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„Jede Frau hat eine Stimme. Die Stimme jeder einzelnen erzählt eine hochpersönliche Geschichte, die, wenn sie mit den Stimmen tausender anderer Frauen zusammen trifft, zu einer aufsteigenden Welle von gleichartigen Hoffnungen und Träumen, Ängsten und Sorgen wird.“[1] So beginnt Vivian Infantino ihre Hoffnung weckende Beschreibung von Europa Donna – The European Breast Cancer Coalition, einer Frauenorganisation „neuen Typs“, die in der ersten Hälfte der 1990er Jahre als europäische Organisation etabliert wurde. Bei der Organisation, „die zu einer Autorität aufstieg, um Einfluss auf das Europäische Parlament zu nehmen und den Ko-Vorsitz bei internationalen medizinischen Kongressen führte“[2] traten im Laufe der Jahre jedoch weniger die Träume von Frauen als vielmehr Verbindungen zu industriellen Partnern ins Blickfeld. Das Bild der Patientin als gleichberechtigter Partnerin medizinischer Organisationen leuchtet zwar am Horizont, doch bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass Patientinnen mit Brustkrebs hier Gefahr laufen, Dienstleisterinnen zu werden und in ihrem Wunsch nach Veränderung der Verhältnisse ausgenutzt und instrumentalisiert werden können.
Europa Donna hatim Namen von Frauen Veränderungen im Umgang mit Information und dem Stand der medizinischen Versorgung im Europäischen Parlament sowie in den nationalen Länderparlamenten einfordert. Evidenzbasiertes Wissen war bei entscheidenden medizinischen Forderungen – wie etwa nach der Etablierung von Mammographie-Screenings – nicht immer maßgeblich. Die Forderungen nach diagnostischen Maßnahmen und der bestmöglichen Therapie bleiben solange problematisch, wie nicht wissenschaftlich geklärt ist, wie diese beste Diagnostik und Therapie aussehen müsste. Brustkrebs ist diesbezüglich ausgesprochen kompliziert. Europa Donna baut bis heute in vielen europäischen Ländern auf Freiwilligenengagement von Frauen auf. Multinationale Pharmakonzerne sind dabei zur Hauptfinanzierungsquelle der europäischen Organisation und auch vieler nationaler Europa Donna-Vereine geworden.
Patientinnen, die für die Organisation über kürzere Phasen hinweg ihre Arbeitskraft und Glaubwürdigkeit bereitgestellt haben, sehen bzw. sahen die für sie auf den ersten Blick vorwiegend positiven Aspekte vieler Arbeitsinhalte, die es unzweifelhaft auch gibt. Die komplexen Auswirkungen von bevölkerungsbezogenen medizinischen Maßnahmen, wie Europa Donna sie einfordert, bleiben den meisten Frauen und selbst nicht speziell darin geschulten WissenschaftlerInnen jedoch oftmals verborgen. Medizinische ExpertInnen, die mit der Organisation seit vielen Jahren arbeiten, beleuchten kritische Aspekte praktisch nicht. Patientinnen sind krankheitsbedingt häufig nur kurzfristig mit der Organisation verbunden. Sie folgen aktuellen Hinweisen von Ärzten, Krebsgesellschaften und dem Management der europäischen Europa Donna-Organisation. Viele von ihnen sind im Laufe der Zeit ihres Engagements auch an den Folgen von Brustkrebs gestorben.
Derweil wurde und wird in den europäischen Ländern Mammographie-Screening bevölkerungsbezogen eingefordert und etabliert, so auch in Deutschland.[2a] Während kritische Expertinnen[2b] vor einer Überbewertung des Screenings oder einer neuen Medikalisierung von Frauen über Mammographie-Screening gewarnt haben,[3] hat Europa Donna als Frauenorganisation in Deutschland, wie auch in anderen europäischen Ländern, eine Rolle bei der Einführung des bis heute umstrittenen Mammographie-Screenings gespielt. Auf nationaler Ebene kommen häufig weitere Organisationen hinzu, die nach gleichem Muster arbeiten (gesponserte Patientinnenintiativen und Non-Profit-Organisationen). Explizit richtete sich der Blick der Europa Donna-Organisation bereits 1996 nach Osteuropa.[4] In der „postkommunistischen Phase“ ist der Zugang zu qualitativ adäquater Gesundheitsversorgung in den Ländern Osteuropas generell schwierig. Am Beispiel Polens ist beschrieben, wie mit „neuen Techniken der Interessenvertretung“ Vorbereitungen für die Etablierung eines nationalen Screening-Programms getroffen und Druck auf Behörden und Politik für die Bereitstellung von Mitteln genommen wurde. In Walter, C.: Patient im Visier. Hamburg, Hoffmann und Campe 2010 hält Karin Jöns, von 1994 bis 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments, dazu fest, sie stehe heute auf dem Standpunkt, dass Europa Donna vor allem den Zweck habe, neue Absatzmärkte besonders in osteuropäischen Ländern zu öffnen.
Um Frauen in Europa am Kampf gegen Brustkrebs zu involvieren, wurde Europa Donna im Februar 1993 auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Brustkunde (European Society of Mastology, heute European Society of Breast Cancer Specialists, www.eusoma.org) als europäische Organisation gegründet. Vertreterinnen von Krebsgesellschaften und Selbsthilfegruppen aus Frankreich, Österreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Luxemburg, Norwegen, Polen, Portugal, Spanien, der Schweiz und Großbritannien waren an der Gründung beteiligt.[5] Europa Donna wurde als erste europaweite Brustkrebs-Patienteninteressen-Bewegung („first Europeanwide breast cancer advocacy movement“) beschrieben, die sich für „Brustkrebsbewusstsein“, Werbung für Früherkennung und optimale Behandlungen überall in Europa einsetzt und dazu die nationalen Regierungen und das EU-Parlament einbindet. Es handele sich um eine Freiwilligenorganisation, und Vorstandsmitglieder stellten ihre Zeit und Kompetenz unbezahlt zur Verfügung, während die Frauen Vollzeit in anderen Berufen tätig seien.[7]
Umberto Veronesi, ein italienischer Chirurg und Onkologe, zu diesem Zeitpunkt Leiter der European School of Oncology, gab 1992 Anstöße für die Gründung (The idea of Europa Donna was conceived in 1992 by Umberto Veronesi, M.D. …).[8] Der Name „Europa Donna“ (ital., übersetzt ins Dt. etwa: Frauen Europas, “Women of Europe”[8a]) wurde in Anerkennung der Vision von Umberto Veronesi gewählt und sollte die italienischen Wurzeln würdigen. Seine Anliegen waren mehr Forschung, nationale Screening-Programme, Vereinheitlichung der Behandlungsstandards bei Brustkrebs und Verbesserung und Weiterentwicklung der Ausbildung von Professionellen im Gesundheitswesen.[9]
Gloria Freilich, die zur ersten Präsidentin für den europäischen Verband Europa Donna gewählt wurde, war 1994 bereits Koordinatorin von Cancerkin,[10] der ersten an einem Krankenhaus, dem Royal Free Hospital, angesiedelten Charity in London. Freilich kam als Patientin nach Fehldiagnose aufgrund eines Laborfehlers und Fehlbehandlung (sie hatte tatsächlich keinen Krebs) zunächst zu ihrem Engagement und wurde – nach Ausbildung zur Pianistin und Opernsängerin sowie Familienphase – Hauptgeschäftsführerin (chief excutive) bei Cancerkin.[10a] Vize-Präsidentin der europäischen Europa-Donna-Organisation bei der Gründung war Prof. Dr. Sabine von Kleist von der Deutschen Krebshilfe. Auf dem Flughafen war Freilich nach einer internationalen „Reach to Recovery“-Konferenz[10b] mit Prof. Umberto Veronesi ins Gespräch gekommen. Dieser erzählte ihr seine Vision von einer Hilfsorganisation für Frauen in Europa, in der Frauen aktiv werden im Kampf gegen Brustkrebs.[11] Freilich bot ihre Unterstützung an und leitete die europäische Europa Donna-Organisation schließlich von 1994 bis 1999. Im Jahr 2000 forderte Freilich bei einem Treffen, an dem 90 Europa-Abgeordnete und der damalige EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz David Byrne teilnahmen, ein europäisches Krebsregister, schnellen Zugang zu Brustkrebstherapien nach Screening und multidisziplinäre Brustkrebszentren.
Mary Buchanan, die Gloria Freilich ablöste, war eine frühere Hausärztin, die ebenfalls bereits eine Krebsorganisation in Großbritannien, die UK Women’s Nationwide Cancer Controll Campaign, geleitet hatte. Sie setzte sich intensiv für klinische Studien ein und erklärte, sie wolle Frauen damit die Angst vor der Teilnahme an klinischen Studien nehmen. Anlässlich der 5. paneuropäischen Konferenz von Europa Donna erschien eine Veröffentlichung der europäischen Europa Donna-Organisation zu klinischen Studien, die vermittelte, dass diese der beste Weg zur Behandlung der Zukunft sind. Sie wurde allen Mitgliedsländern für eine Übersetzung zur Verfügung gestellt.[12] Aktuell (2012) ist die Schwedische Rechtsanwältin Elizabeth Bergsten Nordstrom, die wiederum in Schweden bereits eine Krebsorganisation leitet, Präsidentin der europäischen Europa Donna-Organisation.
Seit 1998 ist Susan Knox bei der europäischen Europa Donna-Organisation (Executive Director seit Juni 1999). Zu ihren Aufgaben gehören die Ausrichtung der paneuropäischen Konferenzen der Organisation und Weiterbildungsmaßnahmen („Advocacy Training“) ebenso wie die Treffen mit Europa-Abgeordneten und alle laufenden Lobbytätigkeiten der Organisation. Sie hat Europa Donna bei European Breast Cancer Network (EBCN), im Projekt TRANSBIG der Forschungsgruppe Breast International Group, die z.B. an Genexpressionsprofilen forscht, und bei European Cancer Network (Zertifizierung/Qualitätssicherung der Mammographie über EUREF) vertreten. Außerdem hat sie bei der Leitlinienentwicklung für spezialisierte Brustzentren und bei Akkreditierungsprozessen für Screening-Einheiten mitgearbeitet. Auf den europäischen Konferenzen zu Brustkrebs (z.B. diverse European Breast Cancer Conferences (EBCC), Patient View, Gastein Health Forum etc. hat sie für Patientinnen in Europa gesprochen. Sie publiziert(e) auch die Webseite der Organisation und diverse Schriften und Artikel von und über Europa Donna.[13]
Zunächst war die Sammlung von einer Million Unterschriften geplant. Mit dieser Unterschriftensammlung wollte die Organisation das Europäische Parlament ansteuern, um [politische] Unterstützung für Brustkrebs-Screening, Ausbildung und Therapie durchzusetzen. Die selbst an Krebs erkrankte norwegische Politikerin Inger Lise Gjørv, geborene Strand (26. Mai 1938 in Oslo – 28. März 2009 in Trondheim)[14] sagte damals zu, für Screening bei Frauen ab 50 Jahren in Norwegen zu werben, in der Hoffnung auf weitere Unterstützung von der Politik.
Lt. einer Befragung sollen zum damaligen Zeitpunkt 58% der Frauen in der Europäischen Union zwar gewusst haben, dass sie ab dem Alter von 50 eine Mammographie haben sollten, doch nur 13% ließen diese auch durchführen. 250.000 Frauen erkrankten damals, 52.000 starben an den Folgen.[15] Europa Donna wollte Frauen, Hausärzte, Spezialisten und Gesundheitsbehörden in den „Kampf gegen Brustkrebs“ einbeziehen. Besonders Frauen sollten selbst bewogen werden, andere Frauen auf das Problem Brustkrebs aufmerksam zu machen („commit themselves to making other women aware of the problem of breast cancer“). Frauen sollten sich selbst über ihre Brüste qualifizieren[15a] und die Nachfrage nach medizinischen „Checkups“ sollte gesteigert werden, ebenso wie die Durchführung einer Mammographie alle zwei Jahre und die Unterstützung der Entwicklung von Studien zur Vermeidung von Brustkrebs.[15a, 16] Europa Donna rief damals auch die Hausärzte auf, Frauen die Ernsthaftigkeit von Brustkrebs zu erklären und sie auf Brustkrebs hin zu untersuchen.[17] Darüber hinaus hat Europa Donna Ärzte aufgefordert, Frauen bei Anzeichen von Brustkrebs eine Mammographie zu verordnen und sie ab dem Alter von 50 Jahren alle zwei Jahre zur Mammographie zu schicken. Außerdem wurde empfohlen, dass Ärzte sich in Bezug auf Brustkrebs auf dem Stand des medizinischen Wissens halten sollten. Gefordert wurde auch die schonende, Brust erhaltende Therapie, wann immer sich diese „sicher“ machen ließ. Die chirurgische Wiederherstellung der Brust nach Brustamputation sowie alle möglichen Therapie- und Rehabilitationsangebote und die Einschleusung von Patientinnen in randomisierte kontrollierte klinische Studien sollten ebenfalls angeboten werden.[18] Die Gesundheitsbehörden wurden aufgefordert, qualitätsgesicherte Screening-Programme und dafür geeignete medizinische Einrichtungen zu etablieren.[19]
1994 gehörten der europäischen Europa Donna-Organisation bereits über 20 Länder an, in denen die jeweiligen Methoden der Behandlung von Krebs variierten. Allerdings sind nicht in allen Ländern eigene Organisationen gegründet worden, da sie nationale Organisationen in einzelnen Ländern zum Teil dupliziert hätten. Das erste Treffen von Europa Donna-Aktivistinnen fand am 24./25. Juni 1994 bei einer Fortbildungsveranstaltung der European School of Oncology in Mailand statt. Auf diesem Treffen wurde die Bedeutung klarer Informationen zu Brustkrebs ebenso wie die Absicht, mehr Druck im Europäischen Parlament aufzubauen, hervorgehoben, mit der Zielsetzung, dass die einzelnen Länder geeignete Richtlinien verabschieden und mehr Mittel für Grundlagenforschung überall in Europa bereitgestellt werden.[20]
1995 wurden auf Workshops von einer internationalen Arbeitsgruppe 10 Ziele formuliert, die die Organisation bis heute nutzt.[21] Die Gründungspräsidentin Gloria Freilich erklärte dazu, dass man eigentlich wegen der Unterschiedlichkeiten in den europäischen Ländern nicht vorgehabt habe, Ziele zu entwickeln, jedes Land in Europa sei eigenständig und werde seine relevanten Ziele selbst feststecken.[22] Von Europa Donna Deutschland werden diese Ziele später übernommen.
Das Europa Donna zugrunde liegende Modell war die amerikanische „Brustkrebskoalition“ National Breast Cancer Coalition (NBCC), unter deren Dach sich Anfang der 1990er Jahre ein großer Teil der amerikanischen Brustkrebsorganisationen zusammengeschlossen hatten. Außerdem wurden Programmziele entwickelt, die von genauer Krebsinformation über den Zugang zu Krebsfrüherkennungsuntersuchungen zu einwandfrei durchgeführten klinischen Studien reichten.[23] Die Frauen seien sich bei diesem Treffen nicht in allen Punkten über die Ziele einig gewesen. Einigkeit herrschte aber bezüglich der Existenz von Barrieren beim Zugang zu medizinischen Leistungen und der Notwendigkeit, dass Strategien entwickelt werden müssten, diese Barrieren zu beseitigen, wie die amerikanische Brustkrebsaktivistin Amy Langer von der National Alliance of Breast Cancer Organizations (NABCO) bei diesem Treffen in Europa als einzige Teilnehmerin aus den USA festgestellt habe. Sie ließ ihre Arbeit von Langer von Pharmakonzernen wie Astra Zeneca oder Barr Laboratories sponsern[24], und sie gab diese Interessenkonflikte bei ihren Eingaben an die Zulassungsbehörden auch an. Ihre Organisation wird wegen den extensiven Sponsorings später geschlossen werden.[25] Langer soll damals auch übermittelt haben, dass der amerikanische Weg für Frauen in Europa nicht notwendigerweise der passende sei, und warnte vor möglichen Problemen, für die man vielleicht keine Lösung anbieten könne, etwa die Schaffung von Bewusstsein, während Ärzte jedoch nicht über die notwendige Ausbildung in klinischer Forschung verfügten oder nicht wüssten, wie sie die Patientinnen auf die Studien verweisen sollten. Allerdings sei der Weg des „taktischen Informationsaustausches unter Patientinnen“ eine auf Europa übertragbare Methode, mit der Frauen in Europa ihren Weg finden könnten. Marianne Fratangelo (Europa Donna Italien) verwies darauf, dass Interessenvertretung noch nicht in jedem Land verstanden werde wie in den USA, weil Frauen es nicht gewohnt seien, selbst Forderungen aufzustellen.
Die Kampagne „Europe Against Cancer“, ein „Programm zur Kontrolle von Krebs in der Europäischen Union“ sagte 1996 Europa Donna Unterstützung zu.[26] Diese Kampagne stand wegen ihrer militärischen Anmutungen, die ihre Parallele über Jahrzehnte hinweg insbesondere in den USA in einem regelrechten „Krieg gegen den Krebs“ fand, in der Kritik.[27] Mit dem von der Kampagne herausgegeben “Kodex gegen den Krebs” wurde die Verantwortung für eine Krebserkrankung dem Individuum zugeschrieben. „Den größten Einfluss aber hat das Individuum. Jeder einzelne ist für seinen Lebensstil verantwortlich.“ Der Kodex beschwöre so die Verantwortung und die „Schuld des mündigen Bürgers“ in Bezug auf sein gesundheitliches Schicksal. Kritisiert wurde auch der Zwiespalt, in den Menschen mit kategorisch klingenden Imperativen (z.B. „Rauchen Sie nicht“, „Wenn Sie Alkohol trinken, reduzieren Sie die Trinkmenge“) auf der einen Seite und Tabak- und Alkoholwerbung auf der anderen Seite gebracht würden. Auch sei diese Kampagne nicht dazu angetan, die Kompetenz von BürgerInnen in Bezug auf ihre Gesundheit zu stärken, sachkundig zu informieren oder begründete Verhaltensentscheidungen zu geben.[28]
Die Europäische Parlamentsgruppe wurde im September 2001 gegründet und von der Europa-Politikerin Karin Jöns aus Deutschland geleitet. Das erste Treffen der Parlamentsgruppe mit Europa Donna (EU) fand im September 2002 im Europäischen Parlament in Brüssel statt.[29] Archivierte Webseite s. archive.org. Die Parlamentsgruppe stellte im April 2008 die Zusammenarbeit mit Europa Donna ein.
Europa Donna gehört zu den Mitveranstaltern der Europäischen Brustkrebs-Konferenzen und arbeitet mit in dem Verein VZW BCWG (Vereniging zonder winstoogmerk, Breast Cancer Working Group), der die Europäischen Brustkrebskonferenzen ausrichtet und finanziert.
Worum es anfänglich augenscheinlich nicht ging, war das Sammeln von Geld. „We’re not here to make money“ wird Marianne Fratangelo aus Italien zitiert, Europa Donna sammele keine Gelder ein. Die Teilnehmerinnen bei Europa Donna seien Vertreterinnen von Krebsorganisationen, Krebszentren und Krankenhäusern.[30] 1996 ist Sibylle Fleitmann, die damals den Bereich internationale Angelegenheiten bei der belgischen Krebsgesellschaft leitete, Schatzmeisterin von Europa Donna, die den amerikanischen Weg nicht kopieren, dafür aber Lehren daraus ziehen wolle. Zu diesem Zeitpunkt erhält Europa Donna keine öffentlichen Mittel und wird auf EU-Ebene bereits von der Pharmaindustrie gesponsert. Allerdings stellten auch die nationalen Krebsvereinigungen Teile aus ihren Budgets zur Verfügung.[31]
Im Jahr 2008 veröffentlichte die europäische Europa Donna Organisation die eigene Finanzierung, die zu empörten Reaktionen führte, da sich herausstellte, dass über 86% der Mittel der Organisation im Haushalt des Jahres 2007 von multinationalen Pharmakonzernen bereitgestellt worden waren. Dies führte zu einer Glaubwürdigkeitskrise, in deren Folge die Europäische Parlamentsgruppe EPGBC die Zusammenarbeit mit Europa Donna einstellte.[32]
Unternehmensberatung
Mit einer Pressemeldung v. 28.10.2007 verkündete Europa Donna die Umsetzung eines strategischen Plans ab dem Jahr 2008, den die Unternehmensberatungsfirma Boston Consulting ausgearbeitet hatte. Boston Consulting ist zugleich Beratungsfirma multinationaler Pharmakonzerne. In dem Plan werde die enge Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments angestrebt, hieß es in dieser Meldung. Dr. Ulrik Schulze, seinerzeit Partner und Direktor im Management der Boston Consulting Group, lobte die Organisation in der Pressemeldung. Der Plan habe Kernkompetenzen und Ziele der Organisation (Kommunikation von Positionen, Verbesserung von Transparenz und Ausweitung der Mittelbeschaffung) festgelegt.
Der in Deutschland 1996 gegründete eingetragene Verein Europa Donna Deutschland e.V. (Gründungspräsidentin: Prof. Dr. Sabine von Kleist) wurde nicht von der Pharmaindustrie gesponsert. Nachfolgend übernahmen die Leitung des Vereins: Karin Jöns (2001 bis 09/2007), Gudrun Kemper (10/2007 bis 04/2008), Annedore Windler (05/2008 bis 10/2008). Im Oktober 2008 wurde per Beschluss der Mitgliederversammlung die Auflösung des Vereins Europa Donna Deutschland beschlossen. Zu den Rücktritten im Vorstand von Europa Donna Deutschland im April 2008 s. a. Notbremse gezogen: Unser Rücktritt vom Europa Donna Vorstand in Deutschland und Board Europa Donna Germany has stepped back. Zur Auflösung des Vereins s.a. Pharmaspenden überschatten Erfolge im Weser Kurier v. 05.10.2008 und Europa Donna im Zwielicht in der TAZ v. 09.10.2008. Die Europa-Abgeordnete Karin Jöns veröffentlichte dazu außerdem, dass das Beispiel Europa Donna Deutschland zeige, dass trotz der Ablehnung von Geldern aus der pharmazeutischen Industrie in Deutschland, die Aktivitäten der Dachorgansisation die deutsche Organisation in ihrer Glaubwürdigkeit ernsthaft beschädigt worden sei. Sie forderte eine neue politische Kultur bezüglich der unabhängigen Finanzierung von Vereinen. Die Europäische Parlamentsgruppe zu Brustkrebs empfahl anderen Patientengruppen „die Vermeidung des Minenfeldes von Sponsoring der pharmazeutischen Industrie“.[33] Rückschau s. a.: Europäische Patientengruppen: Fragwürdiges Finanzgebaren, Dtsch Arztebl 2010; 107(46): A-2278 / B-1968 / C-1932
[1] Infantino V Europa Donna, The European Breast Cancer Coalition. Cancer Futures, 2002, Vol. 1
[2] Infantino a.a.O.
[2a] Europa Donna spielte bei der Etablierung des Mammographie-Screenings in Deutschland jedoch eine eher untergeordnete Rolle, einige Materialien zur Etablierung s.a. Die Mammographie im SPIEGEL: Beginn einer Rückschau. 01/2010
[2b] Ingrid Mühlhauser, Uni Hamburg, unzählige Artikel und Medienberichterstattungen
[3] s. Routine-Screening mittels Mammografie senkt die Sterblichkeit an Brustkrebs nicht: Ein systematischer Review bzw. Cochrane review on screening for breast cancer with mammography. Olsen O., Gøtsche PC. Lancet 2001; 358:1340-42 und Systematic review of screening for breast cancer with mammography. Olsen O., Gøtsche PC
[4] JNCI, Voll. 88., No. 22, Nov. 20, 1996, osteuropäische Mitgliedsländer damals: Kroatien, Estland, Litauen, Polen, Russland, Slowenien und Ungarn
[5] JNCI, Vol. 85, No. 5, March 3, 1993 entnommen
[7] JNCI, Vol. 88, No. 22, Nov. 20, 1996
[8] JNCI, Vol. 88, No. 22, Nov. 20, 1996
[8a] “Women of Europe” so übersetzt im Journal JNCI, Vol. 88, No. 22, Nov. 20, 1996, “European Women” bei Infantino a.a.O.
[9] Infantino a.a.O. “… pays tribute to Veronesi’s inspiration …”
[10] JNCI, Voll. 88., No. 22, Nov. 20, 1996
[10a] From unwanted interference to indispensable partner: the patient advocate who helped open minds of Europe’s cancer doctors. Simon Crompton, Cancer World, March/April 2010 [Cancer World ist ein Medium der "European School of Oncology" (ESO). Die Webseite wird aktuell gesponsert von den Pharmakonzernen Amgen und Esai, Zitat am Fuß der Webseite: "Cancer World is collaborative programme between ESO and Amgen, Celgene, Eisai, Eli Lilly, Genomic Health, GlaxoSmithKline, Merck Serono, Novartis, Roche and Sanofi Aventis, Abruf 13.04.2012]
[10b] http://www.reachtorecoveryinternational.org, bei Abruf 03/2012 waren keine Informationen über internationale Kooperationen zu diesem amerikanischen Projekt online, sie werden auf der Webseite jedoch angekündigt.
[11] Infantino a.a.O “… proactive in the battle against breast cancer …”
[12] Infantino a.a.O.
[13] Quelle Webseite EuropaDonna, Abruf 17.12.2007
[14] Inger Lise Gjørv er død, Trønder-Avisa, 28.03.2009 , s. http://www.t-a.no/nyheter/article68944.ece
[15] Angaben zu den Auftraggebern der Befragung bzw. weiteren Ergebnissen liegen uns nicht vor. Auch ist nicht klar, auf welche europäischen Länder sich die Zahlen beziehen. Da die EU inzwischen erweitert wurde, ist ein Vergleich der Zahlen mit dem Stand von heute schwierig. Auch war die Krebsregistrierung in vielen europäischen Ländern, darunter besonders in Deutschland, dem bis heute bevölkerungsreichsten Land der EU, besonders schlecht, und Angaben beruhten oft auf ungenauen Schätzungen und Hochrechnungen. 1996 werden im Vol. 88, No. 22. v. Nov. 20, 1996 nur noch 50.000 Todesfälle angegeben.
[15a] “educating themselves about their breasts …” JNCI, Vol. 85, No. 5, March 3, 1993
[16] Zum damaligen Zeitpunkt lagen noch keine internationalen Empfehlungen zum Mammographie-Screening durch die WHO/IARC vor. Die 1. Auflage der Europäischen Leitlinien zum Mammographie-Screening (European guidelines for quality assurance in mammography screening) sind 1993 erschienen. Eine Europäische Arbeitsgruppe arbeitete an diesen Empfehlungen seit den 1980er Jahren (Guidelines for breast cancer screening. The European Group for Breast Cancer Screening, s.a. Clinical Radiology, 1987 May; 38(3): 217). Die Empfehlung der Arbeitsgruppe für Krebsvermeidung der Internationalen Krebsforschungsbehörde der WHO (Working Group on the Evaluation on Cancer Preventive Strategies – IARC/WHO) für das Mammographie-Screening wurde erst im Februar 2002 gegeben. Am März 2002 gab die WHO eine entsprechende Presseerklärung heraus, die festhielt, dass Mammographie-Screening die Brustkrebssterblichkeit senke, s. dazu IARC Handbooks of Cancer Prevention, Lyon 2002 und Pressemeldung Nr. 139 der WHO. Der Wissenschaftsstreit um die Frage, ob Mammographie-Screening mehr Schaden oder mehr Nutzen für Frauen bedeutet, ist bis heute nicht beigelegt.
[17] Für die Tastuntersuchungen durch ÄrztInnen gibt es bis heute keine wissenschaftlichen Belege („Evidenz“), dass diese die Sterblichkeit von Brustkrebs reduzieren können.
[18] Tatsächlich war Brustkrebs zu diesem Zeitpunkt immer noch stark tabuisiert. Berichte von Fehldiagnosen, verschleppten Diagnosen und im Einzelfall sogar auch von durch ÄrztInnen verweigerte Mammographien trotz Auffälligkeiten an der Brust waren durchaus keine Seltenheit. Radikale Operationstechniken mit vollständiger Entfernung der Brust auch bei kleinen Tumoren waren zum damaligen Zeitpunkt die einfachste chirurgische Therapie, die ohne viel Federlesen durchgeführt wurde. Europa Donna-Initiator Umberto Veronesi hat mit seinen Forschungsarbeiten zu Operationsmethoden bei Brustkrebs dafür gesorgt, dass der damals bereits seit über 100 Jahre praktizierte Standard radikaler Operationen nach der Methode des Chirurgen William Halsted abgelöst wurde zugunsten von Brust erhaltenden Operationsmethoden, s. dazu: Heute behalten die meisten Frauen mit Brustkrebs bei der Operation ihre Brust – Ein Verdienst von Umberto Veronesi: Ein Chirurg, der die Frauen liebt, Artikel von Lilo Berg in der Berliner Zeitung vom 03.12.2001
[19] JNCI, Vol. 85, No. 5, March 3, 1993
[20] JNCI, Vol. 86, No. 17, September 7, 1994
[21] 1. To promote the dissemination and exchange of factual, up-to-date information on breast cancer throughout Europe.
2. To promote breast awareness.
3. To emphasise the need for appropriate screening and early detection
4. To campaign for the provision of optimum treatment
5. To ensure provision of quality supportive care throughout and after treatment
6. To advocate appropriate training for health professionals
7. To acknowledge good practice and promote its development
8. To demand regular quality assessment of medical equipment
9. To ensure that all women understand fully any proposed treatment options, including entry into clinical trials and their right to a second opinion
10. To promote the advancement of breast cancer research
www.europadonna.org, Abruf 15.03.2012
[22] Für Deutschland werden die Ziele relativ unverändert übernommen: 10 Ziele für ganz Europa:
1. dafür zu sorgen, dass alle aktuellen Informationen über Brustkrebs in ganz Europa verbreitet und ausgetauscht werden können,
2. dafür zu sorgen, dass das Bewusstsein für Brustkrebs in der Öffentlichkeit geschärft wird,
3. dafür zu sorgen, dass die Wichtigkeit geeigneter Untersuchungsmethoden und einer frühen Erkennung von Brusttumoren erkannt wird,
4. dafür zu sorgen, dass Früherkennungsmaßnahmen und optimale Behandlungen überall durchgeführt werden,
5. dafür zu sorgen, dass jeder Patientin die bestmögliche Unterstützung während und nach einer Behandlung zukommt,
6. dafür zu sorgen, dass das Gesundheitspersonal, das Brustkrebspatientinnen betreut, optimal ausgebildet wird,
7. dafür zu sorgen, dass die besten Behandlungsmöglichkeiten bekannt und auch eingesetzt werden,
8. dafür zu sorgen, dass die medizinischen Geräte einer regelmäßigen technischen Überprüfung unterliegen,
9. dafür zu sorgen, dass alle Frauen über alle Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten informiert werden und das Recht bekommen, eine „zweite Meinung“ einzuholen,
10. dafür zu sorgen, dass mehr Mittel für die Krebsforschung bereitgestellt werden.
s. dazu archive.org: http://web.archive.org/web/20070214005052/http://www.europa-donna.de/fr_wir.html
[23] JNCI, Vol. 86, No. 17, September 7, 1994
[24] Oncology Times, 25 Jan. 2005, Vol. 27, Issue 2 – S. 40-42
[25] Hall M, NABCO Closes Its Doors, Breast Cancer Action: Newsletter #82–Jul./Aug. 2004
[26] JNCI, Vol. 88., No. 22, Nov. 20, 1996
[27] s. dazu z.B. auch Unter dem Radar – Krebs und Kalter Krieg: Spurensuche zu Ellen Leopolds „Under the Radar: Cancer and the Cold War“ oder die historischen Abrisse in Siddhartha Mukherjee: The Emperor of All Maladies: A Biography of Cancer (ISBN 9781439107959)
[28] Hahn, S. Krankheit und Ideologie in Jazbinsek D. (Hrsg.): Gesundheitskommunikation. Opladen: Westdeutscher. Verlag, 2000
[29] Infantino, V a.a.O.
[30] JNCI, Vol. 86, No. 17, September 7, 1994
[31] JNCI, Vol. 88., No. 22, Nov. 20, 1996
[32] Stafford, N MEPs shun cancer advocacy group because of industry funding BMJ 2008;336:980.2
[33] Hidden Truth, The Parliament, Artikel v. 12. Mai 2008: ”The EPGBC has taken a brave step and I hope that other patient groups will become more aware of this problem and try to avoid the minefield of sponsorship from the pharmaceutical industry.”
Diese Linksammlung liegt sortiert und verschlagwortet nach Stichworten und Schlüsselbegriffen, Personennamen, Ländern und Jahren geordnet in einer Datenbank bei Delicious unter:
http://www.delicious.com/bcag_mammography_screening/
stützt, verwahrte sich gegen die Kritik der ÄrztekammerBerlin. Es sei nicht zutreffend, daß auch neue Studien denNutzen eines Mammographie-Screenings nicht belegen. Zudem sollten nur ältere Frauen ab 50 Jahre der Röntgenstrahlung ausgesetzt werden. Zu fordern sei allerdings, daß jetzt die bisherige „graue“ Mammographie in ein Screening überführt und als Kassenleistunghonoriert werde.
auf Krebs zu unterziehen, auch wenn diese ‚Vorsorge‘ zum Beispiel Brustkrebs gar nicht verhindern kann. Im Gegenteil, langfristig gibt es dadurch mehr Brustkrebserkrankte (Essermann et al. 2009).
…
1.2
Conclusions: In areas with widespread sustained mammographic screening, trends in advanced breast cancer incidence do not support a substantial role for screening in the decrease in mortality.
Conclusions The benefit of mammographic screening in terms of lives saved is greater in absolute terms than the harm in terms of overdiagnosis. Between 2 and 2.5 lives are saved for every overdiagnosed case.
period 1982-86, while rates for regional and distant tumors have remained stable. The incidence of localized tumors < 1.0 cm, 1.0-1.9 cm, and 2.0-2.9 cm in size has increased more rapidly than that of tumors 3.0 cm or more in size among women over age 50. Survival rates also have improved among cases diagnosed over this time period. These data suggest that early detection may be playing a role in the recent increase in female breast cancer incidence, though other factors cannot be ruled out. Conclusions regarding improved cancer control await confirmation by reduced breast cancer mortality. JSTOR: http://www.jstor.org/pss/3553095
The change in health service resource use attributable to mammography will be compared with no screening and its cost effectiveness determined. The comparison with no screening will be presented in terms of the additional cost per cancer detected, per life saved and per life year saved.
Leider hatte die Studie selber keine eigene Kontrollgruppe, weshalb – wieder einmal – Zweifel bleiben. Auch wenn die Schätzungen der Autoren zutreffen, ist der Nutzen gering, wobei es wieder darauf ankommt, ob man die relativen oder absoluten Zahlen zugrunde legt. Relativ wird das 10-Jahressterberisiko um 20 Prozent gesenkt.
Die absolute Risikominderung ist gering: Die Autoren schätzten, dass 5.000 Frauen gescreent werden müssen, um ein Leben zu retten.
Überhaupt sieht auch Spelsberg einiges kritisch an der bisherigen Praxis des Screening-Programms. So würden in Nordrhein-Westfalen, das 2005 als erstes Bundesland an den Start ging, noch immer zu 80 Prozent Geräte mit einer Strahlenbelastung verwendet, die nur knapp dem Grenzwert den Europäischen Leitlinien entsprechen und dabei keine optimale Bildqualität hätten.
Thema im Forum diskutieren
„Solche Geräte sind in anderen Ländern gar nicht zugelassen“, sagt Spelsberg. Sie sollen bis 2012 ausgetauscht werden. Auch in anderen Punkten, zum Beispiel in der wissenschaftlichen Auswertung der durch das Screening gewonnenen Daten, „weicht das Programm von den Europäischen Leitlinien ab“. Spelsbergs Fazit: „Da muss nachjustiert werden.“
For immediate release: Wednesday, September 22, 2010
Boston, MA — A new study led by Harvard School of Public Health (HSPH) researchers has found that a breast cancer screening program in Norway, which made mammographic screening available to women between the ages of 50 and 69, resulted in a 10% decrease in breast cancer deaths in that age group.
Um einen Brustkrebstodesfall zu vermeiden, müssten 2.500 Frauen über 10 Jahre gescreent werden, berichtet Welch. Von den anderen 2.499 Frauen würden vermutlich mehr als 1.000 Frauen mindestens einmal durch einen falsch positiven Befund verunsichert (in Europa sei die Rate vielleicht geringer). Bei 5 bis 15 Frauen käme es aufgrund einer Überdiagnose zu einer unnötigen Operation. © rme/aerzteblatt.de
der Abgeordneten Birgitt Bender, Elisabeth Scharfenberg, Dr. Harald Terpe, Maria Klein-Schmeink, Dr. Thomas Gambke, Katrin Göring-Eckardt, Brigitte Pothmer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Umsetzung und Weiterentwicklung des Mammographie-Screenings in Deutschland
eine Weise dargestellt wird, die der menschlichen Informationsverarbeitung gut zugänglich ist. Ärzte können mit statistischen Informationen nicht immer so umgehen, wie man dies als Patient erwarten würde [1]. Dabei müssen Ärzte und Patientinnen im Alltag häufi g Urteile unter Unsicherheit treffen, die einen angemessenen Umgang mit Zahlen erfordern.
in any single trial or for all trials combined is a reason for caution in interpreting the results. Statistical significance,
however, can be informative only when trials are large enough for statistical significance to be achievable. No trial has
yet included a sufficient number of women aged 40 to 49 years for a reduction in mortality that could reasonably be
expected to be statistically significant.
wenden sich mehr und mehr erfahrene Gynäkologen und Epidemiologen in scharfen Worten öffentlich gegen das
Mammographie-Screening.
Reduktion der Brustkrebssterblichkeit erreichen kann“, wenn auch gleichzeitig negative Folgen wie Überdiagnostik
und Übertherapie, die Gefahr von falsch-negativen und falsch-positiven Befunden sowie Schäden durch die Strahlenbelastung bestünden. …. Aha …
Seit Jahren wissen wir, dass zu viele falsche positive, aber auch zu viele falsche negative, also nicht erkannte Brustkrebsfälle produziert werden. Die Empfehlungen von damals verschwanden jahrelang in der Schublade. Zu mächtig war der Interessenkonflikt: Sehr viele niedergelassene Gynäkologen haben hierzulande eine Teilgenehmigung zur Radiologie, in ihren Praxen stehen Mammografiegeräte – und diese Ärzte wollten und wollen nicht auf eine wichtige Einnahmequelle verzichten. Teilweise waren sie sich ihrer methodischen Schwächen auch gar nicht bewusst. Es hat Jahre gedauert, bis die Selbstverwaltung und die Politik wach geworden sind. Da gab es mangelnde Aufmerksamkeit, aber auch mangelndes Verantwortungsbewusstsein auf beiden Seiten.
für den Nutzen braucht es länger, bis er sichtbar wird. Daher ist die erste Wirkung jeden Programms, auch wenn es
ein nützliches ist, dass es die Gesundheit der Zielgruppe verschlechtert. … Ein Screening Programm ohne falsch
positive Befunde übersieht zu viele Fälle, um wirksam zu sein. … Ein Screening Programm ohne falsch negative Befunde
verursacht zu grossen Schaden an der gesunden Bevölkerung. … Obwohl für die Gesamtpopulation bedeutungslos,
kann ein einziger falsch positiver Befund für das Individuum verheerende Folgen haben….“ Diese
„aphoristischen Warnungen“ stammen von J.A. Muir Gray, Institute of Health Sciences, University of Oxford, England
to 0.89) compared with what we would expect in the absence of screening. For women actually participating in screening, breast cancer mortality was reduced by 37%. Conclusions In the Copenhagen programme, breast cancer mortality was reduced without severe negative side effects for the participants.
Jahren, Transparenz zum Teilnahmeverhalten, zu den entdeckten und übersehenen Karzinomen, zur Qualität der Befunder,
zur Abklärung von Verdachtsbefunden, zur zeitgemäßen Behandlung der Patientinnen und zur Entwicklung des Mammographierens außerhalb des Screenings. Als gemeinsame Aufgabe der involvierten Kräfte müsste eine führende Industrienation ein solches klar definiertes Projekt in zwei bis drei Jahren realisieren können. Der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns ist dies bereits gelungen. In anderen Bundesländern haben Optimisten noch einige Monate Zeit, ein
flächendeckendes, qualitätsgesichertes Screeningprogramm zu implementieren und die weitere Entwicklung wissenschaftlich verantwortungsvoll zu gestalten.
But the statement also said mammography can “miss cancers that need treatment, and in some cases finds disease that does not need treatment.” In other words, the test may lead to some women being treated, and being exposed to serious side effects, for cancers that would not have killed them. Some researchers estimate that as many as one-third of cancers picked up by screening would not be fatal even if left untreated.
Umfang: 122 S. : graph. Darst. ; 27 cm
Schriftenreihe: Health technology assessment ; 3
bis 69 Jahren zur Mammografie-Untersuchung deren Brustkrebs-Mortalität senkt. Die Resultate
randomisierter Studien von organisierten Mammografie-Programmen in mehreren Ländern ergeben
eine mittlere Reduktion der Brustkrebsmortalität von 25% in der Zielbevölkerung.
Die in der breiten Umsetzung organisierter Mammografi e-Programme in einer spezifischen Zielbevölkerung
tatsächlich zu erzielende Reduktionen schwankt zwischen 5 und 20% und hängt
einerseits von Häufigkeit und Qualität des opportunistischen Mammografie-Screenings ab, andererseits
von der Qualität der nach einer Brustkrebsdiagnose erfolgten Behandlung.
Schlüsselwörter Brustkrebs – Sterblichkeitsrate – Früherkennung – Brusterhaltende Therapie
der allgemeinen Bevölkerung.
individuals. Private health insurers will pay for opportunistic screening.
Opportunistic screening for breast cancer used to be widely practised. Breast cancer screening has been recently reorganized towards a systematic screening programme, at least in women aged 50–69 who are invited regularly. The screening is subjected to tight, evidence-based quality assurance measures. The screening programme is organized separately from the disease management programme for (the treatment of) breast cancer, introduced in 2003. For cervical and colorectal cancer as well as prostate cancer directives of joint committees define the target groups, the screening interval and type of intervention that is paid for by SHI. …
Mammography screening significantly reduces death rates from breast cancer by enabling earlier and more effective treatment.
The vast majority of breast cancers found through screening are progressive lesions that would become symptomatic within the woman’s lifetime if left untreated. It is likely, however, that there is a sub-set of cancers that may be non-progressive or progress so slowly, that they would not have been otherwise found in the woman’s lifetime. Diagnosis of these cancers has been referred to as ‘overdiagnosis’ and their treatment as ‘overtreatment’.
Estimates of the size of this sub-set vary widely and are dependent on a range of assumptions as we do not know what the incidence of breast cancer would be today without the introduction of the BreastScreen Australia program.
Research is underway, including molecular and genetic research, to find means of identifying this sub-set of cancers.
As a profession we have a clear ethical obligation to do a much better job of providing balanced information to women to choose for themselves whether they want to be screened. Forderung nach besser balancierter Information für Frauen, die selbst entscheiden müssen, ob sie gescreent werden möchten.
Die Überdiagnose ist eine prinzipielle Schwäche aller Krebsfrüherkennungsprogramme. Denn einem bösartigen Tumor ist es gerade im Frühstadium auch bei genauer histologischer Beurteilung oft nicht anzusehen, ob er unbehandelt zum Tode des Patienten geführt hätte.
Einige Neoplasien wachsen sehr langsam, andere können sich auch spontan zurückbilden. Beim Brustkrebs ist bekannt, dass manche Carcinoma in situ-Tumoren nie in ein invasives Wachstum übergehen. Ohne Mammografie würden sie niemals entdeckt.
… Der zu erwartende Nutzen des deutschen Screening-Programms in Bezug auf eine niedrigere Brustkrebssterblichkeit wird daher bislang wohl überschätzt. (da bereits vorher die kl. Tumoren zumindest teilweise bereits gefunden wurden.)
deutschen Datenschutzregularien für alle Evaluierungsansätze die Befürchtung, dass mit
einem Studiendesign alleine keine abschließend belastbare Aussage zur Wirksamkeit des
Screening-Programms möglich ist. Es kann daher sinnvoll sein, mehrere komplementäre
Studien zur Mortalitätsevaluierung durchzuführen (z.B. Kohorten- und Fall-Kontrollstudien).
Diese sollten nach Möglichkeit auf Basis der gesamten anspruchsberechtigten Bevölkerung
durchgeführt werden. Für Studien, in denen Brustkrebserkrankungs- und Todesfälle in
Hinblick auf Screeningteilnahme untersucht werden sollen (z.B. Vergleiche von Kohorten
mit/ohne Screening), werden die Krebsregister durch die erfolgte Änderung der Krebsfrüherkennungsrichtlinie
[69] in die Lage versetzt, die benötigten Daten (Screeninghistorien
aller erkrankten Frauen) zu sammeln und zur Verfügung zu stellen.
Selbsteinladerinnen dürfen bei der Berechnung der Teilnahmerate nach den Europäischen Leitlinien nicht berücksichtigt werden. Der Anteil der gescreenten Frauen ist lediglich 14% der Zielbevölkerung nach 3 Jahren. Die Trennung von Screening und kurativer Mammographie wird unterlaufen. … Angela Spelsberg beschreibt auch im 4. Expertengespräch der Patientenbeauftragten der Bundesregierung kleine, aber folgenschwere Defizite.
Heft Volume 1, Number 1 / März 1993
mit Beiträgen von Klaus Koch, Ingrid Mühlhauser, Gudrun Kemper …
“Eine von drei entdeckten Erkrankungen ist eine Überdiagnose” … [im Sinne der Definition) ...
chronischen Erkrankungen als Diabetes Typ II, Brustkrebs, Herz-Kreislauf-
Erkrankung und Asthma keine Nachteile in der medizinischen Versorgung
erleiden?
Aktion im Gesundheitswesen – „Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit“
Für ein Mammographie-Screening nach europäischen Leitlinien
Mammographie für Frauen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr, neuerdings auch zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, belegt, aber auch nach dem
70. Lebensjahr anzunehmen!!!
Evidenz für das Mammographie-Screening von allen Akteuren fortgesetzt
ignoriert wird. In diversen öffentlichen Publikationen, aber auch in
den Gesetzentwürfen der Bundesregierung werden immer noch Nutzens-
Versprechungen rezitiert, die wissenschaftlich nicht tragbar sind.
Screening verhindert weder Brustkrebs, noch senkt es die Brustkrebssterblichkeit. Sogar die Versprechung, dass ein frühes Erkennen die
Schwere der notwendig werdenden Therapie reduziert, ist nicht mehr
länger aufrecht zu halten. Notwendig ist eine Verbesserung der Versorgungsqualität in Sachen Brustkrebs, die mammographische Früherkennung ist eigentlich nur ein Nebenschauplatz.“
Modellprojekte sollen klären, ob es sinnvoll ist, die Brust regelmäßig zu röntgen.
Ärzte müssen künftig ihre Qualifikation unter Beweis stellen.
test nennt die Fakten und liefert Entscheidungshilfen für oder gegen eine Mammographie.
(Kostenpflichtiges Angebot, Preis € 1,–)
Conclusions: Women who refuse surgery for breast cancer have a
strongly impaired survival. This information might help patients
who are hesitant toward surgery make a better informed decision.
(Ann Surg 2005;242: 276–280)
… “Our results show that false reassurance played, at most, only a minor role in breast cancer screening.” Dieser Artikel befasst sich mit der “falschen Beruhigung” im Mammographie-Screening. Wer durch das Screening attestiert bekommt, dass die Brust ohne Krebsbefund ist, könnte sorgloser mit eventuellen Veränderungen der Brust sein. Diese Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass diese “falsche Beunruhigung” meistens keine negativen Auswirkungen für die Frauen hat.
Screening die Brustkrebssterblichkeit vermindern kann, haben nur sehr wenige
Frauen einen Nutzen. Sehr viel mehr Frauen werden geschädigt, die Mehrheit der
Frauen hat im besten Fall keinen Nutzen. Ob durch Mammographie-Screening die
Brustkrebssterblichkeit überhaupt gesenkt werden kann, bleibt ungeklärt (2). Die
wissenschaftliche Kontroverse ist nicht auflösbar.
not dampened by false-positive test results or the possibility that testing could lead to
unnecessary treatment. This enthusiasm creates an environment ripe for the premature
diffusion of technologies such as total-body computed tomographic scanning,
placing the public at risk of overtesting and overtreatment.
Frauen werden schlecht informiert darüber, dass die Früherkennung auch
Schaden anrichtet und höchstens jede zehnte Frau, die heute an Brustkrebs
stirbt, retten kann [schreibt Urs P. Gasche]
Hinter dieser inhaltlichen Neuorientierung steckt aber zugleich auch ein Stück Systemwechsel: die Beschränkung der Selbstverwaltung. Ziel des
Mammographie-Screenings ist es, die Sterblichkeit an Brustkrebs in Deutschland deutlich zu senken. Ein Artikel von Michael Emmrich (*1959, Frankfurt, Zeitschrift Dr. med. Mabuse, Mai/Juni 2002)
Brustkrebs haben, wird der Tod tabuisiert.“ (Annelie Keil)
der Partner der Bundesmantelverträge
Examining current practices and specifying research and other needs, Mammography and Beyond will be an indispensable resource to policy makers, public health officials, medical practitioners, researchers, women’s health advocates, and concerned women and their families.
- Mit zunehmendem Alter nimmt die Bereitschaft, am Screening teilzunehmen, ab
-Frauen, die in einem schlechterem socio-ökonomischen Umfeld leben, nehmen in geringerem Umfang teil.
- Diese Gruppen sind identifizierbar.
- Mit der Zeit sinken Teilnehmerinneraten, auch bei Nicht-Teilnehmerinnen werden frühere Erkrankungsstadien entdeckt und ihre Überlebenschancen sind angestiegen.
- Die Überlebensraten von Frauen mit Intervallkarzinomen sind in den letzten 20 Jahren angestiegen, sie sind weniger ein Problem in den laufenden schwedischen Screening-Programmen.
- Rund einer von zehn im Screening entdeckten Karzinomen bei Frauen zwischen 50 und 69 könnte eine Überdiagnose sein.
Anhören
Umschrift
Baines 331 (7523): 1031 — BMJ
Hochrechnungen:
Zehn Millionen Frauen werden in Deutschland zur Früherkennungsmammografie eingeladen, 500 Frauen werden davon jedes Jahr profitieren, 5000 erhalten jedoch eine Brustkrebsdiagnose, die sie ohne Screening nie bekommen hätten und werden unnötigerweise therapiert. Und 200.000 Teilnehmerinnen werden wieder eingeladen, weil sich ein Verdacht auf der Röntgenaufnahme gezeigt hat, der weiter abgeklärt werden muss.
British Journal of Radiology, Vol. 60., Isssue 711, S. 231-234
… “Qualitätsanforderungen sind eingehalten …”
http://www.iarc.fr/ENG/Press_Releases/archives/pr139a.html