Batt, Sharon

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Sharon Batt (BA Hons (Psychologie), Carleton Univ., 1967 MA (Psychologie), Univ. of British Columbia, 1970, PhD interdisziplinär, Dalhousie Univ. 2012) ist eine kanadische Gesundheitswissenschaftlerin und Psychologin, Publizistin und Mitbegründerin von Breast Cancer Action Montreal, deren Präsidentin sie zeitweise war.

Batt war u.a. Herausgeberin des Verbrauchermagazins “Protect yourself”. In den 1970er Jahren war sie Begründerin und Herausgeberin der ersten feministischen kanadischen Frauenzeitschrift “Branching out” und zugleich stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung kanadischer Zeitschriftenverleger (Canadian Periodical Publisher’s Association).  1998 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Sie war überrascht hinsichtlich der Unsichtbarkeit der Krankheit in der Gesellschaft und begann, die Konsequenzen dieser Abwesenheit zu erforschen.

Sharon Batt ist Autorin des Buchs Patient No More: The Politics of Breast Cancer. Sie setzt sich darin kritisch mit Früherkennung, Chirurgie, Strahlentherapie, Chemotherapie, Alternativmedizin, Genetik und Prävention auseinander. Sharon Batt ist eine der weltweit bedeutendsten Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem Themenkomplex Interessenkonflikte, Pharmaindustrie und Brustkrebs aus der Perspektive von Frauen befassen.

PhD Thesis

In ihrer Habilitationsschrift (PhD Thesis) vom Februar 2012 mit dem Titel From Grass Roots to Pharma Partnerships: Breast Cancer Advocacy in Canada (Von der Selbsthilfe zu Pharmapartnerschaften: Brustkrebs-Interessenvertretung in Kanada) hat Batt die Arbeitsweise von Brustkrebsorganisationen in Kanada untersucht hat.

Von der Selbsthilfe zu Pharmapartnerschaften untersucht die Entwicklungen der letzten 20 Jahre, die Bündnisse zwischen Brustkrebs-Basisgruppen in Kanada und der pharmazeutischen Industrie, ihre Auswirkungen auf die pharmazeutische Industrie sowie ihre Auswirkungen auf die Pharmapolitik.

Die Bündnisse zwischen Patientinnengruppen und Pharmaindustrie hätten die kritische Interessenvertretung, ihren Inhalt und Stil in einer Weise verändert, die sie zur Unterstützung der politischen Ziele der Pharmaindustrie hin entwickelt.

Das Spektrum der Brustkrebsorganisationen umfasse unterschiedliche Reaktionen von der völligen Ablehnung von Mitteln aus der Pharmaindustrie bis hin zu Lobliedern auf die Pharmaindustrie und der vollständigen Finanzierung durch Pharmamittel. Im Mittelfeld befinde sich die „pragmatische Ambivalenz“.

Batt beschreibt auch die Merkmale der Verschiebungen in der kanadischen Politiklandschaft, die sich sukzessive durch neoliberale Politikstrategien verändert hat, die auch den Charakter des Patienten beeinflusse. Das kanadische System habe sich nach Batt in den vergangenen 30 Jahren schlecht an die Dilemmata angepasst, die durch die neue Generation teurer Krebsmedikamente entstanden seien. Das System der Kostenkontrolle, Medikamentenzulassungen und die Ansprüche an wahrheitsgemäße Informationen zu Medikamenten habe sich verschlechtert.  Die Verschlechterung traditioneller Förderung der kritischen Interessenvertretung habe die Kraft des zivilgesellschaftlichen Sektors untergraben. In Kanada haben sich Selbsthilfegruppen zu Brustkrebs allmählich zu einem nationalen Netzwerk – eine nationale „Engagementstrategie“ wird auch in Deutschland forciert – zusammengeschlossen, in dem sich viele auf die Unterstützung der pharmazeutischen Industrie verlassen würden.

Eine Reihe von Fallstudien zeige, wie Gruppen, die von der pharmazeutischen Industrie finanziert werden, zu subtilen Fehlinterpretationen des Wissensstandes bei den neuen Krebsmedikamenten kämen. Die Ergebnisse legten nahe, dass diese Gruppen das Potential böten, wichtiges Wissen aus der Nutzerinnenperspektive zum Verständnis von Medikamenten und Pharmapolitik beizutragen. Um dies sicherzustellen, benötigten diese Gruppen industrieunabhängige Finanzierungsquellen, die schmerzlich vermisst würden.

Politische Ansätze seien notwendig, um zu verhindern, dass diese Patientinnengruppen zu Chearleadern für neue Medikamente, deren Wirkungsweisen weiterhin weitgehend unerforscht seien, oder unwissentlich zu Partnerinnen in einer breiteren Konzernstrategie würden, die für die Zulassung neuer Industrieprodukte entwickelt worden sei, um sie aus Versicherungsleistungen zu finanzieren.

Weiterlesen

Social Disease – Krankheit der Gesellschaft: Übersetzung von Sharon Batts Rezension Breast Cancer: Society shapes an Epidemic“ [Brustkrebs: Wie die Gesellschaft eine Epidemie prägt] hrsg. von Anne S. Kasper und Susan Ferguson (2001)

Den Fluss der Medikamente in unser Trinkwasser stoppen: Was wir tun könnenÜber Sharon Batts Arbeit zu Medikamenten, die im Trinkwasser landen (2003, 2005)

Veröffentlichungen

Patient No More: The Politics of Breast Cancer. Charlottetown, PEI: Gynergy Books, 1994.  UK: Scarlett Press, 1994. Australien, Neusseeland:  Spinifex, 1996.

Beyond Early Detection: A New Look at Breast Cancer. Montreal, QC: DES Action Canada, 1996. À bout de patience: les enjeux de la lutte au cancer du sein. French translation. Montreal: Rémue-menage, 1998.

Marching to Different Drummers (pdf): Health Advocacy Groups in Canada and Funding from the Pharmaceutical Industry by Sharon Batt. Women and Health Protection, January, 2005. Auch erschienen in The Push to Prescribe (mit Link zu einem Webinar u.a. mit Sharon Batt)

Patients’ Groups, Pharmaceutical Company Partnerships and the  Negotiated Meanings of  “What Patients Need” in Canada (pdf). Tagungsbeitrag für Health Politics in an Interconnected World: The 13th Berlin Roundtables on Transnationality. Irmgard Coninx Foundation, Social Science Research Center Berlin and Humboldt-Universität Berlin,  1. – 5. Dez. 2010

 

Auszeichnungen

Finalist, QSPELL – Best Non-Fiction Book in English by a Quebec Writer for Patient No More, 1995.
Laura Jamieson Award – Best Feminist Book Published in Canada in 1994 for Patient No More, 1995.
National Media Awards Competition fo Excellence in Health Reporting for The Cancer Personality, 1991.
Major Armstrong Award for excellence in Broadcasting for The Cancer Personality, 1991.

Author: BCAG on 19. Februar 2012
Category: Biomedizinische Forschung, Charity, Gesellschaft, Pharma, Who's who
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