Die Zeitschrift nature hat sich mit ihrer Beilage „outlook[i]“ im Mai 2011 dem Thema „Krebsprävention“ (Cancer Prevention) zugewandt, wenn auch überwiegend nicht tatsächlich der „Prävention“ im Sinne einer Vermeidung von Krebs. Im Vordergrund stehen eher industrielle Strategien wie „Chemoprävention“, zum Beispiel die Gabe von Medikamenten, die Krebsrisiken vermindern sollen.
Breast Cancer Action Montreal - Wir denken, Brustkrebs muss nicht sein
In „Tagesordnung Prävention“ (>>> The prevention agenda) stellt Tiffany O’Callaghan einige interessante Inhalte zusammen. Screening habe Auswirkungen gezeigt (Beispiel Gebärmutterhalskrebs mit einer Senkung der Sterblichkeit von 5,5 je 100.000 Frauen im Jahr 1975 auf 2,4 im Jahr 2007, weitere Hoffnungen ruhen auf Impfstoffen, so die Autorin). Global sei Krebs jedoch weiterhin ein großes Gesundheitsproblem. Erwartet würden nach Zahlen der Amerikanischen Krebsgesellschaft ASC 12,7 Millionen Neuerkrankungen (davon bekanntlich über 1 Million an Brustkrebs) sowie nach wie vor 7,6 Millionen krebsgedingte Todesfälle jedes Jahr.
Krebs – Ursachen
Zum Beispiel Rachen: Vor einem halben Jahrhundert hätten 75% der britischen Männer geraucht, heute seien es nur noch um die 20%. Die Anzahl der Lungenkrebsopfer bei Männern im mittleren Lebensalter habe sich bereits halbiert, nicht nur in Großbritannien, ein Fortschritt bei der Vermeidung von Krebs. 90% der Lungenkrebserkrankungen gingen auf das Rauchen zurück, etwas weniger als jeder 6. Raucher erkranke. [Ein kleiner Teil der Brustkrebserkrankungen wird ebenfalls dem Rauchen zugeschrieben.]
Genannt werden außerdem die bekannten Ursachen:
BRCA-Genveränderungen im Zusammenhang mit Brust- und Eierstockkrebs,
„Lebensstil / Brustkrebs (und andere Krebserkrankungen) / Übergewicht“, insbesondere im Zusammenhang mit der Zunahme der starken Verbreitung von Übergewicht in den beiden letzten Jahrzehnten.
Umwelteffekte auf die Entstehung Krebs werden am Rande wenig konkret ebenfalls erwähnt.
Krebsvermeidung – Was muss sich ändern?
Als Beispiel dafür, wie schwer es sei, Wissen in Vermeidungsstrategien umzusetzen, wird wiederum das Rauchen genannt. Bereits in den 1950er Jahren sei auf der Basis epidemiologischer Daten von >>> Richard Doll belegt worden, dass Rauchen Lungenkrebs verursache. 60 Jahre hat es gedauert, bis immerhin eine Reihe von schützenden Maßnahmen gesellschaftlich wirksam werden konnten. [Anmerkung: Vielfältige industrielle Strategien bei der Vermarktung von Zigaretten, die bis heute eine Rolle spielen, sind ursächlich für Verzögerungen.]
Krebs – Die vermeidbare Krankheit
Breast Cancer Action Montreal lässt es seit vielen Jahren von ihrer Webseite prangen: Brustkrebs muss nicht sein [We believe breast cancer doesn’t have to happen.]. Es sei gesellschaftlich noch nicht voll akzeptiert, dass Krebs eine vermeidbare Erkrankung sei, so O’Callaghan. Der fatalistische Blick auf die Krankheit [als unvermeidbares Schicksal] sei in den USA weit verbreitet. >>> Peter Boyle vom >>> International Prevention Research Institute (iPRI) mit Sitz in Lyon habe auf die Verlagerung von „schlechten Angewohnheiten“ der Industrienationen, die diese in die ärmeren Regionen exportierten – z.B. Rauchen, Ernährungsgewohnheiten und Alkoholkonsum – hingewiesen. Oft verschärft durch die fehlende Infrastruktur, die Krankheit zu behandeln, würden diese ärmeren Länder in den nächsten Jahrzehnten von „der Krankheit der entwickelten Länder“ „behämmert“ („absolutely hammered“).
Krebs – Vermeidung kostet
Präventionsforschung koste Geld, so O’Callaghan in nature weiter, doch Therapie – und nicht Vermeidung – werde bevorzugt erforscht. Die Priorisierung von Vermeidung erfordere ein Langzeitdenken, während Regierungsziele mit jeder Wahl wechselten. Vor 10 Jahren waren immerhin 11,4% des jährlichen Budgets des National Cancer Institute vorgesehen für Vermeidung und Krebskontrolle. Seit damals seien die Mittel kontinuierlich gesunken. „Defunding“, das Zurückfahren von Förderung, trifft, am Rande angemerkt, gerade auch Frauengesundheit. Nach Zahlen des G20 Gipfels im Jahr 2010 gehen heute weniger als 4% der öffentlichen Gelder in die Forschung zur Krebsvermeidung.
Behandlung sei dringlich, aber selbst Krebsüberlebende würden in Sachen Ursachenforschung fahnenflüchtig. „Heilung“ oder eine selbst kurze „Überlebenszeitverlängerung“ erschiene der Öffentlichkeit [medial seit Jahrzehnten forciert] offensichtlich realistischer als Krankheitsvermeidung.
Es sei nicht genug, ein paar Mäuse mit Karzinogenen zu kontaminieren. Menschliches Verhalten und Psychologie spielten ebenfalls eine Rolle. Und dann geht es weiter mit den hohen Kosten der Entwicklung neuer Medikamente und den Problemen, die spezifisch sind für die Entwicklung von Medikamenten zur Krankheitsvermeidung (keine/r will sie testen, die Ergebnisse brauchen Jahrzehnte, Märkte müssen erhalten bleiben, es rechnet sich nicht …).
Action Cancer du Sein de Montréal - Wir denken, Brustkrebs muss nicht sein
Immerhin, „Prävention“ kommt auf die Tagesordnung, wenn auch der Fokus der Erkenntnis wenig mit Gesundheit und Vermeidung zu tun hat – bisher. Es sei vielleicht auch eine Frage, altes Wissen neu zu entdecken, uns selbst an uralte Weisheiten zu erinnern. O’Callaghan schließt mit einer Anspielung auf >>> Thomas Morus, einen Philosophen des 15. Jahrhunderts, der damals schrieb, es sei besser, Krankheit zu vermeiden als sich Medizin zu wünschen. Und das passt zum „Claim“, der von der Webseite des >>> iPRI prangt – Vermeidung ist viel besser als Heilung, weil es die Mühen des Krankseins spart. (Prevention is so much better than healing because it saves the labour of being sick, Thomas Adams 1618.)
Text: Breast Cancer Action Germany (Wir denken, Brustkrebs muss nicht sein.)
[i] Vol. 471 No. 7339_supp ppS1-S22, die einzelnen Artikel sind frei zugänglich. nature outlook “Cancer Prevention” wurde gesponsert von Janssen (Johnson & Johnson).
Ist Brustkrebs ein „Angriff aus dem Nichts“, wie im aktuellen arte Themenabend gerade vorgestellt? Was die Krankheit auslöst, wissen wir nicht, hieß es dort. Nur nicht aufmüpfig werden, der „westliche Lebensstil“, dem Frauen heute nur schwer entkommen können, steht nicht zur Diskussion. Bisphenol A ist nicht „nichts“, sondern ein Umwelthormon in unserer Lebenswelt, das sich von der Säuglingstrinkflasche über Lebensmittel- und Getränkeverpackungen aus dem Leben von Frauen heute schwer wegdenken lässt. Jetzt wurde es immerhin in Plastikflaschen für Babys verboten, nachdem die meisten von uns sie für die Generation unserer Kinder – von Behörden als unbedenklich eingestuft – benutzt haben. Die Stoffe seien sicher. So erklären es unermüdlich die Behörden von Bundesämtern über EFSA bis zur WHO bei neuen Stoffen und Nahrungmitteln, Arzneien und Untersuchungsmethoden. Doch das Glaubwürdigkeitsproblem dieser Behörden nimmt zu. Sie halten Daten unter Verschluss, beschäftigen Mitarbeiter, die Interessenkonflikte haben und gleichzeitig für die Industrie tätig sind, oder sie arbeiten eng mit Lobbyisten zusammen, ohne dass erkennbar wäre, welchen Nutzen BürgerInnen davon haben sollen.
Bisphenol A wird für eine ganze Reihe von schweren gesundheitlichen Problemen verantwortlich gemacht, darunter Brustkrebs. Welches sind die Hauptquellen für Bisphenol A in unserem Körper? Und was passiert mit den BPA-Werten, wenn diese Hauptquellen entfernt werden? >>> Breast Cancer Fund und das nach dem Buch >>> Der stumme Frühling(Silent Spring) der Biologin Rachel Carson benannte >>> Silent Spring Institute haben in der wissenschaftlichen Umweltfachzeitschrift Environmental Health Perspectives gerade eine Studie veröffentlicht, die dieser Frage nachgeht.
Der Test
Verglichen wurden fünf Familien, die sich zunächst nach dem „normalen“ Muster westlicher Ernährungsgewohnheiten mit verpackten Fertigprodukten ernährten und dabei eine Woche lang beobachtet wurden. Es folgten drei Tage mit frisch zubereiteten Mahlzeiten, die nichtmit BPA-haltigen Lebensmittelverpackungen (wie Konserven und Kunststoffen) in Kontakt gekommen waren. Schließlich wurde wieder auf die „normale“ Ernährung mit verpackten Lebensmitteln gewechselt. Während der gesamten Zeit wurden die BPA-Werte der Testfamilien gemessen.
Das Ergebnis
In der Phase der Nahrungaufnahme mit frischen Lebensmitteln sanken allein in diesem kurzen Test die BPA-Werte bei den Testpersonen um 60%, bei Testpersonen mit den höchsten BPA-Werten sogar noch stärker, nämlich um 75%.
Dieses Ergebnis wird von Breast Cancer Fund (einer Organisation, die sich der Vermeidung von Brustkrebs widmet) als bahnbrechend bezeichnet, da es zeige, dass Lebensmittelverpackungen die Nummer 1 bei den Verursachern in Sachen BPA-Exposition sind.
Was ist BPA?
BPA ist ein sogenannter „endokriner Disruptor“, der im Körper des Menschen als „Hormon aus der Umwelt“ wirksam ist und z.B. hochpotente östrogene Wirkungen hat. Diese Hormone können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen und Krebswachstum fördern.
Lieb gewordene Gewohnheiten und Bequemlichkeiten können wir, wenn wir dies wollen, selbst über Bord schmeißen. Wir können frische Lebensmittel kochen und auf Lebensmittel, die in Konserven verpackt sind, verzichten. Fast sämtliche verpackten Lebensmittel sind kritisch, denn bei Glasverpackungen können die Deckel den Inhalt kontaminieren. Bei Tiefkühlkost können die Pappkartons beschichtet sein oder die Ware ist zusätzlich häufig ebenfalls in Plastik eingepackt. All diese verpackten Waren und Produkte können wir vermeiden, wenn wir das wollen. In unserer Küche können wir auf Glas und Edelstahl zurückgreifen und besonders in der Mikrowelle sollten wir keine Kunststoffprodukte benutzen. (Weitere kleine Tipps des Silent Spring Institute s. unten)
Risiken für alle vermeiden
Um die Problematik der Vermeidung nicht nur zum persönlichen Problem herabzustufen, können wir aber noch mehr tun, um unsere BPA-Exposition zu verringern. Wir können Druck auf PolitikerInnen und Industrie ausüben, damit sämtliche Verpackungsmaterialien, die hormonell aktive Substanzen enthalten, bei der Verpackung von Nahrungsmitteln zukünftig vermieden werden. Das >>> Verbot von Bisphenol A in der Säuglingsflasche zum 1. März 2011 ist also nur ein Anfang. Wir wollen ungiftige Nahrungsmittel, und es gibt ungiftige Möglichkeiten, Lebensmittel zu verpacken. Sie sind vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz so bequem, aber >>> Plastik gefährdet das Leben auf unserem Planeten auf vielen Ebenen. Deswegen müssen weitere Reformen eines kaputten Systems, das die Interessen der Industrie bei der Vermarktung gefährdender Produkte hinter die Gesundheitsinteressen von Menschen stellt, entwickelt werden.
Wir danken Dr. Janet Grey, Breast Cancer Fund, und dem Silent Spring Institute für ihre wichtige Arbeit!
Quellenangabe
Rudel RA, Gray JM, Engel CL, Rawsthorne TW, Dodson RE, et al. 2011: Food Packaging and Bisphenol A and Bis(2-Ethylhexyl) Phthalate Exposure: Findings from a Dietary Intervention. Environ Health Perspect doi:10.1289/ehp.1003170
Eine ungewohnt kritische Dokumentation zu Krebs und den Ursachen ist Marie-Monique Robins Dokumentation “Unser tägliches Gift”, die auch als DVD für € 19,95 in der arte Edition erhältlich ist.
Wiederholungen:
18.03.2011 um 10:10
26.03.2011 um 14:30
Unser täglich Gift
(Frankreich, 2010, 113 min)
ARTE F
Ankündigung des Films bei arte:
“Immer mehr Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Krebserkrankungen, Immunschwächen, Diabetes sowie neurologischen Erkrankungen und der sich verändernden Ernährung der Menschen. Der Wunsch, immer mehr Lebensmittel herzustellen und sie für längere Zeit haltbar zu machen, hat dazu geführt, immer häufiger chemische Zusätze in Nahrungsmitteln zu verarbeiten. Filmemacherin Marie-Monique Robin hat recherchiert, unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert, verarbeitet und konsumiert werden.
Seit 30 Jahren ist eine ständige Zunahme von Krebserkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen, wie Parkinson und Alzheimer, Immunschwächekrankheiten sowie Diabetes und Fortpflanzungsstörungen zu beobachten. Wie lässt sich diese beunruhigende Situation erklären, die sich vor allem in den sogenannten entwickelten Ländern feststellen lässt? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, recherchierte Filmemacherin Marie-Monique Robin zwei Jahre lang in Nordamerika, Asien und Europa.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien verdeutlichen – und das bestätigen auch die Aussagen von Vertretern der entsprechenden Zulassungsbehörden für Lebensmittel in den USA und Europa: Die Hauptursache ist in der Umwelt und in der Ernährung des Menschen zu suchen.
Der Dokumentarfilm beleuchtet, unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert, verarbeitet und konsumiert werden, und zwar vom Feld bis auf den Teller, von den verwendeten Pestiziden bis hin zu Zusatzstoffen und Kunststoffen, mit denen die Lebensmittel in Berührung kommen. Am Beispiel von verschiedenen Pestiziden, vom Süßstoff Aspartam und von der in vielen Verpackungen enthaltenen Substanz Bisphenol A wird deutlich, wie mangelhaft und ungeeignet die Bewertungs- und Zulassungsverfahren für chemische Lebensmittelzusätze sind. Der Dokumentarfilm zeigt außerdem, mit welchen Mitteln die Industrie Druck ausübt und manipuliert, um weiterhin hochgiftige Produkte vermarkten zu können.
Schließlich wird vor allem deutlich gemacht, wie der Mensch sein Immunsystem durch gesunde Ernährung stärken kann. Dass dies möglich ist, beweisen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.”
arte hat sich viel Mühen gemacht, diverse Unterseiten berichten zu der Dokumentation:
Popcorn-Tool (was auch immer der Name besagt, hier gibt die nachfolgenden Videoausschnitte, die online betrachtet werden können – und hoffentlich noch eine Weile verfügbar bleiben … )
zu Pestiziden
Text arte: Wie kann man wissen, ob ein Pestizid gesundheitsschädlich ist? Die Antwort darauf sollte sich im Internationalen Institut zur Krebsforschung finden lassen, von wo aus sämtliche Studien zu chemischen Produkten koordiniert werden. Doch ist dem wirklich so?
Aspartam
Text arte: Sein richtiger Name ist E951 und man findet es in zahlreichen Nahrungsmitteln. E951, das ist Aspartam, der beliebteste Süßstoff der Welt. Ein Schlankmacher, der zahlreiche Gesundheitsrisiken aufwirft. Hier seine unfassbare Geschichte.
Bisphenol A
Text arte: Plastik ist eine wesentlich lebendigere Materie, als Sie es sich vorstellen können. Und vielleicht auch eine gefährlichere. Der Fall des Bisphenols A, das sich unter anderem in Babyschnullern wiederfindet, sorgt derzeit international für Gesprächsstoff.
Indien
Text arte: Der Bundesstaat Orissa in Indien weist eine Besonderheit auf: Hier gibt es um ein Hundertfaches weniger Krebsfälle und Fettleibigkeit als in den westlichen Gesellschaften. Seine Einwohner leben und ernähren sich von traditionell indischer Kost. Es ist schwer, da keinen Zusammenhang zu finden.
Nicht so gut wie in der Dokumentation selbst zeigen sämtliche Online-Materialien weniger, wo das eigentliche Problem liegt: Industrielle Interessen, kommerzielle Interessen und das “liebe Geld” sorgen dafür, dass VerbraucherInneninteressen konsequent unberücksichtigt bleiben. Wie gehabt bei der Zulassung von Medikamenten, Tabak oder Asbest: Interessenkonflikte sorgen dafür, dass wir uns jahrzehntelang anhören: Alles ist sicher. Allen voran WHO und FDA, die heute ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem haben. PolitikerInnen kommentieren diesen Zustand nur noch, oft nicht einmal besonders fachkompetent, und manche arbeiten eben auch für die Geldgeber, über kurz oder lang oder nebenbei. Der “schwarze Peter” wird an VerbraucherInnen zurückgeschoben: “bio” einkaufen. Und was hilft es, wenn wir heute, über 20 Jahre, nachdem unsere Kinder mit niedlichen Plastikflaschen gefüttert wurden, endlich wissen: sie verursachen den Krebs und Unfruchtbarkeit? Vorsorgendes Prinzip – das wäre es. Aber statt dessen wird man heute einige Produkte, von denen sich nicht mehr verheimlichen lässt, dass sie tödlich wirken, vom Markt nehmen, nur um sie durch neue gesundheitsgefährdende, aber profitable Produkte zu ersetzen.
Der Film „The Idiot Cycle“ wird erstmals am 7. Dezember in Oregon und in Sacramento an der Universität von Kalifornien in den Vereinigten Staaten gezeigt.
Von Tim King – Salem-News.com[Salem ist Hauptstadt des US-Bundesstaates Oregon, Salem-News ist ein unabhängiges lokales Nachrichtenmedium vor Ort ]
Ein neuer Film über die Realität des Lebens und Krebs
(Salem – Paris) Ich glaube, der neue Film The Idiot Cycle, der die besten Krebsverursacher weltweit bringt, könnte genauso gut „Das Geschäft mit dem Krebs“ heißen, denn er zeigt die dunklen und schmutzigen Seiten von Unternehmen wie Bayer, BASF, Dow, Dupont, Monsanto, Syngenta, Novartis, Pfizer und anderen.
Dieses Land liegt am Boden und tatsächlich wird auf lange Sicht die ganze Welt abgezockt, aber alles hat einen rot-weiß-blauen Anstrich.
Es ist vorbei, Kinder, und was richtig gut aussah, ist nichts als eine vorübergehende Illusion. Ich hasse es, das zu sagen, aber ich glaube nicht, dass es irgendeinen Weg gibt, um die Uhren zurückzudrehen. Wir sind ruiniert, unsere Nahrung und unsere Trinkwasserversorgung ist kontaminiert, speziell durch die Beteiligung der amerikanischen Wirtschaft. Und unsere Kinder haben ein so stark ansteigendes Risiko, an Krebs zu erkranken wegen dieser amerikanischen Geschäftspraktiken, so dass du schon anfangen könntest dich zu verabschieden.
Wir haben jahrelang über die schrecklichen Krankheiten ehemaliger US-Marines, die in Camp Lejeune in North Carolina und El Toro stationiert waren, berichtet. In beiden Basen wurden sie mit Schadstoffen aus dem Erdreich und dem Wasser kontaminiert, sie kamen in Berührung mit Substanzen wie Benzol, Trichlorethylen (TCE), Perchlorethylen (PCE) und einer lange Liste von anderen Verunreinigungen. Marines und Ehemalige, ihre Familien und die Angestellten der Basen hatten mit einer Vielzahl von Krankheiten, davon auch tödlich verlaufende, einschließlich Krebs, Erkrankungen des Verdauungssystems und Geburtsschäden bei ihren Kindern zu kämpfen. Das ist erst der Anfang.
Ein großer Teil des Films ist Monsanto gewidmet und das muss wohl sein. Die Produzentinnen vertiefen sich nicht in Monsantos reale Geschichte als dem amerikanischen Konzern, der diese schreckliche Substanz hergestellt hat, die Agent Orange heißt und im Vietnamkrieg benutzt wurde, um die Wälder zu entlauben, während die Amerikaner da waren.
Und die Amerikaner wurden selbst schrecklich betroffen, von den Veteranen aller Dienste bis zu Zivilpersonenen wie Lesli Moore Dahlke [… mehr zu Lesli Moore Dahlke]. Sie war Teil einer USO-Tour im Jahr 1970, die sie zu allen möglichen Plätzen in Vietnam führte. Heute leidet sie ebenfalls an den Folgen der Kontamination mit Agent Orange und ist bereits mehrfach an Krebs erkrankt. Und dennoch kann sie sich an niemanden wenden, weil die Regierung die Verantwortung für ihre Krankheiten nicht übernimmt. Dies ist nur eine von so vielen schrecklichen Geschichten, die auf das Konto von Monsanto und ihren unverantwortlichen Entscheidungen gehen, den Gebrauch von ungetesteten Chemikalien zu fördern. Oh, sie werden sagen, dass schon Tests durchgeführt worden seien, doch sie geben sich selbst die Spielregeln dafür. Und wissen genau, dass sie hinter so vielen Krebstodesfällen stehen, dass man sie nicht zählen kann.
Eine andere etwas komplizierte Geschichte ist die der Krebs verursachenden Stoffe, die uns in den Regalen unserer Supermärkte präsentiert werden. Selbst eine Baby-Badewanne in Amerika wird aus einem bekannten krebserregenden Stoff hergestellt. Europa hat die gleiche Substanz verboten, was hat uns dahin gebracht?
Gier und Profit
Monsanto und Dow und DuPont sollten alle geschlossen werden und die Eigentümer sollten besser Solarparks darauf bauen. In den wenigen Fällen, wo ihr Land nicht total vergiftet ist, sollte es genutzt werden, um Hanf darauf anzubauen und die lange Liste der Kunststoffprodukte, die sie in erster Linie produzieren, zu ersetzen. Der Film stand im Zentrum der Diskussion, seit ihm die Haftpflichtversicherung aufgrund des Themas versagt wurde, was in der Konsequenz bedeutet, dass er in den USA und in Kanada wahrscheinlich nicht im Fernsehen gezeigt wird, und auch der Direktor die Universität von Montpeiller [Frankreich] hat aktuell die Vorführung des Films abgesagt, als er hörte, dass es in dem Film auch um BASF, einen Sponsor seiner Einrichtung, geht.
Diese Unternehmen sind es, die zurzeit die gentechnisch veränderten Organismen („GMO’s“) entwickeln, die ebenfalls auf ihre langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen wie Krebs nicht getestet wurden. Parallel zur Entwicklung dieser unnatürlichen Nahrungsmittel gibt es eine Infrastruktur der Unterstützung und Ergänzung, buchstäblich zur Modifikation der Muster der Natur, so wie es April Scott in ihrem Artikel Feeding the Hungry or Population Control? (Nahrung für die Hungrigen oder Bevölkerungskontrolle) beschreibt.
Russische Wissenschaftler sind nicht die einzigen, die davor gewarnt haben, dass es gesundheitliche Auswirkungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln (GMO’s) gibt. Wir sollten auch nicht vergessen, dass bereits Wissenschaftler gefeuert wurden, nachdem sie schwere gesundheitliche Auswirkungen bei Tieren entdeckt hatten, nach der Fütterung gentechnisch veränderter Lebensmittel.
Ignacio Chapela von der Universität von Berkeley und Arpad Pusztai vom schottischen Rowett Forschungsinstitut für Ernährung und Gesundheit glaubten zunächst an das Potential der GMO’s und hatten den Auftrag zur Durchführung einer ersten unabhängige Studie zur Untersuchung der Auswirkungen von gentechnisch verändertem Tierfutter. Die Studien zeigten Wachstumsstörungen, Beeinträchtigungen des Immunsystems, Magenblutungen, außergewöhnliches und potenziell präkanzeröses Zellwachstums des Darms, Störungen der Blutbildung, deformierte Zellstrukturen in der Leber, der Bauchspeicheldrüse und den Hoden, Veränderungen der Genexpression und im Zellstoffwechsel, Leber- und Nierenläsionen, entzündete und teilweise verkümmerte Lebern, Nieren, weniger entwickelte Organe, reduzierte Verdauungsenzyme, erhöhte Blutzuckerwerte, entzündetes Lungengewebe, eine erhöhte Sterblichkeit und eine höhere Mortalität auch beim Nachwuchs.
Der Film konzentriert sich auf sechs große Unternehmen: Dow Chemical, Bayer, BASF, Monsanto, Dupont, and Astrazeneca. Er wurde in acht Ländern, einschließlich der USA gedreht. Der Film „ The Idiot Cycle“ wurde gerade mit dem „Green Report Award“ ausgezeichnet und war auf den größten Dokumentarfilm-Festivals weltweit ausverkauft:
RIDM / Montreal
IDFA / Amsterdam
die Slow Food Bewegung zeigte in Italien die Premiere des Films
Verve Girl (Toronto) verglich den Film mit Al Gores “Eine unbequeme Wahrheit”
Global TV bezeichnete den Dokumentarfilm mit “must see”
Große Universitäten von Oxford bis Toulouse haben den Film gezeigt, einige Universitäten sogar in mehreren Vorführungen
Die International Agency for Research on Cancer IARC plant eine spezielle Vorführung für ihre Mitarbeiter
Der Film hat keinen Verleih und keine Unterstützung durch einen Fernsehsender, so dass sich seine Existenz nur mündlich – bzw. mit kleinen Medien im Internet – herumsprechen kann. Nach der europäischen Premiere in Amsterdam zeigte auch ein französischer Fernsehsender Interesse, so dass die Dokumentation ab Anfang 2011 zumindest in Europa ins Fernsehen kommt.
Salem-News.com hat einen kleinen Vorgeschmack auf The Idiot Cycle erhalten und ich kann Ihnen sagen, dies ist ein extrem wichtiger Film ist.
Die Offenlegungen sind erschreckend; ein früherer Monsanto-Anwalt, der als Richter später ausschließlich Urteile zu Gunsten von Monsanto gefällt hat, unabhängig davon, was die wissenschaftliche Beweislage hergibt, bzw. wie man sie in ihr Gegenteil verkehrt.
Die Filmclips, die hier beigefügt sind, zusätzlich zum aktuellen Trailer, zeigen genau, worum es in diesem Film geht. Es ist wichtig, dass alle Menschen weltweit diesen Film sehen. Afrika werden GMO’s aufgezwungen unter der Vorstellung, dass sie helfen, „die Welt zu füttern“ und es ist politische Propaganda zur Geldschneiderei vom Feinsten. The Idiot Cycle zeigt die minimalen Tests, die durchgeführt wurden und der Film zeigt auf, dass die am längsten nachbeobachteten Perioden, die überhaupt verfügbar sind, gerade mal vier Jahr betragen.
Der Ausbruch der Krebserkrankung in den Opfern ist häufig über einen Zeitraum von fünfzehn bis zwanzig Jahren programmiert.
Über den Autor
Tim King ist Herausgeber von und Journalist bei Salem-News.com. Gebürtig in Los Angeles ist er ein ehemaliger U.S. Marine, Nachrichtenproduzent und Fotojournalist. Tim King war Kriegsberichterstatter in verschiedenen Kriegen und ist mit diversen journalistischen Preisen für seine Arbeiten ausgezeichnet worden ist. Mehr zu Tim King s. auch im Originalartikel: Movie Breaks All Rules Exposing Cancer Origins[Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung und Dank an Tim King, Übersetzung Gudrun Kemper]
Die EU soll den Schutz der BürgerInnen vor Krebs verursachenden Chemikalien verbessern. Das berichtete Martha Moss aus einer Diskussion im EU-Parlament in “The Parliament” vom 30.11.2010
Eine europäische Frage
Sirpa Pietikäinen - Finnische Europa-Abgeordnete für mehr Umweltverantwortung der EU
Die meisten Wirkungen dieser Chemikalien seien unsichtbar, was es nicht leichter macht, die Zusammenhänge zwischen Krebserkrankung und diesen Umweltschadstoffen zu erkennen, so EVP-Stellvertreterin Sirpa Pietikäinen aus Finnland. Es sei jedoch wichtig, für mehr Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit Umweltschadstoffen zu sorgen, und das passiere bisher zu wenig. Umweltpolitik sei eine europäische Frage, während die Gesundheitspolitik in die nationale Zuständigkeit falle. Aber in Umweltfragen könne das EU-Parlament auf EU-Ebene für in allen Ländern bindende Beschlüsse sorgen.
Sandra Steingraber: Ökonomie und Chemiekalien trennen
Auch Sandra Steingraber, die amerikanische Biologin und Umweltaktivistin, die mit ihrem Buch und der nun auch verfügbaren filmischen Dokumentation >>> Living Downstream unermüdlich auf Umweltgifte und die Folgen für unsere Gesundheit und die zunehmende Zahl der Krebserkrankungen hinweist, formulierte für Europa die Verantwortlichkeit der Regierungen, wirksame Maßnahmen zum Gesundheitsschutz umzusetzen. Sie selbst ist als Kind mit Substanzen, wie sie in chemischen Reinigungen eingesetzt werden, kontaminiert worden und im Alter von 20 Jahren an Krebs erkrankt, so wie einige ihrer nächsten Angehörigen auch. „Wir müssen unsere Ökonomie von diesen Chemikalien trennen“ (We need to divorce our economy from those chemicals), so Steingraber in “The Parliament”. Krebs sei eine Frage der Menschenrechte, und die zunehmenden Beweise dafür, dass Umweltbelastungen eine viel größere Rolle bei der Entstehung von Krebs spielten, als bisher zugegeben würde, führe auch zu einer moralischen Verantwortung, den Blick auf diese Chemikalien zu richten und sie aus der Nahrung und dem Wasser zu entfernen. Im Sinne eines vorsorgenden Gesundheitsschutzes könne es nicht erwünscht sein, dass wir uns Krebs erregenden Stoffen aussetzten. Der Erfolg gegen die Tabaklobby sei ein Anfang, der beispielhaft dafür ist, wie auch andere Krebs verursachende Stoffe erfolgreich bekämpft werden könnten. Krebs verursachende Stoffe sollten nicht mehr selbstverständlich als normal akzeptiert werden. Doch der Weg zu dem von Sandra Steingraber geforderten Löschen dieser Substanzen aus wirtschaftlichen Zusammenhängen wird allein deshalb nicht so leicht sein, weil viel Geld damit verdient wird.
Bekannte Umweltgifte und Karzinogene seien bestimmte Pestizide, und das Engagement, die gefährlichen Stoffe vom Markt zu nehmen, müssten beschleunigt werden, forderte Genon Jenson, der die europäische Health and Environment Alliance HEAL leitet. HEAL befasst sich bereits länger auch mit Brustkrebs und Umweltbelastungen und hat dazu sogar einen Flyer in deutscher Sprache veröffentlicht: Brustkrebs – Verhindern, was zu verhindern ist (>>> Download als pdf).
Andrew Watterson von HEAL und der englischen University of Stirling gehörte auch zu den Initiatoren des Hearings im EU-Parlament vom vergangenen Montag, bei dem WissenschaftlerInnen, EU-Abgeordnete und Gesundheitsorganisationen Umweltbelastung und Krebsentstehung diskutierten. Watterson erwartet einen weiteren Anstieg der Krebserkrankungsraten von 14% bis zum Jahr 2020.
WECF und AKF nehmen mit der neuen Broschüre „Die verkannte Gefahr – Umweltbelastung und Brustkrebs“ den Zusammenhang von Umweltbelastungen und Brustkrebs unter die Lupe und fordert mehr politisches Engagement
09.11.2010 | Johanna Hausmann
Für Ressorts Umwelt, Gesundheit, Politik, Europa, Verbraucher, Wissen - zur sofortigen Veröffentlichung
München, den 9.11.2010
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Wenn es um die Krankheit geht, dann meist um ihr medizinisches Management. Die öffentliche Darstellung von Brustkrebs ist geprägt vom Appell zur Früherkennung und von Erfolgsmeldungen zu neuen Behandlungsmöglichkeiten und pharmazeutischen Errungenschaften. Während der Fokus der Ursachenforschung auf genetischen und biochemischen Aspekten liegt, werden giftige Stoffe und hormonell wirksame Substanzen weitgehend vernachlässigt.
Diese Lücke füllt nun die längst fällige Broschüre „Die verkannte Gefahr: Umweltbelastungen und Brustkrebs“, die die beiden großen Frauenorganisationen WECF (Women in Europe for a Common Future) und Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) am vergangenen Wochenende in Berlin vorgestellt haben.
Die Broschüre, die Zusammenhänge zwischen Umweltbelastungen und Ursachen von Brustkrebs thematisiert und sich direkt an die Frauen, Politik und Medizin richtet, ist die erste Veröffentlichung dieser Art in deutscher Sprache.
„Es gibt längst Studien, die die Zusammenhänge zwischen Umweltbelastungen und Brustkrebs untersuchen“, so Alexandra Caterbow, Chemikalienexpertin von WECF. „Und es gibt Hinweise, dass verschiedene Chemikalien, mit denen wir alltäglich in Berührung kommen, die Entstehung von Brustkrebs begünstigen. Zur Verbreitung solcher Informationen wollen wir mit vorliegender Broschüre beitragen. Wir wollen eine Diskussion anstoßen, in der umfassender nach den Ursachen von Brustkrebs gefragt wird. Und wir wollen Angst abbauen und dazu ermutigen, sich in Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltpolitik einzumischen. Denn nicht nur im Zusammenhang mit Brustkrebs gilt: Heilen ist gut, doch vermeiden ist besser.“
Vermeidbare Risiken gehen beispielsweise von Umweltöstrogenen (endokrinen Disruptoren) aus, die unter anderem die Entstehung von Brustkrebs begünstigen können. Ob Bisphenol A (BPA), Phthalate, Parabene oder Pestizide in Insektenschutzmitteln und Herbizide in Pflanzenschutzmitteln, Dioxine, Flammschutzmittel, DDT-Rückstände, bedenkliche Inhaltsstoffe in Kosmetika, Hormone in der Nahrung, industrielle Karzinogene oder organische Lösungsmittel: Frauen sind heute zahlreichen vermeidbaren Gefährdungen ausgesetzt. Weniger schädliche Chemikalien bedeuten auch weniger Brustkrebs. Die Broschüre bietet Frauen Informationen zum Selbstschutz und bindet die Politik mit zentralen Forderungen ein.
Die Broschüre, die von WECF bereits in englischer, französischer und holländischer Sprache veröffentlicht wurde, wurde nun gemeinsam mit dem AKF überarbeitet und ins Deutsche übertragen. Die Broschüre ist erhältlich als >>> (pdf) Download oder gegen Portokosten unter buchbestellung@wecf.eu bzw. bei buero@akf-info.de
Pressekontakt:
Johanna Hausmann, johanna.hausmann@wecf.eu, Tel. 089-2323938-18
Über WECF
WECF ist ein internationales Netzwerk von über 100 Frauen- und Umwelt- und Gesundheitsorganisationen in 40 Ländern, die gemeinsam an einer nachhaltigen Entwicklung, dem Schutz der Umwelt und der Gesundheit sowie der Armutsbekämpfung arbeiten. Durch unsere Projekte und Programme entwickeln wir praktische und kostengünstige Lösungen im Bereich sicherer Chemikalien und Abfallmanagement, sauberes Trinkwasser und Abwasserentsorgung, sichere Energie- und Nahrungsmittelversorgung sowie Klima-, Agrar- und Artenschutz. Durch unsere politische Arbeit bringen wir die Perspektiven und Empfehlungen unserer Mitglieder in nationale, europäische und internationale politische Prozesse mit ein. WECF ist offizieller Partner von UNEP und Mitglied des Europäischen Komitees für Gesundheit und Umwelt (EEHC). Außerdem ist WECF beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) als Nichtregierungsorganisation anerkannt.
„Chemiekonzerne wollen, dass wir uns hilflos fühlen – nicht Protest“, sagt Emmanuelle Schick Garcia in einem Interview in The Ecologist im September 2010. Für die Umweltdesaster, die sie anrichten, bezahlen viele – mit ihrer Gesundheit, und manchmal mit dem Leben …
Deutlicher formuliert dies der Titel des Films „The Idiot Cycle“ (wörtlich übers. etwa: “Kreislauf für Idioten”).
Produziert wurde der Film von der in Frankreich geborenen spanisch-kanadischen Filmemacherin Emmanuelle Schick Garcia gemeinsam mitLaila Tahhar, einer in Paris geborenen Tochter marokkanischer Eltern, die an der Sorbonne zunächst einen B.A. in Wirtschaft und schließlich zwei Masterabschlüsse (Finanzwesen und Audivisuelle Medien) ablegte.
Die Selbstdarstellung von Industrievertretern ist freilich eine andere: „Es gibt nur wenig direkte Beweise für verbreitete Schäden an Gesundheit oder Ökosystem durch die Verwendung künstlich hergestellter Chemikalien“ (“There is little direct evidence of widespread ill health or ecosystem damage by the use of man-made chemicals”, s.a. Bursting the Brussels Bubble, Alter-EU 2010, ISBN 978-90-9025327-5, S. 47) schreibt Alan Perroy als Vertreter der europäischen chemischen Industrie in einem Brief an die Mitglieder des Europäischen Parlaments im Jahr 2001.
Die Filmemacherinnen beginnen ihren Film, in dem der Auseinandersetzung mit Dioxin viel Raum eingeräumt wird, mit der Erzählung eines Märchens: Es war einmal ein König, der eine Menge Gold in seinem Reich angehäuft hatte. Seine Untertanen waren sehr arm. Sie hatten nicht einmal Land für den Anbau von Nahrungsmitteln. Als die Menschen zu hungern begannen und sahen, wie ihre Familien zugrunde gingen, wurde ihnen langsam klar, dass sie nichts mehr verlieren konnten. Sie stürmten die Burg und fanden den König in einem großen Raum, wo er neben seinem Hügel aus Gold kauerte und bettelte, es nicht zu stehlen. Die Untertanen nahmen das Gold nicht. Aber sie verließen den Raum und verschlossen den König im Inneren mit den Worten: “Jetzt wirst du in der Lage sein, den wahren Wert deines Goldes kennenzulernen.” In einem Raum ohne Wasser, Luft oder die Nahrung gefangen, realisiert der König die Nutzlosigkeit des Goldes.
Dieses Märchen wurde auch eine Inspiration für den Film „The Idiot Cycle“.Es ist ein Film über Krebs. Mit ihrem Film dokumentieren die beiden Frauen der Spirale der Profitmaschinerie der weltweit größten Hersteller chemischer Stoffe:
Sie berichten, wie die Chemiekonzerne, die krebserregende chemische Stoffe herstellen und in Umlauf bringen, auch Krebstherapien entwickeln, herstellen und in diesen Markt investieren. Krebs, die profitabelste Krankheit auf unserem Planeten.
Heute werden wir mit 18 Millionen künstlich hergestellten Chemikalien bombardiert, heißt es weiter auf der Homepage zum Film. Viele davon seien in der Umwelt bereits neue Verbindungen eingegangen und bildeten damit wieder neue Chemikalien. Nur für wenige Tausend dieser synthetischen Chemikalien gibt es bisher vollständige toxikologische Profile. Keine Regierung der Welt weiß, welche Chemikalien in Verbraucherprodukten verwendet werden und was sie in welchen Mengen enthalten. „Zum ersten Mal in der Geschichte der Welt ist jetzt jedes menschliche Wesen vom Moment der Empfängnis bis zum Tod gefährlichen Chemikalien ausgesetzt.“Das schrieb bereits die Biologin und Zoologin Rachel Carson (1907-1964), die mit ihrem Buch Silent Spring die wissenschaftliche Ausgangsbasis für die weltweite Umweltbewegung erarbeitete.
Aktuell lancieren die chemischen Unternehmen mit einer ganzen Batterie von Strategien biotechnologische Verfahren. Die nächste “innovative” Grenzüberschreitung ist vollzogen, so wie bei den synthetischen Chemikalien vor einem halben Jahrhundert. Die Unternehmen entwickeln, produzieren und vermarkten jetzt mit viel Medienrummel u.a. gentechnisch veränderte Pflanzen, deren langfristige gesundheitliche Auswirkungen auf Krebs nie getestet wurden. Von diesen werden wir eines vielleicht nicht all zu fernen Tages einmal feststellen, dass sie eben doch nicht ganz so unbedenklich sind, wie man uns heute glauben machen will.
In The Ecologist vom September 2010 berichtet Emmanuelle Schick Garcia außerdem über die Verbindungen von Chemiekonzernen mit Organisationen wie der Weltgesundheitsbehörde WHO und der International Agency for Research on Cancer IARC, die VerbraucherInnen >>> unabhängige Informationen über Krebsrisiken vorenthalte, wie sie feststellt. Ihr Film dokumentiert so weitere Beispiele, wie öffentliche Interessen durch Public Private Partnerships und Interessenkonflikte gefährdet werden, während es am politischen Willen und auch am industriellen Druck scheitert, diese Umstände nachhaltig zu korrigieren.
Schick Garcia erklärt in The Ecologist auch, was mit dem unverblümten Titel „The Idiot Cycle“ gemeint ist: Wir schaffen uns selbst Probleme, aber Wirtschaft und Regierungen wollen sich nicht mit den Ursachen der Probleme auseinandersetzen. Es sei zu kompliziert und unser gegenwärtiges Wirtschaftsystem profitiere nicht davon, wie bei den gentechnisch veränderten Organismen (sog. GMO) zum Beispiel. Hier ginge es um wissenschaftliche Manipulationen. Sie seien überflüssig, aber die beabsichtigten oder unbeabsichtigten Folgen würden neue Probleme schaffen. Die Wirtschaft dagegen sähe auch Risiken mehr als neue Geschäftsfelder denn als Probleme. Für die VerbraucherInnen sei das alles nicht vorteilhaft, für die Konzerne jedoch sehr profitabel. Ein anderes Beispiel sei die Umweltverschmutzung. Die gleichen Konzerne, die die Umwelt verschmutzten, machten Profite mit der Reinigung der Umwelt, weil ihre Chemikalien (Asbest z.B.) nicht ausreichend getestet würden, bevor sie auf den Markt kämen.
Konzerne profitierten doppelt, während wir alle es so weiter laufen ließen – die immer gleiche Spirale mit wechselnden Produkten. Ein Beispiel dieser Art ist auch die Herstellung des Wachstumshormons rBGH, das zur Steigerung der Milchproduktion bei Kühen eingesetzt wird. Über die Nahrungskette aufgenommen, kann das Hormon Krebswachstum im Menschen begünstigen. Der Hersteller von Krebsmedikamenten, der multinationale Pharmakonzern Eli Lilly, den >>> Breast Cancer Action gerade mit einer Petition stoppen will – >>> wir haben berichtet – vermarktet alle drei: Produkte, die Krebs auslösen können, Produkte, die Krebs vorbeugen sollen, und Produkte die Krebserkrankungen heilen sollen.
Synthetische Chemikalien und gentechnisch veränderte Organismen haben inzwischen auch bei uns den Markt erreicht,
ohne dass ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit durch toxikologische Studien belegt wäre,
ohne ausreichende staatliche Vorschriften und
ohne öffentliche Zustimmung.
Die Konzerne testeten ihre Produkte in der gesamten Bevölkerung, Teil der Spirale des kranken Kreislaufs, so die Filmemacherinnen.
Zu Dioxin stellt Emmanuelle Garcia in The Ecologist weiter fest, dass sehr viel mehr Dioxin in Gebrauch sei, als die Regierungen der Öffentlichkeit gegenüber zugäben. Die Quellen dieser Dioxinbelastungen seien, abgesehen von städtischen Müllverbrennungsanlagen und Verbrennungsanlagen in Krankenhäusern etc., eben wieder die sechs wichtigsten Chemieunternehmen. Gefahren würden heruntergespielt, während die breite Öffentlichkeit auf dem Standpunkt stehe, dass das Problem gar nicht existiere, da es so lange bereits verschwiegen, verharmlost, heruntergespielt worden sei. Auch weist Schick Garcia darauf hin, dass öffentliche Proteste es zumindest in Europa geschafft hätten, gentechnisch veränderte Organismen wenigstens einige Jahre vom Markt fern zu halten. Politiker fürchteten diesen Druck, aber für demokratische Verhältnisse sei diese öffentliche Debatte lebensnotwendig. Zum Aspekt, ob vergleichsweise die Frage zu GMOs nicht in den Hintergrund rücke vor der Tatsache, dass einige wenige äußerst leistungsfähige multinationale Konzerne allein das weltweite Nahrungssystem damit kontrollierten, meint Schick Garcia, dass Umweltschützer und Landwirte der Industrie mit ihren Protesten nur in die Hände gespielt hätten. Die Industrie würde immer erklären, man könne ja etwas anderes kaufen als beispielsweise gentechnisch manipulierte Nahrungsmittel. In unseren Läden würden wir hunderte von Produkten sehen, so dass für die Problematik bei den meisten StädterInnen, die gar keine Kontakte zur Landwirtschaft mehr hätten, keine Sensibilität gegenüber der Problematik bestünde. Gefahren für die eigene Gesundheit oder die der eigenen Familie würden nicht in Relation gesetzt.
Aber die Frage nach Gesundheit sei schwer zu ignorieren. Jede/r kenne jemand mit Krebs, jede/r wolle sich selbst und seine Angehörigen davor schützen. Darum werde die öffentliche Diskussion von industrieller Seite konsequent vermieden bzw. in eine andere Richtung gelenkt. Im Falle von Brustkrebs läuft diese umgelenkte Diskussion zu industriellen Errungenschaften, neuen Medizingeräten, Therapien etc. auf Hochtouren, während die Fragen nach Krankheitsursachen, abgesehen von genetischen Ansätzen, vernachlässigt bleiben. Es gäbe zwar Menschen und Organisationen, die seit Jahrzehnten gegen Chemikalien und Gifte aktiv seien und sich auch weiterhin damit beschäftigten, doch im Mainstream der Medien blieben sie unerwähnt, es bestünde kein Interesse am Thema.
Nach Alternativen befragt, wie das Ausmaß der chemischen Gifte zu vermeiden sei, meint Schick Garcia, es sei das Beste, im eigenen Garten zu beginnen. Produkte mit Inhaltsstoffen, die suspekt sind, sollten wir unter keinen Umständen kaufen, Wasser und Essig reichen als Reinigungsmittel aus. In den Schatten zu gehen, statt Sonnencreme zu verwenden, ist eine weitere Empfehlung, die Produkte enthielten teilweise Nanotechnologie und einige davon seien krebsauslösend.
Autarker ist besser für die Gesundheit – und das Bankkonto.
Emmanuelle Schick Garcia, Quelle Wikipedia, Creative Commons 3.0
Nach der Lösung befragt, aus diesem Kreislauf auszubrechen, beschreibt Emmanuelle Schick Garcia, dass sie selbst Einiges unternommen hat: Zunächst hat die Filmemacherin sich vom Auto, dem Fernseher, der Geschirrspülmaschine und dem Wäschetrockner getrennt, Reinigungsprodukte verändert, dann einen Garten angelegt und zuerst ihre Familie und dann die Freunde überzeugt, es ihr nach zu tun … Der Anfang brauche Zeit, aber wenn man einmal begonnen habe, ginge es leichter und leichter. Massenproteste seien es, definitiv, und: Spenden einstellen an Wohltätigkeitsorganisationen im Zusammenhang mit Krebs, aufhören, Menschen mit Interessenkonflikten zu wählen. „Wir haben täglich so viele Möglichkeiten.“ (We have so many opportunities every day.)
„Werden die gleichen Fehler wieder und wieder gemacht, ist es Zeit, über die Möglichkeit nachzudenken, dass sie überhaupt gar keine Fehler sind.“ (Naomi Klein, The Shock Doctrine – zitiert nach der Webseite >>> The Idiot Cycle – About the Film.) Deutlicher als das Filmplakat kann man kaum werden. Das Versuchstier um Hamsterrad ist tot.
Auch Hormone im Trinkwasser haben Auswirkungen auf die Entstehung von Krankheiten und Brustkrebs. Die kanadische Gesundheitswissenschaftlerin >>> Sharon Batt ist eine der Begründerinnen von Breast Cancer Action in Kanada. Sie ist spezialisiert auf neutrale Interessenvertretung in Sachen Gesundheit und industrieunabhängige Forschung. Medikamentenrückstände im Wasser, so z.B. bei der Aktion „Drugs in our Water“ (Medikamente in unserem Wasser) gehört auch zu ihren Themenspecials. Hier findet dieses Thema nur wenig Berücksichtigung, obwohl es wichtig wäre – auch im Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs.
Medikamente auf dem Weg ins Trinkwasser
Meere, Seen, Bäche und Flüsse, aber auch das Grundwasser werden mit den Überresten von Medikamenten kontaminiert. Medikamentereste, die vom Körper ausgeschieden werden, gelangen über das Abwasser ins Trinkwasser. Die wachsende Liste solcher Stoffe, die man im eigenen Trinkglas lieber nicht hätte, beinhaltet die Überreste von Schmerzmitteln, Antibiotika, Hormonen, Tranquilizern, Cholesterinsenkern, Epilepsie- und Krebsmedikamenten, auch wenn nicht nur Medikamentenrückstände allein das Problem sind.
Hinzu kommen weitere endokrine Disruptoren aus Moschusextrakten, Parfumrückständen und Phthalaten, einer Gruppe von Chemikalien, die sich in Kosmetika findet. Endokrine Disruptoren und Medikamentenrückstände spielen eine verhängnisvolle Rolle in ihren Auswirkungen auf die Gesundheit. Sie stehen im Verdacht, schwerwiegende Erkrankungen wie Brustkrebs zu begünstigen.
Wie werden wir mit Rückständen von Medikamenten kontaminiert?
Wir werden unfreiwillig mit Medikamentenrückständen von Medikamenten, die wir meist selbst gar nicht brauchen, kontaminiert. 50 bis 90% der eingenommenen Medikamente werden über den menschlichen Körper wieder ausgeschieden, sie landen auf diesem Weg im Abwasser. Man wisse noch nicht so genau, wie sich die Stoffe auf die menschliche Gesundheit auswirkten, doch die Tierwelt biete eine Vorschau auf die Auswirkungen, einschließlich Problemen mit der Fortpflanzung der eigenen Art bis hin zu Störungen des Gehirns, schreibt Batt. Seit einigen Jahren, so Batt in ihrem Artikel „Drugs in our Water“ (zuerst erschienen in “Globe and Mail” v. 31.03.2007, auch online beim >>> Canadian Women’s Health Network), arbeite die kanadische Regierung deswegen zum Schutz der in Kanada lebenden Menschen an dem Projekt >>> Environmental Impact Initiative (EII). Allerdings sei denkbar, dass die Initiative im Endeffekt mehr der Pharma- und Abwasserindustrie zugute käme. Da ein Großteil der Verschmutzung aus dem persönlichen und nicht dem industriellen Gebrauch stamme, sei eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit der Schlüssel zur Problemlösung. Der einfachste Weg, Umweltbelastungen abzubauen, sei es, weniger zu benutzen, und zwar durch uns alle. In unseren konsum- und verbrauchsorientierten Gesellschaften sind Empfehlungen für die Verringerung des Verbrauchs auf politischer Seite allerdings in der Regel Fehlanzeige.
Medikamente nicht über die Toilette entsorgen
Besonders wichtig sei es, nicht verwendete Medikamente nicht über die Toilette zu entsorgen. (Hinweis: In Deutschland nehmen Apotheken in der Regel nicht verbrauchte Medikamente zur ordnungsgemäßgen Vernichtung zurück. Sofern sie dieses einmal nicht tun, sind Medikamente über den Restmüll zu entsorgen.) Aber auch in der Landwirtschaft gelangen zu viele Medikamentenrückstände in Ab- und Grundwasser. Die bioaktiven Abfälle seien sehr wohl in der Lage, auch der menschlichen Gesundheit zu schaden, und zwar selbst dann, wenn sie schließlich in wieder aufbereitetem Wasser nur noch stark verdünnt sind. Medikamente würden bereits in geringer Konzentration wirken, und auch das Vermischen verschiedenster Medikamente im Wasser berge Gefahren. Besonders gefährdet durch bereits kleine Mengen der chemischen Gemische sei das menschliche Leben durch diese Verschmutzungen und Rückstände insbesondere in der Embryonalphase. Weil die Problematik noch nicht so alt ist, gibt es noch keine „sicheren Grenzwerte“.
„Wenn mein verschreibungspflichtiges Medikament in deinem Frühstückskaffee landet, ist jede Hausapotheke eine Angelegenheit des öffentlichen Interesses“, sagt Sharon Batt.
Vieles könne glücklicherweise getan werden, um den Verbrauch zu reduzieren, z.B.:
Reduktion von Werbung für nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Wer diese Werbung in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt hat, kann auch bei uns den starken Anstieg der Werbung für nicht verschreibungspflichtige Medikamente über sämtliche Medien sehr gut feststellen.
Verbot der Abgabe von Musterpackungen für Medikamente an ÄrztInnen.
Reduktion der Medikamentenmengen, die verordnet werden (auch diese Möglichkeit zum Nutzen und nicht zum Schaden unserer Gesundheit gibt es).
Herstellung kleinerer Medikamentenpackungen.
Berücksichtigung nicht toxischer Behandlungsalternativen.
Recyling statt Entsorgung bei einigen unbenutzten Medikamenten.
Verschwendung von Medikamenten kostet viele Millionen (Dollar, Euro …). Die Vermeidung eines nicht angemessenen Medikamentengebrauchs, des übermäßigen Gebrauchs oder Missbrauchs schützt Gesundheit, spart Geld und schützt auch die Umwelt. Alle können dazu beitragen, diese Logik umzusetzen.
Frauen sollen die Debatte anführen …
… sagt Sharon Batt. Ob Einkauf, Ernährung oder Medikamenteneinnahme, Frauen kümmern sich um ihre Familien, pflegen kranke Familienmitglieder und sie sind – leider – nach wie vor auch immer noch diejenigen, die die Hormonprodukte z.B. zur Schwangerschaftsverhütung einnehmen. Viele Medikamente werden genderspezifisch in den Markt gebracht. Lt. Batt sind Frauen auch die Hauptkonsumenten von Antidepressiva, die ihnen häufiger als Männern verordnet würden. Viele der Verschreibungsgewohnheiten spiegeln unnötige Medikalisierungen im Leben von Frauen, in denen normale, physiologische, gesunde Zustände wie Menstruation, Schwangerschaft, Geburt oder Menopause „behandelt“ werden.
Frauen sind auch die Hauptkonsumentinnen von Kosmetika, Parfums und Haarkosmetik, deren gesundheitliche Auswirkungen weder konsequent von den Frauen selbst erfragt, noch hinreichend erforscht werden. Beides muss sich ändern. Ihre Rückstände landen ebenso im Wasser, und wie bei Medikamenten verdichten sich die Hinweise, dass dieser Lebensstil zu Unfruchtbarkeit und schweren Krankheiten bis hin zu Krebs und Brustkrebs führen kann.
Frauen sind nach Batt auch diejenigen, die an diesen Themen am meisten interessiert sind. Sie haben ein Interesse am sicheren Gebrauch und der sicheren Entsorgung von Medikamenten, auch dann, wenn es unbequemer ist, so hat es eine Health Canada-Studie des >>> EARP (Environmental Assessment Regulations Project) gezeigt. Dieses Projekt zur gesetzlichen Regulierung von Produkten, die Umweltschäden verursachen können, hat in Kanada für verschiedene neue gesetzliche Regelungen gesorgt. So müssen neue Produkte wie Medikamente gemäß Health Canada dort ihre Unschädlichkeit für die Umwelt bereits vor der Verbreitung durch Sicherheitstests belegen. Die Tests sollen auch für bereits auf dem Markt befindliche Produkte eingeführt werden. Einige Hersteller seien nervös, man befürchte die Kosten der Tests, eine Verlangsamung bzw. im Einzelfall gar die Unmöglichkeit der Vermarktung. Doch diese natürlichen Fragen für die Hersteller seien schlicht die falschen Fragen in Bezug auf Gesundheits- und Umweltschutz.
Drugs in our Water Campaign: Mit Video. Sharon Batt berichtet über den sorglosen Umgang mit Medikamenten und deren Entsorgung (leider bisher nur in englischer Sprache)
Biene im Raps, Photo Claus Rebler, Creative Commons 2.0
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) sowie der Deutsche Berufs und Erwerbs Imker Bund e.V. (DBIB) weisen in einem in diesem Monat veröffentlichten Hintergrundpapier auf die Gefahren durch bestimmte Pestizide – sogenannte Neonicotinoide – hin. Viele Bienenvölker sterben durch den Einsatz von Pestiziden. Bereits vor zwei Jahren sind durch ein Insektizid, das Clothianidin (ebenfalls ein Neonicotinoid), bei uns 20.000 Bienenvölker getötet oder schwer geschädigt worden.
Was Bienen tötet, landet über die Nahrungskette – zum Beispiel über Honig – auch im Menschen.
In der Landwirtschaft werden Menschen und Bienen gefährdende Pestizide beim Raps-, Mais-, Gemüse- und Getreideanbau weiter eingesetzt, informiert >>> BUND in seiner aktuellen Pressemeldung. BUND und DBIB weisen erneut auf die Gefahren hin und haben dabei das von der Firma Bayer CropScience hergestellte Clothianidin im Visier. Die Firma Bayer CropScience habe zwar die Wirkung von Clothianidin auf Sommerraps getestet und für unbedenklich erklärt, schreibt der BUND. Doch die Ergebnisse ließen sich nicht auf Winterraps übertragen. Honigbienen nutzen den Nektar von Winterraps als Nahrungsreserve und zur Fütterung ihres Nachwuchses. Die Anwendung von Clothianidin sei insbesondere bei Winterraps mit großen Risiken verbunden, so Manfred Hederer, Präsident des DBIB, in der heutigen BUND-Pressemeldung. BUND fordert den unverzüglichen Widerruf der Zulassungen für bienengefährdende Neonicotinoide.
Viele Pestizide stehen im Verdacht, auch für schwerwiegende gesundheitliche Probleme wie Krebs verantwortlich zu sein. Einige von ihnen werden mit dem Auftreten von Brustkrebs in Verbindung gebracht, hier weitere >>> siehe Berichte lesen.
Was können wir noch essen?
Kann man Honig überhaupt noch unbedenklich essen? Oder lauert das „Brustkrebsrisiko“ nun auch in einem Produkt, von dem viele annehmen oder zumindest hoffen, dass es noch gesund ist? Bleibt der Einkauf von Honig aus kontrolliertem ökologischen Landbau als sicherere Alternative?
Das doppelte Geschäft
Bayer arbeitet auch im Brustkrebsbereich. Mit eigener Forschung wird lt. Angaben der Bayer-Webseite in enger Kooperation mit Universitätskliniken an einer Identifizierung von Biomarkern geforscht, um Unterschiede zwischen den Tumoren diagnostizierbar zu machen. Doch ist der Tumor da, stirbt jede zweite Patientin. Wir müssen lernen, konsequent alle Ansätze der Brustkrebsvermeidung zu nutzen. Wer sich auf den Bayer-Brustkrebsseiten informiert, kann gleich zu Bayer CropScience im linken Menü weiterclicken.
Die Erkenntnis ist nicht neu, viele Chemiekonzerne verdienen doppelt: Mit dem Verkauf der als Krebs verursachend eingestuften Chemikalien und mit Produkten und teuren Medikamenten, die dann wieder den Krebs im Körper des Menschen bekämpfen sollen. Was wie ein unendliches, hohe Profite versprechendes „Arbeitsbeschaffungsprogramm“ aussieht, ist eine verkehrte Welt, die tödlich enden kann.
Nicht nur Menschen und Bienen sind gefährdet, auch unzählige andere Insekten, Vögel und Kleintiere. So weist auch der BUND jetzt erneut darauf hin, dass die toxischen und hormonellen Wirkungen der Neonicotinoide im Verdacht stünden, beim Menschen Krebs auszulösen. Erforderlich sei Ökolandbau, der auf den Einsatz von Pestiziden verzichte.
Sandra Steingraber Reihe 5 / berichtet von G. Kemper
Filmplakat Living Downstream, steingraber.com
Am 15. Juni 2010 ist der 2. Teil von >>> Sandra Steingrabers Bericht zum >>> President’s Cancer Panel in der >>> Huffington Post erschienen. Steingraber berichtet, dass sie sich als Biologin fachlich in die Arbeit eingebracht hat, doch als sie den Bericht las, an ihre eigene Krebsdiagnose im Jahr 1979 denken musste.
Gefährdende Substanzen sind lange bekannt
Die Situation damals erschien ihr surreal: Ärzte fragten sie, ob sie schon einmal mit geschmolzenem Aluminium oder Materialien aus der Produktion von Autoreifen in Berührung gekommen sei oder ob sie Kontakt zu Stoffen aus chemischen Reinigungen gehabt hätte. Es erschien ihr verrückt, denn sie habe natürlich kein Aluminium geschmolzen und erst der Besuch in einer Bibliothek einige Wochen später habe ihr klargemacht, warum man ihr diese Fragen gestellt hatte. Und es seien die richtigen Fragen gewesen. Blasenkrebs wäre eine Krebserkrankung, die typischerweise durch Kontaminationen in der Umwelt verursacht werde, und die Chemikalien, die dafür verantwortlich gemacht werden, sind lange bekannt. Es wäre ein Leichtes gewesen, bereits vor vielen Jahren diese gefährlichen Stoffe, die Blasenkrebs auslösen, in Produktion, Gebrauch und Entsorgung aus dem Verkehr zu ziehen. Viele Chemikalien stehen außerdem auch im Verdacht, an der Auslösung von Brustkrebs beteiligt zu sein, s. dazu auch >>> Die Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Umwelt (State of the Evidence).
Missverhältnis bei der Informationsvermittlung
Steingraber beklagt im Teil 2 ihrer Huffington Post-Reportage weiterhin das Missverhältnis zwischen dem Wissen, das über das Krebs auslösende Potential im Zusammenhang mit chemischen Kontaminationen bekannt sei – nämlich eine ganze Menge –, und dem, was KrebspatientInnen gesagt werde – nämlich ziemlich wenig, üblicherweise.
Mit Genetik in die falsche Richtung
Andere Diskussionen, die ihr außerdem die Augen geöffnet hätten, waren diejenigen, bei denen sie nach ihrer familiären Belastung gefragt worden sei. Sie und ihre Mutter erkrankten zeitgleich an Krebs, die Mutter jedoch an Brustkrebs. Aber: Steingraber war adoptiert. Auch ihre Tante erkrankte an der gleichen Krebsart wie Sandra Steingraber, Blasenkrebs. Aber eine „familiäre“ – also genetische – Belastung konnte es ja nicht sein.
Der President’s Cancer Panel-Bericht bilde Brücken über diese Missverhältnisse hinweg.
Brücke I: Öffentlichkeitsarbeit für Karzinogene
Der Bericht stelle klar, dass die massiven Schäden durch Umweltkarzinogene nicht adäquat in das nationale Programm zur Bekämpfung von Krebs aufgenommen worden seien, und dass sowohl die Öffentlichkeit wie auch an Krebs Erkrankte sich weithin nicht darüber im Klaren seien, dass die Belege dafür, dass Umweltbelastungen auch Krebs auslösten, zunähmen. Der Bericht hole sie aus den entlegenen Winkeln der wissenschaftlichen Literatur und stelle sie in die Öffentlichkeit.
Brücke II: Politik muss ihrer Verantwortung in der Chemikaliengesetzgebung gerecht werden
Ordnunspolitische Ansätze im Zusammenhang mit Umweltschadstoffen funktionierten nicht. Sie würden nur fragmentarisch wahrgenommen, seien unterfinanziert und würden aufgeweicht, da sie industriell beeinflusst seien. Außerdem mangele es am politischen Willen, sich den Erkenntnissen zu stellen und Gefahren zu erkennen und zu beseitigen. Die Chemikaliengesetzgebung sei entsprechend der wissenschaftlichen Erkenntnis anzupassen. Aus europäischer Perspektive betrachtet sind diese Berichte nicht gerade neu, denn mit der europäischen Chemikaliengesetzgebung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) gab es in Europa bereits intensivere Ansätze für Verbesserungen, die aber dem von Steingraber beschriebenen Phänomen der Aufweichung bereits mehr oder weniger wieder zum Opfer gefallen sind (s. dazu auch: >>> Lobbyismus in der EU: Kapitulation im Kampf gegen Krebserreger von Nils Klawitter, Spiegel online v. 28.01.2007).
Abgesehen von dem aktuell vorliegenden Bericht des President’s Cancer Panel gibt es aber bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass nun ausgerechnet die Vereinigten Staaten diejenigen sein werden, die zeigen, wie man zu einer funktionierenden Chemikalienverordnung, die Gesundheit vor Profite stellt, kommen könnte. Zunächst ist eher mit weiteren Gesundheitsgefährdungen zu rechnen, denn auch gentechnisch veränderte Lebensmittel sind auf dem Vormarsch. Bereits 60 bis 80% unserer Lebensmittel heute sollen lt. Schätzungen bereits in irgendeiner Weise mit Gentechnik in Berührung gekommen sein.
Umweltdetektivin werden
Steingraber jedenfalls kehrte 15 Jahre nach ihrer Ersterkrankung an Krebs zurück in ihre Heimatstadt, um sich dort als Umweltdetektivin an die Arbeit zu machen, zurück zu den ökologischen Wurzeln sozusagen. Und sie entdeckte, dass das Trinkwasser teilweise kontaminiert war mit Rückständen, wie sie von chemischen Reinigungen verwendet werden, bekannte Karzinogene also. Wir alle müssten UmweltdetektivInnen werden, meint Steingraber dazu, nicht ohne wieder einige sehr emotional gestaltete Aspekte einzuflechten, um den Ursachen für Krebserkrankungen in unserer Lebensumwelt auf die Spur zu kommen und mehr Gewicht zu geben, denn die Krebsraten z.B. bei Krebserkrankungen des Kopfes stiegen bereits im Kindesalter an. Und was sollten wir den Kindern zukünftiger Generationen einmal sagen, wenn wir diese Entwicklungen ignorierten?
In unserem Leben sind wir heute – meistens ungefragt und unfreiwillig – unzähligen chemischen und anderen Belastungen, die Brustkrebs auslösen oder in der Entstehung fördern können, ausgesetzt. Wir berichten hier über kritische Fragestellungen, Möglichkeiten der Vermeidung und des Selbstschutzes und Wege zur Veränderung …