkohol während des Lebens.
Quellenangabe:
Wendy Y. Chen [u.a.]: Moderate Alcohol Consumption During Adult Life, Drinking Patterns, and Breast Cancer Risk, JAMA. 2011;306(17):1884-1890. doi: 10.1001/jama.2011.1590
Nurses Health Study
Die Studiengruppe „Gene-ENvironment Interaction and Breast CAncer in Germany” (GENICA) führte von 2000 bis 2004 unter Beteiligung des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV / Institut der Ruhr-Universität Bochum eine Fall-Kontroll-Studie zu Risikofaktoren des Mammakarzinoms durch.
Die GENICA-Studie hatte ursprünglich insgesamt 2298 Teilnehmerinnen, die wegen der Verschreibung von Hormontabletten befragt wurden.
Die Zukunft arbeitsmedizinischer Forschung liege letztlich in der Entschlüsselung von Gen- Umwelt-Wechselwirkungen.[ii]
Vorbeugung
Neue Ansätze zur Vorbeugung von Brustkrebs finden, um künftig die Zahl der Neuerkrankungen zu senken.
Umwelt
Schon heute wisse man, dass es sich bei der Krebsentstehung um kein monokausales, sondern um ein sehr komplexes Zusammenspiel von genetischen Veranlagungen und Umweltfaktoren handele. Beantwortung der Frage, warum nicht alle Menschen gleichermaßen auf gleiche Umweltbedingungen reagieren
Ernährung
Krebs entstehe immer in mehreren Schritten und im Wechselspiel mit Umweltfaktoren wie z.B. den Ernährungsgewohnheiten, so dass sich hier eine Möglichkeit, die Erkrankungswahrscheinlichkeit für Risikopatientinnen zu senken, biete.
Bewertung von Belastungen am Arbeitsplatz
Präventionskonzepte am Arbeitsplatz: Ziel sei es, bestimmte Anzeichen (Marker) dafür zu finden, ob eine Person Schadstoffen ausgesetzt war. Anhand solcher Marker ließe sich dann einschätzen, inwieweit eine Krankheit auf die Belastung am Arbeitsplatz zurückgeführt werden muss (Brückenbefund).
Nachbefragung zur Schichtarbeit
Bei einer umfangreichen Nachbefragung der Studienteilnehmerinnen zur Schichtarbeit wurden 857 Brustkrebspatientinnen und 892 Kontrollen verglichen und hinsichtlich aller mindestens ein Jahr lang ausgeübten Berufe in der Berufsbiographie befragt. 13% der GENICA-Teilnehmerinnen hatten zeitweise in Schichtarbeit gearbeitet. 56 der Brustkrebspatientinnen und 57 der Frauen aus der Kontrollgruppe hatten mindestens ein Jahr lang in Nachschicht gearbeitet. Frauen, die nachts gearbeitet hatten, hatten in dieser Untersuchung öfter keine Kinder und waren schlechter ausgebildet. Auch hatten die Nachtarbeiterinnen seltener eine Hormonersatztherapie (35.7% versus 51.9%). Bei Frauen, die über 807 Nachtschichten übernommen hatten, zeigte sich ein leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko von 1.73, bei Frauen, die über 20 Jahre lang Nachtarbeit leisteten, lag das Risiko bei 2.48, bei 12 beobachteten Brustkrebsfällen und 5 Frauen in der Kontrollgruppe. Es sollen sich hier keine Hinweise auf Risiken von Schicht- bzw. Nachtarbeit gezeigt haben, jedoch fand sich eine „Tendenz zu einer Risikoerhöhung nach langjähriger Nachtschichtarbeit.[iii] Die GENICA-Studie ist jedoch aufgrund der geringen Anzahl der untersuchten Teilnehmerinnen, die Nachtarbeit geleistet haben, nur begrenzt aussagefähig.[iv],[v]
Ergebnisse der GENICA-Studie
Hormonersatztherapie
Erste Ergebnisse im Rahmen der GENICA- Studie haben das in der Literatur bereits beschriebene erhöhte Brustkrebsrisiko bei langjähriger Einnahme von Hormonen in der Menopause bestätigt. Allerdings seien diese Ergebnisse vorläufig und bedürfen im Hinblick auf Risiken und Nutzen der Hormontherapie weiterer sorgfältiger Prüfungen. [vi]
[ii] Internetseite BGFA, Zaghow a.a.O.
[iii] Schichtarbeit und Krebs, Thomas Brüning u.a., Fachzeitschrift für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung DGVU-Forum, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, 2011/4, S. 14/15, zum Archiv der Zeitschrift
[iv] Night work and breast cancer – results from the German GENICA study, Pesch B, Scand J Work Environ Health 2010;36(2):134-141
[v] Internetseite BGFA, Zaghow a.a.O.
[vi] Internetseite BGFA, Zaghow a.a.O.
„Die International Agency for Research on Cancer (IARC) hat im Oktober 2007 Schichtarbeit mit zirkadianer Disruption (beziehungsweise Chronodisruption (CD) [also Störungen im 14-Stunden-Ryhtmus, in dem wir leben]) als wahrscheinliches Humankarzinogen eingestuft (Gruppe-2A-Karzinogen).
Die Einstufung als „wahrscheinlich krebserregend“ wurde vorgenommen, da die Belege beim Menschen zwar „begrenzt“, aber in Tierexperimenten bereits ausreichend schienen“ schreibt Thomas Erren [u.a.] in Schichtarbeit und Krebs, einem Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt vom September 2010.
Anders als in Dänemark, wo 38 Brustkrebspatientinnen wegen einer Brustkrebserkrankung nach Schichtarbeit bereits Entschädigungen erhalten hätten, gibt es in Deutschland [Stand 05/2011] diese Anerkennung in Deutschland, trotz der entsprechenden Einstufung der IARC bisher nicht, s. Ärzteblatt-Artikel, der die aktuellen juristischen Begründungen festhält. Ebenfalls dort wird auch von einer chinesischen Untersuchung berichtet, die im Ergebnis keine Risikoerhöhung für Nachtschichtarbeit gezeigt haben soll, leider ohne Quellenangabe.
Die Fachzeitschrift für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung DGVU-Forum, die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung herausgegeben wird, hat im Heft 4/2011 das Thema ebenfalls aufgenommen in dem Artikel Schichtarbeit und Krebs von Thomas Brüning u.a., zum Archiv der Zeitschrift. Nach Meinung der Autoren ist hier der Zusammenhang zwischen Schichtarbeit bzw. Nachtarbeit und Krebs „jedoch nicht ausreichend gesichert, für Prävention sei es entscheidend, Arten von Schichtsystemen zu identifizieren, die sich nicht nachteilig auf die Gesundheit auswirken“, eine interessante Sichtweise, die vielleicht eine arbeitsmarktorientierte Orientierung erkennen lässt. Die IARC leite aus den tierexperimentellen Studien einen Zusammenhang zwischen der Störung der zirkadianen Rythmik („Chronodisruption“, etwa „Uhrstörung“) und dem Entstehen bösartiger Tumoren ab und folgerte, dass eine ausreichende Evidenz vorliege, dass Licht während der Dunkelperiode Krebs erzeuge. Im Zusammenhang mit Brustkrebs und Schicht-/Nachtarbeit habe die IARC 8 Studien näher betrachtet, bei denen es in der Mehrzahl durch Schicht- bzw. Nachtarbeit zu einem Anstieg von Brustkrebs gekommen sei. Die Nacht- bzw. Schichtarbeiterinnen wurden mit Frauen verglichen, die nie nachts gearbeitet hatten.
GENICA-Studie | Nachbefragung zur Schichtarbeit
Bei einer umfangreichen Nachbefragung der Studienteilnehmerinnen zur Schichtarbeit wurden 857 Brustkrebspatientinnen und 892 Kontrollen verglichen und hinsichtlich aller mindestens ein Jahr lang ausgeübten Berufe in der Berufsbiographie befragt. 13% der GENICA-Teilnehmerinnen hatten zeitweise in Schichtarbeit gearbeitet. 56 der Brustkrebspatientinnen und 57 der Frauen aus der Kontrollgruppe hatten mindestens ein Jahr lang in Nachschicht gearbeitet. Frauen, die nachts gearbeitet hatten, hatten in dieser Untersuchung öfter keine Kinder und waren schlechter ausgebildet. Auch hatten die Nachtarbeiterinnen seltener eine Hormonersatztherapie (35.7% versus 51.9%). Bei Frauen, die über 807 Nachtschichten übernommen hatten, zeigte sich ein leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko von 1.73, bei Frauen, die über 20 Jahre lang Nachtarbeit leisteten, lag das Risiko bei 2.48, bei 12 beobachteten Brustkrebsfällen und 5 Frauen in der Kontrollgruppe. Es sollen sich hier keine Hinweise auf Risiken von Schicht- bzw. Nachtarbeit gezeigt haben, jedoch fand sich eine „Tendenz zu einer Risikoerhöhung nach langjähriger Nachtschichtarbeit.[i] Die GENICA-Studie ist jedoch aufgrund der geringen Anzahl der untersuchten Teilnehmerinnen, die Nachtarbeit geleistet haben, nur begrenzt aussagefähig.[ii]
Lt. Bericht im DGVU-Forum zeigte sich in der deutschen GENICA-Studie zwar kein stark erhöhtes Risiko, jedoch eine „nichtsignifikante“ Risikoerhöhung für Brustkrebs nach mindestens 20 Jahren Nachtarbeit.[iii]
Daten der Nurses Health Study
Nach den Daten der Nurses Health Study mit insgesamt rund 200.000 Krankenschwestern mit langen Zeiten der Nachtarbeit von mehr als 20 bzw. 30 Jahren wurden 15 bzw. 58 Brustkrebsfälle beobachtet. Das waren hier 22 mehr als in der Vergleichsgruppe ohne Nachtarbeit. Brüning u.a. schreiben jedoch, dass es hier „Störfaktoren“ wie „Stahlenexposition“ mit ionisierender Strahlung und „Umgang mit Chemotherapeutika“ gegeben haben könnte, die das Ergebnis mit beeinflusst haben könnte.
Chinesische Studie / Pronk 2010
Rd. 70.000 chinesische Frauen mit insgesamt 717 Fällen von Brustkrebs, s. Night-Shift Work and Breast Cancer Risk in a Cohort of Chinese Women Anjoeka Pronk [u.a.][iv].
Systematische Übersicht / Wagstaff 2011
Shift and night work and long working hours − a systematic review of safety implications, Anthony Sverre Wagstaff u.a., Scand J Work Environ Health 2011;37(3):173–185. doi:10.5271/sjweh.3146
Night shiftwork and breast cancer risk: overall evidence, Hansen and Stevens Occup Environ Med 201168 (3), p. 236, kostenpflichtig, Artikel € 32,40, fanden [entsprechend DGVU-Forum 4/2010] “keine Evidenz für den Anstieg des Brustkrebsrisikos bei Beschäftigung mit Nachtschichttätigkeit”.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat im Mai 2011 ihre Veröffentlichung zur Schichtarbeit („Shiftwork“) herausgegeben, in der 8 Studien zur Untersuchung von Nachtarbeit und Brustkrebs herangezogen werden.
Prospective Kohortenstudien
Nationale Zensus basierte Kohortenstudien
Fallkontrollstudien
Retrospective Fallkontrollstudien
Eine Metaanalye dieser Studien – Megdal et al. (2005) – kommt zu dem Ergebnis, dass in sechs der 8 Studien zur Nachtarbeit – abgesehen von den beiden Studien, die dies nicht zeigen konnten, ein erhöhtes Risiko gezeigt werden konnte (RR, 1.51; 95% CI: 1.36–1.68).
Shiftwork, IARC, Mai 2011
Painting, Firefighting, and Shiftwork, IARC Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, Volume 98 (2010)
[i] Schichtarbeit und Krebs, Thomas Brüning u.a., Fachzeitschrift für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung DGVU-Forum, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, 2011/4, S. 14/15, zum Archiv der Zeitschrift
[ii] Night work and breast cancer – results from the German GENICA study
by Pesch B, Scand J Work Environ Health 2010;36(2):134-141
[iii] Schichtarbeit und Krebs, Thomas C. Erren [u.a.] Dtsch Arztebl Int 2010; 107(38): 657–62, DOI: 10.3238/arztebl.2010.0657
[iv] Night-Shift Work and Breast Cancer Risk in a Cohort of Chinese Women, Anjoeka Pronk u.a., m. J. Epidemiol. (2010) 171 (9):953-959.doi: 10.1093/aje/kwq029, April 7, 2010